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A - \f
SANTA CRUZ
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Soeben erschienen
Sternverzeichnis
enthaltend
alle Sterne bis zur 6.51^* Gröfse
für das Jahr 1900.0.
Bearbeitet auf Grund der genauen Kataloge und zusammengestellt
von
J. und R. Ambronn.
Mit einem erläuternden Vorwort versehen
und herausgegeben
von
Dr. L. Ambronn,
Professor der Astronomie an der Universität Ghöttingen
Berlin.
Verlag von Julius Springer.
1907.
195 Selten, Lex.-8^ mit 2 Zahlentafeln. — In Leinwand geb. Preis M. 10,—.
in Leinwand gebunden und mit Schreibpapier durchschossen Preis M. 12,—.
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CALIFORNIA
SANTA CRUZ
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Die
binokularen Instrumente
Nach Quellen bearbeitet
Moritz von Bohr
Dr. phil., Wissenschaftlichem Mitarbeiter der optischen Werkstätte
von Gar] Zeiss in Jena
Mit 90 Textfiguren
Berlin
Verlag von Julius Springer
1907
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Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten.
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QC
311
Vorwort.
Die quellenmäßige Darstellung der Entwicklung der binokularen In-
strumente hat in erster Linie einen historischen Zweck; sie soll die
meistens übersehenen Prioritätsrechte der älteren und verdienstvolleren
Generation feststellen und dadurch die Möglichkeit bieten, die auf Un-
kenntnis des Früheren zurückzuführenden Nacherfindungen von Instru-
menten zu vermeiden, wie sie in der neueren Zeit beinahe zur Regel
geworden sind. In diesem Sinne steht die Schrift etwa auf derselben
Stufe wie meine 1899 veröffentlichte Theorie und Geschichte des photo-
graphischen Objektivs, nur geht sie weniger auf die Einzelheiten ein,
weil das Interesse an den binokularen Instrumenten nicht so groß ist,
und die Urheberschaft sowie der Zeitpunkt wesentlicher Änderungen nicht
immer so leicht festgestellt werden konnten wie bei den verschiedenen
Objektivtypen. Ich habe ferner eine Behandlung der allemeuesten (über
das Jahr 1900 hinausgehenden) Geschichte dieser Instrumente vermieden,
weil ich ihr gar zu nahe stehe: Herr C. Pulfrich, mein Kollege, hat
seine mit Recht allgemein anerkannten Instrumente selber so eingehend
beschrieben, daß ich es für sie bei einem Hinweise im Literaturverzeich-
nis bewenden lassen konnte. Und was meine eigene Tätigkeit an dem
angeht, was ich noch 1903 für eine neue Begründung der Theorie der
binokularen Instrumente hielt, so hat mich eine eingehendere Durch-
forschung der älteren Literatur erkennen lassen, daß man mit einem
solchen Unterfangen nur offene Türen einrennt. Es ist nur noch übrig,
die schöne Auffassung des Sehvorganges, die die wissenschaftliche Welt
Herrn A. Gullstband verdankt, dem folgerichtigen System der binoku-
laren Wahrnehmung einzupassen, das die ältere Generation ihren Nach-
fahren hinterlassen hat. Die Lehre von den binokularen Instrumenten
hat schwerUch mehr große Überraschungen zu bieten: sie stellt sich —
zum Bedauern des ausführenden Optikers — im Wesentlichen als ab-
geschlossen dar.
Ich nehme übrigens durchaus nicht an, meine historische Dar-
stellung sei lückenlos. Das kann sie schon aus dem Grunde nicht sein,
weil mir frühere Zusammenstellungen über binokulare Instrumente über-
haupt nicht zu Gesicht gekommen sind. Das Stereoskop allein ist da-
I*
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IV Vorwort.
gegen häufiger behandelt worden. Die reichhaltigste Literatursammlung
dazu findet sich in der HELMHOLXzischen Physiologischen Optik; sie be-
rücksichtigt zwar die eigentlich wissenschaftliche Literatur, läßt aber die
fast noch wichtigere photographische fast ganz außer acht, und die aus
den Kreisen der Photographen stammenden Schriften geben äußerst
selten auch nur einige historische Nachweise. Ich muß daher um eine
nachsichtige Beurteilung meiner Arbeit bitten und will nur noch dem
Wunsche Raum geben, es möchten die von mir gelassenen Lücken von
anderer Seite geschlossen werden.
Ein weiterer Zweck meiner Darstellung ist aber der, eine andere
Auffassung von dem Wesen der binokularen Instrumente zu begründen
als sie bisher üblich gewesen ist. Auch noch in neuerer Zeit werden
sie nicht im Zusammenhange dargestellt, sondern es wird meistens nur
das Stereoskop als ihr wichtigster Vertreter behandelt; man begegnet
dabei nicht selten der Auffassung, als sei dieses Instrument eine be-
sonders pfiffig gebaute Lupe und stehe etwa mit den andern Instru-
menten zu subjektivem Gebrauch in einem Fach. Es scheint mir dem-
gegenüber der nachdrückUche Hinweis auf die durchaus nicht neue Er-
kenntnis wünschenswert, daß alle, aber auch wirkHch alle Iristrumente
für subjektiven Gebrauch eingerichtet werden können zur Benutzung
beider Augen, und daß sie unter gewissen, genau zu umgrenzenden Be-
dingungen den unokularen Instrumenten genau so überlegen sein müssen
wie der Zweiäugige dem Einäugigen.
Wenn unsere theoretische Optik, die bisher fast stets ihre Tätigkeit
einstellte, sobald die Beziehung des Bildes zum Instrument erledigt war,
sich darauf besinnt, daß für den sehenden Menschen dieses Bild auch
noch auf das Auge zu beziehen ist, wenn sie also die alte „Sehe-Kunst"
aus der Rumpelkammer hervorholt, so werden auch die binokularen
Instrumente ihre richtige Stellung in dem System der Optik erhalten.
Jena, im September 1907.
Moritz von Bohr.
Die im theoretischen und historischen Teil vorkommen-
den, fetten Kursivzahlen hinter einem Automamen beziehen
sich auf die Ordnungszahlen im Literaturverzeichnis (S. 204
bis 223), die gewöhnlichen Kursivzahlen auf die Seitenzahlen
der zitierten Arbeit.
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Inhaltsverzeichnis.
(Die Ziffern beziehen sich auf die Seitenzahl.)
L Theoretischer TeiL
Einleitung« 3. — Die Wirkungsweise der Augen und die RoUe des Aufnahme-
objektiys. 3. — Die Vergleichung des Raumbildes mit dem Objekt. 4.
Das Sehen mit einem Auge. 5. — Das Abbild des Objekts für das direkte
Sehen. 6. — Die Fällperspektiven. 5. — Die verkleinerte Abbildskopie. 6. —
Die Folgen einer Änderung der Gesichtswinkel. 7.
Das Sehen mit beiden Augen. 9. — Der Hauptkonvergenzpunkt für die
Konstruktion der Abbilder. 9. — Die Grenze der stereoskopischen Wahrnehmung. 10.
— Porrhallaktische und homöomorphe Instrumente. II. — Die Relief Perspektive. 12.
— Das pseudomorphe Raumbild. 13. — Die orthopische Augenstellung bei ein-
heitlich wirkenden Instrumenten. 14. — Die bei Doppelinstrumenten möglichen
Augenstellungen. 15. — Die Pseudomorphie als Folge der chiastopischen Augen-
stellung. 15. — Die Herstellung physischer Abbildskopien in den Stereoskop-
cameras. 16. — Ihre Betrachtung mit freien Augen. 17. — Ihre Betrachtung in
Stereoskopapparaten. 18.
IL Historischer Teil.
1. Die Zeit vor Ch. Wheatstone und die moderne Entwicklang
der holländischen Doppelfemrohre.
Die Zelt yor Ch. Wheatstone. 23. — Die Doppelfemrohre von J. Lipper-
HEY 23 — und D. Chorez. 23. — A. M.Schyrls Doppelfemrohre und seine Messung des
Pupillenabstandes. 24. — Ch^rubin d'Orli^ans Doppelinstmmente und seine Messung
des Pupillenabstandes. 2Ö. — A. Kirchers und Z. Trabers Versuche mit dem von
einem Hohlspiegel entworfenen Bildrelief. 26. — Chärubin d'Orl£ans Theo-
rien. 27. — J. Zahns Messung des Pupillenabstandes. 28. — Die stereoskopischen
Experimente und das erste Stereogramm von R. Smith. 28. — Die Versuche zur
Tiefenwahmehmung und die Theorie des beidäugigen Sehens von J. Harris. 30. —
J. H. Lamberts Experimente mit dem von einer Sammellinse entworfenen Bild-
relief. 31. — Die Versuche zur beidäugigen Farbenmischung von J. Janin und
Ch. de Haldat. 32. — A. Zachariäs Experimente mit dem Hohlspiegel. 33.
Die Entwieklimg der holländiseheii DoppeUemrohre. 34. — Die Sonder-
Stellung der Doppelgläser. 34. — Das Privilegium Fr. VoiaTLÄNDERs. 34. — Die
Arbeiten J. Ph. Lemi^sres. 35. — Die allmähliche Einführung der doppelten Opern-
gläser. 36. — Die wichtigsten Abänderungen der ursprünglichen Form. 37. — Ein
Rückblick auf den behandelten Zeitraum. 37.
2. Das Spiegelstereoskop Ch. Wheatstones and die Zeit bis zur
Erfindung des Brewster sehen Prismenstereoskops.
Ch. Wheatstones Andeutung und sein großer Vortrag. 39. — Der Wider-
spruch von E. Bbückb und C. Th. Toürtual. 43. — Die Meyer sehen Tapeten-
bilder. 45. — Ch. Wheatstones Versuche, Halbbilder mit Hilfe der Photographie
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VI Inhaltsverzeichnis.
zu erzielen. 46. — Die entsprechenden Versuche L. Mosebs. 46. — Sir David
Bbewstebs Stellung, seine Tapetenbilder und sein stereoskopisches Kontroll-
verfahren. 47. — Das Problem der »»flatternden Herzen". 48. — Sir David
Bbewstebs Farbenstereoskop. 49. — Seine Verwendung von Halblinsen. 49. —
Die Modellwirkung von Aufnahmen mit großem Objektivabstande. 49. — Eine
moderne Ableitung der an die Bbewsteb sehen Halblinsen zu stellenden Forde-
rungen. 50. — Die Verwendung des Amici sehen Reflexionsprismas für das Stereoskop
durch Sir David Bbewsteb und H. W. Dove. 53. — Weitere Stereoskopformen
nach Sir David Bbewsteb. 55. — Ein Bückblick auf den behandelten Zeitraum. 55.
3. Die Zeit des aUgemeinen Interesses am Stereoskop
in den fünfziger Jahren.
Die Vorbereitung auf den praktischen Erfolg. 57. — Sir David Bbewstebs
Verbindung mit J. DuBOSCQ. 57. — Die Dove sehen Farbenmischungsversuche und
das Femrohrstereoskop. 57. — H. W. DovEs Prismenstereoskop und seine Abarten. 60.
— Die Halbbilder verschiedener Größe. 62. — Die Duboscq sehen Formen. 62. —
Der zweite Vortrag Ch. Wheatstones. 64. — Sein Vorschlag für ein abgeändertes
Spiegelstereoskop. 69. — Die ELLiOTSche Prioritätsreklamation. 69.
Die Ausbildung der binokularen Mikroskope. 70. — Die BiDDSLLsche Erfin-
dung. 70. — Ch. Wheatstones Vorschläge für mikrophotographische Stereogramme. 71.
— F. H. Wenhams pseudoskopische Binokularmikroskope. 71. — J. L. Biddells
orthoskopisches Binokularmikroskop 72 — und sein Vorschlag für mikrophotographische
Stereogramme. 73. — A. Nachets Binokularmikroskop. 73. — F. H. Wenhams theo-
retische Ansichten und seine Methoden für mikrophotographische Aufnahmen. 73.
Die Praxis der stereoskopisehen Aufnahmen. 75. — Der Konvergenz-
winkel bei den photographischen Aufnahmen. 75. — Die BABNABDsche Spiegel-
anordnung für stereoskopische Simultanaufnahmen mit einem Objektiv. 76. —
L. Clabes Konvergenzaufnahmen mit einer Camera. 78. — A. Claudets Kon-
vergenzaufnahmen mit einer Doppelcamera. 78. — Die Parallelcameras. 79. — Sir
David Bbewstebs Vorschriften für Konvergenzaufnahmen. 79. — Seine Durch-
dringungsbilder. 80.
Die stereoskopisehen Betraehtungsapparate. 81. — Sir David Bbewstebs
Femrohrstereoskop. 81. — A. Claudets Stereoskop. 81. — W. Habdies Pseudoskop
und Telestereoskop. 81. — W. Rollmanns stereoskopische Methoden. 82. —
F. H. Wenhams Eikonoskop. 83. — Dem Wheatstone sehen Linsenstereoskop ver-
wandte Apparate. 84. — Die letzten Stereoskope Sir David Bbewstebs. 84. —
A. Claudets Bilder für das Prismenstereoskop. 85. — Der FAYEsche Vorschlag. 85.
— Die Tiefensteigerung für stereoskopische Aufnahmen nach W. Cbookes 86. —
Das HELMHOLTzische Telestereoskop und die spätere Abänderung seiner Theorie 87.
— Die Prioritätsansprüche von A. Claude t 87, — von W. Habdib 88 — und von
F. H. Wenham. 88. — Das DoNASische Physioskop 89. — Die Methoden von
J. Ch. d'Almeida. 89. — Die Stereoskope von . . Bennett und H. Swan. 90.
H. W. DoVEs Stellung in der Stereoskopie. 90. — Seine späteren Arbeiten
mit dem Stereoskop. 91. — Seine Theorie des Glanzes. 92. — Die Versuche
J. J. Oppels über den Glanz und das Glitzern. 93.
Die Angriffe Sir David Brewsters auf Ch. Wheatstone. 94. —
Die Entwicklung des Stereoskops nach der Bbewsteb sehen Darstellimg. 94. —
Der Ausbruch offnen Streits nach der Verö£fentlichung des Faye sehen Verfahrens. 95.
— Die angeblichen Stereogramme aus der Renaissancezeit. 95. — E. Emebsons
Widerlegung der Bbewsteb sehen Argumente. 96.
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Inhaltsverzeichnis. VII
Die Ansichten über Homöomorphie und verwandte Gebiete. 97. —
A. Claxtdbts Betonung der Homöomorphie mid sein Telestereoskop mit vierfacher
Femrohrvergrößening. 97. — Seine Theorie und sein Streit mit M. A. Ga.üdin. 98.
— Der Tiefenwert einer symmetrischen Horizontalverschiebung der Halbbilder. 99.
— W. J. Reads Demonstration des gleichmäßig vergrößerten Baumbildes. 99. —
Th. Sxtttons Theorie des Spiegel- und des Prismenstereoskops. 100. — Die Theorie
des tautomorphen Linsenstereoskops nach Th. Sütton und G. B. Aiby. 100. — Die
Unzweokmäßigkeit des gewöhnlichen Prismenstereoskops für Konvergenzbilder. 101.
— G. B. AiRYs verkleinerte Raumbilder. 101. — Warren de la Rües Stereoskop
für homöomorphe MondbUder. 101. — Seine Jupiter- und Sonnenaufnahmen. 102. —
Sir John Herschels verkleinerte RaumbUder. 102. — Sein Hinweis auf das Tele-
stereoskop seines Sohnes. 103. — Das Relief auf der Mattscheibe nach A. Claudet. 103.
— Sein Stereomonoskop. 104. — Die Sang sehe Verkörperung von Kupferstichen. 105.
— Die physiologischen Arbeiten von W. B. Rogers. 106. — J. Tyndalls histori-
sche Arbeiten. 106. — J. M. Hessemers geometrische Konstruktion stereoskopischer
Halbbilder. 106. — J. J. Oppels Entdeckung der Unmöglichkeit, neben der Haupt-
perspektive die Füllperspektiven im Stereoskop wiederzugeben. 107. — Ein Rück-
blick auf den behandelten Zeitraum. 109.
4. Der Niedergang der Stereoskopie in den sechziger Jahren.
Die weitere Yeryollkommnung der binokularen Mikroskope. 111. —
F. H. Wenhams orthoskopisches Refraktionsprisma. 111. — Sein Reflexionsprisma 112
— und seine mikrophotographischen Aufnahmen für Stereogramme. 113. — R. Becks
binokulare Lupe. 1 14. — Das stereoskopische Okular von R. B. Tolles. 1 14. — Das
Binokularmikroskop von Powell & Lealand 114, — von F. H. Wbnham. 115. —
Das stereo-pseudoskopische Binokularmikroskop von A. Nachet 116 — und die
Abänderungsvorschläge von Ch. Heisch. 116.
Die Praxis der stereoskopischen Aufnahmen. 117. — A. Osts englische
Regeln. 117. — Das Buch von H. de LA Blanch^re. 117. — Die Stereoskopcamera
von Th. Ross. 118. — Die Miniaturaufnahmen von Ch. Piazzi SmytH und ihre
Verwendung zur Herstellung von Stereogrammen. 118. — Die geschäftliche Her-
stellung vollendeter Stereogramme und die Ursachen ihres Verfalls. 119.
Die Betrachtnngsapparate. 120. — Die Stereoskope von . . Schmalen-
BEBGER 120, — A. Claudet 121, — J. Clerk Maxwell 121. — Das Mikrostereoskop
von J. Czermak. 121. — Die SwANsohen Miniaturbüsten. 121. — Die beidäugige
Betrachtung von Einzelbildern nach Th. Wharton Jones. 123. — Die Stereoskope
von Th. Sxttton 123, — Ch. Piazzi Smyth 124, — H. Helmholtz 124, — J. H. War-
ner 125, — E. Emerson 125 — und 0. W. Holmes. 125. — Die Herstellung
von Schundstereoskopen. 126.
Die theoretischen Ansichten. 127. — A. Claxtdet über das Telestereoskop 127
und die Genauigkeit der stereoskopischen Lokalisation. 127. — H. W. Doves letzte
Arbeiten. 128. — F. H. Wenhams Vorschlag für Identitätsprüfimgen. 129. —
Th. Sutton über das Raumbild 129 und seine Empfehlung des Wheatstone sehen
Linsenstereoskops. 129. — R. H. Bow über die Homöomorphie 130 und über die Theorie
des Stereoskops und anderer Doppelinstrumente. 132. — O. Rollbts Telestereoskop
aus Glasplatten. 133. — Seine Versuche zur stereoskopischen Entfemimgsmessung. 133.
— E. Machs Durchdringungsbilder. 135. — Seine Vorschläge zur stereoskopischen
Entfernungsmessung. 135. — E. Javals Doppellupe 137. — H. Helmholtzs
Förderung der Theorie 137 — imd seine Ablehnung einer besonders hohen Lokali-
sationsgenauigkeit. 138. — Ein Rückblick auf den behandelten Zeitraum. 138.
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VIII Inhaltsverzeichnis.
5. Der Tiefstand des Interesses in den siebziger und aelitziger
Jahren.
Die Arbeiten J. W. Stephensons am Binokularmikroskop. 141. — F. H. Wbnhams
letzte Leistungen. 141. — Das stereoskopische Okular von A. Pbazmowskl 142.
J. Hbmdsbsons Ansichten über die Stereoskopie. 142. — Der Streit zwischen
Th. Button und den beiden Gbübbs. 142. — Die verschiedenen Stereoskope von
H. Geubb. 143. — Ein Kopierapparat nach dem DiBOKSischen Prinzip. 145. —
A. Stbinhausbbs Stereoskope mit gekreuzten und gleichgerichteten Blickrich-
tungen. 146. — Th. Hügels theoretische Arbeiten. 149. — Das Stereoskop und
die Binokularmikroskope von H. Goltzsch. 151. — E. Abbes Theorie der binoku-
laren Mikroskope und sein stereoskopisches Okular. 154. — Der Widerspruch
W. B. Cabpbntebs. 156. — A. C. Meecees Zustimmung. 157. — Das Stereoskop
von W. LE Contb Stevens. 157. — Die Whrksamkeit J. Habmebs für die Ver-
wendung stereoskopischer Messungsverfahren. 158. — Die Anteilnahme der Fach-
kreise an ähnlichen Ideen. 160. — Die Wbstien sehen Doppellupen. 161. — Ein
Bückblick auf den behandelten Zeitraum. 161.
6. Das Erwaelien des Interesses in den neunziger Jahren.
Die Förderung der stereoskopisehen Photographie und der Stereoskope. 162.
— L. Ducos DuHAUBONS Verfahren. 162. — J. Andebtons stereoskopische Pro-
jektion. 163. — Die Kbause sehen Aufnahmen. 163. — Th. Bbowns Stereo- Photo-
Duplicon. 164. — Stereoskopische Aufnahmen mit Röntgen sehen Strahlen nach
E. Mach, P. Czebmak, M. Davidson und Th. Güilloz. 166. — F. Stolzes Ortho-
stereoskop. 167. — F. Deouins Methoden. 167. — Die DiCKSONSche Camera. 169.
— H. H. Hills Apparat für die beidäugige Betrachtung von Einzelbildern. 170. —
Die Lehrbücher von F. Stolze und L. Cazes. 170.
Die Einführung der neuen Doppelfemrohre. 172. — Die Vorgängerschaften
von A. A. BouLANGEB, C. Nachet und C. D. Ahbens. 172. — E. Abbes Femrohre
mit wesentlich erweitertem Objektivabstande. 175. — Der Einführungsvortrag von
S. CzAPSKL 176. — G. HiBTHs Erkenntnis der porrhallaktischen Wirkung. 176. —
Theatergläser von C. Zeiss mit verkleinertem Objektivabstande. 177. — Die Her-
stellimg von Prismen-Doppelgläsem in Deutschland und im Auslande. 177.
Der stereoskopisehe Entfernungsmesser und die mit ihm zusammen-
hängenden Instrumente. 179. — Die Vorgängerschaften von J. Mies und
F. Stolze. 179. — Die Idee von H. de GeoüSILLIEES und ihre Verwirklichung durch
E. Abbe und C. Pülfbich. 180. — E. Hebings Erklärung der Messungsgenauig-
keit. 182. — C. PüLFBiCHS Ausbildung der stereoskopischen Meßapparate. 182. —
Die Messungen von T. Mabie und H. Ribaut am homöomorphen Raumbilde. 183.
Das GREENOUOHsehe Doppelmikroskop und die daraus abgeleiteten
Instrumente. 184. — H. S. Gbeenoüghs Idee des orthomorphen Doppelmikro-
skops. 184. — Der Bau des Doppelmikroskops bei 0. Zeiss. 184. — Seine Theorie
nach S. Czapskl 186. — Die DBÜNEBsche Camera. 186. — Das für die Dbüneb-
sche Camera passende Stereoskop nach M. von Rohe und A. Köhleb. 186.
Eüi Rückblick auf die gesamte Entwicklung. 188.
III. Systematischer Teil.
Vorbemerkungen. 193. — Systematische Anordnung. 196.
Literaturverzeichnis 204.
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I. Theoretischer Teil.
V. Rohr, Binokulare Instrumente.
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Einleitung.
Wenn die optische Literatur über das Stereoskop, von gelegentlichen
Aufsätzen und von Leitfäden zur Anfertigung von Stereogrammen abge-
sehen, nicht groß ist, so liegt das wohl hauptsächlich an der Kompliziert-
heit der Aufgabe, vor die der Optiker gestellt wird. Einmal sind die
Funktionen der Augen bei der Benutzung der hierhergehörigen Instrumente
nicht ganz einfach, und ferner ist die Beziehung zu den photographischen
Verfahren so eng, daß eine genauere Bekanntschaft mit den Vorgängen
bei der photographischen Aufnahme notwendig ist.
Nach beiden Richtungen hin waren nun lange Zeit hindurch große
Lücken vorhanden. Wohl hatten die Physiologen seit der Erfindung des
Stereoskops und zum guten Teil mit Hilfe dieses Instruments die
Wirkungsweise der Augen erforscht, aber sie drückten ihre Resultate in
einer solchen Weise aus, daß die Optiker das für ihre Zwecke
wichtige daraus nicht entnommen haben. Auf der andern Seite war zwar
das allgemeine Prinzip schon von E. Abbe aufgestellt worden, wonach
der Abbildungsvorgang beim photographischen Objektiv behandelt
werden konnte, aber es fehlte die Durchführung im einzelnen, so daß
die Anwendung der allgemeinen Lehre auf die vorliegenden Fälle unter-
bheb. Wenn nun die zuletzterwähnte Lücke verhältnismäßig leicht aus-
zufüllen war und tatsächlich gleichsam zufällig geschlossen wurde, so
blieb die erste um so länger offen stehen, weil in einer geradezu er-
staunlichen Verblendimg bei der Behandlung der verschiedenen Instru-
mente der eigenthche Sehvorgang wieder und immer wieder unberück-
sichtigt gelassen wurde. Eine befriedigende Behandlung der hier vor-
liegenden Aufgaben wurde erst möghch, als der Ophthalmologe Allvak
GuLLSTRAND die Optiker gelehrt hatte, das Auge im direkten Sehen als
ein System aufzufassen, das von den künstlichen Instrumenten prinzipiell
verschieden sei.
1*
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4 I. Theoretischer Teil.
Als dieser Unterschied klar geworden war, machte die Theorie des
Stereoskops und der verwandten Instrumente keine besonderen Schwierig-
keiten mehr; sie soll im folgenden auseinandergesetzt werden. Die bin-
okularen Instrumente sollen hier behandelt werden einmal unter Berück-
sichtigung der eigentümlichen Strahlenbegrenzung durch das Auge beim
indirekten und beim direkten Sehen, wie sie A. Gullstkand zu formu-
lieren gelehrt hat. Sodann aber soll in Anwendung der von E. Abbe
niedergelegten Grundsätze stets die auf der Objektseite der abbildenden
Instrumente eintretende Strahlenbegrenzung vergKchen werden mit den
entsprechenden Verhältnissen, wie sie für die das Instrument benutzenden
Augen gelten. Auf diese Weise sollen Vorhandensein und Sinn etwaiger
Änderungen der Raumerfüllung ermittelt werden, die der Gebrauch des
Instruments nach sich ziehen könnte. Mit dieser den Boden der geo-
metrischen Optik nicht verlassenden Feststellung ist aber auch der
theoretische Inhalt dieser Studie erschöpft, imd es ist weder beabsichtigt,
auf physiologische oder psychologische Probleme anders als im Laufe
der historischen Darstellung einzugehen, noch etwa — soweit es sich
um das Stereoskop handelt — das photographisch-chemische Gebiet zu
streifen. Es sollen also, um auf den ersten Punkt noch einmal zurück-
zukommen, die Strahlen nur bis zu den Augen verfolgt werden, so daß
dadurch für die physiologischen und psychologischen Untersuchungen
eine gewisse Vorarbeit geleistet wird.
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Das Sehen mit einem Auge.
Wird ein Objekt von einigermaßen großer Winkelausdehnung auf-
merksam betrachtet, so dreht sich der Augapfel in seiner Höhle um
einen bestimmten Punkt, und die verschiedenen, nach den auffälligen
Punkten zielenden BHckHnien gehen alle durch diesen Augendrehungs-
j>unkt C. Die Mannigfaltigkeit der direkt gesehenen (fixierten) Punkte
läßt sich auf unendlich viele Weisen durch eine ebene Darstellung wieder-
geben (Fig. 1). Zu größerer Deutlichkeit sei aus dieser Zahl die folgende
ausgewählt. Nach einem be-
stimmten, meistens in Augen-
höhe angenommenen, Objekt-
punkt sei eine Blicklinie CO
gezogen und als HauptblicMinie
bezeichnet. In diesem Objekt-
punkt sei auf ihr eine senk-
rechte, also meistens vertikale
Ebene errichtet, die als Ein-
stellungsebene bezeichnet wer-
den möge. Von dem Augen-
drehungspunkt aus seien alle
direkt gesehenen Punkte auf diese Einstellungsebene projiziert: Die so
entstandene ebene Punktmannigfaltigkeit ist das Abbild des Objekts für
das direkte Sehen.
Die Verbindung zwischen den fixierten Punkten wird durch die
FiUlperspektiven des indirekten Sehens bewirkt, deren Projektions-
zentrum die etwa 11 mm vor dem Drehungsmittelpunkt gelegene Pupillen-
mitte ist. Der Umstand, daß die beiden Projektionszentren, das wichtigere
der auffäUigen oder beachteten Punkte, und das unwichtigere der nicht
besonders beachteten, nicht zusammenfallen, macht es im strengen Sinne
unmöglich, einen völKg naturgetreuen Ersatz für ein körperliches Objekt
auf einer Ebene zu schaffen. Denn wenn ein nicht in der Einstellungs-
ebene gelegener Punkt zwei verschiedenen Füllperspektiven als Randteil
angehört, so muß er beim Übergang von der einen Füllperspektive zur
andern eine scheinbare Bewegung ausgeführt haben, da sich ja das Pro-
jektionszentrum bewegt hat. Das ist aber bei einer ein für allemal aus-
Fig. 1.
Das vollständige Abbild für das direkte Sehen und
die richtig eingeschaltete, verkleinerte Abbildskopie.
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6 I. Theoretischer Teil.
geführten ebenen Darstellung unmöglich. Für die meisten Zwecke ist
indessen dieser Unterschied in den beiden Perspektiven, auf den man
eine ganze Theorie einer einäugigen Tiefenwahrnehmung hat aufbauen
können, zu geringfügig, als daß seine Vernachlässigung stören könnte.
Einmal ist der Abstand von 11 mm zwischen den beiden Projektionszentren
nur klein, während nicht nur die Einstellimgsebene sondern auch die
nächsten Objektpunkte im Verhältnis dazu stets sehr weit entfernt
liegen. Sodann aber ist auch die angulare Ausdehnung der Füllperspek-
tiven nur gering. Es wird also in der Regel nicht auffallen, wenn man
eine von dem Augendrehungspunkt aus konstruierte Perspektive als
vollständiges Abbild für das direkte Sehen an die Stelle des Objekts setzt.
Zusammenfassend kann man sagen, daß ein vollständiges, vom
Augendrehungspunkt aus konstruiertes Abbild ohne Nachteil für das
Objekt eintreten kann, wenn darin nur die Farben und die Hehgkeits-
werte richtig wiedergegeben werden. Es braucht nur an Theaterszenen
oder besser noch an gute Rundgemälde erinnert zu werden, damit man
sich vergegenwärtigt, daß gute flächenhafte Darstellungen sehr wohl
einen körperlichen Eindruck machen, m. a. W. ^plastisch wirken können.
Es ist aber für diese plastische Wirkung nicht notwendig, daß sich
die Fläche der perspektivischen Darstellung ungefähr an dem Orte der
Einstellungsebene befindet. Es kann sich auch, wie bei den meisten Ge-
mälden und fast allen Photogrammen, um eine Verkleinerung des objekt-
seitigen Abbildes handeln, wenn nur diese winkeltreue verkleinerte Ab-
bildskopie an der durch ihren Maßstab bestimmten Stelle o in den
Strahlengang eingeschaltet wird. Ein solcher Fall ist in Fig. 1 dargestellt
worden.
Solche verkleinerte Abbildskopien erzeugen der Maler und der Zeichner
durch die bewußte Anwendung der perspektivischen Regeln, erzeugt das
photographische Objektiv auf Grund derselben Gesetze von selbst. Es
ist zum Verständnis der von einem photographischen Objektiv gelieferten
Darstellungen nur nötig zu wissen, daß das abbildende System von
jeder achsensenkrechten, ebenen Zeichnung ein winkeltreues, meist ver-
kleinertes Bild entwirft. Für die nachfolgenden Auseinandersetzungen
wird meistens die Annahme gültig sein, daß die durch das System hin-
durchtretenden Büschel eng sind, also je durch einen einzelnen die Blenden-
mitte durchsetzenden Strahl vertreten werden können. Nach diesen
Voraussetzungen ist die Funktion des photographischen Objektivs ein-
fach zu beschreiben (Fig. 2). Es wird so aufgestellt, daß seine Achse PO
mit der Hauptblicklinie, die Mitte seiner Eintrittspupille mit dem Orte
des Augendrehimgspunkts zusammenfällt. Alsdann läßt sich am Orte
der Einstellungsebene des Auges das objektseitige Abbild für das photo-
graphische Objektiv konstruieren, das selbstverständlich mit dem vollstän-
digen vom Augendrehungspunkte aus konstruierten Abbilde identisch ist.
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Das Sehen mit einem Auge. 7
Von dieser Darstellung liefert das photographische Objektiv eine winkeltreue
verkleinerte Kopie, die sich, wie schon gesagt und in Pig. 1 veranschau-
licht, bei o in den vom Augendrehungspunkt ausgehenden Strahlenkegel
einschalten läßt. Geschieht das in richtiger Weise, so geht jeder nach
irgend einem Objektpunkte zielende Strahl auch wirklich durch den ihn
repräsentierenden Punkt der Abbildskopie. Die Winkel am Projektions-
zentrum, die Gesichtswinkel, bleiben unverändert, auch wenn man sich
das ursprüngliche Objekt fortgenommen denkt und seine scheinbare
Größe nur durch die Sehstrahlen nach den verschiedenen Punkten der
Abbildskopie bestimmt. Ist der Maßstab der Kopie sehr klein gewählt,
der Ort der Einschaltung dem Auge also sehr nahe, so kann die
Akkommodationsanstrengung des Auges die Illusion stören, und das
wird namentlich bei den Bildern eintreten können, die von modernen,
gut korrigierten photographischen Objektiven mit ihren kurzen Brenn-
Fig. 2.
Das objektseitige Abbild bei der photographischen Auf-
nahme und die Entstehung der verkleinerten Abbilds-
kopie.
Fig. 3.
Eine schematische Darstellung der
Wirkung einer orthoskopischen Be-
trachtungslinse S bei Abbildskopien
in sehr kleinem Maßstabe.
weiten geliefert werden. In einem solchen Falle (Fig. 3) wird man zweck-
mäßig eine passende Sammellinse anwenden, die, zwischen Auge und
Abbildskopie gebracht, von dieser in einer bequemen (zweckmäßig un-
endlich großen) Akkommodationsentfernung ein virtuelles, vergrößertes
Bild entwirft, das dem beobachtenden Auge unter denselben Winkeln
erscheint, die sich für die Gegenstände selbst im direkten Sehen ergaben.
Denn sind diese Winkel identisch mit jenen, ist die Akkommodations-
anstrengung nicht merkbar verschieden, sind die HeUigkeits- und wenn
möglich auch die Farben werte genügend gut nachgeahmt, so kann die
Vorstellung der Raumerfüllung aus der einäugigen Betrachtung der Ab-
bildskopie auf Grund der Erfahrung in derselben Weise entstehen wie
aus der einäugigen Betrachtung des objektseitigen Abbildes oder endlich
der Gegenstände selbst.
Wird aber die Forderung der Identität der Winkel nicht erfüllt,
so sind die geometrischen Bedingungen auch dafür nicht mehr vor-
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8
I. Theoretischer Teil.
banden, daß die Erfahrung aus der Betrachtung der Abbildskopie bei-
spielsweise eines Würfelskeletts dieselbe Raumerfüllung (Fig. 4) erschließe
wie aus der Betrachtung des Objekts selbst. Ganz allgemein läßt sich,
keine einfache Angabe über die Folgen machen. Nimmt man, was sehr
häufig zutrifft, an, daß die Hauptblickrichtung dieselbe geblieben, und
nur die Entfernung des Augendrehungspunkts von der Abbildskopie ge-
ändert worden sei, so kann man für die Tiefenausdehnung aller Objekte,
deren Breiten- und Höhenverhältnisse bekannt sind, die folgenden Aus-
sagen machen:
Liegt der Augendrehungspunkt der Abbildskopie zu nahe, sind also
die Gesichtswinkel zu groß, so können solche Objekte verhältnismäßig
Fig. 4.
Die Rekonstruktion eines Objekts von gleich-
mäßiger Höhe bei richtigem Abstände von
der Abbildskopie.
Fig. 5.
Eine Fälschung der Raumvorstellung für ein
Objekt von gleichmäßiger Höhe bei ver-
kleinertem Abstände von der Abbildskopie.
Fig. 6.
Eine Fälschung der Raum Vorstellung für ein Objekt von gleichmäßiger Höhe bei ver-
größertem Abstände von der Abbildskopie.
abgeflacht erscheinen (Fig. 5), und sie können vertieft wirken (Fig. 6),
wenn das Drehungszentrum des Auges der Abbildskopie zu fern liegt,
die Gesichtswinkel also zu klein ausfallen. Bei solchen Änderungen
der Winkel sind dann alle geometrischen Bedingungen für die beschrie-
benen Modifikationen des Eindrucks der Raumerfüllung gegeben. Ein-
gehendere Ableitungen finden sich bei M. von Rohr {2, 275.).
Selbstverständlich gilt genau das gleiche auch für die optischen In-
strumente, die virtuelle Abbildskopien entwerfen, und bei diesen ist so
gut wie ausnahmslos der vorher allein betrachtete Fall verwirkHcht, daß
die Hauptblickrichtung erhalten bleibt.
Man wird zweckmäßigerweise die zusammengesetzten Instrumente,
das Mikroskop für schwächere Vergrößerungen und das Fernrohr, für
die hier besprochenen Zwecke auffassen als bestehend aus zwei Bestand-
teilen, Diese sind erstens das als Projektionssystem dienende Objektiv,
das von dem in der Regel unter kleinen Gesichtswinkeln erscheinenden
objektseitigen Abbilde eine umgekehrte Kopie entwirft, und dann das
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Das Sehen mit beiden Augen. 9
Okular, das diese Abbildskopie unter Umständen wieder aufrichtet, sie
aber in jedem Falle dem Auge unter Gesichtswinkeln darbietet, die
wesentlich größer sind als die auf der Objektseite bestehenden. Gerade
darin besteht ja die beabsichtigte Vergrößerungswirkung dieser Instru-
mente. Nach dem Vorhergegangenen muß sie bei bekannten Objekten
verbunden sein mit einer Änderung der Raumanschauung; es ist das
gleichsam der Preis, den man für die Vergrößerung der Gesichtswinkel
zu zahlen hat.
Diese Änderung der Gesichtswinkel hat für die optischen Instru-
mente eine solche Bedeutung, daß man zweckmäßig ihre Einteilung und
Behandlung unter diesem Gesichtspunkte vornehmen sollte.
Das Sehen mit beiden Augen.
Beim beidäugigen Sehen gelten für jedes Auge die soeben ange-
stellten Überlegungen durchaus. Zum besseren Verständnis des gleich-
zeitigen Gebrauchs beider Augen kann man für jedes einzelne die oben
besprochene Konstruktion des vollständigen Ab-
bildes im' direkten Sehen durchführen. Wenn E e
nach allgemeinem Gebrauch ein von beiden ^ ^
Augen fixierter Punkt als Konvergenzpunkt be-
zeichnet wird, und der von beiden Blicklinien
eingeschlossene Winkel als Konvergenzwinkel, so
wird es hier für die Konstruktion der Abbilder
notwendig sein, einen bestimmten Hauptkon-
vergenzpunkt zu wählen (Fig. 7). Es ist dann
ohne weiteres klar, daß die beiden Einstellungs-
ebenen miteinander den Hauptkonvergenzwinkd v
einschließen. Der Sicherheit wegen sei noch ein-
mal darauf aufmerksam gemacht, daß dem
Fig 7
Hauptkonvergenzpunkte nicht für den Sehvor- jy^^ j^^^^ ^^^ Abbilder beim
gang sondern nur für die Konstruktion rieh- beidäugigen sehen.
tiger Abbilder eine besondere Wichtigkeit zu- o derHauptkonvergenzpunkt,
kommt. Mit wachsender Entfernung des Kon- c, c dte ^beiden Augendrehungs-
vergenzpunktes wird der von den Blicklinien
eingeschlossene Konvergenzwinkel kleiner und kleiner. Setzt man die
Nahepunktsentfernung normaler Augen auf 25 cm an, so ergibt sich bei
einem Abstände der Drehungszentren von 65 mm ein Konvergenzwinkel
von ziemlich genau 15 Graden, der bei der Fixierung eines unendlich
weit entfernten Gegenstandes bis auf 0^ herabsinkt.
Die beiden Abbilder eines nahen Objekts sind, wie aus ihrer Ent-
stehung ohne weiteres hervorgeht, einander nicht ähnlich. Sie werden
von den beiden Augen einzeln wahrgenommen und bewirken, im Gehirn
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10 I. TheoretUcher Teil.
vereinigt, eine Anschauung über die Raumgliederung. Faßt man beide
Augen als das Sehorgan zusammen, so kann man von einer Tiefen-
wahrnehmung reden im Gegensatz zu dem Einzelauge, wo nur von einer
Tieienvorstellung gesprochen werden konnte. Diese dem Menschen mit
normalem Sehapparat eigentümliche Art der Tiefenwahmehmung be-
zeichnet man als stereoskopischen Eindruck, imd es wird gut sein, ihn
streng von dem plastischen Eindruck zu trennen, den das Einzelauge
liefern kann.
Die stereoskopische Wahrnehmung kann rein im indirekten Sehen
erfolgen, beispielsweise bei momentaner Beleuchtung naher Objekte durch
einen Blitzschlag, doch ist dann bei den meisten Beobachtern die Deut-
lichkeit auf die dem fixierten benachbarten Punkte beschränkt. Eine
deutliche stereoskospische Wahrnehmung kommt aber dann zustande,
wenn man die verschiedenen Punkte des betrachteten Gsgenstandes nach-
einander fixiert. Dabei ändert sich, solange es sich um nahe Objekte
handelt, ständig der Konvergenzwinkel und mit ihm der Akkommoda-
tionszustand der beiden Augen.
Rückt der Gegenstand in eine größere und größere Entfernung, so
werden die Abbilder weniger und weniger unähnlich, um für unendlich
entfernte Objekte einander ähnlich zu werden. Wenn die stereosko-
pische Wahrnehmung aber schon früher eine Grenze hat, so liegt das
an der beschränkten Schärfe des Gesichtssinnes. Nimmt man eine halbe
Bogenminute als die normale Größe des Winkels an, den der Seitenabstand
zweier vertikaler Striche dem Auge bieten muß, wenn der eine nicht
als Verlängerung des andern erscheinen soll, so läßt sich daraus in ein-
facher Weise die Entfernung der Vertikalen ermitteln, die sich beim
beidäugigen Sehen noch eben von einem unendlich fernen Hintergrund
abhebt. Sie ergibt sich, je nach dem Abstände der Augendrehungspunkte
von 50 bis 72 mm zu etwa 344 bis 495 m, wie das von M. von Rohb
{2. 278-281,) auseinandergesetzt worden ist.
Aus dem, was vorher über das Sehen mit einem Auge gesagt worden
ist, folgt leicht eine Methode, die man einschlagen kann, um ein körper-
liches Objekt auch für das Sehen mit zwei Augen durch flächenhafte
Darstellungen vorzustäuschen. Man bietet jedem einzelnen Auge eine
vom Orte des Drehungspunktes konstruierte vollständige Abbildskopie
dar und sorgt dafür, daß das für das andere Auge bestimmte Bild das
erste nicht störe. Wenn nun durch einen solchen Ersatz der beiden
Abbilder auch die Augenbewegungen in korrekter Weise reguliert werden
— die Bedeutung der Füllperspektiven ist wieder von geringerer Wichtig-
keit — , so ist doch immer der Unterschied gegen die Wirklichkeit vor-
handen, daß die Akkommodation sich nicht mehr mit der Konvergenz
ändern muß, sondern im wesentHchen konstant bleiben kann. Sieht
man aber von diesem allen flächenhaften stereoskopischen Bildern ge-
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Das Sehen mit beiden Augen. H
meinsamen Mangel ab, so kann die Naturtreue des stereoskopischen Ein-
druckes außerordentlich weit gehen.
Die verscliiedenen Einrichtungen, wie sie vorgeschlagen wurden, um
die beiden Bilder (auch stereoskopische Halbbilder genannt) den beiden
Augen darzubieten, sollen in dem hauptsächlichen, historischen Teile dieser
Studie zusammengestellt werden. Es kommen hier, genau wie beim
einäugigen Sehen, die beiden Fälle vor, daß die Bilder virtuell sind, da
sie von zusammengesetzten Instrumenten geliefert werden, und daß es
sich bei der unterbrochenen Abbildung um physische Abbildskopien
handelt, die entweder direkt oder (häufig zur Überwindung von Akkommo-
dationsscbwierigkeiten) durch Linsensysteme betrachtet werden. In der
ersterwähnten Klasse, die auch in der Geschichte zuerst auftrat, aller-
dings ohne daß man damals recht erkannt hätte, worum es sich han-
delte, erscheinen die Abbildskopien den Augen unter vergrößerten
Winkeln, dabei sind besonders wichtig und gleichzeitig einfach zu
behandeln die Fernrohre mit parallelen Achsen. Bei diesen Instrumenten
braucht, da sie ja eine Tiefenwahrnehmung vermitteln, nicht wie beim ein-
äugigen Sehen die Voraussetzung gemacht zu werden, daß die Höhen-
und die Breitenverhältnisse der Objekte bekannt seien; sondern hier sind
auch bei ganz unbekannten Objekten nach M. von Rohe (/?. 289-290.)
alle geometrischen Bedingungen dafür vorhanden, daß die Tiefener-
streckung der Gegenstände proportional der Vergrößerungsziffer zusammen-
schrumpft. Diese Erscheinung der Änderung der Entfernung ist an
jener Stelle als porrhallaktische Wirkung beschrieben worden. Bei den
Instrumenten mit physischen Abbildskopien, den eigenthchen Stereoskopen,
hat man ursprünglich wohl nur die Absicht verfolgt, eine Wiederholung
des Eindruckes, eine homöomorphe Wiedergabe, zu erzielen, imd hat aus
diesem Grunde die Gesichtswinkel unverändert erhalten wollen. Im Laufe
der Zeit ist man aber in nicht seltenen Fällen von der ursprünghchen
Absicht abgewichen, und zwar mit gutem Grunde namentlich dann, wenn
man ein Meßverfahren auf die beidäugige Beobachtung gründen wollte.
Doch auch bei den eigentlichen Stereoskopen wird sich eine reiche Menge
solcher Instrumente aufzeigen lassen, die dann jene charakteristische
Formenänderung als einen besonderen und leicht übersehbaren Fall der
allgemeinen Heteromorphie herbeiführen.
Bei den Stereoskopen im eigenthchen Sinne lassen sich bequem Ver-
suche anstellen, die darauf beruhen, daß man die Abbildskopien gleichsam
als selbständige Objekte ansieht, imd daß man den Augendrehungspunkten
ihnen gegenüber Stellen anweist, die von den richtigen perspektivischen
Zentren abweichen. Hierher gehören zunächst symmetrische Verschie-
bungen der Halbbilder auf die Medianebene zu oder von ihr weg, so
daß die Bildmitten einen andern Abstand haben als die Augendrehungs-
punkte. Die Verbindungslinien je eines Augenzentrums mit dem zu-
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12
I. Theoretischer Teil.
gehörigen Bildpunkte liefern dann in ihrer Gesamtheit ein Raumbild,
das sich in einer gesetzmäßigen Weise aus dem Objekt ableiten läßt.
Die Gesetze einer solchen Wiedergabe waren schon lange vor der Ent-
deckung der Stereoskopie unter dem Namen der Rdiefperspektive bekannt.
In nicht seltenen Fällen wird man bemerken können, daß eine solche
Reliefperspektive gegen den Willen des Ausführenden durch Fehler in
der Behandlung der Halbbilder entsteht. Hier genügt es, darauf hin-
zuweisen, daß das Vor- und Hintereinander selbst (das Vorzeichen der
Entfernungsunterschiede) durch solche Verschiebungen nicht gestört wird,
Ö^-CX)
Fig. 8.
Die richtige Betrachtung.
Die Augendrehungspiinkte C, c stehen zen-
trisch vor den zugehörigen Abbildskopien;
es ergibt sich die Tiefenstrecke 0^ Og = « .
Fig. 9.
Die Reliefperspektive.
Die Abbildskopien sind symmetrisch nach
innen verschoben ; es ergibt sich die end-
liche Tiefenstrecke OjOg.
dagegen erleiden die Beträge der Entfernungsunterschiede sehr merkliche
Änderungen. Man sieht das bei der Anwendung eines noch öfter be-
nutzten Hilfsmittels leicht ein. Nimmt man nämlich die beiden Abbilds-
kopien zunächst in der richtigen Entfernung voneinander an (Fig. 8),
so sollen die gestrichelten Graden einen näheren Punkt 0^ bestimmen,
während die ausgezogenen Achsen der Halbbilder auf den unendUch fernen
Punkt 0^ führen. Verschiebt man nun die Kopien, beispielsweise nach
innen (Fig. 9), hält aber den Abstand der Betrachtungszentren fest, so
sieht man, daß wohl der Betrag, nicht aber der Sinn der Tiefen-
ausdehnung 0^ Og geändert wird. Ein gleicher Erfolg ergibt sich bei
der Verschiebung der beiden Kopien nach außen, nur wird dann die
Entfernung des Punktes 0^ von den Betrachtungszentren und unter
Umständen auch die des Punktes 0^ negativ.
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Das Sehen mit beiden Augen. 13
Bei der zuerst beschriebenen Verschiebung kann man so weit gehen,
daß die ursprünglich rechts befindliche Kopie links liegt, und die vor-
her links liegende nach rechts rückt (Fig. 10). Man spricht dann kurz
von einer Betrachtung mit gehreuzten Blickrichtungen, der die erste mit
gleichgerichteten gegenübersteht. Richtiger würde man sagen, daß bei
gekreuzten Blickrichtungen der Hauptkonvergenzpunkt diesseits der Halb-
bilder, bei gleichgerichteten jenseits von ihnen liegt.
Die oben wiedergegebenen Forderungen für eine ähnliche, homöo-
morphe Abbildung ergaben sich zwanglos aus den für die unokulare
Betrachtung perspektivischer Zeichnungen gültigen Überlegungen. Die
Heteromorphie wurde in dem einen, besonders wichtigen Falle der In-
strumente mit parallelen Achsen erwähnt, und ihre Entstehung gleich-
falls zu der Änderung des Eindrucks beim einäugigen Sehen in Be-
ziehung gesetzt.
So selbstverständlich diese Betrachtungen erscheinen, so umschließen
sie doch nicht alle Möglichkeiten der Raumauffassung, die man während
der Entwicklung der Stereoskopie verwirklicht hat, und zwar darum
nicht, weil sie sich auf die Aufgabe einer ähnlichen oder doch möglichst
ähnlichen Wiedergabe des Raumobjekts beschränken.
C c
Flg. 10.
Die Betrachtung mit gekreuzten Blickrichtungen.
Die Abbildskopien sind so weit symmetrisch nach innen verschoben, daß die vorher rechts
liegende auf die linke Seite gelangt ist; es ergibt sich die endliche Tiefenstrecke O^ Oj.
Der Bau stereoskopischer Instrumente führte aber ganz von selbst
dazu, daß gegen eine wesentliche Bedingung des natürlichen Sehens ver-
stoßen wurde, und die Folge davon war eine grundlegende Änderung
der Wiedergabe des Objekts in bezug auf seine Tiefenanordnung, eine
Änderung, die der unokularen Beobachtung ganz verschlossen ist. Sie
wurde unter der Bezeichnung der fseudoskopischen Wahrnehmung bekannt.
Die schon von Ch. Wheatstone gegebene, durchaus korrekte Erklärung
dieser Erscheinung hat nun den Umweg über die einzelnen Formen der
Verwirklichung nehmen müssen, während E. Abbes gewaltiges Abstraktions-
vermögen bei der Behandlung eines wichtigen speziellen Falles zuerst
einen Weg eingeschlagen hat, auf dem man zu einer bequemen Formu-
lierung des eigentlichen Grundes der Pseudoskopie kommen kann.
Nimmt man den Fall an, daß ein einfaches und einheitlich wirkendes
System ein in endlicher Entfernung liegendes Objektrelief reell abgebildet
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14 I. Theoretischer Teil.
habe, und daß das zugehörige Bildrelief von einem normalsichtigen Be-
obachter beidäugig betrachtet werde, so läßt sich die Frage aufwerfen,
wie weit die von diesem gemachten Tiefenwahmehmungen auch für das
Objektrelief gültig seien. Man muß nun beachten, daß das System
nach der Bezeichnung von S. Czapski rechtläufig abbildet, oder daß die
Tiefenanordnung des Objektreliefs durch die Abbildung nicht geändert
wird. Liegen beispielsweise zwei Objektachsenpunkte A und B so, daß
ein aus dem Unendlichen kommender paraxialer Strahl zuerst A und
dann B trifft, so wird auch im Bildraume zuerst A' und dann B' von
dem Lichtstrahl durchsetzt. Die Antwort auf jene Frage lautet also,
infolge der Rechtläufigkeit der Abbildung sind die Wahrnehmungen über
das Vor- und Hintereinander der verschiedenen Bildpunkte ohne weiteres
auch für die Tiefenanordnung der Objektpunkte gültig.
Es steht aber mit dem Vorhergehenden in besserer Übereinstimmung,
wenn die Betrachtung auch auf die Verhältnisse im Objektraume eingeht.
Da das System als einheitlich wirkend vorausgesetzt worden war, so
wird der Gesichtsapparat '^l'^ des aufrechtstehenden Beobachters jeden-
falls zusammenhangend im Objektraume abgebildet, und die Objektaugen
sind entweder umgekehrt ^|^ oder aufrecht '^p oder in beiden Fällen
auch noch spiegelverkehrt. Setzt
man der Einfachheit wegen die
Augen des Beobachters in einer
horizontalen Meridianebene und
symmetrisch zur Achse voraus,
Fig. 11. und legt man einen Horizontal-
Der Strahlenverlauf von den Fußpunkten in einer „^1^^12.1. n ,«^i, j„„ «««„^ a^«.4.^w.
vertikalen Medianebene befindlicher Objekte. SC^^tt durch das ganze System,
80 liegen die Objektaugen jeden-
falls in der Hinsicht ebenso wie bei dem Beobachter im Bildraume,
als nähere Achsenpunkte 0^ mehr nasen(medial-)wärts , fernere 0^ mehr
schläfen(sagittal-)wärts verlaufende Sehstrahlen verursachen (Fig. 11).
Aus dieser die Vorgänge im Objektraume berücksichtigenden Über-
legung ergibt sich also, daß die Übereinstimmung der Tiefenanordnung
im Objekt- und im Bildraume bei einem reellen Bildrelief in dem Falle
einheitlich wirkender Systeme verbunden ist mit einer übereinstimmenden
Anordnung der Augen in beiden Räumen, so daß in beiden Fällen die
Sehstrahlen nach einem ferneren und die nach einem näheren Achsen-
punkt eine Winkeldifferenz von gleichem Zeichen aufweisen. Es sei nach
M. V. RoHK (6. 495.) diese Augenstellung als die orthopische eingeführt.
Reicht man, wie die historische Behandlung zeigen wird, für ^die
einfachen stereoskopischen Experimente der Zeit vor Ch. Wheatstone
mit der obigen Annahme aus, so kann man für die Behandlung der
komplizierteren Instrumente der späteren Zeit (d. h. für das binokulare
Mikroskop und das Doppelfernrohr) auch virtuelle Bilder zulassen, wenn
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Das Sehen mit beiden Augen.
15
man nur die Voraussetzung macht, das Objektauge des Einzelinstruments
liege hinter dem Objekt. Eine solche Annahme ist bei den Fernrohren,
mögen sie nun nach dem Tjrpus des astronomischen und terrestrischen
oder nach dem des holländischen Fernrohrs gebaut sein, von selbst er-
füllt, aber sie gilt auch für das zusammengesetzte Mikroskop, da hier die
mit dem Objektauge zusammenfallende Eintrittspupille im allgemeinen
virtuell und in beträchtlicher (unter Umständen sogar in unendlich großer)
Entfernung hinter dem Objekt angenommen werden kann.
Es liegt nun nahe, und tatsächlich hat die Entwicklung diesen Weg
eingeschlagen, das beidäugige Sehen für ferne und für ganz nahe Objekte
in der Weise vermitteln zu lassen, daß man jedes Auge mit einem
besonderen Instrument ausstattet. Bildet man dann wie vorher das
Organ des Gesichtssinnes '^p in den Objektraum ab, so ist es jetzt, wo
zwei gesonderte Systeme in Betracht kommen, durchaus nicht mehr
notwendig, daß es als ein zusammenhängendes Ganzes abgebildet wird,
und also die Objektaugen von selbst ihre natürliche, orthopische Stellung
behalten. Setzt man voraus, daß die Augen des Beobachters durch
0^
Fig. 13.
Der der Figur 12 entsprechende
Strahlengang im Bildraume.
Flg. 12.
Der Strahlenverlauf von den Fußpunkten in
einer vertikalen Medianebene befindlicher Ob-
jekte bei chiastopischer Stellung der schema-
tisch gezeichneten Objektaugen.
jedes der beiden Instrumente umgekehrt werden, so kann sich sowohl
die natürliche Lager ^|^ als auch die gekreuzte |^^| ergeben. Während
die erste Möglichkeit auf einen Fall führt, der schon bei der Behandlung
der einheitlich wirkenden Systeme erledigt worden war, so zeigt sich in
der zweiten eine Anordnung, die bei den einfachen Systemen, die den
Gesichtsapparat im ganzen umkehren, undenkbar ist, weil solche Gesichts-
apparate in der Natur nicht vorkommen. Nach Analogie der Zusammen-
fassung der Folgen der orthopischen Augenstellung wird man bei dieser
neuen, chiastopischen Stellung der Objektaugen eine ungewohnte Tiefen-
anordnung erwarten, und man sieht sich darin auch nicht getäuscht.
Es ergeben sich in der Tat umgekehrte Tiefen, wie man leicht
erkennt, wenn man die Konstruktion für zwei verschieden weit entfernte
Punkte im Horizontalschnitte durchführt (Fig. 12). Bei der Betrachtung
des objektseitigen Punktepaares 0^ 0^ sind die zu 0^ gehörigen Strahlen
nasenwärts verschoben, wenn man sich nach den beiden auf 0^ ge-
richteten orientiert. Zeichnet man im Bildraume die orthopische Augen-
steUung und nimmt die für O'g gültige Konvergenz als durch das
Instrument gegeben an (Fig. 13), so sieht man, daß
zwei nasen-
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16 I. Theoretischer Teil.
wärts verschobene Sehstrahlen auf einen näher gelegenen Punkt 0'^
führen.
Diese chiastopische Augenstellung findet sich, wie später im ein-
zelnen gezeigt werden wird, bei allen pseudoskopischen Instrumenten,
und sie wird zweckmäßigerweise als einfaches Kriterium für die Tiefen-
anordnung benutzt werden.
Es sei ferner betont, daß eine solche Verlagerung nicht notwendig
zwei vollkommen gesonderte Systeme erfordert. Sie kann auch herbei-
geführt werden, wenn infolge der Einführung brechender Prismen oder
spiegelnder Ebenen der objektseitigen Achsenrichtung zwei bildseitige
entsprechen, so daß die beiden Hälften eines abbildenden Systems den
beiden Augen einzeln zugeordnet werden. Bei der Behandlung des
binokularen Mikroskops werden sich später zahlreiche Formen von In-
strumenten dieser Art nachweisen lassen.
Alle diese Betrachtungen können auch angestellt werden, wenn man
die virtuellen Bilder der zusammengesetzten Instrumente ersetzt durch
die physischen Abbildskopien, wie sie durch photographische Aufnahmen
erhalten werden. Man könnte sogar versucht sein, für eine solche Be-
obachtung eine größere Durchsichtigkeit in Anspruch zu nehmen, weil
die Erzeugung der Abbildskopien auch zeitlich getrennt ist von ihrer
Wahrnehmung, und deshalb eine gesonderte Behandlung beider Vorgänge
näher liegt als bei den, gewöhnlich komplizierter gebauten, Instrumenten
für subjektive Beobachtung. Ferner fällt bei der Betrachtung gesonderter
physischer Abbildskopien jede Möglichkeit zu der Annahme fort, als
beobachte man ein wirkliches Bildrelief, eine Annahme, die sich tat-
sächlich in einige Arbeiten über binokulare Formen der zusammen-
gesetzten Instrumente eingeschlichen hat. Sehr häufig werden die beiden
Abbildskopien auf einem gemeinsamen ebenen Träger zu einem Stereo-
gramm vereinigt.
Bei der photographischen Aufnahme ruhender Objekte kann man
die gleichzeitige Verwendung zweier Objektive dadurch ersetzen, daß
man mit einem einzelnen Objektiv die beiden Aufnahmen nacheinander
von zwei verschiedenen Orten aus macht. Und auch dann kann man
von einer linken und einer rechten Aufnahme sprechen, je nachdem das
Objektiv bei der Aufnahme mehr links oder mehr rechts stand, wobei
links oder rechts auf den im Sinne der Lichtrichtung hinter dem Objekt
stehenden und in aufrechter Stellung auf das Objekt blickenden
Aufnahmeapparat bezogen sind. Man kann diese Zweiseitigkeit zweck-
mäßig durch das Augensymbol andeuten, doch empfiehlt es sich,
die Konturen zu verdoppeln, um die Objektive oder die Objektivstellungen
dadurch von den Augen zu unterscheiden. Man hat sich alsdann das
entsprechende Projektionszentrum fest mit der Abbildskopie verbunden
zu denken, und zwar sind wie auf S. 12 die Richtungen nach einem
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Das Sehen mit beiden Augen.
17
näheren Punkte gestrichelt, die einander parallelen Systemachsen aus-
gezogen worden (Fig. 14). Man sieht ohne weiteres ein, daß so nur die
beiden Fälle der Anordnung der Abbilder möglich sind, die man als
orthozentrisch und als chiastozentrisch bezeichnen kann. Das in einer ge-
wöhnlichen Parallelcamera entstehende Doppelnegativ hat eine chiasto-
zentrische Anordnung, da die von einem näheren Objektpunkte aus-
gehenden Strahlen die Achsenrichtung in den Pupillen schneiden und
die Mattscheibe in größerem Abstände als dem der Achsen durchstoßen.
In Übereinstimmung mit dem Vorangegangenen wird man es meistens
als eine Bedingung für den orthoskopischen Eindruck ansehen, sobald
mit gleichgerichteten Augenachsen beobachtet wird, daß sich die linke Ab-
bildskopie links, die rechte rechts befindet, und als eine Bedingung für den
pseudoskopischen Effekt, daß die Abbildskopien vertauscht worden sind.
Fig. 14.
Die orthozentrische Stellung der Abbildskopien. Die chiastozentrische Stellung der Abbildskopien.
Eine solche Behandlung führt zwar zu keinem falschen Resultat,
aber sie fordert zu viel, wenn sie verlangt, daß Auge und Abbildskopie
gleichnamig sein müssen, wenn ein orthoskopischer Eindruck entstehen
soll, und daß sich ein pseudomorphes Raumbild ergibt, wenn Augen
und Abbildskopien ungleichnamig sind.
Man sieht besser ein, worauf es ankommt, wenn man sich die in
einer gewöhnlichen Parallelcamera (mit den Objektiven im Abstände
der Drehungszentren des Beobachters) entstandenen Halbbilder in ihre
richtige Lage zwischen Objekt und Eintrittspupillen gebracht und die
verschiedenen Punkte der Halbbilder je mit dem entsprechenden Pro-
jektionszentrum verbunden denkt. Dann erkennt man leicht, daß sich
ein jedes von den beiden Projektionszentren ausgehende Paar zusammen-
gehöriger Strahlen in dem entsprechenden Objektpunkt schneidet. Bringt
der aufrecht stehende und mit gleichgerichteten Augenachsen bUckende
Beobachter nun die Drehungszentren seiner Augen in die beiden Pro-
jektionszentren, so fallen je seine Blickrichtungen mit den eben ge-
dachten Strahlenpaaren zusammen, und er kann, soweit es sich um die
geometrischen Bedingungen handelt, genau den Eindruck des Objekt-
reliefs erhalten. Er werde jetzt für einen Augenblick vor dem unver-
änderten Stereogramm auf dem Kopfe stehend vorausgesetzt, alsdann
tritt in der Richtung zusammengehöriger Strahlen überhaupt keine
Änderung ein, weil sich an der Lage der Drehungszentren nichts ge-
V. Rohr, Binokulare Instrumente. 2
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I. Theoretischer Teil.
ändert hat; also bleibt das orthomorphe Relief erhalten, obwohl nun-
mehr jedes Auge das ungleichnamige Abbild anschaut. Dasselbe tritt
natürlich auch ein, wenn der Beobachter, wie es bequemer ist, aufrecht
stehen bleibt, und nur das Stereogramm umgedreht wird. Die gleichen
Bemerkungen lassen sich auch zu dem Falle machen, wo gekreuzt an-
geordnete Halbbilder betrachtet werden und zu einem pseudoskopischen
Eindruck führen.
Somit läßt sich das Ergebnis dieser Überlegung, soweit die geo-
metrischen Verhältnisse in Frage kommen, dahin zusammenfassen, daß
man sagt, dem mit gleichgerichteten*) Augenachsen blickenden Beobachter
vermitteln orthozentrisch angeordnete Halbbilder ein orthomorphes, chiasto-
zentrisch angeordnete ein pseudomorphes Raumbild, ganz gleichgültig
wie das Stereogramm gehalten werden mag, denn es kommt nicht auf
das Rechts oder Links an, sondern darauf, daß der notwendig orthopi-
schen Augenstellung des Beobachters das eine Mal ein orthozentrisch
angeordnetes, das andere Mal ein chiastozentrisch angeordnetes Stereo-
gramm gegenübergestellt wird.
/
Fig. 15.
Der bildseitige Strahlenverlaof
für ein orthomorphes EAumbild. für ein pseudomorphes Eaumbild.
Diese Behandlung der mit freien Augen betrachteten Stereogramme
genügt für die meisten Stereoskope; doch kommen bei diesen Instru-
menten auch kompliziertere Formen vor, denen wenigstens eine kurze
Überlegung gewidmet sei.
Bezeichnet man die durch das Stereoskop von den Halbbildern ent-
worfenen (meistens virtuellen) Abbildungen mit doppelt gestrichelten
Linien, so sind im Bildraum nur die beiden Fälle, der der Ortho- und
der der Pseudomorphie, möglich, wobei wieder die Richtungen nach einem
näheren Objektpunkte durch Strichelung hervorgehoben seien, während
die ausgezogenen Graden die Richtung der Systemachsen darstellen
mögen (Fig. 15). Vergegenwärtigt man sich nun die durch je ein Einzel-
system vermittelte Abbildung des durch je ein Auge gelegten Horizontal-
schnittes, oder mit andern Worten stellt man sich den Horizontalschnitt
*) Aus der Schluß bemerkung zur Relief Perspektive (s. S. 13) folgt, daß für die
Beobachtung mit gekreuzten Augenachsen die Halbbilder vertauscht werden müssen,
wenn die entsprechenden Effekte erreicht werden sollen wie bei der Betrachtung
mit gleichgerichteten Augenachsen.
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Das Sehen mit beiden Augen.
19
durch ein Objektauge (Fig. 16) vor, so sieht man ein, daß infolge der
Stetigkeit der Abbildung die konjugierten gestrichelten Strahlen im ersten,
orthomorphen Falle wieder nasenwärts, im zweiten, pseudomorphen
Falle wieder schläfenwärts verlaufen müssen; gegeneinander aber können
die Objekträume der beiden Stereoskopsysteme noch eine Verlagerung
erfahren haben. Hiernach ist folgende Zusammenfassung gerechtfertigt:
Fig. 16.
Der objektseitige Strahlenverlauf an einem Auge
für ein
orthomorphes Raumbild. pseudomorphes Eaumbild.
Beliebig zusammengesetzte Stereoskope liefern von einem Stereogramm
ein orthomorphes Raumbild, wenn die Stellung der Objektaugen und
der Projektionszentren gleichnamig ist, und ein pseudomorphes, wenn
diese Stellungen ungleichnamig sind.
2*
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n. Eßstorischer Teil.
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1. Die Zeit vor CH. WHEATSTONE und die moderne
Entwicklung der hoUändiselien Doppelfemrohre.
Die Zeit vor Ch. Wheatstone.
Als im Anfange des 17. Jalirhunderts der holländische Brillenschleifer
Johann Lipperhey* ) auf Verlangen seiner um ein Patent auf ein Einzel-
fernrohr angegangenen Regierung ein Doppelfernrohr konstruierte, da war
gleichsam zufällig ein Instrument hergestellt worden, das unter die Zahl
der stereoskopischen zu rechnen ist. Denn in der Tat muß man das
Doppelfernrohr in diese Klasse einreihen, weil bei ihm von nicht un-
endlich fernen Objekten jedem der beiden Augen ein von dem andern
verschiedenes Bild dargeboten wird.
Die durch die Bemühungen von J. H. van Swinden aufgefundenen
Akten über J. Lipperheys Patentbewerbung wurden 1831 von 6. Moll be-
kannt gemacht und finden sich bei H. Servus (i. 117—119,) abgedruckt.
Es läßt sich aber daraus durchaus nicht schließen, daß der beauftra-
genden Behörde oder dem ausführenden Künstler die Besonderheit eines
beidäugigen Instruments gegenwärtig gewesen wäre. Wie J. Lipperhey
der Schwierigkeit Herr wurde, zwei alte holländische Femrohre mit ihrem
kleinen wahren Gesichtsfelde so miteinander zu verbinden, daß man
überhaupt mit beiden Augen beobachten konnte, ist aus diesen Berichten
nicht zu erkennen. Mindestens weiteren Kreisen ist es damals gar nicht
zum Bewußtsein gekommen, daß es sich hier um etwas Besonderes han-
dele, denn älteren Schriftstellern dieses Gebietes, etwa den optisch tätigen
Mönchen des 17. Jahrhunderts galt J. Lipperhey, dem die Erfindung
des holländischen Fernrohrs doch manchmal zuerkannt wurde, durchaus
nicht als der erste Verfertiger auch des Doppelinstruments; daraus darf man
aber wohl schließen, daß die Fabrikation von Fernrohren in Holland
damals im wesentlichen auf die Einzelrohre beschränkt blieb.
Auch J. Lipperheys französischer Zeitgenosse D. Chorez, ein Brillen-
macher und Verfertiger von Meßinstrumenten, der, wie aus den polemi-
schen Äußerungen von CnfiRUBiN o'ORLfiANS**) (5. 193,) hervorgeht, um das
*) Nicht selten auch Lippershey geschrieben.
**) Man findet nicht selten in Antiquariatskatalogen als Laiennamen dieses
Mönches F. Lasseb]^ angegeben. Nach einer freundlichen Mitteilung des Herrn
W. JuNK geht das auf Brunets Manuel 5. 864 zurück.
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24 n. Historischer TeiL
Jahr 1625 ein hollandisches Doppelf emrohr zum Verkauf angezeigt hat,
ist zunächst fast ganz unbeachtet geblieben. Doch weiß man aus jenen '
Prioritatsstreitigkeiten, daß seine Konstruktion aus zwei kurzen hollän-
schen Femrohren von 5^/^ bis 8 cm Länge bestand, die parallel zu-
einander und so montiert waren, daß eine Veränderung des Achsenab-
standes durch die Parallelverschiebung eines Rohres vorgenommen werden
konnte. Nach den Angaben des Verfertigers soll man mit den parallelen
Rohren entfernte Gregenstände bis zu einer Entfernung von 100 Schritten
heran beidäugig haben beobachten können. Für nähere Objekte hätten
die Rohre einzeln gerichtet werden müssen.
Erst ziemlich spät ist man auf D. Cho&ez wieder aufmerksam ge-
worden. So gab G. Govi (i.) 1880 aus dem in der Pariser Nationalbibliothek
aufbewahrten Flugblatt einen Auszug, der mit den mitgeteilten Angaben
gut übereinstimmt, und J. Roüyer (/. 79.) veröffentlichte 1901 auch eine
Reproduktion der Zeichnung.
Fig. 17.
A. M. ScHYRLS Mechanismus zur Abstandsändenmg der Objektive.
Zeidmung nach Ch^rubin d'Orl^ns {9. 48.).
Der Name des nächsten Optikers, der sich mit einer solchen Kon-
struktion beschäftigte, war nach J. Zahn (i. 3. Teil 19,) Antonius Makia
ScHYKLABüS DE Rheita, ein Mönch A. M. Schykl aus dem Kloster Rheidt,
der namentlich durch seine Verdienste um die Konstruktion der terrestri-
schen Femrohre bekannt geworden ist. Ihm wurde von seinen Zeit-
genossen ziemlich allgemein die Priorität der Herstellung von Doppel -
fernrohren zuerkannt, eine Einmütigkeit, die möglicherweise mit darauf
zurückzuführen ist, daß die optischen Schriftsteller des 17. Jahrhunderts
zu einem guten Teil Mönche waren wie er. Er hat für solche Doppel-
gläser nicht nur den holländischen Typus, sondern auch die von ihna
so erfolgreich verbesserten terrestrischen Tuben verwendet. Er schlug,
da auch ihm das kleine Gesichtsfeld seiner Fernrohre hinderüch war, vor,
die beiden Objektivgläser für nahe Objekte zu nähern, für weitere zu
entfernen, während die Okulare im Pupillenabstande des Beobachters
stehen blieben. Diesen Pupillenabstand sollte man selbst vor einem Spiegel
mit einem Zirkel abgreifen. Für die Verschiebung der Objektive gab er
schon eine hübsche mechanische Vorrichtung an (Fig. 17), und für das
Okularende findet sich in seiner Beschreibung ein sehr wirksamer Schirm,
der sich der Kopfform möglichst genau anschloß. Diese Einrichtung
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1. Die Zeit vor Ch. Wheatstone usw.
25
wird im Verlauf der Entwicklung noch mehrfach vorgeschlagen werden.
Die von ihm gewählte Einstellung auf verschieden entfernte Objekte war
aber in optischer Hinsicht nicht
vollkommen, da die für nähere
Entfernungen eintretende Be-
nutzung der Objektive in schiefem
Strahlengang die Bildgüte mehr
oder minder herabgesetzt haben
wird. Seine Absicht war, die von
dem anvisierten Objektpunkte
divergent ausgehenden Strahlen
beiden Augen zuzuführen.
Eine wesentliche Verbesse-
rung des Doppelfernrohrs führte
der erwähnte ChErubin d'Oe-
LfiANS(i.) schon 1671 durch, in-
dem er die beiden Fernrohre
83anmetrisch zueinander beweg-
lich machte. Wie sich aus der
Figur 18 ergibt, ließ sich so-
wohl ihr Objektivabstand nach
der Objektentfernung als auch
ihr Okularabstand nach der
Augen weite und der Konvergenz
des Beobachters bestimmen. Er
brauchte (2» 108.) zur zuverläs-
sigen Feststellung des für das
anvisierte Objekt geltenden Pu-
pillenabstandes eine Art Schielbrille mit veränderlichem Lochabstand
(Fig. 19), aber es ist anzunehmen, daß auch zu jener Zeit die Mehrzahl der
Benutzer die Mühe einer so exakten Methode gescheut haben werden.
Fig. 18.
Holländisches Doppelfemrohr nach ChI^rubin
d'Orl^ans (». 102.).
Auf dieser Zeichnung sind dem Bescliauer die Ob-
jektivenden zugekehrt. Bei der Benutzung wurden
die Bohrträger durch Parallelverschiebung auf den
Augenabstand des Beobachters eingestellt. Bei der
dann folgenden Einstellung auf die Objektentfemung
wurden die mittleren Arme des Storchschnabels be-
tätigt und dadurch die Einzelrohre um vertikale
Achsen unter den Okularenden gedreht.
Fig. 19.
Die Bestimmung des Augenabstandes nach Ch^rubin d'Orl£'ans {2, 108.).
Die Metallscheiben der SchielbriUe (links) trugen je eine Skala ki und ein längliches Loch hg.
Auf der Außenseite wurden zwei (bei r durchlochte) Schieber fq betätigt, die so lange sym-
metrisch verschoben wurden, bis durch die Ereislöcher bei r derselbe ferne Gegenstand wahr-
genommen wurde und gleichzeitig die beiden Lochränder in einen Kreis verschmolzen. Die
Stellung des Index q an der Skala ki erlaubte dann die Ermittlung des Augenabstandes.
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26 n. Historischer Teil.
Er selbst hat jedenfalls ziemlich große Anforderungen an die Genauigkeit
der Justierung gestellt, und so hat er auch gelegentlich (5. 195 — 197,) auf
die Schädlichkeit eines Höhenfehlers aufmerksam gemacht, wie er sich
einstellt, wenn die Fernrohrachsen nicht in derselben Ebene liegen. Er
hat Doppelfernrohre holländischer und terrestrischer Art gebaut und auch
ihre Anwendung bei astronomischen Beobachtungen vertreten, allerdings
in der Zeit der chromatischen Refraktoren ohne großen Erfolg. Auf
seine Erfindungsgabe geht schließlich auch das erste binokulare Mikroskop
zurück {2. 77 — 98l), bei dem indessen nicht für die Aufrichtung des Bildes
gesorgt worden war, so daß der Benutzer einen pseudomorphen Effekt
erhalten haben muß, weil seine Objektaugen eine chiastopische
Stellung hatten.
Aber nicht bloß im Doppelfernrohr und im binokularen Mikroskop
lagen Instrumente vor, bei denen ein Angehöriger des 17. Jahrhunderts
einen deutlich körperlichen Eindruck haben mußte, ein solcher ergab
sich auch bei der Verwendung des Hohlspiegels bei beidäugiger Be-
obachtung der von ihm entworfenen Bilder. Setzt man nämlich einen
Hohlspiegel von beträchtlicher Öffnung voraus, wie sie in jener Zeit in
der Regel benutzt wurden, so erhält ein jedes Auge von den verschie-
denen Punkten des vom Hohlspiegel entworfenen Bildes ein besonderes
Büschel, und der Beobachter kann daher den Ort dieses Bildpunktes
sehr genau namentlich auch gegen den Rand des Hohlspiegels bestimmen.
Von dieser Möglichkeit einer sehr exakten Lokalisation sprach der Jesuit
A. KiKCHER (i. 898,) schon 1646 als von etwas ganz Selbstverständlichem,
und er erklärte den Ausdruck Spiegelfechten dadurch, daß er die Koin-
zidenz einer Klinge mit ihrem, vom Hohlspiegel entworfenen reellen Bilde
heranzog. Er gab an jener Stelle einige Augentäuschungen an, die auf
der Sicherheit der Lokalisation reeller Spiegelbilder beruhten; das dabei
verwandte System war ein zylindrischer Hohlspiegel. Später hat er, wie
aus J. M. CoNKADis (1. 52,) Mitteilungen hervorgeht, auch sphärische Spiegel
zu einem solchen Versuch benutzt. „Hierbey will ich mit einrucken
„eine schöne fraodn P, Äthan, Kircheri, derselbe hatte vor einen hohlen
,, Spiegel/ so ein /egmentum einer grossen Kugel war/ ein von Wachs
„schön gemachtes Bild des Kindes JEsu/ an ein Haar verkehrt mit den
,, Füssen aufgehenckt/ doch so dass der in den Spiegel schauende solches
„nicht gewahr wurde/ vor den Spiegel, wo sich das Bildlein aufrecht
„in der Luft prae/entiietel setzte er eine gegen das Bild proportionirte
,,Marmor-Seule/ wo man nun an einen gewissen Ort stand/ so sähe man
jjdas Kind JEsus auf der Seule aufrecht stehen/ allein wo man es be-
,, rühren wolte/ so griffe man nach der Luft/ welches die Verwunderung
„denn so wohl bey den Kunst- verständigen als sonderlich bey den Un-
,, wissenden vermehret."
Diese und ähnliche Anordnungen A. Kirchers wurden bald auch
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1. Die Zeit vor Ch. Wheatstone usw. 27
von seinem Ordensbruder Z. Tkaber (1. 125.) aufgenommen. Dieser ersann
eine einfache Drehvorrichtung, um nach und nach kleine spannenhohe
Statuen aus der Heiligen- oder Profangeschichte so vor den Spiegel zu
bringen, daß ein geeignet aufgestellter Zuschauer sie ziemlich stark ver-
größert plastisch wahrnehmen konnte. Es mag bei dieser Gelegenheit
darauf hingewiesen werden, daß man, anscheinend ohne theoretische
Überlegung, um dieselbe Zeit und namentlich gegen den Ausgang des
17. Jahrhunderts die körperlichen Objekte vor dem Spiegel durch per-
spektivische Zeichnungen ersetzte und so von den stereoskopischen Dar-
stellungen zunächst zu den zweiäugigen und dann logischerweise zu
den einäugigen Spiegelguckkästen für perspektivische Darstellungen kam.
Sie sollten später von den Linsenguckkästen verdrängt werden, deren
erstes Auftreten nach M. von Rohe (5. 299.) ungefähr für dieselbe Zeit
beglaubigt ist.
Kehrt man nun zu den Spiegelungen körperlicher Objekte zurück,
so scheint deswegen, weil das Bild an der Stelle entstand, wo es die
Lehre von der Katoptrik forderte, die auf den (unbewußten) Gebrauch
beider Augen zurückzuführende Sicherheit der Ortsbestimmung damals kein
weiteres Staunen erregt zu haben.
Ein wenig eingehender beschäftigte man sich zu etwas späterer Zeit
mit solchen Problemen, als die Frage behandelt wurde, ob man beim
deutlichen Sehen beide Augen oder nur ein einzelnes verwende.
Der erwähnte ChErubin d'OklBans war ein überzeugter Verfechter der
ersten Ansicht, und er hat seine Meinung auch vor der Hofgesellschaft
Ludwigs des Vierzehnten, wo diese Frage einiges kavaliermäßiges Inter-
esse erregte, immer eifrig vertreten. Er bildete (2.6—18.) sich schon
Ansichten über die korrespondierenden Netzhautstellen (parties homonymes)
und studierte die Bewegungen der Augäpfel beim Fixieren verschieden
entfernter Gegenstände, worauf ihn auch wohl die Anlage seiner Doppel-
fernrohre hingewiesen hat. Der Vorteil der größeren Helligkeit bei der
beidäugigen Beobachtung war ihm bekannt und wurde von ihm sehr
geschätzt, aber die einzige wirklich stereoskopische Beobachtung, die auf
ihn {2. 121.) zurückgeht, ist anscheinend die gewesen, daß man in einem
richtig gestellten Doppelfemrohre nur eine einzige Gesichtsfeldbegrenzung
sähe, und diese auch größer auffasse als bei einäugiger Beobachtung.
Eine Erklärung dieser Erscheinung {2* 126—126.) zu geben war er nicht
ohne Erfolg bemüht. Er benutzte übrigens die Vereinigung der beiden Ge-
sichtsfeldbegrenzungen zu einem einzigen Eindrucke, um mit seiner
Lochbrille den Pupillenstand festzustellen, denn er hatte gemerkt, daß
die Vorschrift A. M. Schykls wegen der unwillkürlich eintretenden Be-
trachtung des Zirkels im direkten Sehen auch von einem Assistenten
kaum ausführbar war. — Die Pseudomorphie der von seinem binokularen
Mikroskop gelieferten Bilder ist ihm aber entgangen.
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28 II. Historischer Teil
In den nächsten Jahren scheint der Stand der Kenntnis vom zwei-
äugigen Sehen nicht sonderlich vermehrt worden zu sein. Der Prämon-
stratenser Johannes Zahn, der Repräsentant der deutschen Kloster-
gelehrsamkeit jener Zeit, brachte auf diesem Gebiete nichts Neues vor.
Wie er zu seinen sehr zahlreichen Verbindungsmöglichkeiten zweier Fern-
rohre zu einem Doppelinstrument gelangt ist, gab er nicht an, doch
läßt sich aus der bloßen Aufführung immerhin erkennen, daß solche
Doppelrohre in weiteren Kreisen als nützliche Instrumente angesehen
wurden. — Er mag sie seinem französischen Vorgänger direkt oder in-
direkt entlehnt haben, doch hat er dessen Schriften keinesfalls ein-
fach ausgeschrieben, wie er z. B. auch in der Bestimmung des Augen-
abstandes anders vorging. Er (1. 2. Teü 224.) bestimmte diese Größe
dadurch, daß er die Entfernung a des Fixationspunktes aufsuchte, von
dem aus die Entfernung die Pupillenmitten genau unter einem Grade
erschienen und a sodann durch 57 dividierte. Für seinen eigenen Augen-
abstand kam er dabei auf einen Betrag von 0,22 römischen Fuß oder,
unter Benutzung der Vega sehen Maßzahlen, von etwa 66 mm.
Das Problem der beidäugigen Betrachtung erfuhr 1735 von
J. E. WiEDENBüRG nach den Angaben des Anonymus C. L. D. (1. 44.)
eine Darstellung, die etwa die Ansichten von CHfiRUBiN d' Orleans wieder-
holte aber sie deutlicher hervorhob. Danach taste man die Gegenstände
mit den Sehachsen der beiden Augen wie mit zwei Stäben ab, und man
müsse bei näheren Objekten die Augen so drehen, daß ihre optischen
Achsen an allen sichtbaren Punkten des Objekts zusammenkämen.
Um diese Zeit begannen sich aber auch auf dem vorliegenden Ge-
biete die großen Fortschritte bemerkbar zu machen, die namentlich von
englischen und holländischen Gelehrten in der Behandlung der optischen
Probleme gemacht worden waren. Es entwickelte sich nun eine eigent-
lich wissenschaftliche Optik, neben der die probierende Amateuroptik
noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts immer mehr an Kraft verlor.
Der erste Vertreter dieser wissenschaftlichen Richtung, der für das
hier behandelte Problem Interesse zeigte, war Robert Smith. Er wußte
von Chärubin d'OrlEans, doch ging er in seinen Forschungen an
mehreren Punkten wesentlich über ihn hinaus. — In seiner ersten Be-
arbeitung dieses Themas scheint er bei der Behandlung der Tiefen-
anschauung Schwierigkeiten gefunden zu haben, denn er hielt (1. 1. Teil
49—51.) noch an den unokularen Momenten fest. Später indessen gab er
(1. 2. Teil 41,) für nahe Gegenstände die Bedeutung*) des Sehens mit
beiden Augen zu. Er nahm dabei auf Leonardo da Vinci Bezug, der in
seiner Abhandlung über die Malerei darauf hingewiesen habe, daß auch ein
mit größter Sorgfalt hergestelltes Gemälde nie ein Relief zeigen könne
*) „in as much aa we /ee it more detached from other ohjects heyond U*\
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1. Die Zeit vor Ch. Wheatstonb usw.
29
wie die darauf dargestellten Gegenstände, es sei denn, diese würden ein-
äugig betrachtet. Denn bei beidäugiger Betrachtung sehe man gleich-
sam um die Gegenstände herum. R. Smith fand auch, daß durch suk-
zessives Fixieren der verschiedenen Punkte eines körperlichen Gegen-
standes seine Form deutlicher und bestimmter erkannt werde. Aber für
weiter entfernte Gegenstände bleibe es bei den auch für das einäugige
Sehen wichtigen Momenten. — Auch den Versuch, verschiedenartige
Marken stereoskopisch zu vereinigen, hat er angestellt, und zwar benutzte
er (1. 2, Teil 388.) zunächst die Spitzen eines Zirkels, den er in Armes-
länge vor die beiden auf ein entferntes Objekt f
gerichteten Augen hielt. Wählte er den Ab-
stand der Spitzen richtig, so vereinigten sich
ihm die beiden inneren Schenkel der Doppel-
bilder des Zirkels zu einem einzigen, und es
ergab sich für ihn der Eindruck eines mitt-
leren Zirkelarms, dessen Spitze bis zu dem
entfernten Objekt reichte (Fig. 20). Als Er-
klärung führte er den Umstand an, daß die
Zirkelspitzen auf denselben Netzhautstellen
abgebildet würden wie das fixierte Objekt
selbst. Er stellte später auch Versuche derart
an (/. 2. Teil 86,), daß er die Zirkelschenkel
mit gekreuzten Augenachsen betrachtete. Bei
diesem Versuche konnte er dann sehr deut-
lich die Orts- und Größenänderung des stereo-
skopischen Schenkelbildes feststellen, die mit
der Änderung der Zirkelöffnung verbunden
ist. Diese Versuche wiederholte er mit an-
dern gleichartigen Gegenständen wie kreis-
förmigen Korkplättchen, Kerzen u. ä., deren
Vereinigung mit parallelen oder gekreuzten
Blickrichtungen gleichfalls gelang. — Die Doppelfemrohre und den Hohl-
spiegel, bei dem schon seinen Vorgängern die (auf den Gebrauch beider
Augen zurückzuführende) Sicherheit der Lokalisation aufgefallen war,
behandelte auch er sehr eingehend, namentlich (/. 2, Teil 83—86.) was
den Hohlspiegel anging. Er kam auf diese Weise zu einer ihn be-
friedigenden Erklärung der mit beiden Augen sicher zu konstatierenden
Krümmung von Spiegelbildern ebener Objekte, deren Sinn unter Um-
ständen dem bei einäugiger Betrachtung festgestellten entgegengesetzt
gefunden wurde. Was das Doppelf ernrohr angeht, so hat er (1. 2, Teil 388,)
die CnfiÄUBiNsche Beobachtung wiederholt und ebenfalls darauf hin-
gewiesen, daß die Gesichtsfeldbegrenzung für beide Augen zu einem ein-
zigen Eindruck verschmelze, und daß sie so größer erscheine als für
i
k
Fig. 20.
Das Zirkelexperiment nach E. Smith.
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II. Historischer Teil.
a h
jedes Auge gesondert. Er erhielt (1. 2. Teil 107,) den gleichen Effekt
beim Betrachten einer Brille, die abgenommen und in einer Handbreite
Abstand vor die auf ein entferntes Objekt gerichteten Augen gehalten
wurde; das gemeinsame Bild erschien ihm auch hier größer und in
weiterer Entfernung. — Schließlich machte er auch noch einen sehr
wichtigen Schritt auf dem Wege zur Entdeckung des Stereoskops, indem
er die erste stereoskopische Zeichnung entwarf. Von dem obenerwähnten
Experiment mit den beiden Kerzen ausgehend, die er
mit gekreuzten Augenachsen betrachtet hatte, zog er
die Projektionen der Hauptsehlinien auf Papier nach
(Fig. 21). Es waren das zwei gekreuzte Geraden db ea,
die von je einem der im Pupillenabstande des Beobach-
ters angenommenen Punkte d e ausgingen, und deren
Schnittpunkt / in einer Entfernung von 0,3 — 0,6 m ge-
legen war. Er fand, daß die Teile fa fb sich zu einem
senkrecht auf der Papierebene stehenden Objekt ver-
einigten, wenn man eine neben f eingesteckte Nadel
fixierte. Die Augendrehungspunkte müssen dabei senk-
recht über den Verlängerungen der Geraden hd ae hegen.
Die hauptsächlichsten Belegstellen für diese Angaben sind
von M. VON Rohr (3.) zusammengestellt worden.
ÄhnUche stereoskopische Experimente wie die mit
dem Zirkel teilte J. Jurin in dem großen SiOTHischen
Werke (1. 2. Teil 110.) mit. Auch hier handelte es sich
um zwei getrennte physische Objekte (Randteile von
Seiten eines geöffneten Buches), die bei der Fixierung
eines entfernten Punktes (an der Zimmerdecke) für jedes
Einzelauge in seiner unmittelbaren Nähe erschienen. Wei-
tere Folgerungen wurden aber auch hier nicht gezogen.
Das Doppelfemrohr wurde von R. Smith (i. 2. Teil 387,)
eigentUch nur der Vollständigkeit wegen in sein Werk
Fig. 21. aufgenommen; er selbst hat wohl der schlechten Bild-
Die erste stereosko- qualität wegen nicht viel davon gehalten, obwohl er er-
Nach der Beschrei- wähnte, daß CS von dem Londoner Optiker . . Scarlet
bung von R. Smith noch regelmäßig hergestellt würde. Seine Form ging wohl
auf ChErubin d' Orleans zurück und gestattete eine An-
passung an Augenabstand und Objektenfernung. Zur Verbesserung der
optischen Leistung schlug er vor, zwei GREGORYsche Spiegelteleskope in
einer ähnUchen Montierung zu verwenden.
Die nächste größere Schrift, in der ein englischer Autor auf diese
Gegenstände Bezug nimmt, ist die von J. Harris (!.)• Wenn sein Buch
auch erst 1775 gedruckt wurde, so stammt es doch aus einer früheren
Zeit, da es 1742 begonnen und in den Mußestunden des Verfassers
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1. Die Zeit vor Ch. Wheatstonb usw. 31
fortgesetzt wurde, der 1764 stß-rb. — Er kannte das große SmTHische
Werk gut, war aber in seiner Behandlung der hier interessierenden
Punkte sehr selbständig. Namentlich in seiner Darstellung des beid-
äugigen Sehens sind Fortschritte seinem Vorgänger gegenüber zu er-
kennen. Für kleinere Entfernungen bot ihm die Konvergenz ein Mittel
zur Bestimmung der absoluten Entfernungen. Er stellte seine Befähigung
zu einer solchen Messung (1.155,) durch ein hübsches Experiment fest,
indem er die Versuchsobjekte hinter einem Schirm aufstellte, der mit
einem wagerechten Schlitz versehen war. Auf diese Weise wurden tat-
sächlich die Momente der Tiefenvorstellung in weitem Maße ausge-
schlossen, um so mehr, als er absichtlich seine Versuchsobjekte von
sehr verschiedener Dicke wählte. Er kam dabei ebenso wie bei der
Lokalisierung der von Hohlspiegeln entworfenen Bilder zu kleinen Ab-
ständen von etwa 1^/3 — 1^/^ m, wo die Bestimmung sicher war, und etwa
von 2^/^ — 3^/3 m, wo sie unsicher wurde. An einer andern Stelle be-
merkte er aber (i. 171,), daß Entfemungsdifferenzen — wie sie zwischen
zwei Stuhlbeinen oder gar als Tiefenerstreckimg eines Gebäudes bestehen
— nach Maßgabe ihrer Größe auf weitere und weitere Entfernungen
sichtbar seien. — Die Möglichkeit eines einheitlichen Eindruckes, wenn
auf beide Augen gesonderte Objekte wirkten, gab er (1. US,) zu, wie es sich
aus einem ganz merkwürdigen Abschnitte*) ergibt. Aber er kam nicht
darauf, sich mit den doch schon von R. Smith in einem Falle ausge-
führten stereoskopischen Zeichnungen weiter zu beschäftigen. — In den
Versuchen über die Lokalisation der von Hohlspiegeln entworfenen
reellen Bilder ging er über R. Smith nicht hinaus, oder höchstens da
(/. 202.), wo er erwähnte, daß das von einem Hohlspiegel genügender
Breite entworfene Bild zu Doppelbildern Anlaß gäbe, wenn man beide
Augen nicht auf seinen Ort richte. Dieselbe Möglichkeit habe er (i. 229,)
auch für das von einer großen Linse entworfene Bild gefunden. Daß
er keine Angaben über Doppelfernrohre machte, liegt wohl nur daran,
daß er bloß den theoretischen Teil seines Buches geschrieben hat und
zu den praktischen Anwendungen nicht mehr kam.
Noch einige Jahre vor der Drucklegung der HABBisischen Schrift
beschäftigte sich der größte der damals in Deutschland lebenden Physiker,
J. H. Lambbet (1.), mit einem stereoskopischen Experiment. Seine 1771
französisch abgefaßte Niederschrift scheint verloren gegangen zu sein,
dagegen ist eine Übersetzung ins Deutsche erhalten, und sie wurde
28 Jahre später, lange nach des Autors Tode, veröffentlicht. Ihm waren
*) „Two limilar objects, not far afunder, if they happen to be one in each
„optic axis, may alfo appear as one object; and that for a like caufe, that one
„object may appear double. But this phaenomenon feldom happens; and when it
„does, the miftake is foon found, as in the cale of an object leen double; and the
„eyes prefently adapt themfelves, to the proper diftance of the two objects."
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32 II. Historischer Teil.
die Versuche bekannt, die I. Barrow und R. Smith über die Lokali-
sation der von Hohlspiegeln entworfenen Bilder angestellt hatten, und
er nahm ähnliches an einer Linse als bildentwerfendem System vor.
Auf diese Weise behandelte er ein Thema, das bereits von J. Harris
gestreift worden war, kam aber in seinen Ergebnissen über seinen Vor-
gänger hinaus. Diese mögen in der von ihm selbst gewählten Form der
Darstellung folgen; wenn darin auch nicht ausdrücklich vom beidäugigen
Sehen die Rede ist, so wird man einmal nach der ganzen Natur des
Versuchs darauf schließen, sodann aber hob J. H. Lambert (1. 67.) in
der darauffolgenden Diskussion unter den beim Sehen von Distanzen im
Auge eintretenden Veränderungen auch die hervor, die beim beidäugigen
Sehen auftritt: ,, Diese Veränderungen betreffen den Winkel, welchen
,,die Achsen der Augen miteinander bilden, und der eine Art von
„Parallaxe macht." Jener Bericht lautet: „Dies zu bewirken, nahm ich
„eine Linse, die 1 Zoll Brennweite hatte, und ein ebensogroße Breite
„oder Apertur. Ich näherte dieselbe bis auf 1^/^ Zoll gegen eine Feder,
„die ich in der andern Hand hielt, und so, daß die Spitze gegen die
„Linse gekehrt war. Auf diese Weise war das Bild dieser Spitze in
„einem Abstände von 3 Zoll hinter der Linse. Um nun dasselbe klar
,,zu sehen, mußte mein Auge in einem Abstände von 8 Zoll hinter dem
„Bilde, und mithin 12 (!) Zoll von der Linse entfernt seyn. Nach dieser
,, Vorbereitung sähe ich das Bild der Feder sehr deutlich zwischen dem
„Glase und dem Auge, wie in der Luft schwebend; selbst die Hand,
„mit welcher ich die Feder hielt, schien mir diesseits des Glases zu
„seyn." Mit einem weißlichen, dünnen, spitzigen Holze als Objekt gehe
es noch besser; gut sei es, wenn man die Experimente vor einem dunkeln
Hintergrunde anstelle, sich vor Reflexen hüte und kurze Brennweiten
nähme, damit man keine zu große Entfernung zwischen Linsenbild und
Linsenrand habe und nicht immer den Akkommodationszustand ändern
müsse.
Ein Jahr darauf, 1772, stellte der Ophthalmologe J. Janin de Combb
Blanche (P.) seine Versuche über binokulare Farbenmischung an. Er
benutzte zu diesem Zwecke, wie L. A. von Arnim (/.) berichtete, Brillen
mit verschieden, beispielsweise blau und gelb, gefärbten Gläsern, und er
erhielt bei der Betrachtung eines Gegenstandes durch eine solche Brille
mit beiden Augen dieselbe Mischfarbe, die sich ergab, wenn der gleiche
Gegenstand einäugig durch beide Gläser betrachtet wurde. Seine Resultate
sind in der Folgezeit mehrfach bestätigt worden.
In der Verfolgung eines ähnlichen Zieles konstruierte Ch. N. A.
DE Haldat (i.) 1806 seinen Mischapparat für Pigmentfarben; dieser ist
schon als ein linsenloses Stereoskop für schwach geneigte Blickrichtungen
anzusehen, nur wurden den Augen keine Zeichnungen, sondern je ein
verschieden gefärbtes Täfelchen dargeboten. Mit diesem Instrument wies
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1. Die Zeit vor Ch. Wheatstonb usw. 33
er nach, daß die Mischfarbe zum Bewußtsein kommen könne, wenn auf
jedes der beiden Augen eine verschiedene Farbe wirke. Er beschrieb
sehr deutlich, wie die endgültige Vereinigung der beiden gleichgroßen
Farbenplättchen geradezu ruckartig vonstatten ginge.
Im deutschen Sprachgebiete hatte man die im Vorhergehenden er-
wähnten Versuche und Lehrmeinungen namentlich der englischen Optiker
mit Interesse verfolgt; ja, sie fanden sich zum Teil sogar in den ge-
lehrten Nachschlagewerken, die nach der Weise der Nation gründlich
aber auch schwerfällig abgefaßt waren, gleichsam einbalsamiert vor,
doch scheint es nicht, als habe man etwas Rechtes damit anzufangen
verstanden. Nur in einem Falle findet sich eine anscheinend ganz selb-
ständige Beobachtung der Bilder eines Hohlspiegels.
August Wilhelm Zachabiä, der Mathematiklehrer der Roßlebener
Klosterschule, hatte sich mit der Lage der reellen Bilder vor dem Hohl-
spiegel beschäftigt, die auch bei einäugiger Beobachtung gut bestimmt
werden konnte, wenn Objekt und Spiegelbild rasche Bewegungen aus-
führten. Durch einen sachverständigen Rezensenten seines kleinen Be-
richts wurde er auf die Bedeutung aufmerksam gemacht, die die beid-
äugige Beobachtung für die sichere Fixierung des Bildabstandes vom
Spiegel habe, und er (!•) entwickelte dann in einem neuen Aufsatze
diese Anregung sehr folgerichtig. Er wies darauf hin, daß dann, wenn
das Bild so klein entworfen werde, daß von seinen Punkten die Strahlen
in beide Augen gelangen, vermittels der Parallaxe eine genaue Fest-
stellung auch des ruhenden Bildes möglich sei, während bei einäugiger
Betrachtung die Neigung bestehe, es in die Spiegelfläche selbst zu ver-
legen. A. W. Zachariä hat eine ganz gute Übung in der Beobachtung
von Doppelbildern besessen: so erwähnte er, daß er bei Fixierung des
Spiegelrandes die beiden Doppelbilder in die Spiegelfläche hinein verlege,
während sie sofort zu einem vor dem Spiegel liegenden Bilde ver-
schmölzen, wenn er seine Aufmerksamkeit auf dieses von dem Spiegel
entworfene Bild des Objekts richte. In der Berücksichtigung des Strahlen
ganges stand er geradezu bemerkenswert hoch.
Es schien angezeigt, bei diesem Falle länger zu verweilen, einmal
weil er später von H. W. Dove {6. 166.) und von H. Helmholtz {2. 625,)
gelegentlich behandelt wurde, und dann weil auch daraus wieder hervor-
geht, wieviel noch dazu gehörte, die Beschränkung auf den vorliegenden
Fall des Spiegels fallen zu lassen und an seine Stelle zwei physische
Bilder für die beiden Augen zu setzen. Aller Wahrscheinlichkeit nach
ist das hier aufgeführte Material zu jener Zeit nicht so vollständig zu-
sammengetragen gewesen, aber selbst dann ist es mehr aufgefaßt worden
als eine Reihe unvermittelt nebeneinander stehender optischer Kuriositäten.
V. Bohr, Binokulare Insimmente.
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34 II. Historischer Teil.
Die Entwicklung der holländischen Doppelfernrohre.
Es liegt die unabweisbare Aufgabe vor, auf die Entwicklung des
verbreitetsten aller binokularen Instrumente einzugehen, auf die des
doppelten Opernglases. Der Bericht darüber muß hier seine Stelle finden,
weil die Erfindung und Ausbildung dieses Instruments von der Wheat-
STONEschen Erkenntnis des Wesens des beidäugigen Sehens allem An-
scheine nach ganz unabhängig ist: die Operngudker werden vor jenen
grundlegenden Untersuchungen bekannt, und wenn auch ihre Einführung
zum größeren und wichtigeren Teile in die Jahre nach 1838 fällt, so
bleibt es für lange Zeit bei diesem rein zeitlichen Zusammenhang.
Es ist nicht ohne Interesse, die grundsätzliche Verschiedenheit der
Bestrebimgen zu verfolgen, durch die die beiden alten Instrumente, das
Fernrohr und das Mikroskop, dem beidäugigen Gebrauche angepaßt
wurden. Denn die Entwicklung der marktgängigen Typen der Doppel-
femrohre — wo allerdings infolge der im 19. Jahrhundert stets fest-
gehaltenen Parallelität der Achsen die Verhältnisse auch einfacher lagen —
wurde von allgemeinen stereoskopischen Überlegungen nicht eher be-
einflußt, als bis in ganz später Zeit die Prismendoppelfernrohre dem
großen Publikum dargeboten wurden. Im Gegensatz dazu stand die
Entwicklung des binokularen Mikroskops von Anfang an unter dem
Zeichen der angewandten stereoskopischen Erkenntnis, und von der er-
folgreichen Weiterbildung dieses Instruments ist der Optiker von vorn-
herein ausgeschlossen gewesen, der weiter nichts war als ein geschickter
Handwerker.
Auch die bloße Kenntnis der Doppelfernrohre scheint mehr und
mehr verloren gegangen zu sein, je weiter man sich von der Mitte des
18. Jahrhunderts entfernt. Später mag die französische Revolution auf
diese schwachen Triebe am Baume der Kultur verhängnisvoll eingewirkt
haben. Auch die umfassende Ausgabe des GEHLERschen Wörterbuches
im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts enthält anscheinend Angaben
darüber ebensowenig wie etwa gleichzeitige Darstellungen aus dem eng-
lischen Sprachgebiete.
Doppelfernrohre traten zuerst wieder auf in einem dem Wiener
Optiker Fe. Voigtländeb, ( J.) 1823 erteilten österreichischen Privilegium.
Er*) setzte zwei holländische Fernrohre (Perspektive, wie sie damals
genannt wurden) mit einfachen oder achromatischen Objektiven so zu-
sammen, daß ihre parallelen Achsen die Mitten beider Augen trafen. Er
ließ übrigens für die beiden Augen eine gesonderte Einstellung zu. Schon
anderthalb Jahre später erhielten die Wiener Optiker und Mechaniker
*) Die genaueren Angaben sind mir durch die freundlichen Bemühungen des
Herrn Hofrats J. M. Eder in Wien zugänglich geworden.
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1. Die Zeit vor Ch. Wheatstone usw. 35
B. WiEDHOLD (1.) und A. Schwaiger ein Privilegium auf eine solche Ver-
bindung der beiden Rohre, daß sie dem Augenabstande des Beobachters
angepaßt werden konnten.
Hält man an den unachromatischen Objektiven fest, so gehen diese
Vorschläge nicht über die CnoREzischen Ideen von 1625 hinaus. Für
holländische Femrohre mit achromatischen Objektiven aber ist diese
zweifellos unabhängige Nacherl&ndung von großer Wichtigkeit gewesen,
wenn dabei Objektive mit großem Öffnungsverhältnis angewendet worden
sind. Das ist wahrscheinlich, denn man wird solche Instrumente für
die einäugige Beobachtung sicherlich verhältnismäßig früh angewandt
haben, weil sie ein größeres Gesichtsfeld boten. Leider ist aber der
Entwicklung des holländischen Fernrohrs im 18. und 19. Jahrhundert
außerordentlich wenig Beachtung geschenkt worden. So ist noch nicht
einmal genau bekannt, wann die Achromatisierung des Objektivs bei diesen
Fernrohrtypen zuerst vorgenommen wurde.*)
In dem Ursprungslande scheint die Neuerung keinerlei Aufsehen
gemacht zu haben; mindestens in der hier benutzten Literatur findet
man keine gleichzeitige Beziehung auf das VoioTLANDERsche Doppel-
fernrohr. Dagegen ist es wohl diese Anregung gewesen, die in Frank-
reich eine so bereitwillige Aufnahme fand.
Gegen Ende April 1825, etwa sechs Wochen nach dem obener-
wähnten Gesuch von B. Wiedhold und A. Schwaiger bewarb sich der
Pariser Optiker J. Ph. LemiEre {!,) um ein Patent, **) und zwar suchte er,
wie es sehr bezeichnender Weise heißt, um Schutz für die Einfuhr und
Verbesserung von Doppelfernrohren nach. Wenn in seiner Beschreibung
nun auch der Name des ausländischen Erfinders nicht genannt worden
ist, so wird man hinter diesem Unbekannten doch wohl Fr. Voigtländer
suchen müssen, da ein anderer Bewerber um die Priorität vorläufig nicht
*) Durch die liebenswürdige Auskunft des Herrn Alfred Nachet bin ich
davon unterrichtet worden, daß schon gege9 Ende des 18. Jahrhunderts holländische
Einzelrohre mit achromatischen Objektiven verkauft wurden. Namentlich die
DoLLONDsche Firma hat zuerst solche Instrumente herausgebracht, die wahre
mechanische Kunstwerke waren. Und in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts
erreichte die Fabrikation derartiger Theatergläser in Paris einen sehr hohen Stand:
die Pracht ihrer äußeren Ausstattung und die Vollendung der häufig zahlreichen
Auszüge erregen in gleicher Weise die Bewunderung der heutigen Zeit.
**) Der obenerwähnte J. Rouyer (1. 79.) verlegt die Wiedererfindung des Doppel-
förnrohrs in das Jahr 1816 und schreibt sie Beautain und Lemi^be zu. Bei diesen
Angaben scheinen aber mehrere Mißverständnisse untergelaufen zu sein. In dem
Inhaltsverzeichnis zu den ersten vierzig Bänden der französischen Patentsammlung
findet sich nämlich nur der Name Bautain, und zwar für ein am 15. Mai 1824
nachgesuchtes Femrohrpatent, worüi es sich um eine einfache Einstell Vorrichtung
handelt. Bei der ausführlichen Wiedergabe erscheint als Erfinder sogar Ch. T. Baütin.
Für J. Ph. Lemiäre gibt aber die Sammlung nur das eine Patent vom 28. April 1825
an, das hier besprochen wird.
3*
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36 II« Historischer Teil.
bekannt ist. Wenn man also nach seiner eigenen Angabe J. Ph. Lemiurb
nicht als einen Erfinder ansehen kann, so muß man doch seinem tech-
nischen Geschick volle Anerkennung zollen, denn in der Tat ging aus
seinen Händen das holländische Opernglas so ziemlich in der Form her-
vor, die es noch heute bewahrt hat. Auf ihn geht die gemeinsame
Scharf Stellung der beiden Fernrohre zurück; wenn er den Antriebs-
mechanismus auch zunächst in das eine der beiden Rohre gelegt hatte,
so sah er doch bereits in der ersten Patentschrift die Möglichkeit vor,
ihn in der Mitte zwischen beiden Rohren gesondert anzubringen. Auch
die beiden vornehmsten Anpassungsmöglichkeiten für den Augenabstand,
mit Hilfe des mittleren Gelenks und durch Parallelverschiebung der
beiden Rohre finden sich schon bei ihm und sogleich in einer schönen
imd zweckmäßigen Ausgestaltung.
Es ist das bis auf kleine Einzelheiten derselbe Entwicklungsgang,
der sich bei der Ausgestaltung des BREWSTERschen Prismenstereoskops
wiederholen sollte; bereits hier bedurfte es des mechanischen Geschicks
eines französischen Fachmannes, damit eine wichtige Idee des Auslandes
eine zweckmäßige Verkörperung erhalte. Diese beiden Väter des hollän-
dischen Doppelfernrohrs, Fr. Voigtländer und J. Ph. Lemi£re, hätten
wohl verdient, wegen ihrer Leistung als Urheber des optischen Instru-
ments von weitester Verbreitung besser bekannt zu sein, als sie es
heute sind.
In den ersten Jahrzehnten nach diesen Ereignissen hört man von
den doppelten Operngläsern sehr wenig; es sind eigentlich nur einige
französische Patentschriften aus den dreißiger Jahren, wonach man
schließen kann, daß jene Idee nicht wieder in Vergessenheit geraten war.
Die für den vorliegenden Zweck nicht besonders wichtigen Verbesse-
rungen bezogen sich auf die Verminderung von Gewicht und Umfang.
Es sind in der Tat ernsthafte Bestrebungen verfolgt worden, die Metall-
teile der beiden Rohrkörper bis auf leichte Rahmen zusammenschwinden
und die Abhaltung des Seitenlichts- durch Zeugbalgen besorgen zu lassen.
Da diese Instrumente im Anfang einen Handgriff an ihrer linken Seite
aufwiesen, so war eine solche, dem heutigen Beurteiler unerträgUch
scheinende Minderung der starren Teile damals immerhin möglich. Ja
sogar eine Ausgestaltung der Haltereinrichtung zu einem brillenartigen
Gestell ist versucht worden. Die Verkleinerung des Umfanges bei zu-
sammengeschobenen Rohren suchte man ganz in der Art, wie man im
Anfang des 19. Jahrhunderts das holländische Einzelrohr behandelt
hatte, durch mehrere Auszüge zu erreichen, und die zweckmäßigste Ausge-
staltung des Ausziehmechanismus in solchen Fällen hat die französischen
Optiker im Anfang des fünften Jahrzehnts vielfach beschäftigt.
In verschiedenen Zeitromanen des großen Novellisten W. M. Thackeray
ist darauf hingewiesen worden, daß die Doppelgläser in England erst
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1. Die Zeit vor Ch. Wheatstone usw. 37
um den Anfang der vierziger Jahre in Aufnahme kamen, doch wird
sich Genaueres über die Art ihrer Einführung nur ermittehi lassen, wenn
eingehendere Äußerungen Unbeteiligter oder objektiver gehaltene Berichte
als die Patentschriften aufgefunden werden könnten, ein Erfolg, der
dieser Arbeit versagt geblieben ist. Immerhin läßt sich selbst aus den
Patentschriften entnehmen, daß noch für längere Zeit, vielleicht die
ersten zwanzig Jahre, das Doppelfemrohr als eine Art Spielerei, ein un-
edles Erzeugnis der Optik, verrufen war, was möglicherweise damit im
Zusammenhang stand, daß sich die bekannteren Pariser Optikerfirmen
entweder gar nicht oder doch erst sehr spät mit diesem Instrument be-
faßten. Um die Mitte der vierziger Jahre war aber jedenfalls die Würdi-
gung dieser Instrumente so allgemein, daß Fe. Voigtländbb {2.\ dem
allerdings die Pflege dieses Kindes seiner Werkstätte besonders am Herzen
hegen mochte, den durch J. Pbtzval verbesserten Fernrohrtypus wohl
auch in Einzel-, besonders aber in Doppelgläsern auf den Markt brachte.
Die Doppelinstrumente wurden zu sehr annehmbaren Preisen angeboten :
sie kosteten mit dreifacher Vergrößerung 50 fl. (etwa 100 M.), mit vier-
facher 70 fl. (etwa 140 M.), wenn sie mit gemeinsamer Einstellung geUefert
wurden. Mußte jedes Okular für sich eingestellt werden, so ermäßigten
sich die Preise um 5 fl. (etwa 10 M.).
Nach dieser Zeit finden sich einige Verbesserungsvorschläge, die
hier anzuführen sind, da sie sich enger an das zu behandelnde Thema
anschließen. J. J. Choquet (i.) hatte um 1841 den Einfall, seinen Doppel-
rohren einen Okularrevolver mit zwei Okularen beizugeben (eine bei
Einzelrohren längst bekannte Einrichtimg) und somit hier zuerst einen
Wechsel der Vergrößerung zu ermöglichen. — Ferner ging . . Lafleur
(1.) um 1854 von der üblichen, allein möglichen Scharfstellung beider
Okulare ab und führte für eines oder sogar für beide eine Sonder-
bewegung ein. — SchUeßhch handelte es sich bei . . Haedweilbe (J.) um
eine Steigerung der gewöhnUch die 4 fache nicht überschreitenden Vergröße-
rung auf eine 10- bis 15 fache, und zu diesem Zwecke verwandte er
als Objektiv jedes Einzelrohrs ein Teleobjektiv.
Einen Abschluß dieser Entwicklung bildete in gewisser Weise
P. G. Baedous (1.) Doppelfernrohr aus zwei terrestrischen Tuben, womit
man die stärkeren Vergrößerungen jedenfalls besser verwirkKchen konnte
als mit der Dialytkonstruktion seines Vorgängers. Der geschickte Kon-
strukteur hat selbstverständUch seinem Instrument die LEmfiEBschen
Einrichtungen für die gleichzeitige Scharfstellung und für die Anpassung
an den Augenabstand verheben, die damals schon zum allgemeinen Be-
sitztum der Techniker geworden waren.
Faßt man das Vorhergehende zusammen, so kann man sagen, daß
stereoskopische Beobachtungen im 17. und 18. Jahrhundert durchaus
nicht unbekannt waren, wie ja auch der Ursprung der ersten stereo-
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38 II. Historischer Teil.
skopischen Instrumente, der Doppelfernrohre und der binokularen Mikro-
skope, unzweifelliaft auf diese Periode zurückgeht. — Namentlich die
allerdings sehr überraschenden Erscheinungen dieser Art, wie sie sich an
reellen, von Hohlspiegeln entworfenen Bildern zeigen, waren mehrfach
und mit großer Gründlichkeit untersucht worden. Auch die natürliche
Tiefenwahrnehmung durch das binokulare Sehen war sorgfältig studiert
worden und hatte schon früh zur Aufstellung einer Lehre geführt, die
der später unter dem Namen E. Brückbs bekannten nahesteht. Über
die Wahrnehmung von absoluten Entfernimgen und Tiefenunterschieden
finden sich bemerkenswerte Versuche und Ansichten. Ja, R. Smith war
sogar zur Anfertigung einer stereoskopischen Zeichnung gekommen, und
J. Harris hatte ein allgemeines Theorem aufgestellt, das dem Leitsatze
einer stereoskopischen Theorie schon nicht mehr gar zu fern stand. Aber
noch fehlte die klare Erkenntnis, daß eine Tiefenwahrnehmung nur
dann zustande komme, wenn jedem Auge eine besondere Perspektive
dargeboten werde, die von der des ändern verschieden sei. Diese Forde-
rung war tatsächlich, aber wohl nur zufällig, in der SiOTHischen Zeich-
nung verwirklicht, und ihre Formulierung ist dem verdienten Forscher
nicht gelungen.
Was die stereoskopischen Instrumente angeht, so handelte es sich
von jeher für weitere Kreise nur um die Doppelfernrohre, und es konnte
im Vorhergehenden gezeigt werden, daß diese Instrumente noch etwa
um die Mitte des 18. Jahrhunderts regelmäßig angefertigt wurden und
ihren Platz in den optischen Handbüchern hatten. Dann verschwanden
sie so gut wie ganz, und es ist wohl anzunehmen, daß die wesentliche
Verbesserung, die das Fernrohr in den Händen J. Dollonds durch die
Achromatisierung des Objektivs erfuhr, und die der Schwierigkeit der
Glasbeschaffung wegen wenigstens vorläufig auf die Einzelrohre beschränkt
blieb, der Grund für die Mißachtung war, der die alten chromatischen
Doppelrohre verfielen. Achromatische Doppelfemrohre des holländischen
Typus aber traten erst um 1823 und auch da zunächst nur sehr ver-
einzelt auf, bis sich allmählich in den vierziger und fünfziger Jahren ein guter
Markt für diese Instrumente eröffnete. Ihre Ausbildung wurde dann im
wesenthchen von Pariser Künstlern stetig und auch zweckmäßig durch-
geführt, ohne daß jedoch von dem Zuwachs der theoretischen Kenntnis
des beidäugigen Sehens ein entsprechender Vorteil gezogen worden wäre.
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2. Das Spiegelstereoskop Ch. Wheatstones usw. 39
2. Das Spiegelstereoskop CH. WHEATSTONEs und die
Zeit bis zur Erfindung des BREWSTERschen Prismen-
stereoskops.
Wohl im Anfange der dreißiger Jahre fiel es dem englischen Physiker
Ch. Wheatstonb (i. 379.) auf, daß bei beidäugiger Betrachtung der
strahlige Reflex einer Kerzenflamme an einer auf der Drehbank polierten
Scheibe als eine gerade Linie diese Scheibe zu durchdringen schien.
Ihm bot sich die richtige Erklärung in der Verschiedenheit der den
beiden Augen dargebotenen Bilder dar, und er tat den Schritt, der
seinen Vorgängern nicht gelungen war. Er sah von der zufälligen Er-
scheinungsform der Spiegelbilder ab und fand, daß die Erscheinung
auch dann eintritt, wenn zwei verschiedene physische Bilder eines Gegen-
standes den beiden Augen einzeln dargeboten werden. Ändere man nun
bei Festhaltung dieser Bilder durch künstliche Mittel die Konvergenz
der beiden Blickrichtungen, so ergäbe sich ein Relief, das je nach der
Konvergenz größer oder kleiner aufgefaßt werde. Diese erste Nachricht
über seine Versuche, die Ch. Wheatstonb, der damals gerade mit der
Ausarbeitung des elektrischen Zeigertelegraphen beschäftigt war, zur Wah-
rung seiner Priorität an die Öffentlichkeit brachte, findet sich 1833 in der
dritten Auflage der MAYOschen Physiologie, aber sie hat allem Anscheine
nach selbst auf Männer der Wissenschaft keinen Eindruck gemacht.
Erst fünf Jahre darauf hatte er Muße genug, seine Forschungs-
ergebnisse ausführlich zu veröffentlichen, und das geschah in dem ersten
der beiden aus seiner Feder stammenden hauptsächlichen Aufsätze {!.),
Bei der großen Bedeutung, die seine Arbeit für den vorliegenden Zweck
hat, und bei der eigentümUchen, weitverbreiteten Unkenntnis ihres Inhalts
muß eine etwas eingehendere Darstellung des Wichtigsten an dieser Stelle
Platz finden, und zwar mag dabei die Absonderung der 16 Abschnitte
des Originals kenntUch gemacht werden.
Werde ein Objekt beidäugig aus der Nähe betrachtet, so ergäben
sich verschiedene Bilder für die beiden Augen, wie man bei einem ein-
fachen Versuch leicht feststellen könne. Wenn das nicht schon viel früher
bemerkt worden sei, so sei der Grund darin zu suchen, daß man all-
gemein von der Richtigkeit der Annahme korrespondierender Netzhaut-
stellen überzeugt gewesen wäre und identische Projektionen desselben
Gegenstandes auf beide Netzhäute vorausgesetzt habe. Einzig L. da Vinci
sei auf dem Wege zu der richtigen Erkenntnis gewesen, wenn er darauf
hingewiesen habe, daß auch richtig entworfene Gemälde, beidäugig be-
trachtet, nie eine vollkommene Täuschung herbeiführen könnten. —
Biete man nun je ein ebenes Projektionsbild jedem der beiden Augen
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40
II. Historischer Teil.
dar, so erhalte man den Eindruck eines körperlichen Gegenstandes. Als
einfache Hilfsmittel kämen die in Fig. 22 und 23 vorgeschlagenen Ein-
richtungen in Betracht, die so getroffen worden seien, daß sie das
störende Nebenbild für jedes einzehie Auge ausschlössen. Im ersten Falle
seien die Augen auf einen Punkt gerichtet, der weiter entfernt sei als
die Ebenen der beiden Zeichnungen, im zweiten Fall aber liege der Kon-
Fig. 22. Fig 23.
Ch. Wheatstones (I. Taf. X) einfache Stereoskope ohne optische TeUe für
gleichgerichtete gekreuzte
Blickrichtungen.
vergenzpunkt näher als die Zeichnungen. — Vollkommener aber als diese
Hilfsmittel sei das als Stereoskop eingeführte Instrument (Fig. 24). Dabei
würden den Augen dargeboten die von zwei ebenen, gegeneinander unter
90 Grad geneigten Spiegeln entworfenen Bilder von Zeichnungen, die
mit den Ebenen der zugehörigen Spiegel einen Winkel von 45 Grad
bildeten. Beim Einschieben von Zeichnungen in die Rillen habe man
darauf zu achten, daß sich die Horizonte beider Bilder in gleicher Höhe
befänden. Eine Schraube mit Rechts- und Linksgewinde erlaube die
Entfernung der beiden Bildebenen von den Spiegeln übereinstimmend
zu verändern. — Einige Umrißzeichnungen einfacher Körper wären als
Muster beigegeben. — Vertausche man die beiden Bilder im Stereoskop,
so ergebe sich eine Veränderung der Entfernungen: man erhalte die
konvertierte (converse) Figur. Dabei müsse aber hervorgehoben werden,
daß diese Auffassung nur gelinge, wenn sie der Erfahrung nicht durchaus
widerspreche. — Der durch das Stereoskop vermittelte Eindruck unter-
scheide sich nicht von dem, den ein physischer Körper hervorrufe. Zum
Beweise dafür würden zwei Würfelskelette im Stereoskop benutzt. Stelle
man sie so, daß die Projektionen ihrer Umrisse unter Berücksichtigimg
der entsprechenden Spiegelung den Halbbildern eines Würfels oder seiner
konvertierten Figur entsprächen, so sehe man auch jetzt im Stereoskop
den Würfel oder die konvertierte Figur. Würden sie aber so gestellt,
daß ihre Projektionen für beide Augen gleich würden, so ergebe die
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2. Das Spiegelstereoskop Ch. Wheatstones usw.
41
Vereinigung kein Relief, sondern eine ebene Figur. — Bei einem sym-
metrischen Objekt, dessen Symmetrieebene die Medianebene des Be-
äQ
Fig. 24.
Ch. Wheatstones (i. Taf. X) Spiegelstereoskop.
Vorderansicht und Grundriß.
obachters sei, wären auch die beiden Projektionen symmetrisch. Das
gestatte die Konstruktion eines vereinfachten Spiegelstereoskops, dessen
Grundriß in Fig. 25 wiedergegeben sei. A sei
darin die Spur der Bildplatte, M, M' zwei
ebene Spiegel, B, B die Spiegelbilder von A
und D, D' seien Schirme, die das Zustande-
kommen der störenden Doppelbilder verhin-
derten. Die Bildplatte könne in diesem Falle
symmetrischer Zeichnimgen aus Papier aus-
geschnitten oder überhaupt aus Draht her-
gestellt werden. Rotiere die Bildplatte in ihrer
Ebene um 180 Grad, so veranlasse sie einen
Eindruck von dem konvertierten Körper. —
Eine stereoskopische Beobachtung werde auch durch die Reflexe an einer
auf der Drehbank polierten Scheibe ermöglicht, und ferner finde sich
Fig. 25.
Ch. Wheatstones (1. Taf. X) ver-
einfachtes Spiegclstereoslcop.
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42 II. Historischer Teil.
bei R. Smith eine stereoskopische Beobachtung mit Hilfe eines Zirkels
(s. S. 29). — Wenn nun hinsichtHch der Gesichtswahrnehmung ein wesent-
licher Unterschied zwischen dem einäugigen und dem beidäugigen Sehen
bestehe, wie könne dann ein Einäugiger eine richtige Tiefenanschauung
erhalten? Das geschehe unter der Mitbenutzung von Kopfbewegungen.
Aber auch perspektivische Zeichnungen könnten eine sehr weitgehende
Täuschung herbeiführen, zumal wenn die störenden Nachbarobjekte durch
geeignete Schirme abgeblendet würden. Besonders groß werde die Illusion,
wenn die Zeichenebene eine ungewohnte Lage habe, denn dann stelle
man sich das Objekt selbst leichter vor als seine Projektion. — Handele
es sich um Zeichnungen von Skeletten geometrischer Körper, so könne
hier leicht namentHch bei einäugiger Betrachtung die Konversion auf-
treten; diese und ähnliche Probleme seien schon häufiger behandelt
worden, und zwar sei zunächst auf die NECKERsche Arbeit verwiesen. —
Auch die GMELiNschen und BREWSTERschen Beobachtungen gehörten dazu.
Ganz besonders merkwürdige Folgen habe die Konversion eines Würfel-
skeletts, wenn damit Drehungen und Bewegungen vorgenommen würden.
Diese seien dann mit der Wahrnehmung einer ständigen Formveränderung
des Skeletts verbunden. — Wenn bei den unähnlichen Halbbildern doch
die Gegenstände einzeln, ohne Doppelbilder, erschienen, obgleich sie im
Auge nicht auf korrespondierende Netzhautstellen fallen, so könne um-
gekehrt gezeigt werden, daß ähnUche Bilder auf korrespondierenden
Netzhautstellen getrennt wahrgenommen werden könnten. (Die Einzel-
heiten dieses Beweises sind hier, dem Charakter der vorliegenden Dar-
stellung entsprechend, weggelassen worden.) Das gäbe einen Beweis gegen
die Notwendigkeit einer Verbindung zwischen den korrespondierenden
Netzhautstellen. — Zwei gleiche Bilder nicht zu verschiedener Größe
könnten miteinander zu einem einheitlichen Eindrucke verschmolzen
werden. Das so entstehende Bild erscheine in einer scheinbaren Größe,
die zwischen den Werten der beiden Teilbilder liege. Entsprechendes
sei der Fall beim natürlichen Sehen, wenn das Objekt seitUch liege. —
Biete man im Stereoskop den beiden Augen Bilder von ganz verschiedener
Form dar, so werde bald das eine, bald das andere wahrgenommen.
Dasselbe gelte von verschieden gefärbten, ähnlichen Zeichnungen. An-
zunehmen, wie das neben andern Reid täte, daß in diesem Falle die
Mischfarbe wahrgenommen würde, sei irrig. — Großes Interesse habe
von jeher die Frage erregt, in welcher Richtung ein beidäugig gesehenes
Objekt erscheine. Die Richtung beim einäugigen Sehen könne man nach
Sir David Brewsters Gesetz (law of visihle direction) identisch annehmen
mit der Richtung der Verbindungslinie des betreffenden Netzhautpunktes
mit dem Augenzentrum. Die Frage nach der Richtung des beidäugigen
Sehens sei von Agüiloniüs, Wells, Reid und Neueren studiert worden,
wobei besonders die MüLLERschen Studien über den aus der Lehre von
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2. Das Spiegelstereoskop Ch. Wheatstones usw. 43
den korrespondierenden Netzhautstellen folgenden Horopterkreis für eng-
lische Leser von Interesse wären. Doch könne diese Lehre nicht an-
genommen werden, da danach Objektpunkte, die nicht auf dem Horopter-
kreise liegen, nicht einfach erscheinen könnten, was nach den mitgeteilten
(hier weggelassenen) Versuchen doch offenbar der Fall sei. — Handele
es sich nun um eine positive Erklärung der Erscheinungen im Stereo-
skop, so werde sie noch aufgeschoben, und es werde nur eine Kritik
der einfachsten Erklärungsversuche gegeben. Sehen mit bewegten Augen,
wobei nach und nach alle Teile der Oberfläche fixiert werden, könne es
nicht sein, weil man im Stereoskop auch mit ruhenden Augen körperlich
sehe und außerdem die Nachbilder von perspektivischen Zeichnungen
einfacher Körpermodelle stereoskopisch vereinigen könne. Umgekehrt
aber könne man auch nicht sagen, daß körperliche Objekte, die mit
unbewegten Augen betrachtet würden, nicht doppelt erschienen, denn
das widerlege ein einfaches Experiment. Es scheine eine gewisse Er-
fahrung dazu zu gehören, um Objektpunkte einfach zu sehen, die auf
nicht korrespondierenden Netzhautstellen abgebildet würden.
Die Aufnahme des an Ideen überreichen Vortrags war glänzend;
Sir David Bbewster war damals von der Neuheit der Versuche und
der OriginaUtät des Gedankens hingerissen und verkündete das Lob seines
englischen Kollegen mit Begeisterung. Und dieses Lob war in der Tat
verdient. Man merkt es dem Vortrage an, daß sein Gegenstand den
Autor Jahre hindurch beschäftigt hatte. In der Angabe von exakten
Experimenten bewährte Ch. Wheatstone seine Meisterschaft, und er hat
schon zu dieser Zeit neben den eigentlichen stereoskopischen (oder wie
sie später genannt wurden, orthoskopischen) fast unbewußt auch die
fseudoskofischen Eindrücke veröffentUcht. Die Erklärung dieser Erschei-
nungen ist auf S. 18 gegeben worden. Außerdem aber machte er damals
schon auf den später von anderen behandelten Fall aufmerksam, daß
zwei je einem Auge geeignet vorgeführte Körper auch eine ebene Zeich-
nung vortäuschen könnten. In der historischen Behandlung der eigent-
Uchen Stereoskopie war er nicht besonders glücklich, doch hat er
wenigstens auf einen seiner Vorgänger hingewiesen. Sein unvergängliches
Verdienst aber bleibt es, zum ersten Male die Notwendigkeit betont zu
haben, den beiden Augen verschiedene Zeichnungen vorzuführen.
Die Konversion von Skeletten stereometrischer Figuren beim ein-
äugigen Sehen gehört nicht zu dem in dieser Schrift behandelten
Gegenstande; es ist aber vielleicht am Platze, auf die erfolgreiche Be-
arbeitung hinzuweisen, die dieses Problem in neuester Zeit von L. Burmester
(1.) erfahren hat.
Der erste Widerspruch gegen Ch. Wheatstones Erklärungsversuche
kam einige Jahre später, 1841, aus Deutschland. Hier begann eben die
neue Schule der Naturforscher ihren erfolgreichen Kampf gegen die
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44 II. Historischer Teil.
Naturphilosophen, und es war einer der Rufer im Streit, E. Brücke,
der (i.) sich der Lehre von den korrespondierenden Netzhautstellen an-
nahm. Er hob im Gegensatz zu Ch. Wheatstone die außerordentliche
Wichtigkeit der Augenbewegungen hervor, erklärte die große Bedeutung
eines steten Wechsels der Konvergenz, also gleichsam eines Abtastens
der Oberfläche mit dem fixierten Punkt. Wenn er in der Abweisung
der Whbatstone sehen Ansicht einer stereoskopischen Wahrnehmung mit
ruhigem Blicke zu weit ging, so wies ihn H. W. Dovb (i.) mit einer
unmittelbar darauf publizierten Notiz auf die Möglichkeit hin, auch bei
momentaner Beleuchtung Relief wahrzunehmen. Zu gleicher Zeit begann
er, sich mit der Farbenmischung im Stereoskop zu beschäftigen, deren
Möglichkeit von Ch. Whbatstone bestritten worden war. Allerdings er-
wähnte auch er nicht die Namen seiner Vorgänger J. Janin und
A. DB Haldat. Er stellte seine Versuche in Analogie zu den TAETiNischen
Tönen, die durch die Kombination verschiedener Einzeltöne in den beiden
Ohren entstehen. Doch waren seine Ergebnisse zu dieser Zeit noch nicht
sehr weit gediehen.
Die BEüCKEsche Notiz löste aber noch eine andere, und zwar
durchaus zustimmende Publikation aus. C. Th. Tourtüal {1.) hatte
seine Schrift schon längere Zeit vorbereitet, er beendete sie nun schnell
und brachte sie gegen Ende des November 1841 zum Druck. Er
formulierte die Bedingungen näher, unter denen das Sehen mit ver-
änderlicher Konvergenz vonstatten gehe. Zu diesem Zwecke führte er
eine Ebene („Horopter" ebene) ein, die im Zielpunkte der Sehachse des
Einzelauges auf ihr senkrecht stände. Entwerfe man nun von irgend
einem Objekt aus dem Augendrehpunkte eine Projektion auf diese Ebene,
so habe man die Form des Bildes, das auf der Netzhaut entstehe. Zur
Hervorrufung eines deutlichen Rehefs genüge es daher auch, wenn die
beiden Projektionsfiguren auf den entsprechenden „Horopter "ebenen der
beiden Augen verschieden seien; die sie verursachenden Zeichnungen
könnten auch identisch sein. Zum Beweise änderte er das Whbat-
stone sehe Stereoskop etwas ab, so daß man den identischen Zeich-
nungen (etwa zwei Kreisen) eine symmetrische Drehung um eine vertikale
Achse erteilen konnte. Das habe zur Folge, daß ein Oval je nach der
Drehung vor oder hinter der Hauptbildebene des Stereoskops zu schweben
scheine. Sehr anziehend sind auch seine Versuche mit den Draht-
modellen, doch scheint es nicht, als sei er in dieser Hinsicht über das
von Ch. Whbatstone vorgebrachte hinausgekommen. Die ganze Art
seiner Polemik gegen diesen bedeutenden Physiker ist musterhaft sachlich.
Es mag hier bemerkt werden, daß diese „ Horopter* *ebene in einer
sehr vollkommenen und der damaligen Zeit weit vorauseilenden Weise
die beim direkten Sehen vorliegenden Verhältnisse berücksichtigte; sie
ist identisch mit der viel später von M. von Rohr im Ausbau der
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2. Das Spiegelstereoskop Ch. Wheatstones tisw. 45
Abbe sehen Theorie eingeführten Einstellungsebene für das direkte Sehen.
Ferner sei darauf hingewiesen, daß hier wohl zum ersten Male das
später so ungemein häufig in Angriff genommene Problem erledigt wurde,
bei der Benutzung von zwei Kopien einer und derselben Zeichnung
doch ein ReUef zu sehen.
Fast genau ein Jahr später erschien eine dritte Arbeit, die sich
gegen den Wheatstone sehen Erklärungsversuch richtete und die Wichtig-
keit der wechselnden Konvergenz betonte. Es war das die Inaugural-
dissertation des jungen Genfer Gelehrten A. P. Puevost (!•); ihr Verfasser
erkannte in offener Weise das Mißgeschick an, von den beiden, eben
behandelten Autoren imi die Priorität der Erklärung gebracht worden
zu sein.
Eine der ersten Anwendungen auf stereoskopisehe Phänomene
ohne besondere Instrumente gab 1842 der Züricher Universitätslehrer
H. Meyeä (!•). Er hatte „schon vor langen Jahren" die Bemerkung
gemacht, daß Maschenlöcher von 2 — 2^1^ cm Weite ihm plötzhch
fem und groß erschienen, ohne daß er dafür einen Grund hätte an-
geben können. Im Laufe des Jahres 1840 kam er dann auf die richtige
Erklärung, nach der sieh die Doppelbilder der Figuren decken. Bei
jenen Versuchen habe er einen hinter der Ebene der Maschen hegenden
Punkt fixiert; richte er seine Augen auf einen näher gelegenen Punkt,
so erschienen ihm die Figuren einer regelmäßigen Tapete näher und
kleiner. In seiner Begründung schloß er sich an A. Hueck (i.) an, der
bereits 1840 den Einfluß des Muskelgefühls auf die Schätzung der Ent-
fernung der Gesichtsobjekte betont hatte.
Inzwischen war der Erfinder des Instruments nicht müßig gebUeben, .
sondern er (5. 7.) hatte sich bemüht, die damals gerade veröffentlichte
Kunst der Photographie*) für die Zwecke seines Instruments heranzuziehen.
Ohne die durch die photographischen Verfahren erreichbare Genauigkeit
in der Herstellung der Halbbilder würde das Stereoskop nicht über die
*) Die Verwendung der in der Camera entstandenen Bilder geschah damals
offenbar ganz naiv, und es scheinen Überlegungen, wie die auf S. 7 mitgeteilten,
zu jener Zeit so gut wie nie angestellt worden zu sein. Es ist hier nicht der Ort,
näher auf die Entwicklung der Erkenntnis einzugehen, daß die photographische
Aufnahme eine Perspektive mit endlich geöffneten Büscheln sei; dieser Gegenstand
gehört in die Geschichte des photographischen Objektivs. Doch mag hier die Be-
merkung Platz finden, daß solche Überlegungen in früher Zeit wohl allein in Eng-
land angestellt wurden, wo sich namentlich Sir David Brewster mit diesem
Problem beschäftigte. In Deutschland und anscheinend auch in Frankreich übte
die elegante Lehre von den Haupt- und Knotenpunkten eine so blendende Wirkung
auf die Theoretiker aus, daß man sich auch heute noch zur Erledigung dieser
Fragen mit ihrer Anwendung am unrichtigen Orte genügt und die für die Per-
spektive allein in Betracht kommende Lehre E. Abbes und seiner Schüler kaum
beachtet.
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46 n. Historischer Teil
Anwendung auf einfache geometrische Figuren hinausgekommen sein.
Er fand in dem Miniaturmaler und Photographen H. Collen (i.) einen
eifrigen Helfer, der, in dem photogenischen Verfahren H. Talbots er-
fahren, sich große Mühe mit der Herstellung stereoskopischer Porträts
gab ; ferner photographierte H. F. Talbot selbst für ihn. Auch die beiden
Inhaber des von L. Daoüeeee in England genommenen Patents,
R. Beaed und A. F. J. Claudbt, wurden in dieser Zeit zur Anfertigung
von Stereogrammen herangezogen, und der französische Fachmann
H. L. FiZEAü beteiligte sich ebenfalls daran. Man wird gut tun, die
Collen sehe Erklärung anzunehmen, wonach diese Versuche mit der
stereoskopischen Porträtphotographie damals aufgegeben wurden, weil
die Expositionen noch lang waren, und es an passenden Stereoskop-
cameras gänzlich mangelte. Die Priorität dieser interessanten Versuche
wurde durch einen Vortrag L. A. J. Quetelets {1.) vor der Brüsseler
Akademie für Ch. Wheatstone gewahrt. Der dort erwähnte Name Collins
ist offenbar eine Verstümmelung des soeben angeführten H. Collen.
Hierher gehören auch die Versuche, die der Königsberger Dozent
L. Moser (i.) angestellt hatte, um mit Hilfe des Daguerre sehen Ver-
fahrens Halbbilder für das Stereoskop zu erhalten. Sie finden sich in
einem Sammelreferat für das DovEsche Repertorium der Physik und
sind nach der Unterschrift im Oktober 1841 beschrieben, wenngleich sie
bei den ständigen Publikationsschwierigkeiten dieses Sammelwerks erst
im dritten Jahre darauf erschienen. Da in deutschen Quellen nicht selten
L. Moser das Verdienst zugeschrieben worden ist, zuerst photographische
Aufnahmen für das Stereoskop herangezogen zu haben, so ist es not-
. wendig, auf diese Frage mit einigen Worten einzugehen. Die Priorität
der Publikation kommt ihm sicherlich nicht zu, da durch die Mittei-
lungen L. A. J. Quetelets die Veröffentlichung der Wheatstone sehen
Versuche bereits im Anfang des Monats erfolgt war, den L. Moser für
die Abfassung seines Berichts angegeben hatte. Es erscheint aber auch
nicht angängig, seine Arbeiten vor die gleichgerichteten Bestrebungen
Ch. Wheatstones zu legen. Aus den bereits zitierten Angaben H. Collens
und aus Ch. Wheatstones eigener Notiz geht ohne Zweifel hervor, daß
der große englische Physiker sofort nach dem Bekanntwerden der ver-
schiedenen photographischen Verfahren daran ging, sie zur Erzeugung
von stereoskopischen Halbbildern zu benutzen, und man braucht wohl
kaum einen Nachweis dafür zu führen, daß ihm das bei den unver-
gleichlich günstigen Bedingungen in London eher gelingen mußte, als einem
den photographischen Kreisen fernstehenden, gänzlich vereinzelten Ge-
lehrten in Königsberg. Wenn es daher in dessen Aufsatz heißt: „Als ich
,,vor einigen Jahren mir dergleichen Bilder anfertigte**, so ist das wohl
als eine Einschiebung aus der Zeit der Veröffentlichung anzusehen.
Wenn nun auch L. Moser diese Priorität, die er selbst auch nicht
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2. Das Spiegelstereoskop Ch. Wheatstones usw. 47
beansprucht zu haben scheint, nicht zukommt, so ist doch seine Tätig-
keit mit nichten gering anzuschlagen. Eine Beschäftigung mit photo-
graphischen Verfahren ist bei den deutschen Theoretikern jener Zeit,
mindestens soweit sie sich mit dem Stereoskop befaßten, vollständig
unerhört gewesen, und aus diesem Grunde haben auch wohl seine
Kollegen seiner Tätigkeit einen so hohen Wert beigemessen.
Sein Verfahren stimmte mit den ein wenig später allgemein ge-
bräuchlichen überein: es wurden Konvergenzaufnahmen mit einem Kon-
vergenzwinkel von etwa 21 Grad angefertigt. Er scheint aber nicht be-
merkt zu haben, daß weiter entfernte Gegenstände — er nahm mit
solchen Konvergenzen 65 — 100 m weit entfernte Häuser auf — das Aus-
sehen verkleinerter Modelle zeigen. Trotz der guten, ja überraschend
vollkommenen Wirkung seiner Aufnahmen erklärte er sich nicht ohne
weiteres für die Brücke sehe Theorie der stereoskopischen Wahrnehmung.
Er ging vielmehr dazu über, die Akkommodationsanstrengung als ein
sehr wichtiges Mittel zur Entfernungsschätzung einzuführen. Die Be-
stätigung dieser Annahme, die er erhielt, wenn er eine Zeichnung durch
eine Einzellinse betrachtete, läßt sich am einfachsten dadurch erklären,
daß er die durch eine solche Linse hervorgerufene kissenförmige Ver-
zeichnung als die Folge der Konkavität der Bildfläche auffaßte. Dies
war ihm auch der Hauptgrund für die Wirkung der Betrachtungslinsen,
die er durch Zylinderlinsen zu ersetzen empfahl, damit jene für die
Horizontalen erwünschte Bildkrümmung nicht auch den Vertikalen zu-
teil werde.
Weitere Kreise zeigten aber noch kein Interesse für das Stereoskop;
so gelang es Ch. Wheatstone damals nicht, die bekannten Londoner
Optiker A. Ross und H. Powell zur regelmäßigen Führung des Instru-
ments zu veranlassen. Es blieb vorläufig ein Instrument für Wissen-
schafter, die sich mit dem Studium der Gesichtswahrnehmungen ab-
gaben, doch erwähnte W. B. Carpenter (i.), daß um 1846 ein Händler
^ . Newman wenigstens Stereoskopbilder geführt habe.
In den wissenschaftlichen Kreisen Englands trat um diese Zeit
Sir David Brewster (i.) hervor, der sich zuerst in den ersten Monaten
des Jahres 1843 gegen Ch. Wheatstones Erklärungsversuche aussprach.
Auch er vertrat die Ansicht, daß zu einer stereoskopischen Tiefenwahr-
nehmung ein Wechsel der Konvergenz notwendig sei, und daß die
sichtbare Oberfläche mit dem Kreuzungspunkt der beiden Augenachsen
gleichsam abgetastet werde. Die Auffassung korrespondierender Netzhaut-
stellen verwarf aber auch er, und mit ihr die von J. Müller begründete
Theorie von den Horopterkreise.
Irgendwelche eingehende Kenntnis des in Deutschland geleisteten
ist um diese Zeit Sir David Brewster wohl nicht eigen gewesen, wie
er überhaupt die deutsche Sprache nicht beherrscht zu haben scheint.
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48 II. Historischer Teil.
Wenn ihm Ch. Wheatstonb (ö.) dreizehn Jahre danach ausdrücklich
den Vorwurf der Nichtbeachtung namentlich der deutschen einschlägigen
Literatur machte, so läßt sich annehmen, daß er um diese Zeit erst
recht zutreffend gewesen sein würde.
Etwa ein Jahr später behandelte er {2.) in einem kleineren Vor-
trage die Theorie der Tapetenbilder, die er inzwischen gefunden hatte,
und bemerkte ähnlich wie H. Meyer, daß diese Erscheinung gelegent-
lich bereits früher beobachtet worden sei, ohne daß man sie hätte
erklären können. Sir David Brewster ging aber insofern über seinen
Vorgänger hinaus, als er diese Tapetenbilder zu dem ersten stereo-
skopischen Meß- oder besser Kontrollverfahren benutzte. Da sich nämlich
Unregelmäßigkeiten beim Aufkleben der gemusterten Streifen als Tiefen-
unterschiede in der virtuellen Fläche bemerkbar machen, so ließ sich
darauf ein Verfahren gründen, jene Unregelmäßigkeiten durch die Be-
trachtung der leicht auffallenden Tiefenunterschiede zu entdecken.
Um diese Zeit, 1844, beschäftigte das Problem der „flatternden
Hetzen"*) die englischen Physiologen, und Ch. Wheatstone {2,) so-
wohl wie Sir David Brewster (5.) äußerten sich darüber. Der Erst-
genannte zeigte, daß das Phänomen allgemein bei Mustern aufträte, die
in kontrastreichen Farbenpaaren ausgeführt seien — früher hatte man es nur
bei solchen in Rot und Grün beobachtet — und er erklärte es mit der
Annahme, daß die Netzhaut für verschiedene Farben verschieden lange
empfindlich bleibe. Sir David Brewster dagegen schrieb den für Farben
mehr empfindlichen Seitenteilen der Retina das Hauptgewicht für diese
Erscheinung zu, denn beim Fixieren verschwinde das Zittern der Herzen
fast vollständig. Auch einseitige Beleuchtung sei nötig, wenn der Ver-
such gelingen solle.
Er (4.) kam 1848 auf denselben Gegenstand zurück, als er be-
merkte, daß die Grenze auf einer politischen Karte, da wo zwei Farben
aneinander stoßen, zwei Gebiete von verschiedenem Niveau zu trennen
schiene. Dieses Verhalten würde noch deutlicher, wenn man ein solches
Objekt beidäugig durch ein einfaches Leseglas betrachte, doch könne
man die Beobachtung schließlich auch bei Benutzung nur eines Auges
machen. Es mag hier hinzugefügt werden, daß diese bei beidäugigem
Sehen wahrgenommene Abstandsverschiedenheit farbiger Flächen auf die
Chromasie der Augenlinse zurückzuführen ist. Infolge davon werden
farbige Objekte anderen Gebieten der Netzhaut zugeordnet als gleich-
gelegene weiße und schwarze. Ein einfaches, also chromatisches Lese-
glas müsse natürlich diese Verlagerung der Netzhautbilder noch steigern.
*) Es ist das eine schlechte, aber allgemein in Deutschland gebräuchliche Über-
setzung des englischen Fachausdrucks „fluUering hearts**. Zitternde oder schwankende
Herzen würde sinngemäßer sein.
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2. Das Spiegelstereoskop Ch. Wheatstones tsw. 49
Derselbe Autor (iO.) hat dieses Hilfsmittel etwas später auch unter
einem besonderen Namen als Farbenstereoskop (chromatic stereoscope)
eingeführt.
Die hier benutzte Literatur erlaubte nicht, zu bestimmen, durch
welchen Anlaß Sir David Brewstee auf seine folgenreiche Umgestaltung
des Stereoskops gekommen ist; gewiß ist es aber, daß er 1849 mit einer
Reihe zusammengehöriger Arbeiten auftrat, die auf eine längere Vor-
bereitung schließen lassen.
Er hatte bemerkt, daß eine exzentrisch benutzte Linse eine in ihrer
Brennebene angebrachte Zeichnung ebenfalls im ünendUchen abbilde;
man erhalte auf diese Weise auch noch eine gewisse seitliche Verschie-
bung des Bildes. Das hatte zur Folge, daß man zwei Halbbilder ver-
einigen konnte, die einen ziemlich weiten Abstand voneinander hatten
und in der beiden Halblinsen gemeinsamen Brennebene angebracht
waren. Der Umstand, daß nur Halb- oder VierteUinsen für dieses Ste-
reoskop erforderHch waren, wurde von Sir David Brewstee {8») sehr
zweckmäßig ausgenutzt, um ein Linsenpaar von durchaus identischer
Brennweite herzustellen, indem die Hälften einer auseinander geschnittenen
VoUUnse dazu verwendet wurden. Er (ö.) bemerkte übrigens gleich bei
der ersten VeröffentUchung — nicht bei seinem ersten Vortrage (5.),
der erst sehr viel später gedruckt wurde — daß die seitliche Verschie-
bung verbunden sei mit einer merkwürdigen Formveränderung von Ebenen,
die nunmehr als Hohlflächen erschienen; doch scheint dieses Aussehen
damals von ihm noch nicht auf die Verzeichnung exzentrisch benutzter
Linsen zurückgeführt worden zu sein. Zu gleicher Zeit verwandte er sein
neues Stereoskop zu einem Versuche, bei dem von zwei Flächen durch-
aus gleicher scheinbarer Größe die im Stereoskop näher aufgefaßte auch
kleiner erschien. Damit sollte eine Erledigung der alten Frage nach der
scheinbaren Größe des am Horizont stehenden Mondes gegeben sein.
Außerdem wies er (7.) bei derselben Gelegenheit noch darauf hin, daß
sein Prinzip der Linsenteilung auch zur Konstruktion einer Aufnahme-
camera Verwendung finden könne, bei der dann die beiden Aufnahme-
objektive wirkUch genau gleiche Brennweite hätten.
Gleich bei diesen seinen ersten Vorträgen im Jahre 1849 formuHerte
Sir David Beewstee (6.) eine sehr wichtige Idee für die mit Hilfe
der Camera hergestellten photographischen Aufnahmen. Er machte darauf
aufmerksam, daß man alle Bedingungen erhalte, um ein großes Objekt,
beispielsweise eine Statue, mathematisch genau n-fach verkleinert zu
erbUcken, wenn man die Aufnahmeobjektive in einen Abstand von-
einander bringe, der n-mal so groß sei, wie der der Augen des Be-
obachters. Man habe dann auch den Vorteil, das ReUef des Objekts
deutlicher wahrzunehmen. Wie man aus dem Berichte L. Mosees (s. S. 47)
weiß, waren zu jener Zeit große Abstände der Aufnahmeobjektive ge-
V. Eohr, Binokulare Instramente. 4
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50
II. Historischer Teil.
bräuchlich, aber, wie gerade dieses Beispiel zeigt, scheint die daraus
folgende Modellwirkung nicht immer bemerkt worden zu sein, und nach
der hier benutzten Literatur war Sir David Brewstee der erste, der
auf sie hingewiesen hat. Eine eingehende Behandlung dieser Verhältnisse
bei einer Parallelcamera, an der die Objektiventfemung von dem Augen-
abstande des Beobachters abweicht, und bei den zugehörigen Stereo-
skopen findet sich bei M. von Rohe {4,),
Die Einführung der exzentrisch benutzten Linsen als Betrachtungs-
systeme für das Stereoskop ist von einer solchen Bedeutung für die
Entwicklung dieses Instruments, daß eine eingehendere Behandlung des
dabei eintretenden Strahlenganges hier Platz finden muß.
Setzt man eine Linse von etwa 16 cm Brennweite, wie sie um jene
Zeit sehr häufig Anwendung fanden, und einem ziemlich großen Durch-
messer voraus, und nimmt man weiterhin an, daß diese Linse großer
Fig. 26.
Die Unabhängigkeit der scheinbaren Größe des Bildes vom Augenort bei einer idealen
Sammellinse.
Öffnung eine in ihre Brennebene bei F gebrachte Zeichnung scharf und
verzeichnungsfrei im Unendlichen abbilde (Fig. 26), so wäre das ein für
Stereoskopzwecke geradezu ideales Instrument. Wo man auch innerhalb
des stärker umzogenen, von a c aus rechts gelegenen Raumes den Augen-
drehungspunkt hinbringen mag, immer erhält er von jedem Punkte der
in F befindlichen Zeichnung ein Strahlenbüschel von einer Weite, wie
sie durch den Pupillendurchmesser bestimmt wird, und die Achsen-
winkel w' = w — also die scheinbare Größe eines in dem betrachteten
Punkte endigenden, auf der Achse senkrecht stehenden Objekts — sind
vom Augenorte ganz unabhängig; sie bestimmen sich allein durch die
Richtung von dem betrachteten Punkte nach dem vorderen Knotenpunkt
der Linse. Führt man also unter Festhaltung dieser Voraussetzungen
das Auge etwa von a nach c, so bleibt die scheinbare Größe des Bildes
vollständig ungeändert. Wählt man nun eine ziemlich exzentrische Stelle,
etwa c, so hat die Bewegung des Auges von der Mitte b nach c auf
das im Unendlichen liegende Bild keinen Einfluß gehabt: es ist gleich-
sam mitgewandert. Für das Stereoskop aber würde eine solche Linse
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2. Das Spiegelstereoskop Ch. Wheatstones usw.
51
die wertvolle Eigenschaft haben, daß man mit ihrer Hilfe größere Bilder
vereinigen könnte als ohne sie. Setzt man nämHch in der durch die
Fig. 27 gekennzeichneten Weise zwei exzentrisch benutzte Linsen zu-
sammen, so sieht man ohne weiteres ein, daß Fr^i^^rOi sein kann,
ja daß sogar Personen ganz verschiedenen Augenabstandes Oj Oi ein
Fig. 27.
Die Verwendung idealer Sammellinsen im Brewster sehen Stereoskop and die Be-
nutzung von Halbbildern einer den Augenabstand übersteigenden Breite.
solches Stereoskop benutzen können, ohne daß die Winkelgrößen für
jedes einzebie Auge eine Änderung erführen; die einzige Verschiedenheit
würde in den Basislängen 0^ Oi liegen, aber deren Betrag ist ja für
jeden Beobachter ein für allemal fest gegeben.
Hält man an einem bestimmten Augenabstande fest, so würde die
obige Forderung einer für die ganze Öffnung scharfen und verzeichnungs-
Fig. 28.
Der Strahlengang bei exzentrischer Benutzung der gleichseitigen Bikonvexlinse.
Die Schraffierung hebt den Teil der Linse hervor, den die in das Auge gelangenden
Strahlen durchsetzen.
freien Abbildung zu weit gehen, denn offenbar kann nur ein kleiner
Teil der das ganze System durchsetzenden Strahlen in das Auge gelangen.
In der nebenstehenden Fig. 28 ist die Annahme festgehalten worden,
daß es sich bei einer gleichseitigen Linse von 16 cm Brennweite um ein
Format von 8 : 8 cm handele, und daß der imi 8 mm aus der Achse ge-
4*
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52 H. Historischer Teil.
rückte Augendrehungspunkt einen Abstand von 25 mm von der nächsten
Linsenfläche habe. Man erkennt dann aus der Betrachtung der Figur
ohne weiteres, daß nur ein im wesentlichen seitlicher Teil der Linse
wirklich benutzt wird, und man kann sich leicht vorstellen, daß man
die Exzentrizität groß genug wählen kann, um das von den abbildenden
Strahlen durchsetzte Linsenstück ganz auf einer Seite der Linse zu er-
halten. Damit aber ist die Anwendung der Bebwstbr sehen Halblinsen
begründet.
Aber auch wenn man in dieser Weise die Linsenöffnung nach
Maßgabe des in Wirklichkeit bestehenden Strahlenganges beschränkt, ist
die Voraussetzung einer fehlerfreien Abbildung bei einer beliebigen ein-
fachen Sammellinse von vornherein durchaus nicht erfüllt. Hält man
an gleichseitigen Bikonvexlinsen fest, wie sie zu jener Zeit sehr vielfach
angewandt wurden, so sind unter Berücksichtigung der im Vorhergehenden
gemachten Angaben über den Augenort die Fehler recht beträchthch,
mit denen die Abbildung behaftet ist. Bei der geringen, nur etwa
1,5-fachen Vergrößerung, wie sie eine solche Linse liefert, werden die
Schärfenfehler nicht sehr auffallend, dagegen schaden die Abweichungen
vom richtigen Bildorte, die Verzeichnungsfehler, schon bei der hier an-
genommenen kleinen Exzentrizität von 8 mm oder ^/^^ der Brennweite
in hohem Grade.
Um den Einfluß dieser Verzeichnungsfehler festzustellen, sei die
Halblinse als Aufnahmeobjektiv und als Objekt ein im Unendlichen
liegendes Quadrat vorausgesetzt, dessen halbe Mittellinien unter einem
Winkel von etwa 14 Graden erscheinen sollen. Diese Verhältnisse sind
in der Fig. 28 dargestellt, wenn man darin die Lichtbewegung von rechts
nach links gehend annimmt. In der
Brennebene der hier betrachteten Halb-
Unsen erscheint aber dann nicht, wie es
sein müßte, je ein Quadrat von 80 mm
Seitenlänge, sondern je eine nur noch
gegen die Horizontale symmetrische
ik- ^ r rrr^l-^rrr ^.— --r jj Figur, im allgemeinen von tonnen-
Fig. 29. förmiger Verzeichnung; und zwar sind.
Ein Schema für die Bildflgur eines entfernten wie sich aUS der Fig. 29 entnehmen
etrfHr^L^srhrrr^^^t^tne-: läßt, die Abweichungen an den Innen-
strichelte Umrandung würde die Umrisse des selten wesentlich größer als die an den
Bn^^.u ^^n^..nn^^eB.^,unsen ..^^^^^^ Betrachtet man nun wieder
diese Bildfigur, die ganz im Innern
des idealen Bildquadrats liegt, durch die Halblinse, so heben sich dafür
die Verzeichnungsfehler auf, und man beobachtet ein im Unendlichen
liegendes Quadrat, dessen halbe Mittellinien unter einem Winkel von
etwa 14 Graden erscheinen. Das umschließende Bildquadrat würde sich
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2. Das Spiegelstereoskop Ch. Wheatstones usw.
53
unter größeren Winkeln darbieten, und man sieht leicht ein, daß sich
für die Stellen der größte Winkelzuwachs ergeben wird, wo die Ab-
weichungen der Bildfigur am größten waren, also an den Innenecken.
Infolge dieses Winkelzuwachses wird sich das Bildquadrat, durch die
HalbUnse betrachtet, unregelmäßig kissenförmig darstellen. Beachtet man
nun, daß die Halbbilder für ein Stereoskop in der Regel von verzeich-
nungsfreien Linsen geüefert werden, so müssen sie durch Halblinsen
betrachtet kissenförmig verzeichnet erscheinen, und zwar an den Innen-
seiten am stärksten. Aus der Fig. 30
läßt sich leicht entnehmen, wie da-
— ■ — ■ ■ " — t —
durch die Raumauffassung beeinflußt
werden kann. Handelt es sich um den
seitUch gelegenen Punkt 0, so wird bei
der Betrachtung durch die Halblinsen
der durch das linke Halbbild bestimmte
Sehstrahl Oi eine viel bedeutendere
Ablenkung erhalten, als der rechte Or 0.
Denn da dieser zu der äußeren Seite
des rechten Halbbildes gehört, so bleibt
seine Richtung fast unverändert. Bei
der Betrachtung der Halbbilder durch
HalbUnsen wird also der seitlich ge-
legene Punkt viel näher, etwa in Ö',
aufgefaßt werden können. Für einen
mittleren Punkt derselben Entfernung
werden die beiden Sehrichtungen nur
PiTiP vipl kUiTiPrP rsvmTYiPtrisrhp^ Ab- ^^® Abweichung von dem idealen (gestrichel-
eine viel Kleinere (Symmetriscnej ad- ^^^^ strahlengange als Folge der Verzeichnung
lenkung erleiden, und der Punkt wird der Brkwstkr sehen HalWinsen: achsensenk-
.., , , . i>.t rechte Ebenen erscheinen im ganzen als ge-
nur wemg genähert, etwa m , er- ^^^^^ Hohlflächen,
scheinen. Beachtet man noch, daß die
stärksten Abweichungen in beiden inneren Ecken auftreten, so läßt sich
die folgende Zusammenfassung leicht rechtfertigen:
Betrachtet man im Bubwster sehen Prismenstereoskop die ver-
zeichnungsfreien Abbildskopien einer zu den Achsen senkrechten Vertikal-
ebene, so ergibt sich der Anschein einer im ganzen genäherten, zu dem
Beobachter konkaven Fläche.
Sir David Brewster (5.) hatte den Vorschlag zu seinem Prismen-
Stereoskop (lenticidar stereoscope) und anderen Einrichtungen bereits im
März 1849 in einem zu Edinburgh gehaltenen Vortrage ausgesprochen,
doch verzögerte sich die VeröffentUchung in extenso durch den Druck
bis zur Mitte oder zum Ende des Jahres 1851. Das Brewster sehe
Prismenstereoskop allein wurde indessen von seinem Erfinder (9.) im
Herbst 1849 beschrieben und infolge der später zu besprechenden Arbeiten
Fig. 80.
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54
II. Historischer Teil.
J. DüBOSCQs schon im Dezember 1850 veröffentlicht, während das für
den sonstigen Inhalt jenes Vortrags nicht galt; man kennt diesen nur
aus der späteren Wiedergabe. Die wichtige Anwendung des Amici sehen
Reflexionsprismas war aber inzwischen bereits von H. W. Dovb (5.)
veröffentlicht worden, und man wird nach der in solchen Fällen üblichen
Methode diesem die Priorität zuschreiben, da die erste Veröffentlichung
auf ihn zurückgeht. Man kann nicht annehmen, daß jene Bbewster-
sehen Vorschläge etwa infolge mündlicher Überlieferung in England
bekannt gewesen seien, denn der ausgezeichnete Kenner des Stereoskops,
J. Tyndall, veröffentlichte im Juli 1851 eine Übersetzung der ihm wichtig
erscheinenden Dovb sehen Arbeit, ohne in seiner Einleitung die Brewstee-
sche Vorgängerschaft auch nur mit einem Worte zu erwähnen. Wenn
also hier die Besprechung jener weiteren Formen angeschlossen wird, so
geschieht das nicht, weil eine Priorität im strengen Sinne vorliegt,
sondern um Sir David Beewstee den Anspruch auf eine selbständige
Erfindung nicht zu kürzen.
Fig. 81.
Sir David Bbewsters (5.) Spiegel-
Btereoskop mit einer Spiegelung.
Fig. 32.
Sir David Bbewsters {ß.) Spiegelstereoskope
mit zwei Spiegelangen.
Die Experimente wurden vielfach mit Projektionen eines stereometri-
schen Körpers angestellt, die zur Horizontalen symmetrisch waren und
daher mit ihrem Spiegelbilde kombiniert werden konnten. Ein solches
Spiegelbild konnte sowohl durch ebene Spiegel (the Single- und the doMe-
refkcting stereoscope) erreicht werden (Fig. 31 und 32), wobei stets eine
starke Richtungsänderung des gespiegelten Hauptstrahls eintrat, als auch
durch ein Amici sches Reflexionsprisma (the total reflexion stereoscope)
(Fig. 33), das in sehr origineller Weise auch noch so umgestaltet werden
konnte, daß es die Zeichnung vergrößerte. Er erwähnte damals auch
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2. Das Spiegelstereoskop C?h. Wheatstones usw.
55
die Möglichkeit, die er {15. 129.) später eingehender ausgeführt hat,
Miniaturstereoskope für ganz kleine Aufnahmen zu bauen; er nannte
sie Mikroskopstereoskope (the microscofe stereoscope). Später hat er
sie für Aufnahmen vorgeschlagen, wie sie durch Zeichnungen in Bin-
okularmikroskopen oder durch mikrophotographische Aufnahmen geliefert
■O:
Fig. 33,
Spiegelstereoskope mit totaler Reflexion nach Sir David Brewster {ß,).
werden könnten. Die Theorie der Spiegelinstrumente wird bei der Be-
sprechung der DovE sehen Arbeit gegeben werden. Ferner hob er die
Möglichkeit hervor, die beiden Halbbilder eines ebenen Stereogramms
dadurch leichter zur Vereinigung zu bringen, daß
man das eine von ihnen durch ein gewöhnliches,
brechendes Prisma ^<Äe single-prism stereoscope) (Fig. 34)
betrachte. Auf die dadurch eingeführten farbigen Ab-
weichungen legte er kein großes Gewicht, aber er
betonte die durch eine solche Anordnung hervor-
gebrachte Verzeichnung, die sich in einer Krümmung
ebener Objektflächen äußere. Das einfache Mittel,
durch die Fixierung einer nahen Marke die Augen-
achsen zu kreuzen, wenn man Versuche mit Tapeten-
bildem anstellen wolle, und eine Methode, um aus
dem Objektabstande die stereoskopische Differenz zu
ermitteln, machten den Schluß.
Faßt man alles zusammen, so sind gegen Ende
des fünften Jahrzehnts im wesentlichen zwei Formen
von Stereoskopen vorhanden, von denen die ältere,
WHEATSTONESche, zweifcllos ein wissenschaftlich einwandfreies Instru-
ment war, dessen Theorie vollständig bekannt und gut durchgearbeitet
worden war. Durch C. Th. Touätual war noch eine Modifikation
angebracht worden, die einzige in diesem Zeiträume. Die Benutzung
der Wheatstone sehen Einrichtung war insofern umständUch, als ein-
r
Fig. 84.
Sir David Brewsters
(S.) Stereoskop mit einem
brechenden Prisma.
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56 II. Historischer Teil.
mal zwei getrennte, ziemlich große Bilder notwendig waren, und als
femer ihre Beleuchtung namentlich dann Schwierigkeiten machte, wenn
es sich um Daguerreotypien handelte. Ihm gegenüber stand das neue
Instrument Sir David B&ewstees, in seiner theoretischen Anlage weit
unterlegen, worauf namentlich die Verzeichnung der exzentrisch be-
nutzten Linsenhälften hindeutet, und vorläufig ohne eine Spur von
wissenschaftlicher Durcharbeitung der Konstruktionsprinzipien. Dagegen
waren aber mehrere für die Praxis günstige Umstände vorhanden. Ein-
mal war man imstande, da man die Aufnahmen durch Linsen be-
trachtete, auch verhältnismäßig kleine Bilder zu benutzen, die fest
nebeneinander auf derselben Ebene angebracht ein Stereogramm bildeten
und auch bei Anwendung von Daguerreotypien gut beleuchtet werden
konnten. Im Gegensatze zu dem sperrigen Instrumente Ch. Wheat-
STONEs konnte ferner das BBEWSTEEsche Stereoskop klein und handlich
gebaut werden.
Was die Theorie der stereoskopischen Wahrnehmung angeht, so
war sie namentlich durch Ch. Wheatstone und die deutsche Schule
gefördert worden, doch standen die beiden Anschauungen des indirekten
und des direkten stereoskopischen Sehens oder, wie man auch sagen
kann, des beidäugigen Sehens mit ruhenden und bewegten Augen un-
vermittelt nebeneinander. Ansätze zu einer erfolgreichen Aufnahme der
Hald AT sehen Theorie der Farbenmischung waren vorhanden. Schließlich
hatte Sir David Brbwstee gegen Ende dieses Zeitraumes die wichtige
Idee ausgesprochen, daß stereoskopische Halbbilder eine modeUartige
Wirkung vermitteln könnten, wenn bei der Aufnahme die Größe des
Objektivabstandes die der Augenentfernung des Beobachters übertreffe.
Ein günstiger Umstand für eine stereoskopische Praxis war darin
zu sehen, daß in der Zwischenzeit die photographischen Verfahren viel
besser ausgebildet worden waren, und daß nunmehr die Jünger der
neuen Kunst und die Verfertiger der photographischen Instrumente auf
einer viel höheren Stufe standen, als ein Jahrzehnt zuvor, da Ch. Wheat-
STONE zuerst die Photographen für seinen Apparat zu interessieren begann.
So wird es von Interesse sein, zu beobachten, wie der zweite,
von Sir David Brewstee ausgehende Impuls auf die Fortentwicklung
des Stereoskops wirkte.
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw. 57
3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop
in den fünfziger Jahren,
Die Vorbereitung auf den praktischen Erfolg.
Die Arbeiten Sir David Buewstees sollten in verschiedenen Rich-
tungen neue Tätigkeit auslösen. Unmittelbar nach der Erfindung .ließ
sich das neue BEEWSTEEsche Prismenstereoskop allerdings noch nicht ein-
führen, denn, wie W. B. Caepentee (J,) berichtet hat, ein schon 1849
von dem Londoner Optiker A. Ross hergestelltes Stereoskop dieser Art
erregte beim PubUkum durchaus kein Interesse. Als Sir David Beewstee
{16. 29.) im Frühjahre von 1850 Paris besuchte, hatte er den Einfall,
ein Exemplar des neuen Instruments dem ihm bekannten Pariser Optiker
N. SoLEiL und dessen Schwiegersohne J. Duboscq zu zeigen, der vor
kurzem die Leitung des optischen Geschäfts übernommen hatte. J. Duboscq,
auf dessen Mitteilung {1.) sich diese Darstellung besonders stützt, sah
die kommerzielle Wichtigkeit der neuen Idee ein und arbeitete mit
Leidenschaft an ihrer praktischen Ausgestaltung, die Sir David Beewstee
in seine Hände gelegt hatte. Und noch in den letzten Dezembertagen
desselben Jahres 1850 vollendete und beschrieb er {!.) seine erste Aus-
führungsform des Beewstee sehen Stereoskops. Man kann aus seiner
Darstellung entnehmen, daß es sich um einen pyramidischen Kasten
mit Beewstee sehen Halblinsen handelte, die zum Zwecke der Ein-
stellung von der Bildebene entfernt und ihr genähert werden konnten.
Die Brennweite der Betrachtungslinsen betrug 18 cm, so daß sich nur
eine etwa l^/g-fache Vergrößerung der Bilder ergab. Zum Schluß wurde
darauf hingewiesen, daß das Relief übertrieben erscheine, wenn die
Bilder aus einer kurzen Entfernung aufgenommen worden seien. Diese
Bemerkung läßt sich durch die Annahme erklären, daß es Konvergenz-
aufnahmen waren, die J. Duboscq in diesem Stereoskop betrachtet hatte ;
doch kann ein solcher Eindruck auch dadurch hervorgerufen worden
sein, daß die Brennweiten der Betrachtungslinsen die der Aufnahme-
objektive an Länge gar zu sehr übertrafen.
Bevor aber der kommerzielle Erfolg geschildert wird, der zunächst
J. Duboscq und dann auch andere Optiker erwartete, muß der Weiter-
bildung 'gedacht werden, die die Theorie des Stereoskops um diese Zeit
durch H. W. Dove erfuhr.
Der Berliner Physiker hatte seine Farbenmischungsversuche weiter
fortgeführt und veröffentUchte {2.) im Frühjahre von 1850 das Ergebnis,
das A. DE Haldat wohl schon besessen aber noch nicht über allen Zweifel
begründet hatte, daß nämlich die Entstehung der Mischfarbe aus zwei
verschiedenen, den Einzelaugen im Stereoskop dargebotenen Farben da-
von abhänge, „daß die Elongation der Schwingungen beider nahe gleich
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58
II. Historischer Teil.
„oder nicht zu verschieden ist". Nur dann gelang es ihm, die äußersten
Enden eines durch ein Flintprisma entworfenen Spektrums so mitein-
ander zu vereinigen, daß das Ergebnis eine Purpurfarbe wurde. Die
Einrichtung, die er dazu verwandte, war ein aus zwei verschiedenen
Fernrohren gleicher Vergrößerung, einem aufrichtenden (holländischen
oder terrestrischen) und einem astronomischen, zusammengesetztes Doppel-
glas. Man konnte dieses Instrument auch als Stereoskop verwenden und
erhielt dann den stereoskopischen Efiekt mit einer einzigen Zeichnung,
da eine solche mit ihrer Umkehrung vereinigt wurde, vorausgesetzt, daß
sie aus zwei symmetrischen Hälften, einer oberen und einer unteren
bestand, so daß ihre Umkehrung mit einer einfachen Spiegelverkehrung
identisch war. Da mit Projektionen einfacher stereometrischer Figuren
(beispielsweise eines geraden Kegelstumpfs, einer geraden abgestumpften
Pjoramide u. ä) diese Bedingung leicht erfüllt werden konnte, so genügte
hier auch die DovEsche Einrichtung, und sie war, wie man hinzufügen
kann, besonders wichtig für die nicht photographierenden Physiker
Deutschlands, die ihre Versuche vielfach mit solchen einfach herzu-
stellenden Zeichnungen unternahmen. Am Schlüsse der Abhandlung wurde
hervorgehoben, daß eine Vertauschung der beiden Fernrohre einen vor-
her erhaben aufgefaßten Gegenstand nunmehr vertieft erscheinen lasse.
Um auf die Theorie dieses Stereoskops näher
einzugehen, sei zunächst das holländische Fernrohr
rechts, das astronomische links angenommen (Fig. 35).
Die Zeichnung bestehe aus drei senkrechten Geraden
gleicher Länge, die in dem hier dargestellten Hori-
zontalschnitte als drei Punkte A, B, C erscheinen.
Konstruiert man die Objektaugen, so erhält man,
wenn der Einfachheit wegen angenommen wird, daß
der Beobachter weit genug zurückgetreten sei, um
die Verschiedenheit des Abstandes der beiden Objekt-
augen von der Zeichenebene vernachlässigen zu können,
das in der Figur 35 stark verkürzt dargestellte Schema
für die in die beiden Augen gelangenden Strahlen.
Es ist dabei eine kleine Verschiebung der beiden Fern-
rohre nach einer (hier der rechten) Seite vorgenommen
worden, damit das körperUche Raumbild ganz in das
Endliche falle. Ein Objektrelief besteht also nicht,
und die von der ebenen Zeichnung in das aufrechte
und in das umgekehrte Objektauge gelangenden Strah-
len würden keinen einheitUchen Eindruck ergeben,
wenn nicht die Zeichnung in bezug auf eine horizon-
tale Achse symmetrisch wäre. So aber hat das Auge kein Mittel, um die
Umkehrung zu bemerken, und es bleibt von der durch das astronomische
Der objektseitlge Strah-
lengang bei dem Fernrohr-
stereoskop H. W. DOVKS.
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw.
59
Fernrohr hervorgebrachten Bildumkehrung nur eine Vertauschung der bei-
den Seiten, also von links und rechts übrig, die einer Spiegelverkehrung
äquivalent ist. Entwirft man unter Annahme einer zweimaligen Ver-
größerung der beiden orthoskopischen Fernrohre die Strahlen auf der
Fig. 36.
Der bildseitige Strahlengang bei dem Fem-
rohistereoskop H. W. Doves.
Fig. 37.
Der der Fig. 36 entsprechende Fall bei einer
Vertauschung der beiden Femrohre.
Bildseite (Fig. 36), so erhält man, da nunmehr O'i C'i und O'r A'^ als
entsprechende gelten, die drei Kanten einer gegen den Beobachter er-
habenen dreikantigen Säule A' B' C. Nimmt man in der nur für den
Bildraum gezeichneten Figur eine Vertauschung der beiden Fernrohre
vor (Fig. 37) und verschiebt sie aus dem oben angegebenen Grunde
nach der linken Seite, so erhält man das Raum-
bild einer gegen den Beschauer hohlen Säule
A"B"C".
Für diese Raumerfüllimg läßt sich ein ein-
faches Kriterium angeben. Es seien Oj und
Or die beiden Augen und y^ ein kleinerer,
}'2 ein größerer Konvergenzwinkel (Fig. 38),
dann lassen sich ohne weiteres die beiden
Kreise zeichnen, die die geometrischen örter
sind für alle Punkte mit den vorgeschriebenen
Konvergenzen. Beschränkt man sich, wie das
für alle stereoskopischen Apparate zutrifft, auf Wirkung,
ziemlich kleine Horizontalwinkel [w' unter 20 — 25 Graden], so sieht
man, daß die Summe a^ -f- ß^ der Winkel zwischen Öj Oj und den
Fig. 38.
Das Kriterium für die Tiefen-
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60 II. Historischer Teil.
beiden nach dem ferneren Objektpunkte zielenden Strahlen größer sein
muß als «2 -|- ^2> <ii® Summe der Strahl-Basiswinkel für den näheren
Objektpunkt.
Man hat also zur Entscheidung in den vorliegenden Fällen nur
nötig, die Summe der Strahl-Basiswinkel für die mittlere Kante mit den
entsprechenden Summen für die Randkanten zu vergleichen, um den
Charakter des Raumbildes zu bestimmen.
Eine noch wichtigere Veröffentlichung Ueß
H. W. Do VE (5.) fast ein Jahr später, im Frühling
von 1851, folgen. Gewiß wird auch auf ihn der
Anstoß durch Sir David Brbwsters Prismenstero-
skop gewirkt haben, aber er beschränkte sich nicht
bloß auf die Erzielung eines stereoskopischen
Effekts ; vielmehr waren alle seine Stereoskope auch
noch dadurch charakterisiert, daß sie die An-
stellung von chromatischen Mischungsversuchen in
aller Reinheit gestatteten, mithin selber durchaus
keine farbigen Abweichungen veranlaßten. Das
erste der von ihm vorgeschlagenen Stereoskope
(Fig. 39) enthielt das Amcische Reflexionsprisma
^*«- 39. ganz ebenso wie das 1849 von Sir David Brewster
H.W.D0VE8 (C. Ta/./.) ? . i^v-i /ok-x j
Prismenstereoskop mit einem "^ semem Vortrage beschriebene (s. b. OD ), und
AMici sehen Reflexionsprisma, ^uch bei H. W. DovE ergab sich das stereosko-
pische Relief durch die Vereinigung einer geeigneten Zeichnung mit
ihrem von dem Prisma entworfenen Spiegelbilde. Man kann aber mit
Sicherheit eine selbständige Erfindung durch H. W. Dove annehmen,
denn allem Anscheine nach war von jenem Edinburgher Vortrage keine
Kunde in die weitere wissenschaftliche Welt gelangt, so daß selbst die
hier zuständige englische Zeitschrift The Phüosophical Magazine das
Stereoskop mit dem Amci sehen Reflexionsprisma früher in einer Über-
setzung des Do VE sehen Artikels als in einem Abdrucke des Brewster sehen
Textes brachte (s. S. 54). H. W. Dove machte auf die Erscheinung auf-
merksam, daß das hohle Relief einer direkt und mit Hilfe des
Reflexionsprismas betrachteten Zeichnung in eine ebene Projektion
übergehe, wenn man die Zeichnung um 90 Grad drehe, und zu einem
erhabenen ReUef werde, wenn man ihr eine Drehung um 180 Grad er-
teile. Auch wies er darauf hin, daß unter Umständen die stereoskopische
Kombination eines Körpers mit seinem Spiegelbilde (in seinem Falle
handelte es sich um eine in Holz ausgeführte sechseckige Säule) zu dem
Eindrucke einer ebenen Darstellung führen könne. Es ist H. W. Dove
offenbar entgangen, daß bereits Ch. Wheatstone bei seiner grundlegenden
VeröffentUchung einen ähnlichen Versuch mitgeteilt hatte (s. S. 40/41).
Dieses Stereoskop ist offenbar in seinen Grundzügen dem sehr
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw.
61
/ r^^
D
ähnlich, wo die beiden'Fernrohre verwandt wurden, es kommt nur noch
hinzu, daß das gespiegelte Auge gegen das freie verschoben sein kann.
Daß die ReHefauffassung wechselt, wenn die Zeichnung um 180 Grad
gedreht wird, ist notwendig, weil eine solche Drehung der zur Hori-
zontalen symmetrischen Zeichnung einen Fall ergibt, der äquivalent ist dem
oben behandelten, wo die Bewaffnung der beiden Augen vertauscht wurde.
Die Entkörperung der Säule wird man am
besten verstehen, wenn man sie auffaßt als die
Umkehrung des auf S. 59 eingehend beschrie-
benen Experiments. Jetzt gibt es zwar, ein
Objektrelief, aber die Stellung des Körpers zu
den beiden durch die Spiegelung einander ge-
näherten Objektaugen ist derartig gewählt, daß
nach der Spiegelverkehrung an der Prismen-
fläche die beiden bildseitigen Strahlenkegel
gar nicht auf ein BildreHef sondern auf eine
ebene Bildfigur führen.
Als weitere Abarten seiner stereoskopischen
Apparate führte H. W. Dovb noch an ein
Amcisches Reflexionsprisma und zwei iden-
tische Halbbilder sowie zwei solcher Prismen
und zwei verschiedene Halbbilder (Fig. 40).
Beide Anordnungen brauchen hier nicht ein-
gehender besprochen zu werden, da sie theoretisch dem Wheatstone sehen
Instrument ziemhch nahestehen. Doch kann man darauf hinweisen, daß
für die letzte Vorkehrung die Halbbilder gerade umgekehrt angeordnet
werden mußten als bei der Betrachtung mit bloßen Augen, wenn sich
derselbe Tiefeneffekt ergeben sollte. H. W. Dovb (6. 195,) selbst hat
bald danach darauf aufmerksam gemacht, daß die Bilder bei seiner
Einrichtung umgekehrt lägen wie in den Brewstee sehen Prismen-
stereoskopen.
1
3
Fig. 40.
. W. DovEs (6. Taf. I. ) Prismen-
stereoskop mit zwei Amici sehen Re-
flexionsprismen.
Ä
- - l
Fig. 41.
Ein HARTiNG-DovKsches Reversionsprisma nach H. W. Dove (<?. Taf. /.).
Prinzipiell wenig verschieden von seinem ersten (Fernrohr-) Stereoskop
vom Jahre 1850 ist der Vorschlag, eine geeignete Zeichnung mit einem
Auge direkt und mit dem andern durch ein Harting-Dove sches Re-
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62
II. Historischer Teil.
versionsprisma*) (Fig. 41, S. 61) zu betrachten. Den Bescliluß machte ein
Stereoskop mit zwei Zeichnungen und einem Ableseprisma oder einem
ebenen Metallspiegel (Fig. 42), bei dem
die Ebenen der beiden Bilder einen
rechten Winkel miteinander bildeten;
auch diese Anordnung weicht nur un-
bedeutend von dem Wheatstone sehen
Spiegelstereoskop ab.
Bei den hier vorgeschlagenen Ty-
pen war der Benutzer, soweit es sich
um zwei physisch getrennte Halbbilder
handelte, gar nicht an einen beson-
deren Betrachtungsabstand von den Bil-
dern gebunden, und H. W. Dove {3.)
hob es klar hervor, daß man nicht
genötigt sei, die beiden Zeichnungen
in demselben Maßstabe auszuführen;
für Beobachter mit verschiedener deut-
licher Sehweite für beide Augen könnten
ebensogut auch verschiedene Maßstäbe Anwendung finden. Natürhch
müsse man durch gehörige Abrückung der Bilder für die Gleichheit der
Winkel sorgen.
Die Besprechung der Dove sehen Arbeiten an dieser Stelle war
nicht bloß aus einem chronologischen Grunde, sondern auch deshalb
notwendig, weil bei der eifrigen Ausbildung verkaufsfähiger Stereoskop-
typen in Frankreich auch die Dove sehe Form mit den zwei Amici sehen
Reflexionsprismen eine gewisse Rolle spielte. Zunächst beschrieb
F. MoiONO {!.) eingehend die beiden Hauptformen von Stereoskopen, die
J. DüBOSCQ in der kurzen Zeit von weniger als anderthalb Jahren ent-
wickelt hatte. Am wichtigsten war das BREWSTEEsche Prismenstereoskop,
das in verschiedenen Ausführungsformen vertrieben wurde, und zwar
sind diese dadurch kenntUch, daß bei ihnen der für Daguerreotypien
Flg. 42.
H. W, DovEs {6, Tat. I.) Spiegelstereoskop.
*) Es mag hier darauf hingewiesen werden, daß es wünschenswert erscheint,
den von H. W. Doye (5,) selbst für dieses Umkehrsystem gewählten Namen beizu-
behalten. Es ist ihm offenbar imbekannt gewesen, daß P. Hartino (1. i. Teil. 262.)
bereits 1848 dieselbe Kombination zur vollständigen Bildumkehrimg beim Mikroskop
vorgeschlagen hatte. Wenn nun auch die allgemeine Aufmerksamkeit erst durch
H. W. Dove auf diese Einrichtimg gelenkt wurde, imd ihre Theorie auf ihn zurück-
geht, so muß doch P. Habtings Priorität anerkannt werden. Die vollständige An-
gabe des Publikationsorts ist erst durch die freundliche Mithilfe des Herrn
L. E. W. VAN Albada möglich geworden.
Es besteht also ein Habting-Dove sches Reversionsprisma aus zwei Amici sehen
Reflexionsprismen, deren spiegelnde Flächen in den hier interessierenden Fällen auf-
einander senkrecht stehen.
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw.-
63
unentbehrliche Kasten fortgefallen war. Der Grund dafür war wohl zum
Teil der, sie billiger anbieten zu können, teils aber eigneten sie sich
dann auch besser zur Betrachtung von Papierbildern, die in Albums
eingeklebt waren. Die DovEsche Form erschien als Vorrichtung zur
Vereinigung von stereoskopischen Projektionsbildern, mit denen man also
schon im ersten Halbjahre von 1852 einen Anfang gemacht hatte. Da-
bei ist besonders auf die hübsche Methode aufmerksam zu machen, die
angewandt wurde, um auf einfache Weise die Neigung der Prismen
gegeneinander ändern zu können.
Bald darauf erschien aus derselben Feder {2») eine neue Mittei-
lung über die Stereoskope von J. Düboscq, die nach verschiedenen
Richtungen hin von einiger Wichtigkeit sind. Einmal finden sich hier
zuerst die Halbbilder übereinander angeordnet, was den Vorteil hat,
daß die Bildbreite überhaupt keiner Beschränkung unterUegt. Schon
hierbei scheint ein rhombisches Prisma angewandt zu werden, was
später bei J. Düboscq (8.) noch etwas deutlicher wird. Sodann tritt
auch hier (7.) jene Verbindung des Stereoskops mit dem Plateau sehen
Lebensrade auf, die bis in die neueste Zeit der Reihenbilder hinein
den Eifer der Erfinder geweckt hat. SchheßUch wird auch noch
der Verwendung von Diapositivbildern (ahat jour) als Stereogrammen
Erwähnung getan.
Was sonst noch von J. Düboscq auf diesem
Gebiete berichtet wird, stammt aus einer etwas
späteren Zeit, doch kann es gleich hier erledigt
werden, da es nur von untergeordneter Bedeu-
tung ist. Neben einem nicht mit einer sehr großen
Klarheit unternommenen Versuche (4.), dem Guck-
kasten eine stereoskopische Einrichtung zu geben
— denn jedes Stereoskop ist nichts weiter als
ein zweckmäßig konstruierter Guckkasten für beide
Augen — wird in zwei Aufsätzen (5. u. 6.) von
einer Zerlegung der Beb wstee sehen exzentrisch
benutzten Linsen in Linsen und Prismen berichtet,
wobei die durch die Prismen eingeführte Verzeich-
nung durch eine Neigung der Linsenbestandteile Fig. 43.
kompensiert werden soll. Interessant ist es, wie J. Düboscqs (».) Verwendung
,,. Aiiii T»' • • eines Do VB sehen Prismenstereo-
er durch eme Art drehbarer Prismen eme m gkops zur Betrachtung unzer-
weiten Grenzen reguHerbare Ablenkung zuwege schnittener Kopien,
brachte. Nur wenig später hat er (7. u. 8.) alsdann — anscheinend als
erster — das Do ve sehe Prismenstereoskop aus zwei Amici sehen Reflexions-
prismen (s. S. 61) dazu verwandt, ein Stereoskop für unzerschnittene Bilder
zu konstruieren (Fig. 43). Über die Prismen hat er noch zwei Lupen
gesetzt. Der Eindruck war orthoskopisch, weil der chiastozentrischen
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64 II* Historischer Teil.
Stellung der Kopien eine chiastopische Stellung der Objektaugen ent-
sprach. Eine größere Verbreitung war diesem Instrument wohl deshalb
nicht beschieden, weil das Gesichtsfeld nicht groß war.
Wer dann zuerst mit dieser Anordnung das auf der Mattscheibe
der Parallelcamera entstehende Stereogramm betrachtet und dabei natürUch
einen orthoskopischen Eindruck erhalten hat, war aus der hier benutzten
Literatur nicht zu ersehen. Diese Anordnung fand sich — sicherlich
verspätet — beschrieben in der Fachzeitschrift „The Photografhic News",
(1864. 8. Nr. 305. 333.), und zwar einer belgischen Quelle entnommen.
Auch hier wurde für die Beobachtung ein nach vorn und unten unter
45 Graden geneigter Spiegel angewandt, um die Halbbilder aufzurichten
und gleichzeitig die Beobachtungsrichtung aus der horizontalen in die
bequemere vertikale Lage zu bringen.
Doch wenn auch diese letzten Arbeiten keine große Bedeutung
erlangt haben, so wird man J. Düboscq ohne Einschränkung den Ruhm
zuerkennen müssen, daß er durch sein glückliches Geschick als aus-
führender Optiker den Gedanken der wissenschaftlichen Größen seiner
Zeit eine brauchbare Gestalt gab. Wenn namentlich bei der ersten all-
gemeinen Industrieausstellung zu London 1851 das Stereoskop eine der
Hauptanziehungen und Neuheiten abgab, so war das in hohem Maße
J. DuBOSCQs Verdienst, und der ganz ungemein große Absatz*)
namentlich französischer Stereoskope in jenen Jahren ist dem technischen
Geschick dieses französischen Optikers wohl zu gönnen gewesen.
Der große und nach dem Mißerfolge mit den Konstruktionen eng-
lischer Optiker wohl ungeahnte Anklang des neuen Instruments scheint
bald den Keim zu einer gewissen Rivalität zwischen dem englischen
und dem schottischen Gelehrten gelegt zu haben, und daraus entwickelte
sich im Laufe der Zeit bei Sir David Beewster eine unverkennbare
Animosität gegen seinen Kollegen. Es ist wie eine Art von rabies inven-
torum, was diesen verdienten Forscher ergriff, und auch von englischen
Autoren, wie von W. B.CARPENTEE(i.), dem Verteidiger Ch. Wheatstones,
auf den großen Erfolg zurückgeführt wurde, den Sir David Brewster
an der Duboscq sehen Konstruktion erlebte. Damit stimmt auch gut
überein, daß sein in dem Vortrage (5.) von 1849 der Wheatstone sehen
Erfindung gegenüber eingenommener Standpunkt gar nicht so feind-
selig ist als in den auf das Jahr 1852 folgenden Publikationen.
Von den beiden Gegnern kam zuerst Ch. Wheatstone zu Wort,
und zwar hielt er in den ersten Tagen des Jahres 1852 seinen zweiten
Hauptvortrag (5.) über das Stereoskop. Es war ein dem ersten nahe-
*) Sir David Bbewster {15. 36.) veranschlagte die Anzahl der bis 1856 abge«
setzten Prismenstereoskope auf mehr als eine halbe Million.
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw.
65
kommendes Meisterwerk, und diese zweite große Arbeit von Ch. Wheat-
STONE soll hier ebenfalls genauer wiedergegeben werden, weil auch sie
nicht genügend bekannt geworden ist.
Unter Hinweis auf den ersten Vortrag und die erste PubUkation
in H. Mayos Schrift werden die Dienste einzeln aufgezählt, die das
Stereoskop der physiologischen Untersuchung des Sehvorganges leisten
könne. Denn dieses Instrument erlaube, die verschiedenen Bedingungen,
unter denen das Sehen vor sich gehe, unabhängig voneinander zu variieren,
sei es, daß es sich um die Änderungen der angularen Größe, oder um
solche der Konvergenz und des Akkommodationszustandes handele. Diesen
Zwecken diene am besten ein abgeändertes Stereoskop, bei dem die
Bildebenen verschiedene Neigungen zu den Spiegeln und verschiedene
Entfernungen von ihnen einnehmen könnten (Fig. 44). Mit einem solchen
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..-■■■ (Nil "^^^^^^ 1**))
V •■■
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Fig. 44.
Ch. Wheatstones (3.) abgeändertes Spiegelstereoskop.
Vorderansicht und Grundriß.
Instrument lasse sich zeigen, daß bei gleichbleibender angularer Größe
der beiden Bilder die Größe des durch den binokularen Eindruck vor-
getäuschten Gegenstandes wachse, wenn die Konvergenz abnehme und
lungekehrt. Bleibe ferner die Konvergenz der Achsen konstant, und
nehme die angulare Größe der Bilder zu, so entspreche der binokulare
Eindruck einem größeren Gegenstande. Die Sicherheit des Urteils über
die Entfernung aus der Konvergenz der Achsen sei nicht groß, dagegen
sei die Größenänderung in dem im Stereoskop gesehenen Objekt sehr
deutlich. Die enge Verbindung der Akkommodation mit der Konvergenz
störe häufig und werde entweder durch die Einschaltung von zerstreuenden
oder sammelnden Brillengläsern oder durch die Anwendung von Loch-
brillen unschädlich gemacht. — In der Zeit seit 1838 seien namentlich
von Sir David Brewster und H. W. Dove verschiedene Stereoskope vor-
geschlagen worden, doch eigneten sich für Forschungszwecke die Spiegel-
V. Rohr, Binokulare Instrumente. -5
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66
II. Historischer Teil.
Fig. 45.
Ch. Whbatstones (3.) faltbares Spiegel-
stereoskop.
Stereoskope (reflecting stereoscopes) am besten. Von diesen lasse sich eine
leicht faltbare Form angeben (Fig. 45), die zusammengelegt nicht größer
sei als ein Würfel von 15 cm Seitenlänge. Hierbei würden manchmal
die Spiegel durch Ableseprismen ersetzt, deren Entfernung nach dem
Augenabstand des Beobachters ge-
wählt werden könne. Auch ein Stereo-
skop mit Prismen sei für kleinere
Bilder vorgeschlagen worden, und
zwar eigne es sich besonders für
Daguerreotypien und habe außerdem
den Vorteil besonders leichter Trag-
barkeit. — Während die ersten Stereo-
gramme Körperskelette oder ganz
einfache perspektivische Zeichnungen
gewesen seien, wären den späteren
die photographischen Verfahren zu
Hilfe gekommen, die 1839 veröffentlicht worden wären. Die ersten Ver-
suche seien mit Hilfe von H. F. Talbot und von H. Collen (s. S. 46) an-
gestellt worden, dann wären auch noch andere photographische Praktiker
herangezogen worden. Die Aufnahmen seien Konvergenzaufnahmen mit
einem Winkel von 18 Grad gewesen, wie er sich bei 20 cm Abstand
des Konvergenzpunkts und 63,5 mm Augenabstand ergäbe. Für photo-
graphische Porträts würden zwei Cameras benutzt, um die beiden Auf-
nahmen gleichzeitig machen zu können. Gebe man den beiden Cameras
einen größeren Abstand, als er der Entfernung der beiden Augen des
Beobachters entspreche, so erhalte man ein stereoskopisches Miniaturbild.
Für andere Konvergenzen ergäben sich andere Objektentfemungen, wie eine
kleine Tafel zeige, die für alle geradzahligen Konvergenzwinkel zwischen 2
und 30 Grad die zugehörigen Objektentfernungen in Zollen angebe. —
Betrachte man Halbbilder geringer Aufnahmekonvergenz im Stereoskop
mit starker Konvergenz, so ergebe sich eine Minderung der Tiefe. Unter
den umgekehrten Verhältnissen trete eine Tiefensteigerung ein. — Wolle
man einen dem wirkUchen gleichen Eindruck haben, so müsse die Achsen-
konvergenz bei der Aufnahme mit der bei der Betrachtung überein-
stimmen; es wirke indessen häufig angenehm, wenn man die Tiefe da-
durch steigere, daß man für die Betrachtung eine geringere Konvergenz
wähle. Man könne Bilder, die mit einer Konvergenz von 7 — 8 Grad
aufgenommen worden seien, mit dieser Wirkung in einem Parallelstereoskop
betrachten. Zweckmäßig schalte man dann noch Linsen zwischen Auge
und Halbbild, um dieses unter kaum veränderten Winkeln im Unend-
lichen abzubilden. Es sei nicht nötig, daß man dazu mit Sir David
Brewster exzentrisch benutzte Halblinsen verwende, vollständige Linsen
täten es auch, wenn nur die Breite des einzelnen Halbbildes den Augen-
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw.
67
V
fH:
Fig. 46.
Ch. Whbatstones (3.)
Linsenstereoskop.
abstand des Beobachters nicht überschreite (Fig. 46). Der stereoskopische
Eindruck scheine sich aber nicht auf einen unendUch entfernten Gregen-
stand zu beziehen. Dafür sei als Grund wohl die große Verschiedenheit
der beiden Halbbilder anzusehen. — Bereits in der ersten Veröffent-
lichung wären die konvertierten Formen beschrieben
worden, die sich bei der Vertauschung der beiden
Halbbilder im Stereoskop ergäben. Diese Konvertie-
rung stelle sich ebenfalls ein, wenn man in einem
Spiegelstereoskop solche Halbbilder betrachte, die für
ein Linsenstereoskop bestimmt seien, und ferner dann,
wenn man die Halbbilder erst umkehre, bevor man
sie den Augen darbiete. Die hierbei eintretende Ände-
rung der Raumerfüllung lasse sich auf eine einfache
Weise geometrisch begründen. Die Spiegelung oder
die Umkehrung des Objekts selber bringe indessen
keine Konversion hervor. — Es gebe aber Instru-
mente, die auch körperliche Objekte konvertieren,
und solche bezeichne er als Pseudoskope, Die wich-
tigste Form beruhe auf der Spiegelung der Halbbilder.
Zwei Ableseprismen aus Flintglas von 3 cm Seiten-
länge würden so verbunden (Fig. 47), daß ihre Hy-
potenusenflächen 5 cm voneinander entfernt seien und
einander parallel ständen. Bei der Betrachtung naher
Gegenstände könnten sie auch gegeneinander geneigt ^^' ^^^^^^^^^^ ^^'^
werden. Am besten werde das Instrument auf ein
Objekt in mittlerer Entfernung so eingestellt, daß dieses seinen Ort
und seine Größe beizubehalten scheine, dann erschienen entferntere Gegen-
stände kleiner und näher, nähere größer und ferner. Nicht alle Gregen-
stände seien für die Wahrnehmung des pseudoskopischen Eindrucks
gleich gut geeignet, am besten gelinge es bei solchen, deren Konver-
sionen leicht einen Sinn gäben. Eine Reihe von weiteren Konversionen
solle im Anschluß daran beschrieben werden. Es gebe aber auch noch
Pseudoskope anderer Einrichtung, und zwar sei neben einem nicht sehr
vielseitig brauchbaren aus Planspiegeln ein solches anzugeben, das aus
zwei Linsen kurzer Brennweite bestehe, die je vor ein Auge gebracht
würden. Auf die von diesen entworfenen Bilder richte man entweder
die Augen direkt und habe dann ein nur kleines Gesichtsfeld, oder man
lasse die Bilder auf der Mattscheibe einer Camera entstehen und be-
trachte sie mit einem gewöhnHchen, nicht reflektierenden Stereoskop. —
Die monokulare Pseudoskopie hänge besonders von der unrichtigen Deu-
tung der Halbschatten ab.
Ganz enge an diesen schließt sich ein weiterer Vortrag an, den
Ch. Whbatstone (5.) im Frühjahre des folgenden Jahres hielt, und der
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68 II. Historischer Teil.
gleich hier besprochen werden möge. In dieser Äußerung beschäftigte er
sich mit der Weiterbildung des zusammenklappbaren Spiegelstereoskops
(s. S. 66). Er richtete es für größere Bildformate ein und gab ihm
dazu etwas größere Ausmaße (zusammengelegt 23:13:11cm; geößnet
60 : 30 : 23 cm), außerdem trug er auch für eine Einstellmöglichkeit der
Halbbilder Sorge. Schwache Konvexgläser hatte er vorgesehen, um die
Vereinigung der Bilder bei kleinen Konvergenzwinkeln zu erleichtern.
Die Linsen waren in ihrer gemeinsamen Ebene und senkrecht zu ihrer
Verbindungslinie einzeln verstellbar, um auf die richtige Höhe gebracht
werden zu können. Diese in der Regel vernachlässigte Einstellungs-
mögUchkeit sah er für sehr wichtig an. Eine den Prismen (s. S. 66)
bereits erteilte Verschiebung in horizontaler Richtung scheint er diesen
Brillengläsern nicht verliehen zu haben.
Der Hauptvortrag hat auf die Mitwelt durch die in ihm ent-
haltenen Mitteilungen über Pseudoskopie ganz außerordentUch gewirkt,
auch die Konvergenzaufnahmen haben, wie bald gezeigt werden wird,
einen großen Anklang namentlich bei den Photographen gefunden, wie
sie allem Anscheine nach auch unter Beihilfe eines solchen, A. Claudets
nämlich, entstanden sind. Aus dem Berichte auf S. 75 läßt sich ent-
nehmen, daß diese Methode auf Grund der in dem angenommenen Maße
nicht vorhandenen Analogie zwischen der Funktion der Augen beim
beidäugigen Sehen und der photographischen Objektive bei Konvergenz-
aufnahmen schon sehr früh angewandt wurde. Bei Ch. Wheatstone
findet sich ferner auch schon der Vorschlag, die durch Konvergenz-
aufnahmen erhaltenen Photogramme mit geänderter Konvergenz zu be-
trachten. Die Abweichung war zunächst aus wissenschaftlichem Interesse
eingeführt worden und hatte zu interessanten psychologischen Ergeb-
nissen geführt, wurde aber schließlich auch aus ästhetischen Rücksichten
empfohlen, weil die Steigerung der Tiefen Wahrnehmung an sich er-
strebenswert erschien. Eine derartige Konvergenzänderung hat nun die
störende Folge, daß dann kein Raumbild im strengen Sinne mehr ent-
steht, weil sich die entsprechenden Strahlen im Bildraume nicht mehr
schneiden, sondern nur noch kreuzen. Aber ganz abgesehen von diesem
Mangel in der Strahlen Vereinigung hat jener WnEATSTONEsche Vorschlag
insofern auch bedenkliche Folgen gehabt, als er der Neigung des Publi-
kums entgegenkam, von der Homöomorphie leichten Sinnes abzusehen.
SelbstverständUch war es Ch. Wheatstone sehr wohl bekannt, daß für
die vollständige Homöomorphie eine Wiederholung der Aufnahmekonver-
genz notwendig ist.
Wenig Teilnahme scheinen merkwürdigerweise die Worte Ch. Wheat-
STONEs gefunden zu haben, die er seinem mit vollständigen, zentrisch
benutzten Linsen ausgestatteten Stereoskop widmete. Er schlug bereits
1852 eine solche Einrichtung vor, bei der die Linsenachsen durch die
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw. 69
Mitten der Halbbilder gingen, und wo infolge davon die Breite der
Halbbilder durch den Augenabstand des Beobachters bestimmt war.
Dieses Instrument, das hier als WnEATSTONEsches Linsenstereoskop an-
geführt werden soll, war von seinem Erfinder dem Brewsteä sehen
Prismenstereoskop entgegengestellt worden, und es hat, als die Konstruk-
teure allmählich gleichsam widerwillig dieser Form nähertraten, einen
immer erfolgreicheren Krieg gegen jenes Prismenstereoskop geführt.
Weiter verdienen die verschiedenen Anpassungsmöglichkeiten eine
Erwähnung, sei es, daß sie sich {3. 5,) auf die Seiten Verstellung von
Prismen oder (5.) auf die Höherstellung von Linsen bezogen. Man
findet hier zum ersten Male ein Mittel zur Beseitigung eines in den
Stereogrammen etwa vorhandenen Höhenfehlers.
Fig. 48.
Das ELLiOTSche Stereogramm nach Sir David Bbbwstbr {15, 57.).
Es sind drei Abstände (Mond, Kreuz, Bäumchen) angegeben worden.
Gewisse Ansätze zu pseudoskopischen Beobachtungen sind schon
vorher (S. 40, 58 imd 60) erwähnt worden: doch handelte es sich hier
zum ersten Male seit Cherubin d' Orleans um ein wirkliches pseudo-
skopisches Experiment an körperlichen Objekten selbst. Das als Pseudo-
skop empfohlene Instrument war identisch mit einem der Dove sehen
Stereoskope zum Betrachten von Stereogrammen (S. 61). Es scheint
nicht allgemein beachtet worden zu sein, daß die von Ch. Wheatstone
empfohlene Anordnung der Prismen, wobei sie sich ihre Hypotenusen-
flächen zukehren, nicht die einzig mögliche ist. Im Gegenteil hat so-
gar eine Form gewisse Vorzüge, wo die Hypotenusenflächen nach außen
gewandt sind, und zwar insofern als die beiden Objektaugen eine größere
Entfernung voneinander erhalten. Die chiastopische Augenstellung an
sich und mit ihr die pseudoskopische Wirkung wird aber in diesen
beiden Formen ebenso wie bei einer parallelen Stellung der Prismen
erreicht.
Eine ganz vergebliche Prioritätsreklamation des schottischen Mathe-
matiklehrers J. Elliot (i.) wurde nur durch dessen eigene ünaufmerk-
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70
II. Historischer Teil.
samkeit veranlaßt. In der Zeitschrift The Phüosophical Magazine war
zur Erleichterung des Verständnisses auch Ch. Wheatstones erster
Vortrag vom Jahre 1838 abgedruckt worden, und das brachte J. Elliot,
da er das beigefügte Datum übersehen hatte, zu einer Prioritätsreklama-
tion für das Jahr 1839, wo er allem Anscheine nach ganz selbständig
eine kleine stereoskopische Landschaftszeichnung (Fig. 48, S. 69) angefertigt
hatte. Er gestand gleich darauf in einem an die Redaktion gerichteten
Schreiben seinen Irrtum ein, und die Episode würde gar nicht erwähnt
zu werden brauchen, hätte nicht Sir David Bebwstee {15. 19, 56,) auf diese
ELiiOTsche Nacherfindung ein ganz besonderes Gewicht gelegt, so daß
der Name dieses Mannes in dieser Zeit nicht selten als der eines Er-
finders der Stereoskopie auftritt.
Die auf den Wheatstonb sehen Vortrag unmittelbar folgende Zeit
ist so außerordentlich reich an Betätigung des Forschimgs- und Schaffens-
triebes, daß es notwendig erscheint, die rein chronologische Gruppierung
aufzugeben zugunsten einer Zusammenfassung nach bestimmten Gesichts-
punkten technischer Art, wie sie sich aus dem Studium jener reichen
Zeit ergeben.
Die Ausbildung der binokularen Mikroskope.
Das Auftreten von binokularen Mikroskopen fällt in die Zeit un-
mittelbar nach dem zweiten Wheatstonb sehen Vortrage. Es ist auch
ganz verständlich, daß die vielfachen, im Anfang der fünfziger Jahre
gegebenen Anregungen nicht nur einen allgemeinen Aufschwung des
Interesses auslösten, sondern auch die Mikroskopiker im besonderen auf
dieses Gebiet hinwiesen.
John Leonard Riddell [* 20. Febr. 1807, t 7. Okt. 1865] , ein Pro-
fessor der Chemie an der Universität Louisiana, veröffentlichte (1.)
gegen Ausgang des Jahres 1852 ein bin-
okulares Mikroskop, wobei die Teilung
der aus dem Objektiv austretenden Strah-
lenbüschel durch zwei Paare von Ablese-
prismen oder auch von parallelen Spie-
geln erreicht wurde (Fig. 49). Ihm fiel
die pseudoskopische Wirkung auf, die
sich ergab, wenn er hinter die Pris-
men gewöhnliche Okulare setzte. Die
Wichtigkeit der beidäugigen mikroskopischen Beobachtung schilderte er
schon bei der ersten Veröffentlichung in einer Sprache, die zu dem zu-
nächst erreichten, doch nur dürftigen Erfolge in einem gewissen Miß-
verhältnis stand. Die Anpassung an den Augenabstand des Beobachters
geschah zweckmäßigerweise durch eine Parallelverschiebung der äußeren
Prismen oder Spiegel.
Fig. 49.
Das erste Binokularmikroskop nach
J. L. BiDDELL (2.).
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw. 71
E. Abbe {1. 199.) hat später darauf aufmerksam gemacht, daß
eine solche geometrische Teilung der Büschel in der Austrittspupille des
Mikroskopobjektivs selbst oder doch in ihrer/ Nähe stattzufinden habe.
Ihr entspricht dann auf der Objektseite eine Halbierung der Eintritts-
pupille. Für die beiden Halbbilder, die in der Einstellungsebene des
Mikroskopobjektivs entstehen, gelten als Projektionszentren die Schwer-
punkte der beiden Halbkreise, in die die Eintrittspupille zerlegt wird.
Sehr bald darauf trug Ch. Wheatstonb (4.) selbst seine Ansichten
über binokulare Mikroskopie vor. Er hatte schon nach seiner ersten
Kundgebung des Stereoskops die wichtigsten Londoner Hersteller von
Mikroskopen, A. Ross und Hugh Powell, für ein binokulares Mikro-
skop interessieren wollen und hatte seine Versuche nach seinem zweiten
Vortrage wiederholt, doch war es ihm auch dann nicht gelungen, ein
genügendes Interesse für seine Idee zu erwecken. Er erwähnte ferner die
Vorgängerschaft von ChErubin d'OelEans und hob hervor, daß das von
ihm vorgeschlagene Doppelmikroskop einen pseudoskopischen Effekt ge-
geben haben würde.
Seine eigenen Vorschläge beziehen sich auf die Herstellung von
Halbbildern für das Stereoskop auf photographischem Wege, und sie
stehen in guter Übereinstimmung mit seinen im Jahre vorher vor-
geschlagenen Konvergenzaufnahmen. Er empfahl zwischen den beiden
Aufnahmen den Tubus oder, was auf dasselbe herauskäme, das Objekt
unter dem ruhig stehenden Mikroskop um den Betrag von 15 Graden
um den eingestellten Objektpunkt zu drehen. Namentlich die letzte
Vorschrift ist in späterer Zeit mehrfach wiedergefunden worden und
hat dann zur Konstruktion der stereoskopischen Wippe geführt. Es soll
aber auch nicht unerwähnt bleiben, daß sich ein solcher Vorschlag einer
stereoskopischen Wippe bereits in einem französischen Ergänzungspatent
findet, das J. Düboscq (5.) schon vor Ch. Whbatstones (4.) Vortrage
nachgesucht hatte. Freilich wurde es erst viel später veröffentlicht.
Es dauerte kaum einen Monat, bis sich der Mann zum Worte
meldete, der um die Ausbildung und die Einführung des binokularen
Mikroskops ganz besondere Verdienste hat, der Ingenieur F. H. Wenham
(i.). Über das System zweier Paare ebener, zueinander paralleler Spie-
gel, das er für Lupen vorschlug, wird später zu handeln sein, da er
es auch vom Mikroskop losgelöst, etwa als Eikonoshop, behandelte;
jetzt kommt es nicht in Betracht, da es mit dem Vorschlage von
J. L. RiDDELL identisch ist.
Für Doppelmikroskope entschied sich F. H. Wenham nicht, da
eine solche Konstruktion nur für schwache Systeme möglich sei, denn
bei starken sei kein genügender Objektabstand vorhanden. Bei diesen be-
komme man die für die Stereoskopie nötigen beiden Standpunkte, indem
man die linke und die rechte Hälfte des Objektivs für sich verwende.
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72
II. Historischer Teil.
Fig. 50.
F. H. Wbnhahb (1.) achromati-
sches RefraktioDsprisma mit pseu-
domorpher Wirkung.
Die RiDDELLsche Prismenkombination lieferte ihm, zwischen Ob-
jektiv und Okulare gebracht, ein pseudoskopisches Bild, dieses würde
zwar orthoskopisch, wenn man jene Spiegelanordnung über ein mon-
okulares Mikroskop setze, doch ergebe sich dann eine ganz unzulässige
Beschränkung des Gesichtsfeldes.
Diesem Übelstande ließ sich abhelfen, wenn er Planspiegel oder
Ableseprismen dicht über dem Objektiv in den Strahlengang einschob,
so daß die aus den beiden Objektivhälften austretende Strahlung durch
je eines der beiden Okulare in das auf derselben Seite befindliche Auge
des Beobachters geleitet wurde. Allerdings ergab sich dann wiederum
ein pseudomorphes Raumbild.
Ein gleiches Ergebnis erhielt er mit einem
brechenden achromatischen Prisma dicht über
dem Objektiv (Fig. 50), durch dessen Anwen-
dung die gute Strahlenvereinigung kaum gestört
wurde. Man muß dabei berücksichtigen, daß
der englische Tubus von 25 cm merklich länger
ist als der kontinentale mit etwa 16 cm, so
daß die Ablenkung durch dieses Prisma nach
jeder Seite nur etwa l^/^ Grade betrug.
Zur Theorie der Wenh am sehen Vorschläge
ist nur wenig hinzuzufügen. Man sieht ohne
weiteres ein, daß die Umkehrung der Pupillen in den gewöhnhchen
Mikroskopokularen auf die chiastopische Augenstellung führen mußte,
und daß die in. einem Falle gewählte einmalige Spiegelung nicht aus-
reichte, um die orthopische Stellung herbeizuführen. Die orthopische
Wirkung für das über das Okular gesetzte Eikonoskop ist dadurch zu
erklären, daß das zusammengesetzte Mikroskop dann als ein einheitlich
wirkendes Instrument für die durch das Eikonoskop zusammengerückten
Objektaugen benutzt wurde. Die Einführung des brechenden Prismas
war jedenfalls eine Bereicherung der optischen Mittel, doch führte es zu-
nächst auch noch auf ein pseudomorphes Bild. Die ganze Behandlungs-
weise ist noch nicht fehlerlos, aber ein großes Interesse gibt sich schon
zu erkennen.
Zufälligerweise am gleichen Tage veröffenthchte J. L. Riddell (2.)
seinen zweiten Vorschlag eines binokularen Mikroskops. Er brachte ein
WHEATSTONBsches Pscudoskop dicht über dem Objektiv an, und erhielt
nunmehr auch mit den gewöhnlichen Okularen ein orthomorphes Bild
(Fig. 51). Er (5.) ließ auch sehr bald eine ausführUche Beschreibung
folgen, aus der hervorgeht, daß er nunmehr die erste Form als bin-
okulare Lupe, die zweite als zusammengesetztes, binokulares Mikroskop
vorschlug. Bei einer solchen Benutzung sind dann beide Instrumente
in der Tat orthomorph.
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw.
73
Derselbe Autor {4.) trat dann bald nachher noch mit dem Vor-
schlage auf, mit einem gewöhnhchen Einzelmikroskop stereoskopische
Halbbilder, sei es durch Nachzeichnen in der camera lucida oder durch
Photographie zu erhalten. Seine Methode, bei der er ein Amcisches
Reflexionsprisma dicht hinter dem Objektiv mit zwei verschiedenen, um
4 — 9 Grade imterschiedenen Neigungen verwandte, kommt auf die seit-
liche Verschiebung des Präparats vor dem feststehenden Objektiv hinaus.
Fig. 51.
J. L. RiDDBLLs (3,) orthoskopisches
Prismensystem.
Fig. 52.
A. Nachbts (2,) orthoskopisches
Prismensystem.
Eine von seinen Vorschlägen verschiedene Konstruktion findet sich
in dem binokularen Mikroskop von A. Nachet (i. u. 2.). Auch dieses
Instrument (Fig. 52) ist orthoskopisch, und zwar wird die orthopische
Stellung der Objektaugen durch eine Überkreuzimg der Strahlenbüschel
erreicht, die in dem gleichschenkligen Prisma herbeigeführt wird. Die
Anpassung an den Augenabstand des Beobachters wurde durch die Ver-
änderung des Abstandes der seitlichen Prismen ermöglicht. Ein Übelstand
dieser Form bestand in der großen Anzahl von Übergängen zwischen
Glas und Luft, wie sie durch die einzeln stehenden Prismen bedingt war.
F. H. Wbnham {2.) kam nun auch noch einmal auf diesen Gegen-
stand zurück und erhob Einspruch gegen die gar zu rosige Schilderung,
die J. L. RiDDELL bei der Besprechung des stereoskopischen Effekts seines
Mikroskops gegeben hatte. Ihm war im Gegensatz dazu die Verschlechte-
rung aufgefallen, die die Bilder der meisten Mikroskopobjektive erkennen
ließen, wenn nur eine Objektivhälfte wirksam gemacht wurde. Ein
Mittel gegen diesen Übelstand könne er vorderhand noch nicht angeben,
doch würde wohl die Einrichtung den Vorzug verdienen, wo nach Art
der Doppelbildprismen*) zwei Bilder entworfen würden, die aber zimächst
*) „// a modification of ihe double-image prism were to he placed close he-
j,hind the object-glass having a sufficient separating power to bring the object into
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74 !!• Historischer Teil.
nur ein zweiäugiges, kein beidäugiges Sehen ermöglichten; man könne
dann den stereoskopischen Eindruck dadurch hervorrufen, daß man nach
der Trennung die durchgelassenen Büschel an zwei entgegengesetzten
Stellen abblende.
Den schon vorher (s. S. 71) zurückgewiesenen Gedanken an ein
wirkliches Doppelmikroskop gab er nimmehr endgültig auf, da er nicht
zwei Mikroskoptuben auf dasselbe Objekt hatte richten können, wenn sie
selbst mit so schwachen Objektiven ausgestattet waren, wie es solche
von 4 cm Brennweite sind.
Es ist zweifellos anzuerkennen, mit welchem Scharfsinn hier die
Mögüchkeiten durchdacht worden waren, ohne zu große Schädigung der
Bildgüte zu einem brauchbaren binokularen Mikroskop zu kommen.
Die nächste Äußerung desselben Verfassers {3.) stammt auch aus
dem Jahre 1854, imd sie beschäftigt sich mit mikrophotographischen
Aufnahmen für das Stereoskop. Er ging seinen früheren Ansichten ent-
sprechend vor und nahm die beiden Halbbilder nacheinander auf, indem
er durch einen einfachen Blendenschieber dicht hinter dem Objektiv
zuerst eine und dann die andere Seite des Objektivs abblendete. Bei
Objektiven großer Apertur erziele man einen genügenden stereoskopischen
Eindruck, wenn man nicht die volle Hälfte, sondern nur etwa ein Drittel
der öfEnimg abblende. Auf seine weiteren Beobachtungen in dieser Zeit
wird zurückzukommen sein, wenn ein später erstatteter Bericht be-
handelt wird.
Alles in allem ist hervorzuheben, daß die erste Entwicklungsperiode
des binokularen Mikroskops keine Folgen von großer praktischer Bedeu-
tung zeitigte. Die einfachste Form dieses Instruments war in Amerika
erfunden worden, aber es scheint nicht, als sei es dort in größerer Zahl
hergestellt worden. Auch über die Einführimg der Nachbt sehen Form
verlautet in der hier benutzten Literatur nichts. Die engüschen Formen
aber waren pseudoskopisch und hatten sich infolge davon augenscheinlich
auch nicht recht verbreitet. Besser durchgearbeitet waren die Methoden
für die mikrophotographischen Aufnahmen von Halbbildern für das
Stereoskop. Hier hatten anscheinend schon um die Mitte dieses Jahr-
zehnts Ch. Whbatstonb und namentlich F. H. Wbnham alle hauptsäch-
Hch in Betracht kommenden Methoden erprobt.
Von Bedeutung für die beidäugige Mikroskopie war es jedenfalls,
daß sich in F. H. Wbnham ein befähigter Amateur gezeigt hatte, der
ebensowohl als ausführender Techniker ein Interesse an der Förderung
dieser Bestrebungen nahm, als er sich auch in einer sehr bemerkens-
y,each eye, hoih images would he alike and tvould consequerUly produce binocular
,ybut not 8tereo8copic vision; hut the latter might he obtained hy cvUing off aome
„portion of the opposed sidea of the aeparated pencüs.**
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw. 75
werten Weise mit der theoretischen Seite dieses Problems beschäftigte.
Seine Bemühungen sollten erst im nächsten Jahrzehnt Anerkennung
finden, dann aber auch für die Einführimg der beidäugigen Beobachtung
in die mikroskopische Praxis mindestens im englischen Sprachgebiet
entscheidend werden.
Die Praxis der stereoskopischen Aufnahmen.
Schon aus dem Früheren ging hervor, daß seit den ersten Versuchen
Ch. Wheatstonbs die Verbreitung der photographischen Verfahren und die
Kenntnisse der Photographen und der Camerabauer sehr zugenommen
hatten. Photographische Gesellschaften waren, wenn auch vorläufig noch
in geringer Zahl, ins Leben getreten, und es lag klar zutage, daß der
doppelte Anstoß, den die Popularisierung des Brewstbr sehen Prismen-
stereoskops durch J. DüBOSCQ und ferner der neue Vortrag Ch. Wheat-
stonbs ausgeübt hatten, die versuchsfrohen Amateure und Photographen
Englands zu eifrigem Experimentieren antreiben würde. Bei der glänzen-
den Leitung der jungen Arbeitsgesellschaften ist man über die Einzel-
heiten der dort geübten Verfahrungsweisen außerordentlich viel besser
unterrichtet als über die etwas älteren Methoden der französischen
Fabrikanten, da diese darüber verständlicherweise Schweigen bewahrten.
Eine große Schwierigkeit bot fast allen diesen Arbeitern der Kon-
vergenzwinkel, den sie den Achsen der Cameras bei der Aufnahme zu
geben hatten. Es ist ganz verständlich, daß man bei der Aufnahme
an eine Analogie mit dem beidäugigen Sehen dachte, allerdings dabei
außer acht ließ, daß das Auge im direkten Sehen schlechterdings keine
bevorzugte Achsenrichtung kennt, während man bei den photographischen
Aufnahmen natürlich sehr damit zu rechnen hat. Die Entwicklung ist
dann wohl so vor sich gegangen, daß man, wahrscheinlich beeinflußt durch
die Angaben Ch. Wheatstonbs, ursprünglich stereoskopische Aufnahmen
naher Objekte mit geneigten Achsen — gewöhnlich mit einer einzelnen
Camera nacheinander — machte, und dann verhältnismäßig bald, viel-
leicht schon um 1853 gelegentlich Stereoskopcameras mit parallelen Achsen
verwandte. Die überaus viel leichtere Benutzbarkeit und Verständlich-
keit der zuletzt erwähnten Apparate hat sie dann einen siegreichen
Krieg gegen die Methode der Konvergenzaufnahmen führen lassen. Diese
kamen verhältnismäßig schnell aus der Mode und wurden, wo sie etwa
wieder auftauchten, in der modernen Zeit gänzlicher Verflachung mit
einem völligen Mangel an Verständnis angesehen.
Es lag in der Natur der Sache, daß sich, wie schon erwähnt, die
ersten Praktiker bei ihren Aufnahmen nur einer Camera bedienten und
also schon früh zu dem Aushilfsmittel der Verschiebung griffen. Merk-
würdigerweise verwendete aber eine der ältesten uns überkommenen
Methoden schon eine Spiegelkombination vor dem Aufnahmeobjektiv,
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76
IL Historischer Teil.
um die beiden Halbbilder gleichzeitig auf die Platte zu bringen. Diese
von F. A. P. Baknard {1.) stammende Methode scheint keinen großen
Anklang gefunden zu haben, und es sieht nicht so aus, als wäre sich
ihr Erfinder selbst ganz klar darüber gewesen, in welcher Weise er sein
^/ M^ rni' M^m'^
Fig. 63.
Ein Schema für die Barnard sehe Methode der stereoslcopischen Aufnahme mit
einem Objektiv.
Objektiv benutzte. Er machte nur gelegentlich die Bemerkung, daß die
meisten käuflichen Stereogramme eine übertriebene Reliefwahrnehmung
vermittelten, die er auf einen zu weiten Abstand der Aufnahmeobjektive
zurückführte. Seinem eigenen Verfahren hafte dieser Übelstand nicht an.
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw. 77
Handelt es sich aber darum, zu einem wirklichen Verständnis der
Barnard sehen Methode zu kommen, so muß durchaus die Lage der Ab-
bilder und der Projektionszentren im Objektraume festgestellt werden.
Zu diesem Zwecke sei zunächst die Annahme eines eng abgeblendeten
Systems gemacht (Fig. 53). Es entsprechen dann der durch die Eintritts-
pupille P des Objektivs nach der Trennungskante L der beiden Spiegel
gezogenen Haupthorizontalen P L im Objektraume zwei gespiegelte Rich-
tungen. Denkt man sich die Einstellung auf eine Entfernung PL -f- LSR
vorgenommen, wobei m^mi die der Plattenbreite entsprechende Abbild-
breite nach der Spiegelung ist, so liegen die beiden Abbilder vor der
Spiegelung so gekreuzt, daß sie sich unter einem Winkel von 2« schneiden,
und die zugehörigen Pupillenmitten liegen in $t und %] von hier aus
hat die Konstruktion der beiden Abbilder zu geschehen, die dann nach
der Spiegelung und der Wirkung der Linse in der gewählten Verkleinerung
auf beiden Seiten m'i9R'; SR'm'r der Platte erscheinen.
Fig. 64.
Ein WHEATSTONEsches Spiegelstereoskop zur richtigen Betrachtung von Halbbildern,
wie sie nach der Barkard sehen Methode erhalten sind.
Eine Betrachtung der Halbbilder in einem gewöhnlichen Stereoskop
würde zu groben Heteromorphien führen, da das Barnard sehe Verfahren
offenbar den Konvergenzmethoden zuzuzählen ist. Soll ein naturgetreuer
Eindruck möglich sein, so muß offenbar der objektseitige Strahlengang
mit Hilfe der Abbildskopien nachgeahmt werden. Das ist durch eine
Einrichtung nach Art des Whbatstonb sehen Spiegelstereoskops um so
leichter möglich (Fig. 54), als dabei die Spiegelverkehrung wieder auf-
gehoben wird. Übertrifft die Entfernung $i^i den Abstand OiOr der
Augenzentren des Beobachters, so liegen die geometrischen Bedingungen
dafür vor, daß das Objekt in einer entsprechenden Verkleinerung wahr-
genommen wird.
In dem einzelnen Halbbilde wird die Lichtverteilung nicht gleich-
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78 II. Historischer Teil.
mäßig sein, weil in unmittelbarer Nähe der Mittellinie nur je eine Hälfte
des Objektivs wirksam wird. Erst gegen den Plattenrand hin tritt die
natürliche Helligkeit wieder ein.
Große Popularität errang sich die von dem Ingenieur L. Clark
(!•) [* 22. März 1822, f 29. Okt. 1898] beschriebene Einrichtung, bei der
die Einzelcamera zwischen den beiden Aufnahmen so verschoben wurde,
daß ihre Achse auf denselben Objektpunkt gerichtet blieb. Er benutzte
dazu eine Führung, die einem Parallellineal ähnlich sah und bei Land-
schaftsaufnahmen in der Tat zu einem solchen wurde. Da er gleichzeitig
automatisch die Platte in der gleichen Richtung wie die Camera ver-
schob, so kam auf dem Negativ das rechte Halbbild links vom linken
zu liegen, und er war der Unbequemlichkeit überhoben, bei der Be-
trachtung des Positivs die beiden Halbbilder miteinander zu vertauschen.
Bei ihm findet sich eine deutliche, allerdings selten beachtete Mahnung,
den Abstand der Eintrittspupillen für die beiden Halbbilder nicht über
den der Augenpupillen hinaus zu steigern.
Eine der ersten Einrichtungen hat aber schon zwei Cameras um-
faßt, die nämlich, die A. F. J. Claüdet ( J.) im Herbst von 1852 in Belfast
vorführte. Wie sich dazuaus einem Artikel F. Moignos (3.) entnehmen
läßt, waren die beiden Cameras an den Schenkeln eines horizontalen
Winkels, der seine Spitze dem Objekt zukehrte, um vertikale Achsen
drehbar angebracht und vermochten daher auf die verschiedensten Kon-
vergenzwinkel eingestellt zu werden. Ein optisches Hilfsinstrument,
Stereomonoskop*) genannt, diente zur Ausrichtung der beiden Cameras.
In späteren Publikationen hat A. Claüdet (4,) schließlich als Stereo-
skopeometer ein Nomogramm angegeben, aus dem man sofort den Abstand
der beiden Objektive entnehmen konnte, wenn man bei einem vorge-
schriebenen Objektabstande eine bestimmte Konvergenz erzielen wollte.
Der tüchtige Pariser Optiker Ch. Chevalier (!•) gab noch 1859
eine Anweisung heraus, die den beiden eben erwähnten Verfahren nahe-
steht. Er verwandte auch für Porträtaufnahmen im Atelier nur eine
Camera, die auf einer zweckmäßig vorgerichteten Unterlage verschoben
wurde, doch ließ er unter allen Umständen die beiden Achsenrichtungen
einen Winkel von 15 Graden miteinander bilden. Bei weiten Objekt-
abständen kam er dann zu sehr beträchtlichen Trennungen der Objektive.
Etwa gleichzeitig mit den Bemühungen A. Claüdets sind die Ar-
beiten des Pariser Optikers A. M. Qüinet, der von dem Rechenmeister
M. A. Gaudin {1.) beeinflußt worden zu sein scheint. Es sieht so aus,
als habe es sich bei diesem Aufnahmeapparat um die Erzielung homöo-
morpher Aufnahmen gehandelt, und zwar waren anscheinend bei den
*) Es ist von dem später unter dem gleichen Namen veröffentlichten Stereo-
skopapparat desselben Erfinders zu unterscheiden.
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw. 79
zur Aufnahme verwendeten Doppelobjektiven die dem Objekt zugekehrten
Systemteile nicht vollständige Linsen sondern, der optischen Ausrüstung
der Beb WSTBR sehen Prismenstereoskope entsprechend, Linsenhälften.
Das ursprüngliche Arrangement von L. Clark erfuhr durch
S. Cartwright (1.) kleine Änderungen, und zwar ist aus der Mitteilung
auch die Angabe des Formats der Halbbilder von 7,6 : 8,3 cm von
Interesse, da es schon fast die lange Zeit in England kanonischen Maße
von 8,2:8,2 cm aufweist. Die Arbeits Vorschriften dieses Autors sind
sehr klar und zweckmäßig, und auch hier findet sich die für jene Zeit
charakteristische Warnung vor einer übertriebenen Vergrößerimg des
Obj ekti vabstandes.
Aber trotz all der Erfindertätigkeit, die so reichlich für die
Konvergenzaufnahmen angewendet wurde, blieb dieses Verfahren doch
ziemlich umständlich und vor allem langsam, so daß Momentaufnahmen
ausgeschlossen waren. Es kann daher nicht wundernehmen, wenn die
viel bequemere Methode mit parallel montierten Objektiven schon ver-
hältnismäßig früh auftauchte und schließlich siegreich blieb. An ver-
schiedenen Stellen der englischen Fachliteratur findet sich die Behauptung,
der erfindungsreiche Mechaniker J. B. Dancer aus Manchester sei 1853
der erste gewesen, der die eigentliche Stereoskopcamera mit parallelen
Achsen konstruiert habe. Das kann sehr wohl so gewesen sein, wenn-
gleich in dem hier benutzten Material nur eine Bemerkung von ihm
{!•) aus dem Jahre 1856 vorliegt. Jedenfalls tauchte die Idee um
diese Zeit auf. So schlug im Frühling des Jahres 1855 der Abbe
. . Desprats (1.) eine solche Camera mit parallelen Achsen und einem
Objektivabstande von 6 cm vor, während ihm der junge D. van
MoNCKHOVBN in seiner oberflächlich glatten Art zugunsten von Kon-
vergenzaufnahmen widersprach. Auch in England berichtete im Herbst
desselben Jahres G. R. Bbrry (1.) von seinen erfolgreichen Versuchen,
mit einem solchen Apparat stereoskopische Momentaufnahmen anzufer-
tigen. Aus seiner Beschreibung bekommt man einen guten Eindruck von
der tatkräftigen, durch keine theoretischen Überlegungen zurückgehaltenen
Art der damaligen englischen Amateure, die sicherlich zur Zeit der ersten
Entdeckungen ihre Vorteile hatte.
Eine größere Bedeutimg für das Problem, durch Stereoskopaufnahmen
einen naturgetreuen Eindruck zu vermitteln, kam um diese Zeit Sir
David Brbwstbr zu. Er war sicherlich einer theoretischen Erörterung
dieser Frage besser gewachsen als die große Mehrzahl der Amateure,
die ihn an praktischer Erfahrimg auf dem Gebiete der Photographie
übertrafen. Er (lö. 159, 165.) hob sehr deutlich hervor, daß es für diesen
Zweck wesentlich sei, daß das Halbbild dem betrachtenden Auge unter
den gleichen Winkeln erscheine wie der Gegenstand dem Aufnahme-
objektiv, und er schlug daher vor, die Brennweiten der Aufnahme- und
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80 n. Historischer Teil.
der Betrachtungssysteme gleich zu wählen. Eine gewisse Erschwerung
für eine ganz klare Erkenntnis bereiteten ihm seine vorgefaßten Mei-
nungen, an denen er bei seinem hohen Alter mit großer Zähigkeit
festhielt. Einmal sollten die Aufnahmeobjektive durchaus nur einen
öfEnungsdurchmesser *) von etwa 5 mm haben, um in dieser Hinsicht
mit der PupillenöfEnung vergleichbar zu sein. Da nun zu jener Zeit
ziemlich lange Brennweiten üblich waren, so führte diese Vorschrift zu
außerordentlich kleinen Ofinungsverhältnissen und langen Expositions-
zeiten, wogegen die ausübenden Photographen mit Recht Einspruch er-
hoben. Das vott ihm dagegen vorgeschlagene Mittel, kleine, dünne Linsen
aus lichtdurchlässigem Material (Bergkristall) zu verwenden, wurde im
allgemeinen auch nicht angenommen, wenn auch A. Claüdet in seinen
letzten Lebenstagen einige Versuche in dieser Richtung anstellte. Es
würde tatsächlich auch den Verzicht auf die Errungenschaften der rech-
nenden Optik bedeutet haben. Der andere gefährliche Punkt war durch
seine Vorliebe für die Prismenwirkung exzentrisch benutzter Linsen ge-
geben. So schlug er (15. 146.) für die Aufnahme die Benutzung von
Halblinsen oder der Randteile einer großen Linse vor, doch fehlt bei
ihm die Kundgebung der Korrektionsidee, die von A. Glaubet (8.)
so deutlich ausgesprochen wurde. Es ist ganz verständlich, daß er unter
diesen umständen kein Verfechter der Parallelcamera war, auf die der
Strom der Zeit schon damals deutlich gerichtet war.
Man wird sich wohl die Vorstellung bilden müssen, daß nach der
Mitte der fünfziger Jahre Stereoskopcameras in immer größeren Mengen
hergestellt wurden und in Gebrauch kamen, daß aber die alte Konver-
genzmethode noch längere Jahre daneben bestand und namentlich von
älteren Amateuren benutzt wurde. Außerdem aber sorgten solche
Leistungen wie die später zu besprechenden astronomischen Stereogramme
von W. DE LA RuE, auf die die Nation mit Recht stolz war, dafür, daß
die Konvergenzaufnahmen damals noch nicht in Vergessenheit gerieten.
Noch ein anderer Vorschlag für die stereoskopischen Aufnahmen
geht auf Sir David Brewster zurück, der später von sehr großer Be-
deutung werden sollte. Er benutzte die unterbrochene Abbildung, wie
sie durch die Photographie ermöglicht wird, um für das beidäugige
Sehen zwei Räume einander durchdringen zu lassen, und zwar beab-
*) Ihm hatten nämlich die Zerstreuungsfiguren mißfallen, die bei jeder photo-
graphischen Aufnahme eines Objektreliefs auftreten müssen, weil die Projektion
mittels endlich geöffneter Büschel erhalten wird. Es liegt in der Natur der Sache,
daß dann Objektpunkte, die für das perspektivische Zentrum unsichtbar (verdeckt)
sind, dennoch durch Teile der Zerstreuungskreise in der Einstellungsebene sichtbar
gemacht werden können. Das wird um so eher geschehen, je größer die OfiFnung
der abbildenden Büschel ist. So ist es zu verstehen, daß er Aufnahmen mit Objek-
tiven von besonders großem Linsendurchmesser als vornehmlich störend empfand.
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw. 81
sichtigte er, hauptsächlich der Unterhaltung zu dienen, also etwa
Scherzbilder oder Geistererscheinungen vorzuführen. Zwei Methoden gab
er dafür an, entweder {15* 205,) stereoskopische Aufnahmen nachein-
ander auf die nicht vollständig ausexponierte Platte zu machen, oder
{16. 206.) zwei Diapositiv-Stereogramme dicht übereinander zu legen.
Dabei könnte man noch das eine über das andere hinwegschieben und
dadurch merkwürdige Erscheinungen hervorrufen. An die Anwendung
dieser sehr wichtigen Idee auf ein stereoskopisches Meßverfahren scheint
Sir David Brbwstbr nicht gedacht zu haben.
Die stereoskopischen Betrachtimgsapparate.
Die Erfindertätigkeit auf diesem Gebiete ist verständlicherweise
noch reger als auf dem soeben verlassenen. Es ist auch ausgeschlossen,
daß man etwa alle Patentangaben übernimmt; vielmehr ist bei dieser
Auswahl hier versucht worden, im wesentlichen das Neue hervorzuheben.
Die Konstrukteure sind auch zum Teil dieselben Leute, die schon bei
den Aufnahmemethoden aufgetreten sind.
Sehr bald nach dem großen Vortrage Ch. Whbatstones schlug
Sir David Brewster (il«), wie er {15. 123,) wiederholte, ein aus zwei
astronomischen Fernrohren geringer Vergrößerung zusammengesetztes
Instrument als Pseudoskop, oder, wie er es nannte, als Kameoshof
(binocular cameoscope) vor. Er hat es dann vier Jahre später als Stereo-
skop (opera-glass stereoscope) beschrieben imd darauf hingewiesen, daß
sich eine ümkehrung der Tiefenanordnung ergibt, wenn man von der
Stellung, wo rechtes und linkes Fernrohr auf die gleichnamigen Halb-
bilder gerichtet sind, zu der gekreuzten Stellung der Fernrohrachsen
übergeht. Daß dieser Effekt eintreten muß, folgt ohne weiteres aus den
Bemerkungen auf S. 13, wo von der Wirkung der Vertauschimg der
Halbbilder die Rede war.
Als ein Vertreter der strebsamen Fachleute erschien in erster Linie
A. Claudet {2.), der sich bereits 1853 ein wohl hauptsächlich für Da-
guerreotypien bestimmtes Stereoskop schützen ließ. Es war mit ebenen
Spiegeln versehen, um die Spiegelverkehrung in den Halbbildern aufzu-
heben, die sich bei diesem Verfahren zeigen mußte, wenn man die
Aufnahme nicht mit einem besonderen Planspiegel machte. Auch zeigte sich
bei diesem Patent die nahe Verbindung, in die man, für die damalige
Zeit allerdings noch ganz erfolglos, stereoskopische und Reihenaufnahmen
zu bringen suchte.
Bald darauf stößt man auf eine Mitteilung von W. Hardie {!,),
einem Druckereibesitzer in Edinburgh, der als ein erfolgreicher Amateur
noch häufiger auftreten wird. Er beschrieb offenbar durch Ch. Wheat-
8T0NBS große Arbeit angeregt, aber unglücklicherweise seine Bezeichnung
V. Rohr, Binokulare Instrumente. 6
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82
U. Historischer Teil.
nicht genau beibehaltend, zwei verschiedene Kombinationen ebener
Spiegel unter dem Namen eines neuen Pseudoskops. Dabei war, auf
physische Objekte angewandt, nur die erste Zusammenstellung ein
Pseudoskop im Sinne Ch. Wheatstones, während die zweite eine Spiegel-
kombination darstellte, die später unter der Bezeichnung des Tele-
stereoskops bekannt und mit dem Namen von H. Helmholtz verbunden
wurde. Sein Pseudoskop zeigte nach Fig. 55 zwei Formen, je nachdem
es sich um eine doppelte oder um eine dreifache Spiegelung an ebenen
Spiegeln handelte. Es ist dabei sehr interessant, zu verfolgen, wie im
ersten Falle die chiastopische Stellung der Objektaugen durch eine ein-
fache Verlagerung, im zweiten Falle durch eine ebenfalls einfache Spiegel-
verkehrung herbeigeführt wurde. W. Habdie scheint auch sein Teleste-
reoskop meistens auf ganz nahe Gegenstände angewandt zu haben imd
Fig. 66.
W. Hardies Pseudoskop nach M. von Rohr (7, 414.),
Das Instrument kann sowohl, wie liier angenommen, ohne den ebenen Doppelspiegel AB verwandt
werden als auch mit ihm. In dem letzten Falle wird jedes Hauptstrahlenbüschel dreimal gespiegelt.
durch den Widerspruch getäuscht worden zu sein, in dem hier die Ele-
mente der Erfahrung zu denen der Tiefenwahrnehmung stehen, und der
viele Beobachter zu der durchaus ungegründeten Annahme einer hetero-
morphen Abbildimg geführt hat. Eine klare Theorie der letzten Form
seines Instruments findet sich an dieser Stelle jedenfalls nicht, doch
mag gleich hier bemerkt werden, daß er (3.) bereits zu dieser Zeit
an eine Verbindung seines Instruments mit zwei vergrößernden Fern-
rohren gedacht hat, um eine gesteigerte Tiefenwahrnehmung herbeizu-
führen. Daß diese schöne Idee nicht praktisch verwirklicht wurde, lag
nicht an ihm. Der Edinburgher Optiker . . Adie, an den er sich wegen
der Ausführung gewandt hatte, sah die Bedeutung des neuen Instruments
nicht ein, und so unterblieb damals die Herstellung. Daß seine beiden
Instrumente auch als Stereoskope Verwendung finden könnten, hob
übrigens W. Habdie ausdrücklich hervor.
Der Mathematiklehrer W. Rollmann (i.) veröffentlichte, wohl durch
H. W. DovEs Arbeiten angeregt, 1853 eine kleine Notiz über eine ihm
bequem erscheinende Methode, Stereogramme mit paralleler Richtung
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw. 83
der Augenachsen zu betrachten. Er brachte seinen Kopf in die richtige
Stellung vor das Stereogramm und zog mit den Fingern die beiden
Augen auseinander. Eine Ähnlichkeit mit Brewster sehen (s. S. 54) und
DovE sehen (s. S. 61) Methoden zeigten die beiden Stereoskope, die er
(J^.) noch in demselben Jahre veröffentlicht hat. Die erste erforderte
die doppelt ausgeführte Zeichnung eines symmetrischen Körpers; von
diesen beiden identischen Halbbildern wurde das eine direkt wahrge-
nommen, während das Spiegelbild des andern, wie es in einem in die
Medianebene gebrachten ebenen Spiegel erschien, das andere Halbbild
abgab. Bei einem Doppelspiegel erhielt W. Rollmann auf diese Weise
gleichzeitig auch das invertierte Modell. Eine große Eleganz wird man
dieser einfachen Methode nicht absprechen können. Die zweite Methode
führte auf ein Farbensteroskop. Die zusammengehörigen Halbbilder
wurden, sich gegenseitig durchschneidend, mit zwei verschiedenen Farben
auf einen weißen Grund gezeichnet. Vor jedes der beiden Augen wurde
nun ein Farbglas gehalten, das die Farbe des zugehörigen Bildes ab-
sorbierte, die des andern ungehindert durchließ. Das Resultat war ein
Körper mit schwarzen Konturen auf einen Hintergrunde, dessen Farbe
durch die Janin sehe Mischfarbe der beiden Absorptionsgläser ge-
geben war. W. Rollmann hatte die Zeichnung blau und gelb ausgeführt
und rote und blaue Absorptionsgläser gewählt. Daß durch ^e Ver-
tauschung der Gläser eine Umwandlung des Reliefs hervorgebracht wurde,
hob er ausdrücklich hervor. Die dieser Erscheinung zugrunde liegende
Theorie ergibt sich ohne Schwierigkeit aus den allgemeinen Überlegungen
auf S. 18 und 19.
unmittelbar nach dem Hardie sehen Artikel hielt der Londoner
Ingenieur F. W. Wenham (1.) vor der dortigen Gesellschaft zur Pflege
der Mikroskopie einen interessanten Vortrag, der, soweit es sich um die
verschiedenen Formen des Doppelmikroskops handelte, bereits auf S. 71
besprochen worden ist. Im Anfange seines Vortrages gab er aber, wie
dort schon erwähnt, an, daß man das Paar rhombischer Prismen dazu
benutzen könne, um mit beiden Augen durch eine Linse verhältnismäßig
kleinen Durchmessers wie durch ein Leseglas hindurchzusehen. Er leistete
diese scheinbare Zusammenrückung der Augen daneben auch durch eine
der Hardie sehen ähnliche Spiegelanordnung. Dabei hob er die stark
abflachende Wirkung einer solchen Einrichtung hervor, die durch die
Verminderung der stereoskopischen Parallaxe zu erklären ist. Man kann
das von seinem Erfinder nicht näher bezeichnete Instrument nach dem
Vorgange von E. Javal (1.) als Eikonoskop einführen. Auf seine gleich-
zeitig angestellten Versuche mit dem umgekehrt die Parallaxe steigernden
Instrument, also der von W. Hardie als ein Pseudoskop beschriebenen
Vorkehrung, kam er, wohl mit Rücksicht auf seinen Zuhörerkreis, nicht
zu sprechen.
6*
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84
n. Historischer Teil.
Die nächsten Stereoskope scheinen mehr den Bedürfnissen der
Praxis zu dienen; sie haben alle größere Linsen und zum Teil das
Eigentümliche, daß in ihnen die Verzeichnung des Brbwster sehen
Prismenstereoskops dadurch bekämpft werden soll, daß nur die Mitten
der Linsen, mindestens nicht ihre äußersten Randteile benutzt werden.
Dahin gehören die Vorschläge von G. Knight (1.) sowie A. Claudbt (Ö.)
und E. E. Scott {!.), Bei A. Claudbt findet sich wohl zuerst der Vor-
schlag, die Begrenzung der Halbbilder so zu wählen, daß sich ein Rahmen
ergibt, der vor den Bildern erscheint und so eine Erhöhung der Illusion
herbeiführt. Auch wählte er die Durchmesser seiner vollständigen Linsen
größer, als es sonst üblich war, um Beobachtern mit sehr verschiedenen
Augenabständen die Vereinigung zu erleichtem. Er näherte sich also
mit seinem Vorschlag schon in einem gewissen Grade dem auf
Ch. Whbatstonb zurückzuführenden Linsenstereoskop (s. S. 67). Ziemlich
die gleichen Absichten wie A. Claudbt scheint — nach den vorliegenden
Äußerungen G. Shadbolts (1.) zu urteilen — etwas später E. E. Scott
verfolgt zu haben.
Wendet man sich schließlich zu der Besprechung der letzten
Stereoskope, deren Beschreibung auf Sir David Bkbwstbe zurückzu-
führen ist, so kommen keine besonders wichtigen Formen mehr in Betracht.
Das Stereoskop mit einfacher
Reflexion (the single reflecting
stereoscope) wurde von ihm {15.
110,) so umgestaltet, daß es auch
für die Betrachtung von gewöhn-
lichen Stereogrammen zu be-
nutzen war (Fig. 56). und zwar
wurde das durch die Seitenver-
setzung ermöglicht, die mittels
der beiden Reflexionen herbei-
geführt wurde.
Das Stereoskop mit nur einem
brechenden Prisma (s. S. 55) er-
hielt etwa als Taschenstereoskop
eine neue Form (the eye-glass
stereoscope) (15. J^^.), imd zwar wurde durch die Verschiebung einer
Konkav- gegen eine Konvexlinse bei B ein brechendes Prisma mit
variablem Winkel erzeugt (Fig. 57), so daß man damit auch Stereogramme
betrachten konnte, deren Halbbilder sehr weit voneinander abstanden.
Es sei zweckmäßig, für den sammelnden Bestandteil nur eine Halb- oder
eine Viertellinse zu verwenden.
Im Leseglasstereoskop (the reading-glass stereoscope) (15. 125.)
empfahl er, durch ein dicht vor das Gesicht gehaltenes Leseglas von
Fig. 56.
Sir David Brewstbrb (IS. 110.) Stereoskopeinrich-
tungen mit doppelter Spiegelung.
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw. 85
großem Durchmesser (7 — 11 ^/g cm) mit gekreuzten Blickrichtungen ge-
kreuzt angeordnete Halbbilder zu betrachten.
Seine Beschreibung (15. 126,) y wie die auf der Mattscheibe oder in
der Luft entstehenden Bilder einer photographischen Doppelcamera unter
einem Brbwstbr sehen Prismenstereoskop stereoskopisch gesehen werden
könnten (the camera stereoscope), erscheint nicht bloß undeutlich sondern
sogar \mrichtig, weil man nicht einsieht, wie bei einer solchen Anord-
nung ein pseudoskopischer Effekt hätte vermieden werden können,
auf den bereits Ch. Wheatstone (s. S. 67) deutlich hingewiesen hatte.
Richtig ist jedenfalls sein letzter Vorschlag, wonach man hier bei der
Benutzung des Fernrohrstereoskops (s. S. 81) zu einem korrekten Raum-
bilde komme. Es muß aber hinzugefügt werden, daß dann die Form mit
den gleichgerichteten Fernrohrachsen zu wählen ist.
Flg. 67.
Sir David Brewsters {IS, 124.) Taschenstereoskop.
Von den vorher genannten drei Erfindern in der Praxis verwendeter
Stereoskopformen verdient A. Claudbt nicht nur wegen seines damals
unvergleichlich höheren Ansehens die hauptsächlichste Beachtung, sondern
auch deswegen, weil ihn das vorüegende Problem ganz besonders be-
schäftigte und zu bemerkenswerten Leistungen anspornte. So machte er
(8.) 1856 den Vorschlag, dem gewöhnlichen BREWSTERschen Prismen-
stereoskop solche verzerrten Bilder darzubieten, daß sie durch die Prismen-
wirkung gerade richtig würden. Dies sollte dadurch geschehen, daß man
die Stereogramme mit großen Objektiven anfertigte, die bis auf geeignet
gewählte Randteile abgeblendet seien. Er (7.) gab etwa um dieselbe Zeit
seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß das Interesse in Frankreich
schon so sehr nachgelassen habe. Als Grund dafür kann man wohl
heute anführen, daß die Entwicklung der photographischen Vereine und
des gesamten Amateurwesens in Frankreich nicht entfernt mit der
glänzenden Entwicklung in England Schritt gehalten hatte.
Der Vorschlag von H. Faye {!•), die Vereinigung der im Augen-
abstande aufgeklebten Halbbilder durch einen Blendschirm zu erleichtern,
der einfach zwei Löcher mit einem Durchmesser von 5 mm im Augen-
abstande enthalte und dicht vor die Augen zu bringen sei, verdiente trotz
seines illustren Publikationsorgans kaum eine Erwähnung, hätte er nicht
den Anlaß zum Ausbruche des offenen Streites zwischen Sir David
Brewster und Ch. Wheatstone gegeben. Er wirkte auf J. J. Oppbl ein
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86
II. Historischer Teil.
und führte ihn zur Konstruktion seines einfachen, linsenlosen Stereo-
skops. Darauf wird noch später hinzuweisen sein, wenn die damit er-
haltenen Resultate einer Besprechung unterzogen werden sollen.
Auf die Bestrebungen von W. Hardie und F. H. Wenham zurück führte
eine wichtige Veröffentlichung des berühmten Physikers W. Crookes (/.).
Er nahm damals ein solches Interesse an der Amateurphotographie, daß
er eine Zeitlang wichtige photographische Zeitschriften, wie das Organ
der Londoner Photographischen Gesellschaft und außerdem das Fach-
blatt The Photographie News, selbst redigierte. Er schlug vor, den natür-
lichen Augenabstand zu steigern, um eine erhöhte Tiefenwirkung zu
erhalten. Zu diesem Zwecke sollten Aufnahmen mit zwei parallel ge-
richteten Cameras gemacht werden, die, wenn eine a-fache Tiefenver-
größenmg gefordert wäre, um a X 63,5 mm voneinander zu entfernen
seien. Bei einer 40 fachen Tiefensteigerung müßten die beiden Objektive
also eine Entfernung von 25,4 m voneinander haben. Gegen den Schluß
Fig. 58.
Das Telestereoskop ohne Femrohrvergrößerung nach H. Hklmholtz (1.).
des Artikels findet sich die Bemerkung, daß für das gewöhnliche Ste-
reoskop mit den beiden Halbbildern in einer imd derselben Ebene die
beiden Aufnahmeobjektive durchaus parallele Achsen haben müßten, da
Konvergenzbilder auch eine Neigung der beiden Halbbilder im Stereoskop
erforderten, wenn der Eindruck nicht geändert werden solle.
Der von Sir David Brewster so stark in den Vordergrund ge-
schobene J. Elliot (2.) versuchte sich in dieser Zeit mit einer neuen
Erfindung und brachte zwei Schielstereoskope heraus, deren eines ohne
optische Teile war imd nur das Zustandekommen der Nebenbilder ver-
hinderte, während das andere zwei gekreuzte Fernrohre auf die beiden
Halbbilder richtete, wie das ähnlich von Sir David Brewster einige
Jahre vorher (s. S. 81) vorgeschlagen worden war. Die beschämende
Mitteilung, daß er auch hier wieder ofiene Türen eingerannt habe, mußte
der Pechvogel bald darauf machen; doch scheint er für seine zweite
Nacherfindung keine solchen Lobsprüche von Sir David Brewster ge-
erntet zu haben wie für die erste.
Sehr bald nach der Veröffentlichung des Artikels von W. Crookes
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw. 87
hielt H. Helmholtz (i.) bei einer Junisitzung des niederrheinischen
Vereins für Natur- und Heilkunde einen Vortrag, in dem er sein Tele-
Stereoskop veröffentlichte (Fig. 58). Er hob hervor, daß das Instrument
mit der Wirkung des Stereoskops verwandt sei, und brachte gleich zwei
Formen heraus. Davon war die eine, der Hardie sehen und der
Wenham sehen Einrichtung entsprechend, ohne Linsen, während die andere
mit zwei vergrößernden Fernrohren von terrestrischem Typus ausgestattet
war. Die Bildung eines Doppelsystems aus solchen Instrumenten als
Elementen überhaupt war nicht neu, hatte darauf doch P. G. Bardou
(s. S. 37) bereits 1854 ein französisches Patent genommen, doch handelte
es sich hier um die Einschaltung eines solchen Bakdoü sehen Doppel-
fernrohrs in das einfache Telestereoskop.
Was nun die Benutzung dieses nicht vergrößernden Telestereoskops
angeht, so muß H. Helmholtz ein ganz eigentümlich sicheres Vermögen
der Raumanschauung gehabt haben, da er bei seiner Anwendung dieses
Instruments auf nahe Gegenstände keinerlei Mißverhältnisse bemerkte,
ja menschliche Figuren sogar als „zierlich" beschrieb.
Bei der Diskussion des Telestereoskops mit der Fernrohrvergröße-
rung hob er hervor, daß durch die Auseinanderrückung der Fernrohre
der Fehler der Porrhallaxie durchaus nicht gehoben werde, sondern daß
dadurch nur eine gleichmäßige Verkleinerung des porrhallaktisch modifi-
zierten Bildes eintrete. Dagegen sei es möglich, für einzelne Gegen-
stände in bestimmter Entfernung ein richtiges Relief zu erhalten, wenn
man der abflachenden Fernrohrwirkung durch eine Neigungsänderung
der äußeren Spiegel das Gleichgewicht halte.
Es ist ein vollkommenes Rätsel, warum H. Helmholtz diese muster-
haft klare und richtige Darstellung nicht in sein Handbuch der phy-
siologischen Optik übernahm. Es wird aber dort {2. 681/82.) auch nicht
einmal eine Andeutung gemacht, warum sie weggefallen sei. Sie läßt
sich allerdings mit einem häufig zitierten Satze*) des Handbuchs nicht
in Übereinstimmung bringen. Das ist um so bedauerlicher, als dieser
Satz bei dem Mangel einer Erklärung über jenes Wegfallen entsprechend
der Gründlichkeit der Physiker in historischen Fragen als das Helm-
HOLTzische Kriterium für die Orthomorphie bekannt geworden ist und
durch die 'überaus häufige Wiederholung fast dasselbe Gewicht erhalten
zu haben scheint, das ihm beiwohnen würde, wenn er richtig wäre.
Wie weiter unten gezeigt werden wird, wurde diese sog. HELMHOLTzische
Regel zum ersten Male sogar schon 1853 von A. Claüdet (4.) aus-
gesprochen, und bei der gleichen Gelegenheit schlug derselbe Autor ein
*) Dieser Satz lautet: „Da die Vergrößerung auch eine sechzehnmalige
„ist, so ist die Wirkung des Instruments die, als sähe man das Objekt mit un-
„ bewaffneten Augen aus einer sechzehnmal kleineren Entfernung, als man es wirk-
„lich sieht."
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88 II- Historischer Teil.
mit holländischen Fernrohren vierfacher Vergrößerung ausgestattetes
Telestereoskop mit einem Objektivabstande von 25 cm vor.
Die Veröffentlichung aus der Feder von H. Helmholtz machte zu
einer Zeit, wo das Interesse der wissenschaftlichen Welt am Stereoskop
eben erst abzuebben begann, einen ganz außerordentlichen Eindruck
auf die weitesten Kreise der Physiker, und es kann kein Wunder nehmen,
daß sich auch W. Haedib und F. H. Wenham zum Wort meldeten.
Daß der Erstgenannte (5.) in dem Besitze dieses Instruments gewesen
sei, ist ebenso sicher, wie der Umstand, daß er die Theorie davon nicht
verstanden hatte; nahm er sie doch nicht einmal jetzt an. Man muß
aber den ersten Teil der Behauptung noch durch die Angabe ergänzen,
daß W. Haebie unmittelbar nach seiner ersten Publikation vom
Jahre 1853 den Edinburgher Optiker . . Adib — allerdings vergeblich —
zu veranlassen gesucht hatte (s. S. 82), ein Telestereoskop mit Fern-
rohrwirkung zu konstruieren, wobei das Fernrohrsystem durch ein hol-
ländisches Opernglas geliefert werden sollte.
Was F. H. Wenham angeht, so hatte er, wie schon auf S. 83
erwähnt wurde, zwar den umgekehrten Apparat veröffentlicht, doch da-
mals jeden Hinweis auf das Telestereoskop unterlassen. Aber in seiner
Äußerung (4.) zu dem HELMHOLXzischen Aufsatze teilte er mit, daß
er schon seit den ersten Tagen des Jahres 1853 im Besitze des Tele-
stereoskops gewesen sei, und daß er versucht habe, auf Grund der
Tiefenänderung, die durch eine Neigungsänderung der äußeren Spiegel
herbeigefübrt werde, einen Entfernungsmesser zu konstruieren, dessen
Zeigerablesung bis zu einer Grenze von etwa 900 m hätte reichen sollen.
Es ist wohl anzunehmen, daß das Bewußtsein von der richtigen Tiefen-
ausdehnung, nur bei ganz bestimmten Objekten sicher genug ist, um
eine genaue Entfernungsmessung zu ermöglichen; und nähere Angaben
sind an jener Stelle nicht gemacht worden. Wenn sich nun F. H. Wenham,
was man bei einem so geschickten Konstrukteur annehmen kann, vor
jenem Vortrage vom Jahre 1853 nicht bloß auf die Untersuchung des
umgekehrten Systems beschränkt haben wird, so steht doch fest, daß
er es nicht rechtzeitig veröffentlicht hat, und besonders daß aus seiner
Feder keine Theorie stammt, die, soweit das hier berücksichtigte Material
erschöpfend ist, allein auf H. Helmholtz zurückgeht. Wenn in einer
photographischen Zeitschrift jener Zeit die Ansprüche F. H. Wenhams
von einem seiner Bekannten etwas gereizt verfochten werden, so ist
eben darauf hinzuweisen, daß die Priorität nach dem Datum der Ver-
öffentlichung und nicht nach Hinweisen auf frühere Leistungen zu ent-
scheiden ist, die in späteren Keklamationen gemacht werden, und daß
man den Erfinder, dessen bona fides hier unanfechtbar ist, nur bedauern
kann, seine interessanten Konstruktionen so lange zurückgehalten zu
haben, bis ihm ein anderer zuvorkam.
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90 n. Historischer Teil.
reklamation (5.) für voreilig halten. Eine Antwort* darauf scheint
J. Ch. d'Almeida nicht veröffentlicht zu haben.
Seine zweite Methode forderte intermittierende Beleuchtung. Die
beiden Bilder wurden durch je eine Projektionslaterne auf eine und die-
selbe Stelle des Schirms geworfen und von dem Beobachter so be-
trachtet, daß das rechte Auge immer nur das Bild der zugehörigen
Laterne auf einen Bruchteil einer Sekunde sah; durch synchron wirkende
Blenden wurde gleichzeitig das rechte Auge und seine Laterne ab-
geblendet und das linke mit dem zugehörigen Projektionsapparat ge-
öffnet usw. Die Vereinigung der beiden Bilder zu einem stereoskopischen
Eindruck kommt dadurch zustande, daß das soeben verdeckte Auge
noch eine kurze Zeit die Empfindung zurückhält, obschon die erregende
Ursache bereits geschwunden ist.
Auf das Stereomonoskop von A. Claudet soll erst bei der Besprechung
der rein theoretischen Ansichten dieses Zeitraums eingegangen werden,
was um so eher angängig erscheint, als dieses Instrument eine prak-
tische Bedeutung nicht erlangt hat.
Eine kurze Erwähnung verdient das Bennett sehe {1.) Stereoskop
insofern, als es zwar keinerlei neue Gedanken verkörpert aber doch
besonders bequem und billig ausgeführt worden ist. Man kann es als
einen Vorläufer des später so weit verbreiteten amerikanischen Stereo-
skops ansehen, und man muß sich nur wundern, warum dieser geschickt
zusammengestellte Apparat zu jener Zeit anscheinend keine willige Auf-
nahme gefunden hat.
Ebensowenig Anklang fand das Modell von H. Swan (1. u. 2.),
worin, jedenfalls ohne Kenntnis dieser Vorgängerschaft, der früher von
H. W. DovE ausgesprochene Gedanke (s. S. 62) verschieden großer
Halbbilder für das Stereoskop verwirklicht wurde. Der Erfinder nahm
die beiden Halbbilder mit zwei Objektiven von ganz verschiedener
Brennweite auf, und zwar betrug der Abstand der Objektivachsen in der
Horizontalen 63,5 mm. Als Brennweiten wählte er G^/.^ und 19 cm, die je
für die Plattenformate von 4 und 11 ^/g cm im Quadrat bestimmt waren,
also gleiche Gesichtswinkel umfaßten. In schöner Gründlichkeit wurde
auch eine für gleichzeitige Aufnahme der beiden Halbbilder geeignete
Camera und ein einfaches Stereoskop für solche Bilder empfohlen.
H, W. DovEs Stellung in der Stereoskopie.
Eines ganz besonderen Ansehens auf dem Gebiete der Stereoskopie
erfreute sich H. W. Dove und nicht allein in der deutschen Gelehrten-
welt. Von den bekannteren Männern der Wissenschaft hat er sich allein
von der ersten Zeit, dem Beginn der vierziger Jahre, bis tief in das
siebente Jahrzehnt mit stereoskopischen Versuchen beschäftigt, und nament-
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw. 91
lieh seine Versuche über den Glanz haben seinen Namen sehr weit ver-
breitet. Er verfolgte daneben seine eigentlich stereoskopischen Experimente
weiter und schlug gegen das Ende des hier betrachteten Zeitraums auch
auf diesem Gebiete interessante Versuche vor, die eine außerordentliche
Verbreitung erhielten.
Seine Stellung zu Ch. Wheatstonb in der Frage der Pseudoskopie
berührte er {lO,) in dem Vorfrühling des Jahres 1857. Er beschwerte
sich zwar darüber, daß der engHsche Forscher seinem Prismenstereoskop
den Namen des Pseudoskops beigelegt habe, aber er hob sehr deutlich
dessen Verdienst hervor, die pseudomorphen Kaumbilder zuerst in auf-
fallender Weise vorgeführt zu haben. Sehr bald darauf hat er noch {11.)
neben der Mitteilung verschiedener pseudoskopischer Experimente auf
die eigentümlich lebhafte Illusion hingewiesen, die man erhalte, wenn
man durch ein Pseudoskop eine einfache, aber unter ungewohnten Be-
dingungen ausgeführte, perspektivische Darstellung betrachte. Er wählte
dazu die Projektion eines aufrechtstehenden Kreuzes auf eine Horizontal-
ebene. Diese Beobachtung steht in einem nahen Zusammenhange mit
den entsprechenden Versuchen Ch. Wheatstones und anderer, wie sie
von M. VON KoHE (5. 334.) zusammengestellt worden sind.
Ungefähr ein Jahr darauf gab er {12.) einfache Beispiele für die
Genauigkeit an, mit der die Lokalisation des beidäugig betrachteten
Bildes ausgeführt wird. Die Lage der Bilder bei ebenen Spiegeln und
bei Planscheiben werden hier angeführt.
Betrachtet man beidäugig einen ebenen Druck durch ein Kalkspat-
rhomboeder, so erscheinen zwei Bilder, und zwar ist das eine stark über
die Ebene des andern gehoben. Diese Erscheinung an einem dreizeiligen
Typensatz ahmte er im Stereoskop nach. Er {IS.) entwarf zu diesem
Zwecke Halbbilder, in deren jedem jede Zeile doppelt untereinander
gesetzt worden war. Außerdem aber zeigten die jeweils unteren Zeilen
des einen Halbbildes eine Seitenverschiebung. Machte man diese drei
unteren Zeilen für sich beweglich, so konnte man durch ein allmähliches
Verschieben den Eindruck hervorrufen, daß die vorher heraustretenden
Zeilen allmählich in die Ebene der anderen und dann auf der andern
Seite über sie hinaus traten. Er machte auf die Ähnlichkeit dieses Ver-
suchs mit seinem Kotationsexperiment (s. S. 60) aufmerksam. Es kann
hier noch hinzugefügt werden, daß die Tiefenänderung durch eine einfache
Lateralverschiebung bereits von A. Glaubet (s. S. 99) im Jahre 1856
veröffentlicht worden war.
Noch in derselben Sitzung gab er {14.) den weitbekannten Ver-
such an, mit Hilfe des Stereoskops ein Original von seiner Kopie zu unter-
scheiden, oder eine Teilung auf die Gleichmäßigkeit der Abstände zu prüfen.
Hatte es sich hier im wesentlichen um räumliche Beobachtungen
gehandelt, so führte er in einer andern Keihe von Arbeiten seine Farben-
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92 n. Historischer Teil.
mischungsversuche durch. Sie haben zwar eine große physiologische
Bedeutung, passen aber weniger zu dieser Schrift, die sich im wesent-
lichen mit der Strahlenbegrenzung beschäftigt. Sie sollen aber doch
kurz skizziert werden.
Er beobachtete (4.) schon 1851 einfache Zeichnungen mit farbigen
Konturen auf weißem oder auf schwarzem Grunde durch verschieden-
farbige Gläser vor den beiden Augen. Dabei konnte er zunächst fest-
stellen, daß „die Anforderungen, die wir an die Vorstellung des Keliefs
„machen, strenger sind als die, welche bei den Beziehungen stattfinden,
„welche in einer Ebene liegend vorgestellt werden." Einfache Linien
könnten sich mit entsprechenden Doppellinien zu einem Relief mit Doppel-
konturen verbinden. Als Beleg gab er einen Versuch mit einem Amci-
schen Reflexionsprisma aus Bergkristall an, womit er diese Doppellinien
in einer durchaus exakten Weise hatte hervorbringen können. Eine Zeich-
nung könne sich mit einer andern als Kontur verbinden und gleichzeitig
mit einer dritten als Farbe. Die im Stereoskop erfolgende Vereinigung
von schwarzen und weißen Flächen, sowie die von zwei verschieden-
farbigen Flächen, ergebe die Erscheinung des Glanzes, dabei erschienen
die schwarz-weißen oder die verschiedenfarbigen Konturen nebeneinander
und so gekreuzt, daß die dem linken Auge dargebotenen Linien rechts
aufgefaßt würden.
Den Grund dafür suchte er in der mangelnden Achromasie des
Auges, und zwar sehe man farbige Linien nebeneinander, farbige Flächen
voreinander, bei Schwarz und Weiß wirke Weiß als näher. Diese ver-
schiedenartige Lokalisation der beiden, den einzelnen Augen dargebotenen
Flächen gab ihm den Grund für den Glanz ab.
Seine verschiedenen stereoskopischen Versuche hatten schon früh
ein solches Interesse erregt, daß er 1853 eine Zusammenstellung davon
in einer Sammlung (6.) seiner Arbeiten abdrucken ließ.
Eine Diskussion über den Glanz spann sich mit Sir David Beewstee
(12.) an, aber ohne daß eine große Meinungsverschiedenheit bestanden
hätte. H. W. Do VE äußerte sich mehrfach dazu, so schon 1854 (7.) in
Liverpool auf der Versammlung englischer Naturforscher, wo er aber zu
seinem Bedauern seinen Gegner nicht antraf, und dann noch 1855 {8,),
wo er Sir David Beewstees Kritik {IS,) auf ein Mißverständnis seiner
Worte zurückführte.
Schließlich benutzte er (9.) noch eben die Erscheinung des Glanzes,
„um mit aller Strenge zu zeigen, daß, wenn man bei binocularem Sehen
„durch verschiedengefärbte Gläser sich abwechselnd des Eindrucks des
„einen und des andern Auges bewußt wird, der Durchgang stets durch
„eine wirkliche Combination erfolgt." Er führte zu diesem Zwecke eine
blaue Zeichnung auf rotem Felde aus und betrachtete dieses Objekt
beidäugig durch eine Brille, die links ein rotes, rechts ein blaues Glas
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw. 93
hatte. Man sehe zuerst das Bild schwarz auf rotem Grunde, plötzlich
trete auch das blaue hervor, und dann sehe man beide Farben glänzend.
Ähnliches gelte auch für rot und grüne Zeichnungen. Bei dieser Gre-
legenheit kam er auch auf A. de Haldats Priorität zu sprechen, die
er anerkannte; aber er selbst erst habe 1841 dessen Resultate über
allen Zweifel erhaben hingestellt.
Großen Reiz übte die Erscheinung des Glanzes auf J. J. Oppbl aus.
Er äußerte sich bereits 1854 (1,) dahin, daß diese Erscheinung auf-
trete, wenn auf jedes der beiden Augen eine verschiedene Helligkeit
einwirke; der Glanz sei ein auf Grund der Erfahrung gefälltes Urteil.
Noch schärfer stellte einige Jahre später W. Wundt (1.) die ürteilsnatur
des Glanzes fest.
J. J. Oppel {2.) beschäftigte sich danach ganz methodisch damit,
nicht bloß Glanz überhaupt hervorzubringen, sondern den Glanz be-
stimmter, ihm vorliegender Gegenstände zu wiederholen. Bei seinen
Experimenten versuchte er zunächst, mit Handzeichnungen auszukommen,
die er sorgfältig austuschte. Er überzeugte sich aber bald, daß er die
nötige Genauigkeit nur mit Hilfe der Photographie erreichen würde.
Diese selbstgestellte Aufgabe löste er vollkommen, indem er durch einen
Photographen eine innen versilberte Glaskugel aufnehmen ließ und in
der Tat so den glasklaren Glanz erhielt. Nach dem benutzten Material
ist das das einzige Beispiel, in dem es ein Angehöriger der älteren deut-
schen Physikerschule für nötig hielt, für stereoskopische Untersuchungen
photographische Aufnahmen machen zu lassen. Es war wirklich wie
eine Scheu vor dem befleckenden Umgange mit einem Photographen,
die den deutschen Gelehrten jener Zeit anhaftete. Man ließ sich wohl
käufliche, häufig sehr schlechte Stereogramme als Demonstrationsmittd
gefallen, aber es scheint zu jener Zeit auch nicht einer der bedeutenden
Physiker und Experimentatoren Deutschlands auf den Gedanken ge-
kommen zu sein, die Wirkung des Stereogramms mit der Wirkung der
Gegenstände selbst zu vergleichen.
Den Abschluß dieser Arbeiten machte J. J. Oppel (4.) um 1857,
indem er das Glitzern analysierte und eine stereoskopische Nachbildung
davon gab. Es handelt sich dabei um einen Körper mit verschieden
kleinen spiegelnden Flächen: „Einige derselben senden dem einen Auge
„ein Maximum, und gleichzeitig dem andern ein Minimum von Lichte
„zu, d. h. sie erscheinen für das rechte Auge z. B. als leuchtend helle,
„für das linke als völlig dunkle (unsichtbare) Punkte; einige andere
„zwar zeigen sich beiden Augen zugleich als hellleuchtende Punkte, aber
„doch in verschiedenem Grade, d. h. sie erscheinen dem einen Auge
„noch merklich intensiver leuchtend, oder auch (vielleicht bloß durch
„Irradiation oder Wirkung von Zerstreuungskreisen) etwas größer als
„dem andern; — wieder andere endlich (und nicht ganz wenige) zeigen
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94 II. Historischer Teil
„sich beiden Augen als Lichtpunkte von völlig gleicher Intensität und
„Ausdehnung.** Er ahmte das dadurch nach, daß er in einer geeigneten
stereoskopischen Vorrichtung unregelmäßig durchlochte Pappscheiben be-
trachtete, die von der Kückseite her beleuchtet wurden. Er erhielt
auf diese Weise den Anblick des Awenturins, eines stark glitzernden
Schmucksteins.
Die Angriffe von Sir David Brewsteb auf Ch. Wheatstone.
In dem hier behandelten Zeiträume kam es zur Äußerung der ge-
genseitigen Abneigung, die sich allmählich zwischen den beiden großen
englischen Physikern angesammelt hatte. In englischen Schriften ist
man auf diese Frage selten eingegangen, und man kann den zugrunde
liegenden Wunsch, bei keiner der beiden nationalen Größen durch An-
nahme kleinlicher Motive eine Achtungsminderung eintreten zu lassen, im
allgemeinen auch nur billigen. Doch liegt hier bei diesem Buche der
Fall anders; für die Engländer jener Zeit konnte man eine ungefähre
Kenntnis des Vorangegangenen voraussetzen, denn sie hatten die Vor-
gänge denkend miterlebt. Für die jetzige Zeit und für das Ausland ist
aber zu beachten, daß die Kenntnis von Persönlichkeit und Leistung
in bezug auf beide Forscher recht schemenhaft ist, und daß sich eine
Bekanntschaft, wo sie überhaupt vorhanden ist, auf Sir David Brewstbrs
leicht verständliches und ungewöhnlich anregendes Buch {15.) stützt,
das bei seinen sonstigen großen Vorzügen nach dieser Kichtung eine
Parteischrift vom reinsten Wasser und zur Gewinnung eines objektiven
Standpunkts so ungeeignet ist wie möglich. Man kann für Sir David
Bbewstebs Handlungsweise wohl nur entschuldigend anführen den Eifer
des erfolgreichen Erfinders, das aus dem stillen Bewußtsein, dem Gegner
unrecht getan zu haben, folgende Bestreben, ihn gleichsam zur eigenen
Rechtfertigung herabzusetzen, und schließlich sein hohes Alter bei der
Abfassung.
Schon oben war darauf hingewiesen worden, daß die Animosität
Sir David Brewsters mit dem äußeren Erfolge seines Prismenstereoskops
wuchs. Seine Geringschätzung der früheren, wesentlich theoretischen
Leistung Ch. Wheatstones steigert sich in der Monographie zu einer
außerordentlichen Höhe. Nach seiner Darstellung hat Ch. Wheatstone
an der Erfindung des Stereoskops kaum irgendwelchen Anteil. Die Tat-
sache, daß die beiden Augen von einem Objekt zwei verschiedene Bilder
sehen, sei schon im grauen Altertum bekannt gewesen. Um 1834: habe
J. Elliot ein einfaches stereoskopisches Experiment mit zwei Zeich-
nungen geplant und 1839 angestellt, die so merkwürdig seien, daß er
sie in seinem Buche wiedergebe. Der Wheatstone sehe Apparat sei plump
und unbrauchbar, und was allein ein Verdienst gehabt hätte, habe und
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw. 95
haben würde, sei seine eigene Erfindung des Prismenstereoskops sowie
die der Nebenformen. Man wird in einem solchen Lobgesange auf die
eigene Bedeutung keine sorgfältige Würdigung der Verdienste anderer
erwarten, und man findet sie in der Tat auch nicht darin. Auch
hierauf ging Ch. Wheatstone noch nicht ein,*) sondern er erklärte sich
erst gegen einen von Sir David Beewstee (16.) geschriebenen aber
anonym erschienenen Brief an die Times vom 15. Okt. 1856, der eine
Besprechung des obenerwähnten Faye sehen Stereoskops enthielt. Hieran
schloß sich nun ein durch sechs Nummern fortgeführter Briefwechsel.
Sir David Beewstee verfocht wiederum die Priorität von J. Elliot, der
sein Experiment bereits 1834 geplant und 1839 beschrieben habe, und
führte außerdem einen neuen Prioritätskandidaten in G. Maynaed auf,
der 1836 eine entscheidende VeröffentHchung hätte erscheinen lassen.
Ch. Wheatstone (6\) erhob gegen Sir David Beewstee schwere Vorwürfe
wegen der Unrichtigkeit der Darstellung seiner eigenen Ansichten und
offenbarer Vernachlässigung der Kesultate anderer, namentlich deutscher
Forscher. Mit einer energischen Zurückweisung der Beewstee sehen
Bezweiflung seiner eigenen Priorität und mit einem Versprechen, ihn
in der Monatsschrift „The Philosophical Magazine'' zu widerlegen,
schloß er den Briefwechsel. Jene Widerlegung scheint aber nicht er-
schienen zu sein.
Nur an einer Stelle findet sich in der durchgesehenen Literatur
eine deutliche Schilderung des Eindrucks, den der bedauerhche Streit
auf fernerstehende Zeitgenossen gemacht hat. Er stammt aus der Feder
F. BuECKHAEDTs {!•), cincs Baseler Physikers, der zu jener Zeit die in
dieses Kapitel fallenden Arbeiten für die Fortschritte der Physik be-
sprach. Es war das eine referierende Zeitschrift, die von der BerHner
PhysikaHschen Gesellschaft herausgegeben wurde. Er nahm deutlich für
Ch. Wheatstone Partei und verurteilte die durch Sir David Beewstee
versuchte Verkleinerung seines Verdienstes auf das Entschiedenste.
Den nächsten Angriff unternahm Sir David Beewstee {17. u. 18»)
einige Jahre später. Die beiden Brüder A. C. und J. Beown hatten bei einem
Besuch der Wicae sehen Sammlung in Lille zwei nebeneinandergestellte,
*) Wenn Ch. Wheatstone, wie das Sir David Brewster {15, 33.) mit allem
Pathos sittlicher Entrüstung mitteilt, 1854 einen an ihn gerichteten Brief Sir David
Brewsters vom 27. Sept. 1838 zur Kenntnisnahme an F. Moigno einsandte, so
geschah das offenbar nur, um diesen in den Stand zu setzen, zu weitgehende Äuße-
rungen einzuschränken. Es ist nach allem, was von Ch. Wheatstones durchaus
liebenswürdigem, ja schüchternem Wesen bekannt geworden ist — man vergleiche
nur den prächtigen Nachruf vor der großen Londoner Gesellschaft: Proc. Boy. Soc.
1875/76. 24. XVI bis XXVII. — vollständig begreiflich, daß er einer Auseinander-
setzung mit Sir David Brewster, als einem zu rechthaberischen Gegner {„so dis-
putatious an antagonist"), nach Möglichkeit aus dem Wege gegangen ist.
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96 n. Historischer Teil.
ziemlich große (etwa 22 : 30 cm) Bilder aufgefunden, die, wie man an-
nahm, von dem florentinischen Künstler Jacopo Chimbnti da EmpoI/I
stammten, und die Sir David Bebwstbe als stereoskopische Zeiclinungeii
auffaßte. Da zunächst keine Kopien dieser Museumsbilder beschafft
werden konnten, wurde der mehrfach wiederholte Angriff auf
Ch. Whbatstones Priorität zunächst noch nicht zurückgewiesen. Er hat
aber mit den Anlaß zu einer Verteidigungsschrift gegeben, die, da
sich Ch. Wheatstonb in vornehmer Art nicht in diesen Zank mischte,
von W. B. Carpbntbr {!.) verfaßt wurde. Die Schrift ist ganz muster-
haft ausgearbeitet und hat für die hier gegebene Darstellung der Ent-
wicklung der Whbatstonb sehen Idee sehr wichtige Hinweise gegeben.
Auch der Prioritätsanspruch G. Maynaeds wurde bei dieser Gelegenheit
zurückgewiesen. Als nun, wie G. Shadbolt (3.) bald mitteilte, durch die
Vermittelung des für diese Angelegenheit interessierten Hofes die
Chimbnti sehen Bilder reproduziert worden waren, entbrannte der Kampf
von neuem, da die Meiaungen über die stereoskopische Wirkung sehr
geteilt waren. Namentlich die junge amerikanische Schule nahm durch
ihr Mitglied E. Embbson (1.) den Kampf gegen Sir David Bbbwstbb
auf und beschrieb die Wirkung der Vereinigung der beiden Bilder als
ganz natürlich aus den Ungenauigkeiten beim Kopieren folgend. Hier-
gegen erklärte sich aber Sir David Bebwstbb {19.) ganz energisch und
hielt den wirklichen stereoskopischen Eiadruck für seine Person aufrecht.
Er berichtete gleichzeitig von einem in Liverpool aufgefundenen bin-
okularen Instrument, das 1670 in Rom angefertigt worden sei, und das
vielleicht ein Stereoskop sei. In seiner Entgegnung wies E. Embeson {2.)
zunächst die Unrichtigkeit dieser letzten Annahme nach. Das Instrument
sei kein Stereoskop sondern eia Doppelfernrohr, es stamme nicht aus
Rom sondern aus Mailand, und es sei nicht um 1670 sondern 1726 an-
gefertigt worden. Was aber das angebliche Relief der Chimbnti sehen Bilder
angehe, so habe er ein ganz ähnliches immer erhalten, wenn er ein
Bild und die von Menschenhand sorgfältig ausgeführte Kopie in das
Stereoskop gelegt habe. Um die Angelegenheit aber wirklich zu erledigen,
habe er die Differenzen homologer Punkte ausgemessen, und da zeige
sich deutlich, daß in den Chimbnti sehen Bildern stereoskopische und
pseudoskopische Differenzen homologer Punkte bunt vermischt vorhanden
seien, so daß man an einen beabsichtigten stereoskopischen Effekt nicht
zu denken habe.
Hiermit ruhten die Angriffe auf Ch. Whbatstonb wahrscheinlich
infolge des hohen Alters Sir David Brbwstbrs, der über 86 Jahre alt
am 10. Februar 1868 starb.
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw. 97
Die Ansichten über üomöomorphie und verwandte Gebiete.
Schon der vorhergehende Abschnitt (s. 8. 81 — 90) über die Betrach-
tungsapparate leitete, soweit dabei die Neuerscheinungen dieses Zeitraums
behandelt wurden, die Aufmerksamkeit auf die theoretischen Ansichten,
deren Entwicklung in dieser Periode mit großem Eifer und schönem
Erfolge gefördert wurde.
Bereits bei der Besprechung der photographischen Technik war auf
die Schwierigkeit hingewiesen worden, die die Praktiker dieser Zeit hin-
sichtlich der Entfernung der Aufnahmeobjektive empfunden hatten. Es
ist ganz verständUch, daß auch die reinen Theoretiker und die theoreti-
sierenden Praktiker viele Mühe auf die Klarlegung ihres Standpunktes
verwandt haben. Einer der ersten, der sich nach Ch. Wheatstone mit
dieser Frage beschäftigte, war der aus Frankreich eingewanderte und in
London sehr hoch angesehene Photograph A. Claudet. Welch eine be-
deutende KoUe dieser Fachmann dort durch seine Bieziehungen spielte,
darauf hat M. von Kohr {1. 102.) schon früher hingewiesen; man kann
auf dem Gebiete der Stereoskopie noch weitergehen und sagen, daß er
hier sehr schöne eigene Leistungen aufzuweisen hat.
Bereits um 1853 kam er (5.) vor der englischen Naturforscherver-
sammlung auf die Frage des Abstandes zu sprechen und erklärte sich
dahin, daß man eine Vergrößerung des Abstandes der Aufnahmeobjektive
ertrage, indem man sich dann ein verkleinertes Modell in kurzer Ent-
fernung vorstelle. Doch sei es wichtig, für die Aufnahme Objektive
langer Brennweite zu wählen, denn bei solchen von kurzer Brennweite
ergebe sich ein unnatürlicher stereoskopischer Effekt infolge der über-
triebenen Tiefenwirkung namentlich bei entfernteren Gegenständen. Es
scheint, daß der Verfasser zu diesen Ansichten gekommen ist, indem er
die Brennweiten seiner Aufnahmeobjektive nicht mit denen seiner Be-
trachtungslinsen übereinstimmend wählte. In dem ihm angenehmen Falle
erhielt er anscheinend die Wirkung eines vergrößernden Doppelfernrohrs,
in dem ihm unangenehmen die eines verkleinernden. Diese Parallele zog
er aber nicht, obwohl er im Anfange seines Vortrages die hübsche Be-
merkung gemacht hatte, daß ein 4 fach vergrößerndes Doppelfernrohr
eine porrhallaktische Wirkung von ^/^ besäße, und daß die Tiefe ge-
steigert werde, wenn man das Doppelfernrohr umgekehrt vor die
Augen halte.
Diesen Gedanken führte er (4.) in seinem ein wenig später er-
schienenen französischen Büchlein noch deutlicher aus und gab, was sehr
merkwürdig ist, schon 1853 die sogenannte HELMHOLTzische Regel für
die Homöomorphie, daß dafür nämlich ein 4 fach vergrößerndes Doppel-
fernrohr auch eine Trennung der Objektive auf das 4 fache des Augen-
abstandes — also bei 63,5 mm Okularabstand auf 25,4 cm — haben
V. Rohr, Binokulare Instrumente. 7
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98 II. Historischer Teil.
müßte. Diese Einrichtung lasse sich durch die Zwischenschaltung von
Prismen auch wirklich erreichen. Es sei hier auf das Vorhergehende
verwiesen, wo sich auf S. 87 der Nachweis findet, daß H. Hblmholtz
im Jahre 1857 eine richtige und von dieser Claudbt sehen Meinung ent-
schieden abweichende Ansicht hatte, sie aber 1866 möglicherweise zu-
gunsten einer mit jener Auffassung identischen aufgab.
Eine gewisse Erklärung für den Irrtum, den A. Claudet begangen
hatte, läßt sich aus einer von ihm gegebenen Ableitung entnehmen
(4.), aus der es hervorgeht, daß er für vollkommen homöomorphe Auf-
nahmen Objektivbrennweiten von der Länge der Augenbrennweiten
forderte, und daß er für Aufnahmen mit Objektiven längerer Brennweite
durchaus einen proportional vergrößerten Abstand vorschrieb. Daß er
den Irrtum nicht bemerkte, ist um so wimderbarer, als er im ersten
Falle eine Vergrößerung der kleinen Bildchen für unschädlich erklärte,
wenn nur diese Vergrößerung bei der Betrachtung entsprechend weiter
abgerückt würde. Er hat übersehen, daß eine 10 fache Vergrößerung
einer mit einem Objektiv von 16 mm Brennweite gemachten Aufnahme
— richtig zeichnende Systeme vorausgesetzt — hinsichtlich der Per-
spektive von einer aus dem gleichen Orte gemachten Aufnahme mit
einem Objektiv von f = 15 cm überhaupt nicht zu unterscheiden ist.
Da ihm die Körperlichkeit im natürlichen Sehen zu gering vorkam, so
begünstigte er größere Objektivabstände. Nach seinen Äußerungen scheint
es, als habe er außerordentlich leicht einen modellartigen Eindruck er-
halten, etwa ähnlich wie es bei H. Hblmholtz der Fall gewesen zu sein
scheint, eine Auffassung und Deutung, die nicht jedem Beobachter
möglich ist.
A. Claudbts Äußerungen führten zu einem Meinungsaustausche mit
M. A. Gaudin {2.), einem Rechner in einer staatlichen Anstalt (bureau
des longitudes) zu Paris, doch ohne daß die beiden Parteien zu einem
gemeinsamen Ergebnis gekommen wären. Der Letztgenannte wollte am
liebsten gar keine Vergrößerung des Objektivabstandes zulassen und ge-
stattete höchstens eine Aufnahme mit doppelter Augenentfernung. Er
konnte einen befriedigenden Eindruck von den überplastischen Aufnahmen
nicht erhalten, und besonders versagte bei ihm das von A. Claudet
(5.) vorgeschlagene Hilfsmittel, sich selbst für verkleinert zu halten,
denn damit würde ihm die gesteigerte Reliefwirkung nun gar nicht in
Einklang zu bringen sein. Die Aufnahmen müßten, wenn sie dem Auge
direkt dargeboten werden sollten, mit Systemen einer Brennweite von
25 cm, wenn Okulare verwendet würden, mit Objektiven von deren Brenn-
weite aufgenommen worden sein, sobald es sich um die Erzielung eines
naturgetreuen Eindruckes handele. Kurzsichtige müßten bei der Be-
nutzung eines solchen Apparats eine korrigierende Brille aufsetzen.
Aus dem Claudet sehen Anteil an dieser Kontroverse interessiert hier
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw. 99
allein die gelegentliche Bemerkung, daß er schon um die Zeit von
1852/53 gemeinsam mit Ch. Wheatstone systematische Versuche mit
einer Apollobüste gemacht hatte, die unter den verschiedensten Kon-
vergenzen von 2 bis zu 12 Graden aufgenommen worden war. Der
Eindruck des Bildes im gewöhnlichen Stereoskop war für die unter
4 Grad gemachten Aufnahmen am günstigsten, doch befriedigte ihn
auch noch das zur Konvergenz von 12 Grad gehörige Paar von Auf-
nahmen.
Bei Gelegenheit seines interessanten Vorschlags, die Verzeichnung
im Prismenstereoskop durch Einführung der entgegengesetzten in die
Halbbilder zu heben, machte A. Claudbt {8.) noch darauf aufmerksam,
daß bei einer symmetrischen Horizontalverschiebung der Halbbilder in
ihrer Ebene eine Bewegung der Objekte nach der Tiefe zu bemerkt
würde. Infolge der Verminderung der Konvergenz beim Auseinander-
rücken würden die Gegenstände bei der Entfernung größer, beim Näher-
kommen kleiner erscheinen, da ja ihre angulare Größe unverändert
bliebe. Das stehe im Gegensatz zu der Bewegung natürlicher Objekte.
Wenn Ch. Wheatstone bei seiner ersten Notiz vom Jahre 1834
(s. S. 39) und in seinem zweiten großen Vortrage (s. 8. 65) auf
etwas Ähnliches hingewiesen hatte, so tritt hier die deutliche Er-
kenntnis auf, daß eine seitliche Bewegung der Bilder eine Verschiebung
in die Tiefe zur Folge hat. Auch Sir David Brewstee hatte (s. S. 48)
bei der Konstatierung von üngenauigkeiten in Tapetenbildern in ge-
wisser Weise auf diese Idee hingewiesen, doch war bei A. Glaubet ein
weiterer Schritt in einer Kichtung getan worden, die bei dem Ausbau
der stereoskopischen Meßinstrumente mit Nutzen verfolgt werden sollte.
Auf andere Brewster sehe Ansichten führte ein sehr anziehender Artikel
von W. J. Read (1.) zurück, der in einer Erwiderung auf eine Bemerkung
Th. Suttons, die Tiefenwahrnehmung mit bloßen Augen sei, wenn der Ob-
jektivabstand bei der Aufnahme gleich dem Augenabstand gewesen sei,
zu gering, ja fast verschwindend, auf die Notwendigkeit hinwies, den Augen-
abstand doch mit den Aufnahmeobjektiven einzuhalten. Zum Nachweise
jenes Irrtums nahm er ein kleines Bildwerk in ^/^ der natürlichen
Größe aus einer Entfernung von 1,2 m mit Objektiven auf, die zunächst
1,3, dann 5,7 und schHeßHch 6,3 cm Abstand voneinander hatten. Im
Stereoskop betrachtet führten die ersten Aufnahmen zu einer Statue in
Lebensgröße, die zweiten auf eine in etwas kleinerem Maßstabe und die
letzten auf das kleine Bildwerk, wie es in der WirkUchkeit bestand.
Auf Grund dieser Erfahrung wurde die Bemerkung hinzugefügt, man
könne aus einem Maschinenmodell im Stereoskop eine Darstellung der
Maschine in natürhcher Größe erhalten.
Es lohnt nicht der Mühe, auf alle die verschiedenen Meinungs-
änderungen einzugehen, die Th. Sutton hinsichtlich der Theorie des
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100 II. Historischer Teil.
Stereoskops durchgemacht hat; bei der Schnellfertigkeit dieses Autors
wird man seinen Äußerungen nicht durchweg ein großes Gewicht bei-
zulegen brauchen, und auch die verschiedenen Stereoskopkonstruktionen
seiner ersten Zeit bieten kein großes Interesse; sie sind anscheinend
durch die Duboscq sehen Apparate merklich beeinflußt worden.
In seiner 1856 begründeten Zeitschrift, Photographie Notes, gab er
{1.) früh eine Theorie der beiden Stereoskopsysteme, worin bei dem
Wheatstone sehen der sehr geringe Winkelwert auffällig ist, unter dem
er die Halbbilder erscheinen ließ. Er betrug in der Breite 28 und in der
Diagonale 36 Grad. Er nahm an, daß die Halblinsen des Bebwster-
schen Prismenstereoskops auch bei merklicher Exzentrizität der beiden
Augen noch ebenso richtige Bilder entwürfen wie zentrisch benutzte,
nicht verzeichnende Systeme (s. S. 52), wodurch dann allerdings die
Theorie des Brewstbr sehen Stereoskops ganz selbstverständlich wurde.
Zur Herbeiführung der ursprünglichen Gesichtswinkel müßten die Brenn-
weiten der Aufnahme- und der Betrachtungslinsen übereinstimmen. Die
Erweiterung des Abstandes der Aufnahmeobjektive erhöhe den stereo-
skopischen Effekt, vor dessen Übertretung man sich aber zu hüten habe.
Auch bei geringeren Abständen ersetze die Erfahrung viel, die aus
der Perspektive, aus Licht- und Schattenverteilung fast einen stereo-
skopischen Effekt entwickeln könne. Zwei Abzüge von dem gleichen
Negativ, die aufzufassen seien als Aufnahmen von demselben Ort oder
von zwei sehr benachbarten Standpunkten, ergäben im Stereoskop den
Effekt eines flachen Bildes, das man gleichzeitig mit beiden Augen be-
schaue, doch komme auch hier die Erfahrung sehr zu Hilfe.
Ferner verdient ein Versuch Beachtung, den er (/?.) mit G. B. Airys
Unterstützung im Laufe des Jahres 1857 anstellte, um ein tautomorphes
Stereoskop (verity stereoscope) zu konstruieren. Es handelte sich dabei
um ein Wheatstone sches Linsenstereoskop mit Betrachtungssystemen
von 13 cm Brennweite und l^/g cm Durchmesser. Für Kurzsichtige
war ein besonderer Träger mit Linsen von lö^/g cm Brennweite vorge-
sehen. Die Bilder wurden in einer dazugehörigen Parallelcamera mit
Landschaftslinsen von 13 cm Brennweite und 63,5 mm Abstand aufge-
nommen, deren Plattenhalter mit Masken für die Halbbilder versehen
war, die eine quadratische Öffnung von 57 mm Seitenlänge frei ließen.
So hergestellte Bilder müßten schon bei der Betrachtung mit freien
Augen den richtigen Eindruck geben, wenn nicht die Schwierigkeiten
der Akkommodation auf einen so kurzen Abstand hindernd im Wege
ständen. Diese Schwierigkeiten würden gehoben, wenn man die Stereo-
skopHnsen zwischen Auge und Bild bringe und die Bilder so im Un-
endlichen erscheinen lasse. Mache man stereoskopische Konvergenz-
aufnahmen und betrachte sie in einem gewöhnlichen Stereoskop, so
würden die Sehstrahlen nach vielen Punkten sich nicht schneiden sondern
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw. 101
nur kreuzen, und man würde eine Schwierigkeit in der Lokalisation der
Raumpunkte empfinden. Bei der ganzen Untersuchung sind die Be-
trachtungslinsen stillschweigend als verzeichnungsfrei vorausgesetzt.
Daß ein solches Kreuzen in dem betrachteten Falle tatsächlich
eintreten muß, kann man sich wohl am leichtesten dadurch deutlich
machen, daß man als Objekt eine vertikale Gerade vor beiden Ein-
stellungsebenen denkt. Handelt es sich um Konvergenzaufnahmen, also
um zwei unter einem bestimmten Winkel gekreuzte Einstellungsebenen,
so werden die Abbilder der Geraden im allgemeinen, d. h. wenn das
Objekt nicht gerade in der Medianebene lag, verschieden groß ausfallen.
Breitet man nun, wie es für das gewöhnliche Stereoskop geschehen muß,
die beiden Abbildskopien in eine Ebene aus, so bestimmen die Enden
der ungleichgroßen Abbilder der Vertikalen mit den zugehörigen Augen-
drehungspunkten zwei Gerade, die sich im Räume kreuzen.
Daß übrigens G. B. Airy {2.) nicht unter allen Umständen dieses
tautomorphe Stereoskop (verity stereoscope) empfehlen wollte, läßt sich
aus einem mit seinen Initialen unterzeichneten Artikel erkennen, in dem
er für weit entfernte Gegenstände, in seinem Beispiele für 8 km weit
weit entfernte Berge, eine Trennung der Aufnahmeapparate auf ^/^^ bis
^Uo ^^^ Entfernung, also auf 400 — 800 m vorschlug. Es sind das Vor-
schläge, die offenbar auf die große WnEATSTONEsche Schrift gebührende
Rücksicht nehmen und für bestimmte Zwecke eine Abweichung von der
Naturtreue zugunsten gesteigerter Tiefenwahrnehmung etwa in dem Sinne
von W. Ceookes (s. S. 86) empfehlen.
Das allgemeine Interesse wurde von neuem auf die Aufnahme mit
großem Abstände und gleichzeitiger Konvergenz gelenkt, als es gegen
das Ende der fünfziger Jahre Warren de la Rue (i.) gelang, seine be-
rühmten Mondaufnahmen in aller Vollkommenheit zu vollenden. In dieser
Hinsicht gebührt ihm der Ruhm durchaus. Die ersten stereoskopischen
Mondauf nahmen aber sind nach dem Berichte von J. A. Forrest (i.)
von ihm und von . . Hartnup im Januar 1854 angefertigt worden.
Nach der hier benutzten Literatur liegt aber keine gleichzeitige Ver-
öffentlichung für diese stereoskopischen Aufnahmen vor. — Es ist ganz
verständlich, daß man in England stolz war auf diese auch dem Laien
imponierenden Aufnahmen des großen Astronomen; doch auch heute
noch kann man nur aufrichtige Bewunderung hegen für die Sorgfalt
und Exaktheit, mit der er seine Überlegungen für das homöomorphe
Mondstereoskop angestellt hatte, und die sich so vorteilhaft unterscheiden
von der Unbefangenheit, mit der später solche Mondaufnahmen so vor-
geführt wurden, als wären sie in einer Parallelcamera entstanden.
W. DE LA Rue ging von der Überlegung aus, daß die Konvergenz eines
Beobachters mit normalem Augenabstande und bei Einhaltung der
deutlichen Sehweite etwa 15^/^ Grad betrage, und daß dieser Winkel-
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102 H. Historischer Teil.
wert bei der Aufnahme auch nicht überschritten werden solle. Durch
eine verständige Benutzung der Libration des Mondes könne man passende
Halbbilder auch leicht erhalten. Sei der Konvergenzwinkel bei den Auf-
nahmen zu groß, was sehr wohl vorkommen könne, so erhalte der Mond ein
unnatürliches, eiförmiges Aussehen. Große Aufmerksamkeit müsse man
auf die richtige Stellung der Bilder im Stereoskop richten, und zu diesem
Zwecke sei bereits bei der Ausstellung wissenschaftlicher Apparate in
Leeds ein besonderes Stereoskop, und zwar ein modifiziertes Wheat-
STONBsches Spiegelstereoskop zur Anwendung gekommen; modifiziert,
weil bei den Diapositiv -Halbbildern Beleuchtungs- und Einstellungs-
vorrichtungen hätten verändert werden müssen. Die Spiegel waren Ab-
leseprismen, an deren Vorderseiten Hohlflächen angeschliffen worden
waren, damit die großen Mondbilder von 20 cm Durchmesser in der
deutlichen Sehweite erschienen. Für die Diapositv-Halbbilder war außer
einer Höhen- und Breitenbewegung auch eine Umdrehungsmöglichkeit
vorgesehen worden. Denn diese Justiervorrichtungen sind für einen
Konstrukteur, der wie W. de la Rue das Problem beherrschte, ganz
absolut notwendig. Der Erfolg entsprach seinen Erwartungen vollständig:
Das Mondbild erschien kugelrund, und der stereoskopische Effekt war
vollkommen.
Ein Jahr später wandte er {1. 148.) seine Methoden auch auf
andere Himmelskörper an, und zwar konnte er auf der Naturforscher-
versammlung in Aberdeen bereits von gelungenen Aufnahmen des Jupiter
und von Hoffnungen auf solche des Mars und Saturn berichten. Auch
Sonnenaufnahmen waren geglückt {1. 153.); ein Tagesabstand genügte,
und die Sonne erschien im Stereoskop als Kugel. Später, um 1871, hat
MüNGO Ponton *) angegeben, daß W. de la Rue Stereoskopaufnahmen
eines großen Sonnenfleckes gemacht habe, wonach dieser als eine unge-
heure, tiefe Grube erscheine.
Das Aufsehen, das W. de la Rue erregt hatte, wurde bald von Sir
John F. W. Herschel (J.) benutzt, um in dem von W. Ceookbs redi-
gierten photographischen Blatte auf die Bedeutung der Objektivtrennung
hinzuweisen, wenn es sich darum handele, einen Eindruck wie von einem
treuen Modell des aufgenommenen Objekts zu erhalten. Doch kann man
aus der Notiz nicht erkennen, daß es auf die Konvergenz der Auf-
nahmeachsen dabei gar nicht ankommt, ja daß für die praktische
Stereoskopie die Parallelität der Objektivachsen große Vorzüge hat, wor-
auf W. Crookes einige Zeit vorher (s. S. 86) so deutüch hingewiesen
hatte. Immerhin aber läßt sich dieser Notiz entnehmen, welch großes Inter-
esse auch auf den Höhen der geistigen Entwicklung zu jener Zeit dem
♦) Nach der Wochenschrift The British Journal of Photography 1871. 18,
Nr. 586. 352.
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw. 103
Stereoskop geschenkt wurde; ein Interesse, das nur zu bald gänzlicher
Nichtachtung, ja Verachtung weichen sollte.
Ungefähr ein Jahr darauf betätigte derselbe Autor wiederum sein
Interesse an diesem Gegenstande. Bei der Niederschrift seines Artikels
,,rÄ6 tdescofe*' für das Konversationslexikon Encydopaedia Britannica
gab er {2. 121,) im Oktober 1859 eine vollständige Theorie des Telestereo-
skops ohne und mit Fernrohrvergrößerung. Ihm war damals das Faktum
des HBLMHOLTzischen Instruments nur im allgemeinen bekannt, und die
von ihm gegebene Beschreibung ist in den Einzelheiten von der Ver-
öffentlichung seines Vorgängers unabhängig. Er machte bei dieser Ge-
legenheit auf die Erfindung des Telestereoskops mit Fernrohrvergrößerung
aufmerksam, die durch seinen Sohn A. S. Hbrschbl im Jahre 1855 er-
folgt sei. Es scheint nach der Anmerkung, als sei das Instrument damals
nur ausgeführt aber nicht veröffentlicht worden. Indessen würde selbst
in diesem Falle die Priorität von A. Claudbt (s. S. 97) und die von
W. Haedib (s. S. 82) bestehen bleiben. Die Porrhallaxie des durch ein
solches Telesteroskop mit Fernrohrvergrößerung gelieferten Raumbildes
wurde aber von Sir John F. W. Hbrschbl nicht hervorgehoben.
Einige Zeit vorher, im Frühsommer 1857, teilte A. Claüdbt {9.)
vor der Royal Society eine Beobachtung mit, die er zuerst im Frühling
des Vorjahres gemacht hatte. Hinter einem lichtstarken Porträtobjektive
könne er das Relief eines Gegenstandes auf der Mattscheibe sehen, auf
den das Objektiv gerichtet sei. Am besten vermöge er die Erscheinung
zu beobachten, wenn die große Linse bis auf zwei horizontale Randteile
abgeblendet werde, deren einem ein blaues, deren anderem ein gelbes
Glas vorgeschaltet sei. Schließe man abwechselnd ein Auge, so bemerke
man ein blaues oder ein gelbes Bild, während das gemeinsam wahr-
genommene körperlich sei und grau aussehe.*)
Schon H. Hblmholtz hat {2. 686.) kurz darauf hingewiesen, daß
bei der Wahrnehmung des Reliefs auf der Mattscheibe die Augen die
Aussonderung der Büschel übernehmen, und in der Tat ergibt sich bei
näherer Betrachtung die folgende Theorie.
Denkt man sich zunächst sowohl jede Abbiendung im Objektiv
als auch die Mattscheibe entfernt, so handelt es sich offenbar um den
einfachen Fall eines einheitlich wirkenden Systems, das für einen normal-
sichtigen Beobachter von einem Objektrelief ein reelles Bildrelief ent-
*) Es muß aber darauf hingewiesen werden, daß G. Norman (J.) schon um
1855 von einem solchen Relief auf der Mattscheibe berichtet hatte. Er hatte es
beobachtet, als er mit einer Landschaftslinse von 7^/2 cm Durchmesser einstellte,
die bis auf zwei horizontalliegende Öffnungen im Abstände von 63 mm abgeblendet
worden war. Diese Bemerkung muß für seine Beobachtung genügen, da sie für
ihn vereinzelt blieb, während sie für A. Claudet den Ausgangspunkt für eine
gründliche Untersuchung abgab.
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104 II. Historischer Teil.
wirft. Aber auch die Zwischenschaltung einer Mattscheibe ändert kaum
etwas an dem Sachverhalt, weil sie das Licht nur unvollkommen diffus
macht und es zum größten Teile in der ursprünglichen Kichtung weiter-
gehen läßt. Wenn aber A. Claudet glaubte, durch Änderung der Ein-
stellung auch einen pseudoskopischen Eindruck hervorbringen zu können,
so muß demgegenüber hervorgehoben werden, daß eine solche Einrich-
tung infolge der orthopischen Stellung der Objektaugen nur orthosko-
pisch wirken kann, wenn man das reelle Objektrelief beobachtet, wie
es hier stets angenommen wird.
Die Einführung der exzentrischen Blendenöffnungen mit den Farb-
gläsern ändert den Versuch insofern, als nunmehr auch diese Blenden
und nicht mehr die Objektaugen allein an der Strahlenbegrenzung An-
teil haben können. Man wird, wenn vorläufig die Mattscheibe wieder
weggelassen wird, die Forderung stellen, daß die Blendengröße richtig
gewählt sei, so daß die auf die Objektaugen zielenden Strahlen durch
die Blenden nicht abgeschnitten werden. Schaltet man die Mattscheibe
wieder ein, so tritt wenigstens zu einem gewissen Grade diffuse Strah-
lung auf, und man kann daher die Abbilder auch von solchen Stellen
des Bildraumes wahrnehmen, von denen die freie Strahlung durch die
Blendungen abgehalten wird.
Man muß aber auch darauf hinweisen, daß ähnliche Beobachtungen
bereits von J. Harris und J. H. Lambert gemacht worden waren
(s. S. 31, 32). Femer schUeßt sich die Wahrnehmung der Mischfarbe an
die Janin sehen und Do ve sehen Versuche an. In gewisser Weise ist
auch die Farbenmethode von Ch. d'Almeida vorweggenommen, indem
hier ein Bild mit gelben und eines mit blauen Lichtern den Augen
einzeln dargeboten wird, nur geschieht die Aussonderung der rechts-
und der linksseitigen Strahlenbüschel nicht durch die Farbgläser, sondern
durch den in der Anlage des Versuchs bestimmten Strahlengang.
Es sollte nicht lange mehr dauern, bis A. Claudet HO.) sein Ver-
sprechen einlöste und einen stereoskopischen Apparat, das Stereomono-
skop*), auf dieser Grundlage konstruierte. Er ersetzte den Körper bei
jenem Versuch nun durch seine beiden Halbbilder, die er als passend
ausgewählte Diapositive aufgestellt hatte, und die er durch zwei Ob-
jektive auf dieselbe Stelle der Mattscheibe projizierte. Die Gebiete, in
denen die Halbbilder gleichzeitig bequem wahrgenommen werden konnten,
trennten sich gleich hinter der Mattscheibe, und es war nicht schwierig,
eine Stelle hinter ihr ausfindig zu machen, von der aus jedes Bild nur
dem zugehörigen Auge sichtbar war.
Den nun noch übrigen Schritt tat der Erfinder (11.) etwa ein halbes
Jahr später, indem er unmittelbar hinter die Mattscheibe, wie bei der
*) Siehe die Anmerkung auf S. 78.
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw. 105
alten Form der camera data (s. M. von Hohe [5. SOS.y) eine Konvex-
linse stellte, um den Strahlengang besser zu regulieren. Dies geschah
dadurch, daß die Konvexlinse die Austrittspupillen der beiden Objek-
tive im Bildraum reell und an solchen Stellen abbildete, daß der Be-
obachter seine Augen mit ihnen im Koinzidenz bringen konnte. Es
ist ganz einleuchtend, daß man durch eine derartige Einrichtung den
stereoskopischen Effekt sowohl bei verhältnismäßig nahem als bei weitem
Abstände von der Mattscheibe noch haben konnte, aber die Behaup-
tung, die Methode eigene sich zur stereoskopischen Projektion für meh-
rere fmany fersons can see it at the same time), ließ sich doch wohl
nur schwierig rechtfertigen. Aus der herangezogenen Literatur wenig-
stens läßt sich eine solche Vorführung weder auf A. Glaubet noch auf
einen Nachfolger zurückführen.
Wie weit das allgemeine Interesse an der Stereoskopie ging, kann
man gut aus dem Aufsehen entnehmen, das ein Versuch des Photo-
graphen J. Sang {!,) erregte, einen sehr populären Bilderzyklus stereo-
skopisch zu machen. Es handelte sich um die Reihe der Cruikshanks-
ischen Kupferstiche The Bottle, worin in grauenerregender Naturtreue
die Folgen des Trunks geschildert werden. Die im Spätherbst des
Jahres 1858 erschienenen Stereogramme stachelten den Scharfsinn der
Redakteure der verschiedenen Fachzeitschriften mächtig an, und es
dauerte auch nicht lange, bis eine plausible Erklärung gefunden war.
Danach ist das eine Halbbild eine treue Kopie, während für das zweite
die plastisch zu machenden Figuren aus dem Kupferstiche ausgeschnitten
und vor seiner Ebene, eventuell noch mit vorwärtsgebogenen Gliedern
aufgeklebt wurden. Die in dem Hintergrund bemerkbaren Lücken waren
hinterklebt und mit der Zeichenfeder ausgefüllt worden. Das ganze
Verfahren ließ sich natürlich vorteilhaft nur auf kleine Gruppen an-
wenden.
Diese populäre Aufgabe veranlaßte eine ganze Reihe von Aufsätzen,
die sich mit dem Problem beschäftigten, zu einem gegebenen Bilde das
zugehörige stereoskopische Halbbild zu zeichnen. Selbstverständlich ist
eine solche Aufgabe, wenn es sich nicht um geometrisch genau definierte
Figuren handelt, vieldeutig; es lassen sich aber dennoch gewisse Er-
leichterungen von allgemeinerer Bedeutung angeben. Es sei hier auf
den Hardie sehen Aufsatz (4,) verwiesen, der sich durch besondere Klar-
heit empfiehlt.
Es ist daher auch nicht verwunderlich, daß um diese Zeit ein
unternehmender Verleger, L. Reeve (1.), den Versuch machte, eine stereo-
skopische Zeitschrift, The Stereoscopic Magazine herauszugeben. Wenn
er, wie es scheint, daran gedacht hat, auch belehrend zu wirken, so
hat er diese Absicht bald aufgegeben und sich auf die monatliche
Herausgabe von Stereogrammen mit beschreibendem Text beschränkt.
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106 n. Historischer Teil.
Dieses Unternehmen hat sich etwa sieben Jahre, bis zur Zeit des gänz-
lichen Niederganges, erhalten. Wann die zweite stereoskopische Zeit-
schrift desselben Verlegers, The Stereoscopic Cabinet, von ihrem Ende
ereilt wurde, geht aus der hier benutzten Literatur nicht hervor.
Eine theoretische Arbeit erschien in dieser Zeit aus der Feder von
W. B. Rogers (1.), worin dieser amerikanische Forscher auf die den
verschiedenen Formen der Stereoskope gemeinsame Trennung der Ak-
kommodation von der Konvergenz aufmerksam machte. Sie müsse immer
auftreten, wenn der dargestellte Gegenstand auch nur eine einigermaßen
große Tiefenausdehnung habe, denn eine Übereinstimmung könne nur
bestehen für die Punkte einer einzigen Ebene, aber nicht mehr für alle
Punkte eines in die Tiefe ausgedehnten körperlichen Objekts. Auch
er wies wieder sehr deutlich auf die Wichtigkeit hin, die verschiedenen
Teile des im Stereoskop erscheinenden Objekts nacheinander zu be-
trachten. Seine Theorie erfuhr Einspruch von Sir David Brbwstbr (14.) ^
da sie sich mit seinem Grundgesetz (law of visihle direction) nicht in
Einklang bringen lasse.
Eine sehr anziehende kurze Zusammenstellung der Entwicklungs-
geschichte des Stereoskops veröffentlichte bald danach J. Tyndall (i.)>
der infolge seines Bildungsganges besonders dafür geeignet war. Er nahm
nicht ganz den hier vertretenen Standpunkt ein, indem er beispielsweise
die Tapetenbilder noch nicht H. Meter zuschrieb, aber sein aufrichtiges
Bestreben nach Unparteilichkeit verdient eine besondere Anerkennung.
Bei der Besprechung der beiden Theorien von Ch. Wheatstone und
E. Brücke wies er darauf hin, daß auch bei ganz unbeweglichen Augen
eine richtige Deutung der Lokalzeichen möglich sein würde. Seine aus
deutschen Angaben übernommene Anerkennung der Moser sehen Priorität
für die Anwendung der photographischen Verfahren auf die Zwecke der
Stereoskopie nahm er, eines Besseren belehrt, ausdrücklich zurück.
Den Schluß in der Behandlung dieses Zeitraumes mag die Be-
sprechung von Ansichten bilden, die von einigen deutschen Liebhabern
des Stereoskops entwickelt wurden, und in denen ein sehr bedeutender
Fortschritt zur Erkenntnis des wirklichen Strahlenganges gemacht wurde.
Bei dem vollständigen Mangel an Schulung in den photographischen
Verfahren suchten diese Experimentatoren die Photogramme durch per-
spektivische Zeichnungen zu ersetzen, und diese Bestrebungen erwiesen sich
als nützlich, indem nach der sorgfältigen Ausführung der perspektivischen
Konstruktionen die Einhaltung des richtigen Abstandes und die übrigen
Erfordernisse der richtigen Betrachtungsweise weniger leicht übersehen
wurden. Den Anfang mit solchen ganz korrekten Zeichnungen scheint
der Mathematiklehrer J. M. Hessemer (i.) in Frankfurt a. M. gemacht
zu haben, der um die Mitte der fünfziger Jahre bei dem Albert sehen
Verlage zwei Folgen stereometrischer Zeichnungen erscheinen ließ. Er
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw. 107
ging bei der Anfertigung in der alten Weise vor, bei der man aus einem
Grundriß und einem Seitenriß des zu zeichnenden Körpers leicht die
beiden, für jedes Auge in aller Strenge geltenden Zeichnungen entwerfen
konnte. Er berücksichtigte dabei sowohl den Fall, wo sich die Seh-
richtungen hinter, als den, wo sie sich vor der Zeichenebene schnitten,
und auch ihm fielen die dabei verschiedenen scheinbaren Größen auf.
Gewiß ist seinerzeit auch Ch. Whbatstonb in dieser Weise vorgegangen,
aber seine Methoden wurden bald durch die viel leistungsfähigeren aber
weniger durchsichtigen photographischen Verfahren ersetzt, während hier
die viel einfachere Methode noch gute Früchte tragen sollte.
Denn sofort nahm der schon öfter genannte J. J. Oppbl {2.) diese
Idee auf, und zwar beabsichtigte er zunächst, das Raumbild doppelt
gekrümmter Kurven im Stereoskop zu erhalten, indem er mit Hilfe der
perspektivischen Konstruktion eine Reihe einzelner Punkte für die beiden
Halbbilder festlegte. Bei einem solchen Verfahren waren die beiden Ge-
sichtspunkte so über allen Zweifel festgelegt, daß ein gründlicher Kopf
wie J. J. Oppel auf die Schwierigkeit stoßen konnte, die anscheinend
allen von der Photographie ausgehenden Forschern entgangen ist, näm-
Uch daß bei der Betrachtung solcher ebenen Bilder die beiden Zentren
des direkten und des indirekten Sehens miteinander im Streit liegen.
Seine Ausführungen sind so deutlich und schön, daß sie hier Platz
finden mögen: „Überhaupt aber stellt sich der vollkommenen Wirkung
„derartiger stereoskopischer Zeichnungen noch eine Schwierigkeit ent-
„gegen, die wohl nicht zu beseitigen sein wird, und auf welche meines
„Wissens noch Niemand aufmerksam gemacht hat. Es kann nämUch im
„günstigsten Falle höchstens geüngen, die fragüchen Bilder so zu zeichnen,
„daß jeder Punkt derselben für das direkte Sehen, d. h. für die auf
„ihn gerichteten beiden Augenachsen an der gehörigen Stelle erscheint.
„Während nun aber beim Betrachten eines (in solcher Nähe gesehenen)
„körperUchen Gegenstandes das Auge von Punkt zu Punkt weiter gleitet,
„erleiden zugleich die Projektionen der indirekt (außerhalb der Augen-
„achse) noch mit gesehenen Punkte auf der Retina eine relative Ver-
„schiebung, die durch ebene Zeichnungen nicht nachzuahmen ist, und
„deren Mangel sich namentUch bei solchen Figuren, wo die Kanten
„und Striche nahe beieinander liegen und sich mannigfach durchkreuzen,
„in störender Weise bemerklich machen kann."
Schon im nächsten Jahre veröffentUchte er (5.) eine Fortführung
seiner Studien, die ihn schon im Mai 1856 zu der Meinung führten, daß
man bei Landschaftsaufnahmen ohne nahen Vordergrund mit identischen
Bildern müsse auskommen können. Handele es sich aber um Gegen-
stände mit viel geringeren Tiefenverschiedenheiten, als sie bei Landschafts-
aufnahmen vorkämen, so könne man auch mit identischen Bildern aus-
kommen, wenn die Gegenstände viel näher lägen. So gäbe es gewisse;
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108 II. Historischer Teil.
sehr flache Basreliefs in den Sammlungen des Lot/we-Palastes , die von
den Augen noch nicht 6^/^ m abständen und auch keiner verschiedenen
Bilder zu einer sehr täuschenden Tiefenwirkung bedürfen würden. Für
seine Versuche auch mit identischen Bildern konstruierte er ein dem ent-
sprechenden Wheatstone sehen ähnliches, linsenloses Stereoskop zunächst
in der Weise, daß sich die Blicklinien hinter den Ebenen der Halbbilder
schnitten. Er konnte damit feststellen, daß die Trennung der Halb-
bilder während des Versuchs in ziemlich weiten Grenzen geändert werden
könne, ohne daß man es merke. Die Halbbilder für diese Versuche
waren wieder, da ihm kein photographischer Apparat zur Verfügung stand,
Handzeichnungen oder geometrische Konstruktionen. Als er von dem
Faye sehen Versuche gehört hatte, experimentierte er auch mit dieser
einfachen Vorkehrung, wobei es ihm zustatten kam, daß er seinen Blick-
linien eine sehr merkbare Divergenz — zwischen 7^/3 und 8 Graden —
geben konnte. Die französischen Stereogramme, die ihm hierfür als Ver-
suchsobjekte dienten, waren wohl nicht besonders sorgfältig hergestellt
worden, vor allem aber gehörten sie offensichtHch zu Beewsteb sehen
Prismenstereoskopen und zeigten stereoskopische Differenzen homologer
Punkte bis zu 104,5 mm, was denn doch auch für ihn zu viel war; bis
zu 102,3 mm konnte er aber, wenn auch unter Schwierigkeiten, kommen.
Es ist ganz charakteristisch für die Anspruchslosigkeit jener Zeit, daß
ein wissenschaftlich gebildeter Mann von so lebhaftem Interesse und in
einem Handelszentrum wie Frankfurt noch 1856 nichts davon gehört
hatte, daß namentlich in England schon Bücher erschienen waren, die
mit Stereogrammen illustriert waren. Wenn H. Faye (s. S. 85), dies als
bekannt voraussetzend, seine Vorkehrung auch zur Betrachtung solcher
Illustrationen empfahl, so bemerkte J.J. Oppel dazu nachdenküch: „. . . so
„muß ich bekennen, daß ich mir das nicht recht vorzustellen vermag; —
,,man müßte denn annehmen, daß die in Büchern etc. befindlichen natur-
„historischen Zeichnungen — absichtlich zu diesem Zwecke entworfene
„stereoskopische Doppelbilder wären (?)."
Was nun noch auf J. J. Oppel (5.) zurückgeht, ist sehr wenig. Er
veröffentlichte 1859 ein Stereoskop zum Sehen mit gekreuzten Achsen,
wie es bereits von Ch. Wheatstone (s. S. 40) beschrieben worden war, und
konstruierte dazu mit außerordentUcher Mühe Halbbilder geometrischer
Körper, so die eines regelmäßigen 80flächigen Polyeders, das aus einem
regulären Ikosaeder abgeleitet worden war. Auch Versuche über den
Glanz stellte er mit diesen Halbbildern an und leitete ferner die Folgen
ab, wie sie eintreten, wenn man solche für gekreuzte Bückrichtungen
bestimmten Halbbilder mit parallelen betrachtet. Zum Schlüsse kam
er auch noch auf die Tapetenbilder zu sprechen, die er mit Steiftüll
herstellte.
Seine letzte Arbeit nahm Bezug auf die Verhältnisse der Akkom-
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3. Die Zeit des allgemeinen Interesses am Stereoskop usw. 109
modation beim Betrachten von Stereogrammen; sie wird hier nicht
besprochen, da ihr Inhalt nicht zu dem vorliegenden Thema gehört.
Versucht man zu einem zusammenfassenden Überblick über die
Leistungen in diesem Zeiträume zu kommen, so wird man zweckmäßig
zwischen den verschiedenen Zweigen der Stereoskopie zu scheiden haben.
Die wissenschaftliche Stereoskopie erfuhr durch den Wheatstone-
schen Vortrag und die Erfindung der vielen verschiedenen Stereoskope
große Förderung, die anerkannten Größen physikalischer Forschung be-
schäftigten sich mit diesem reizvollen Gebiet, und glänzende Namen, wie
AiRY, Brewster, Claudet, Crookbs, de LA KuB, Heeschbl, Tyndall,
Wheatstone in England, wie Dove, Helmholtz, Oppel, Kollmann in
Deutschland, d'Almeida in Frankreich, sind mit den Fortschritten auf
diesem Gebiet verbunden. Dabei ist der Unterschied ganz charakteristisch,
daß die Engländer sämtUch entweder selbst photographierten oder doch
mit ausübenden Photographen in enger Verbindung standen, während
das bei den deutschen Gelehrten dieser Zeit kaum vorkam. Die Folge
davon war die, daß in dem erstgenannten Sprachgebiete die Wiedergabe
der Erscheinung außerordentüch intensiv und erfolgreich betrieben wurde,
wie die herrlichen Arbeiten Warben de la Kues beweisen, und wie es
auch durch die Ausbildung des stereoskopischen Mikroskops bezeugt wird.
Von alledem war in Deutschland kaum die Rede. Hier wurden die Ver-
suche bevorzugt, die physiologische Erkenntnis fördern und nebenbei
mit einem Minimum von Apparaten angestellt werden konnten. Man
sieht daher die Do vb sehen und die Rollmann sehen Versuche fast aus-
schließUch mit Zeichnungen symmetrischer Körper angestellt und findet
ein sorgfältiges Studium des Glanzes in einer so gut wie immer von der
bekannten Erscheinungsform losgelösten Gestalt. Nebenbei wurden auch
wichtige Änderungen am Apparat erforscht, wie das Dove sehe Stereoskop
mit den beiden Amici sehen Prismen, die Dove sehen Instrumente für
Bilder verschiedener Größe und die Rollmann sehe Methode der Farben-
projektion, aber mit der Feststellung dieser MögUchkeit erlosch auch das
Interesse. — In den verschiedenen Ländern wurde lebhaftes Interesse
einerseits den pseudoskopischen Instrumenten entgegengebracht, anderer-
seits zeigten sich die ersten Untersuchungen über Homöomorphie. Die
Entwicklung dieser beiden Ideen führte in England schon im Anfang
der fünfziger Jahre verschiedene Erfinder unabhängig zur Konstruktion
des Telestereoskops mit und ohne Fernrohrvergrößerung, und gegen
Schluß der hier behandelten Periode erhielt dieses Instrument durch
H. Helmholtz seine Theorie und seine weitere Verbreitung.
Die rein geschäftsmäßige Versorgung des Marktes mit Stereoskopen
und Stereogrammen begann erst in dieser Periode. Durch die Londoner
Industrieausstellung vom Jahre 1851 wurde das Brewster sehe Instrument
weiten Kreisen bekannt und erlangte eine geradezu ungeheure Verbreitung.
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110 II. Historischer Teil.
Die Form, in der es abgesetzt wurde, war in Frankreich gefunden worden,
und dieses Land lieferte fortdauernd namentlich Stereogramme in ge-
waltigen Mengen. Die Entwicklung ging zu rasch vor sich, um gesund
zu sein, förderte aber namentlich in der ersten Zeit die allgemeine Ent-
wicklung, indem reizvolle Methoden, wie die der Glasbilder, für diesen
Zweck ausgearbeitet wurden. Eine große Gefahr lag in der Urteils-
losigkeit des Publikums, die dazu aufforderte, den stereoskopischen Ein-
druck zu übertreiben, und in der Tat hat man bald diesem Hange in
einem ganz verderblichen Maße nachgegeben, wie es sich schon im
nächsten Abschnitte zeigen lassen wird.
Die aussichtsreichste Entwicklung sollte auf die erwachende Teil-
nahme der Amateurphotographen folgen. Hier behauptete, wie es nach
der Ausgestaltung seines Vereinslebens ganz natürlich war, England den
unbestrittenen Vorrang, zumal da in Frankreich die Anteilnahme dieser
Interessentenklasse, die von der der großen Stereoskop-Exportfirmen wohl
zu trennen ist, bald zu erlöschen scheint. — Die Amateurphotographen
entwickelten schon früh — es ist nicht sicher, wer unter ihnen zuerst —
die Aufnahmecamera mit parallelen Achsen, während zunächst Ch. Wheat-
STONBs Konvergenzaufnahmen üblich gewesen waren, was nicht immer
sehr klärend gewirkt hatte. Aber unter der Anweisung sehr tüchtiger
Männer, unter denen neben einigen Wissenschaftern namentlich G. Shad-
BOLTs Erwähnung zu tun ist, wurde Ordnung unter die zuerst etwas
wirren Ideen gebracht. Man mäßigte sich in der Trennung der Objektive
und begann die Entwicklung des Whbatstonb sehen Linsenstereoskops
ohne Prismenwirkung. Ganz zweifellos hat der kameradschaftliche Wett-
eifer und die sachliche Kritik, die sich in den englischen Arbeitsvereinen
fanden, zur Hebung des Wertes der Erzeugnisse beigetragen. Auch finden
sich wenigstens Ansätze zu einer richtigen Theorie des Stereoskops. Be-
dauerlich aber blieb es, daß nirgendwo in einer verständlichen Weise
die Rolle auseinandergesetzt wurde, die die photographischen Objektive
bei einer stereoskopischen Aufnahme spi^ten; fehlte es daran doch auch
für die Einzelaufnahmen vollständig. Die Beziehung der Augen zu den
beiden Halbbildern war vollends ungeklärt geblieben, und man hat damals
wohl immer das Auge bei der Betrachtung als ruhend angenommen. —
Es berührt sehr angenehm, daß die einzigen und gar nicht einmal
sehr verkümmerten Ansätze zu richtigen Ansichten von einem Manne ge-
macht wurden, dem das gut ausgebildete Instrumentarium der engüschen
Amateure fehlte: es war J. J. Oppel. Er mußte sich seine Halbbilder
auf dem mühsamen Wege der perspektivischen Konstruktion anfertigen.
Daher waren ihm die Elemente der Perspektive, die der photographische
Apparat den Benutzern unbewußt einhielt, recht lebhaft gegenwärtig,
und es fiel ihm auf, daß eine strenge Homöomorphie nur insofern möglich
ist, als man sich auf die Wiederholung der im direkten Sehen erhaltenen
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4. Der Niedergang der Stereoskopie in den sechziger Jahren. m
Eindrücke beschränkt. So gelang denn diesem einsamen Vertreter der
deutschen Amateure eine wichtige Förderung der Theorie in der Zeit
des lebendigsten photographischen Fortschrittes merkwürdigerweise eben
darum, weil er selbst nicht photographierte.
Im großen und ganzen waren die Aussichten der Stereoskopie am
Ende der fünfziger Jahre noch recht glänzend; wenn sich auch die hohe
Wissenschaft von diesem anscheinend erschöpften Thema zurückzuziehen
begann, so konnte die Ausbreitung des Interesses in den Kreisen der
intelligenten Amateure diesen Verlust sehr wohl ersetzen, und die geradezu
staunenswürdige Popularität des Instruments schien eine glänzende Zu-
kunft noch auf Jahrzehnte hinaus zu gewährleisten.
4. Der Niedergang der Stereoskopie in den sechziger
Jahren.
Zunächst war in dem neuen Jahrzehnt kein Mangel an Interesse
zu bemerken, was sich namentlich bei der Entwicklung der binokularen
Mikroskopie erkennen läßt. Die Veränderungen, die sich bei der literari-
schen Behandlung der allgemeinen Stereoskopie zeigten, lassen sich un-
gezwungen aus der Annahme erklären, daß die photographischen Ver-
fahren in ihrer Anwendung auf die Stereoskopie bereits so weit durch-
gearbeitet waren, daß man von einer eingehenderen Besprechung ab-
sehen konnte. Wahrscheinlich fielen aus diesem Grunde die Angaben
über die Aufnahmeapparate und -methoden dieser Zeit besonders
dürftig aus.
Die weitere Vervollkommnung der binokularen Mikroskope.
Das Interesse der Mikroskopiker an dem binokularen Mikroskop hatte
in der letzten Hälfte der fünfziger Jahre völlig geruht, und es ist im
wesentlichen das Verdienst des Ingenieurs F. H. Wbnham, daß es am
Anfange des vorliegenden Zeitraumes wieder erwachte und nun auch
rege blieb:
Schon im Frühsommer 1860 brachte F. H. Wenham (6.) seine
erste orthoskopische Einrichtung heraus, und zwar wurden bei ihr die
Strahlen aus beiden Hälften des Objektivs wieder durch ein Refraktions-
prisma in die zugehörigen Okulare geleitet. Dieses Prisma war aber jetzt
80 geformt, daß sich die Strahlen überkreuzten, d. h. ähnlich wie bei
der Nachbt sehen Form die aus der rechten Objektivhälfte stammenden
Strahlen in das linke, und die aus der linken kommenden in das rechte
HuYGBNsische Okular gelangten (Fig. 59, S. 112). Die Einstellung auf den
Augenabstand wurde durch das Ausziehen der Okulare bewirkt, und zwar
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112
II. Historischer Teil.
hatte der Erfinder eine Variation von 54 bis auf 70 mm vorgesehen.
Das Refraktionsprisma war außerordentlich dünn, an der stärksten Stelle
nur 2,4 mm stark, und die Ablenkung durch die Brechung infolge der
Länge des englischen Tubus wie bei der ersten Form (s. S. 72) nur
verhältnismäßig gering, aber F. H. Wbnham hielt es doch für nötig,
darauf hinzuweisen, daß die Halbierung der Objektivöffnung nicht eben
vorteilhaft auf die Bildgüte wirke.
War somit ein einfaches und, soweit es
möglich war, leistungsfähiges Binokular-
mikroskop hergestellt worden, so beruhte
doch seine Konstruktion immer noch auf
den symmetrisch angeordneten Rohren eines
Doppeltubus (Fig. 60). Es waren daher
einmal ziemlich große Kosten für die erste
Anschaffung notwendig, und ferner war es
unmöglich, ein solches binokulares Mikro-
Jj'ig. 59.
F. H. Wenhams (5.) erstes achro-
matisches Refraktionsprisma mit
orthomorpher Wirkung.
Fig. 60.
Der zu dem Refraktionsprisma
gehörige symmetrische Doppel-
tabus.
skop gelegentlich auch in der gewöhnlichen und für die Bildqualität
günstigeren Weise, d. h. unokular zu benutzen.
Man hat nun mit Erfolg versucht, diese Beschränkung abzustellen,
sei es in der in England bevorzugten Art, wo das binokulare Mikroskop
asymmetrisch gebaut wurde und einen Haupt- und einen Nebentubus
führte, oder mit dem von nichtenglischen Optikern ausgebildeten stereo-
skopischen Okular.
Bereits im Dezember von 1860 gab F. H. Wbnham (ö.) sein ver-
dienterweise sehr beliebt gewordenes Reflexionsprisma an. Wie man
aus der Figur ersieht, wurden auch hier die beiden Objektivhälften ge-
sondert zur Erzeugung der beiden überkreuzten Halbbilder verwandt.
Doch nur die Strahlengruppe aus der rechten Objektivhälfte wurde ab-
gelenkt, die aus der linken stammende ging direkt zu dem rechten
Auge des Beobachters (Fig. 61). Es ließ sich nicht vermeiden, daß das
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4. Der Niedergang der Stereoskopie in den sechziger Jahren.
113
dem linken Auge dargebotene Objektivbild eine etwas stärkere Ver-
größerung zeigte, und der Erfinder empfahl daher, diesen Unterschied
durch verschiedene Auszugslänge der Okulare auszugleichen oder ver-
schieden starke Okulare zu wählen. Bei ganz starken Objektiven
rückte F. H. Wenham (7.) das Keflexionsprisma möglichst nahe an die
letzte Fläche heran, um eine partielle Verdunkelung des Gesichtsfeldes
möglichst zu vermeiden. Der Grund dafür war, wie E. Abbe (!• 199.)
später gezeigt hat, der, daß die Teilung
der Büschel, die von Rechts wegen genau
in der Ebene der Austrittspupille hätte
vorgenommen werden müssen, bei starken
Objektiven notwendigerweise erst in einer
ziemlichen Entfernung davon erreicht wer-
den kann. Wollte man das Instrument
als ein unokulares gebrauchen, so zog man
den das Prisma c tragenden Schieber einfach
fort (Fig. 62).
Fig. 61. Fig. 62.
F. H. Wenhams (7.) Reflexioiisprisma. Der zu dem Reflexionsprisma gehörige
unsymmetrische Doppeltubus.
Die in dieser Weise vorgeschlagene Einrichtung hat sich in England
dauernd einer großen Beliebtheit erfreut, und noch heute werden große
Stative verschiedener wichtiger Mikroskopfirmen ständig mit ihr ausge-
stattet. Dem kontinentalen Mikroskop, das seiner kürzeren Tubuslänge
entsprechend eine stärkere Ablenkung durch das Reflexioi^sprisma er-
fordern würde, ist diese WENHAMsche Konstruktion nicht häufig ange-
paßt worden.
Einige Jahre später, 1863 und 1864, berichtete F. H. Wenham {8.)
ausführlicher über seine etwa ein Jahrzehnt früher angestellten Versuche
mit mikrophotographischen Aufnahmen für das Stereoskop. Er teilte
mit, daß er schon 1854 im Besitze der Kenntnis gewesen sei, daß zwei
Aufnahmen mit je verschieden gerichteten Beleuchtungskegeln ein gutes
V. Bohr, Binokulare Instrumente. o
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114
II. Historischer Teil.
Relief ergeben, namentlich dann, wenn man Objektive großer Öffnung
bei der Aufnahme benutze.
Die Veröffentlichung des Wenh am sehen Reflexionsprismas gab offen-
bar R. Beck (i.) die Idee ein, eine unsymmetrische binokulare Lupe
vorzuschlagen. Er verwandte nur eine Hälfte der Riddell sehen Spiegel-
kombination, während die andere Hälfte der Lupe ihre Strahlen direkt
in das Auge des Beobachters sandte. Da er die Lupe für normale, auf
die Ferne akkommodierte Augen eingerichtet hatte, so führte die Ver-
längerung des Lichtweges auf der Unken Seite keinen Unterschied in
der Vergrößerung herbei.
Fig. 63.
Das stereoskopische Okular
von R. B. Tolles (2.) nach
dem Neudruck von 1890.
Fig. 64.
Powell undLEALANDs bin-
okulare Einrichtung nach
W. B. Carpenter (3. 111.).
Bald darauf schlug der amerikanische Mikroskopfabrikant R. B. Tolles
(i.) wohl als erster ein eigentüches stereoskopisches Okular vor (Fig. 63),
das er für Mikroskope sowohl wie für Fernrohre zu benutzen empfahl.
Er hatte sehr deutUch erkannt, daß eine gleichmäßige Teilung der
Strahlenbüschel durch ein ablenkendes Prisma nur erreicht werden könne,
wenn man es in die Austrittspupille des Objektivs selbst oder in ein
von ihr entworfenes Bild bringe. Daher bildete er die Austrittspupille
durch ein Umkehrsystem — ein umgekehrtes HuYGENsisches Okular —
reell ab und brachte dahinter die NACHETsche Prismenkombination an.
In der hier benutzten Literatur findet sich keine Angabe, daß auch für
Fernrohre solche stereoskopischen Okulare gebaut worden seien.
Ungefähr um dieselbe Zeit mag auch die binokulare Einrichtung
von H. Powell und . . Lealand veröffentlicht worden sein (Fig. 64),
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4. Der Niedergang der Stereoskopie in den sechziger Jahren.
115
denn F. H. Wbnham {9.) nahm auf sie schon im. Frühjahre von 1866
Bezug. Man findet sie in dem Werke von W. B. Caepbenter {3. 110— 1 IL)
über das Mikroskop beschrieben. Dicht über das Objektiv wird eine
gegen die Achse des Mikroskops unter etwa 45 Graden geneigte, dicke
Glasplatte gesetzt, die alle Strahlen passieren müssen, wobei sie sich
an der Unterfläche in zwei Teile von verschiedener Intensität spalten.
Der hindurchtretende Teil gelangt ohne Kichtungsänderung in den Haupt-
tubus und dann in das eine Auge des Beobachters. Der an der Unter-
fläche zurückgeworfene Teil passiert ein Ableseprisma, das ihn nach der
Überkreuzung in den Nebentubus lenkt. Da hier jeder einzelne Strahl
gespalten wird, so handelt es sich um eine neue Art der Büschelteilung,
und es ist der Ort gleichgültig, an den die teilende Einrichtimg ge-
bracht wird. Die Erfinder setzten sie dicht über das Objektiv, um sie
ohne Schwierigkeit gegen das WENHAMsche Reflexionsprisma auswechseln
Fig. 65.
Die drei Einrichttmgen F. H. Wbnhams (9.) für ein binokalaree Mikroskop.
ZU können. Diese Einrichtung war nicht stereoskopisch — da beide
Augen dasselbe Bild erhielten, so war nur ein zweiäugiges Sehen er-
mögUcht — doch war die Qualität des Bildes wohl besser, und es trat
auch bei ganz starken Mikroskopobjektiven keine partielle Verdunkelung
des Gesichtsfeldes ein. Man machte hier wohl zuerst die Erfahrung,
daß eine gute Vereinigung zweier Bilder auch dann erreicht wird, wenn
das eine von ihnen viel lichtschwächer ist als das andere.
Die gleichen Effekte hat dann schon 1866 F. H. Wenham (.9.)
mit seiner Einrichtung für nur zweiäugiges Sehen erreicht. Er schlug
die verschiedenen, nebenstehend (Fig. 65) abgebildeten Formen vor, von
denen die erste für ein Mikroskop mit gebrochener Achse bestimmt war.
Er hielt aber die Anfertigung für so außerordentlich heikel, daß er eine
regelmäßige Herstellung für ausgeschlossen erachtete. Die in den beiden
letzten Formen vorkommende dünne Luftschicht, die jeden einzelnen
Strahl in zwei Teile spaltete, von denen einer in der Anfangsrichtung
durchgelassen, der andere seitwärts reflektiert wurde, findet sich aber
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II. Historischer Teil.
w
r
nicht zum erstenmal. Man sieht ohne weiteres ein, daß sie bereits mehr
als drei Jahre vorher in einem, H. Swan (3.) erteilten Patente beschrieben
worden war. Diese Priorität ist F. H. Wbnham anscheinend vollständig
entgangen.
Merkwürdig aber ist es, daß er nun nicht die Probe auf seine
Theorie vom Jahre 1854 (s. S. 73) machte und die identischen Büschel
an zwei entgegengesetzten Stellen abblendete. Aus der hier benutzten
Literatur ist nicht zu ersehen, warum er diesen Versuch unterlassen hat.
Das rege Interesse an den binokularen Instrumenten, wie es sich in
den Kreisen der englischen Mikroskopiker betätigte, war für A. Nachbx
der Anlaß, mit einigen sehr eleganten Neuerungen auf den Markt zu
kommen, die durch W. B. Carpentbb {2.) beschrieben wurden.
Er änderte das auch von ihm hergestellte Präpariermikroskop
RiDDBLL scher Art in der Weise ab, daß er zur Steigerung der Ver-
größerung von einer 10- auf eine 35- bis 40 fache in die Okulare Kon-
kavlinsen legte und dadurch als erster den Typus der Brücke sehen
Lupe für die beidäugige Beobachtung benutzte.
Sein stereo'pseudoskopisches
Binokidarmikroskop hatte die in
der nebenstehenden Zeichnung
(Fig. 66) angegebene Form. Über-
kreuzten sich die Strahlen, so
erhielt man ein orthomorphes
Raumbild und ein pseudomor-
phes, wenn man mit einer ein-
fachen Verschiebung der Prismen
die Überkreuzung aufhob.
Die zuletzt beschriebene elegante Vorrichtung erregte ein großes
Interesse, und bald darauf brachte Ch. Heisch (1.) einige Verbesserungs-
vorschläge vor, die im wesentlichen darauf hinausliefen, den Glasweg in
den Prismen möglichst zu verkürzen und die Anpassung an den Augen-
abstand des Beobachters abzuändern. Wenn er in dem bequemen Über-
gang von der Ortho- zu der Pseudomorphie ein Mittel sah, um in
Zweifelsfällen NiveaudifEerenzen festzustellen, so kann man ihm darin
wohl recht geben.
Man sieht aus dieser Zusammenstellung, daß das regste Interesse
für das binokulare Mikroskop zu einer Zeit erwachte, wo die Teilnahme
an dem Stereoskop schon im Erlöschen war. Sicherlich haben die glän»
zenden Leistungen F. H. Wenhams den größten Anteil an dieser schönen
Entwicklung gehabt, aber aus dem Umstände, daß die Verbreitung der
beidäugigen Mikroskopie im Wesentlichen auf England beschränkt blieb,
kann man doch wohl schließen, daß sie auch von dem Verständnis ab-
hing, das die Benutzer ihrem Instrument entgegenbrachten. Ganz äbn-
Fig. 66.
A. Nachbts stereo-pseudoskopisches Binokular-
mikroskop nach W. B. Carpenter (2,),
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4. Der Niedergang der Stereoskopie in. den sechziger Jahren. 117
lieh wie auf dem Gebiete der Photographie bereiteten auch in der
Mikroskopie die musterhaften Arbeitsgesellschaften Englands den Boden,
auf dem die Erfolge erwuchsen. Denn in den Vereinigungen für Mikro-
skopie wurden nicht allein die Ergebnisse mikroskopischer Forschung
bekannt gegeben, sondern man schenkte auch dem Instrumentarium die
ihm gebührende Aufmerksamkeit und Teilnahme. Es ist nicht verwunder-
ich, daß sich in den Kreisen der Mikroskopiker auch Ansichten über
die Erfindung des Stereoskops erhielten, die weniger parteiisch gefärbt
waren als die sonst in der englischen Fachpresse üblichen. W. B. Caepbntee
[3. 57 — 60,), wie es nach seinen Äußerungen scheint, ein persönlicher Be-
kannter Ch. Wheatstonbs, gab in seinem vielgelesenen Buche eine
Ch. Wheatstonb durchaus gerecht werdende Schilderung.
Von dieser erfolgreichen Entwicklungszeit sollte den englischen
Mikroskopikem der Gewinn eines zweckmäßig konstruierten und weit
verbreiteten Binokularmikroskops auch für die Folgezeit erhalten bleiben.
Die Praxis der stereoskopischen Aufnahmen.
In erster Linie sei der österreichische Photograph A. Ost (1.) erwähnt,
nicht so sehr wegen der Wichtigkeit seiner Mitteilung, sondern weil diese
ein gutes Bild gibt von den Methoden, wie sie sich augenscheinlich in
einer schon etwas zurückliegenden Zeit in England herausgebildet hatten.
Man erkennt aus seinen Vorschriften unschwer die Idee der Whbat-
STONB sehen Konvergenzaufnahmen, doch ist es charakteristisch und
wurde auch von ihm zu der französischen Praxis in deutlichen Gegensatz
gestellt, daß keine gewaltigen Objektivtrennungen empfohlen wurden.
Für Gruppen soll der Objektivabstand 8 — 15 cm betragen, für Gebäude
^/^ — ^/g m, für Landschaften ^/j — ^/^ m, und für Landschaften mit be-
sonders großer Fernsicht */^ — 1 m. Für die Aufnahmen wurde besonders
die Vermeidimg des sehr störenden Höhenfehlers eingeschärft.
Hierher gehört auch das stereoskopische Handbuch von H. db la
BlanchErb {!.), das, nach der Vorrede zu schließen, um 1860 erschienen
ist. Man merkt von einem Rückgänge des Interesses noch nichts, und
der Verfasser, der sich als Maler und Photograph einführt, hat eine gute
Kenntnis des in Frankreich und in England geleisteten besessen. Das
Hauptgewicht legte er auf die Praxis, doch wandte er auch theoretischen
Erwägungen seine Aufmersamkeit zu. Er stützte sich in hohem Maße
auf Sir David Bebwstbes Buch, ließ aber auch anderen und nament-
ich Ch. Whbatstonb Gerechtigkeit widerfahren. Daß die Besprechung
der Beb wsTBR sehen Vorschläge einen größeren Raum einnimmt, ist ganz
natürlich und ebenso die eingehende Aufführung der Duboscq sehen Kon-
struktionen. Wenn er (i. 70,) das Prinzip des Whbatstonb sehen Linsen-
stereoskops dem Pariser Optiker . . Hbemagis zuschrieb, so kann man
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118 11. Historischer Teil.
ihm daraus um so weniger einen Vorwurf machen, als diese Priorität
Ch. Wheatstones anscheinend stets übersehen worden ist. — Bei der
Beschreibung der Verfahren spielten noch immer die Verschiebungs-
aufnahmen eine große Rolle, weil sie eine Steigerung des Reliefs ermög-
lichten, die Doppelcameras mit parallelen Achsen behaupteten für ihn
einen Vorrang nur für die Aufnahme von bewegten Szenen. Daß diese
Instrumente überhaupt ein ReUef ergäben, nahm ihn (1. 1S8.) eigentlich
wunder.
In der etwa gleichzeitigen Mitteilung Th. Suttons (5.) über die
Stereoskopcamera des mit ihm befreundeten Optikers Th. Ross findet
sich ein Bericht über neuere engUsche Methoden. Hier handelt es sich
um eine Parallelcamera mit einer sehr vollständigen Ausrüstung. Die
Camera hatte eine neigbare Mattscheibe, um das Stürzen der vertikalen
Linien zu vermeiden. Ihr waren drei Objektivpaare beigegeben, nämüch
ein Paar anastigmatischer Porträtobjektive und ein Paar solcher mit
Bildfeldebenung im übertragenen Sinne, beide von 11 ^/^ cm Brennweite,
und dann noch ein Paar einfacher Landschaftslinsen mit Vorderblende
von 15 cm Brennweite und einer relativen Öffnung von 1 : 12. Man
kann aus der Anzeige einer so vollständigen und selbstverständhch
kostspieligen Ausrüstung mit Sicherheit den Schluß auf ein lebhaftes
Interesse des Pubükums ziehen.
0. N. RooD (2.) behandelte nicht viel später mikrophotographische
Aufnahmen, für die er die Anwendung der Wippe lebhaft empfahl. Doch
findet sich in seinem Artikel kein Hinweis darauf, daß solche mikrophoto-
graphischen Stereogramme genau wie die Mondaufnahmen W. de la Rubs
eines besonderen Stereoskops bedürften, wenn sie richtig wirken sollten.
Die wichtigste VeröffentUchung in diesem Zeiträume, was Aufnahme-
methoden anlangt, stammt aber von dem schottischen Astronomen
Ch. Piazzi Smyth {2,). Er war in dem Jahre 1865 in Ägjrpten gewesen,
um die große Pyramide zu studieren, über die er sich sehr eigentüm-
liche Ansichten gebildet hatte, indem er ihre Anlage auf unmittelbare
Inspiration zurückführte. Um mit seinen bescheidenen Mitteln viel zu
leisten, war er in einer sehr praktischen Weise vorgegangen. Seine Metall-
camera war mit einem PETZVALschen Porträtobjektiv von 4,6 cm Brenn-
weite ausgestattet und führte Platten des kleinen Formats von 2,5 : 2,5 cm.
Das Bildfeld umfaßte also nur einen Diagonalwinkel von 43 Graden. Der
gute Korrektionszustand des gewählten Typus sicherte besonders scharfe
Bilder, und das feine Korn des nassen Verfahrens gestattete, in der
nachträglichen Vergrößerung der Bildchen sehr weit zu gehen. Aus zwei
dasselbe Objekt enthaltenden Negativen suchte er die für ein Stereo-
gramm passenden Teile mit Hilfe eines zu diesem Zwecke konstruierten
Doppelmikroskops heraus. Dabei war die Einrichtung getroffen worden,
daß jedes Negativ für sich in seiner Ebene sowohl vorwärts und rück-
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4. Der Niedergang der Stereoskopie in den 8echziger Jahren. 119
wärts als auch nach rechts und links verschoben und außerdem gedreht
werden konnte. Die Vergrößerungen wurden dann so angefertigt, daß
die Halbbilder des Stereogramms 68,7 mm in der Breite und 82,6 mm
in der Höhe maßen, und die entsprechenden Fernpunkte 68,7 mm von-
einander entfernt waren. Es wird nicht angegeben, daß er auf Homöo-
morphie großes Gewicht legte, und nach der Beschreibung seines Ver-
fahrens ist ein Zweifel gerechtfertigt, daß sie stets erreicht wurde. Jeden-
falls aber gelang es ihm, eine sehr befriedigende stereoskopische Wirkung
zu erzielen. Über das dabei benutzte Stereoskop wird noch weiter unten
zu handeln sein.
Diese Besprechung der verschiedenen neu vorgeschlagenen Apparate
oder Aufnahmemethoden würde aber von der Bedeutung der Stereoskopie
ein unvollständiges Bild geben, wenn man nicht auch noch betonte, wie
eifrig die alten Methoden geübt wurden. Wieder ist es England — und
nach den verschiedenen Schilderungen des Vereinslebens in diesem Lande
wird das niemand wundernehmen — wo die Ausübung der Stereoskopie
eine geradezu ideale Höhe erreichte. Man braucht nur an die wunderbaren
Aufnahmen des schottischen Photographen G. W. Wilson (als Wilson's
gems bekannt) und an die hohen Preise (das stereoskopische Glasbild
wurde mit 5 M. bezahlt) zu erinnern, um verständüch zu machen, wie
lebhaft das Interesse war. Einen guten EinbHck in die Sorgfalt, mit
der zu jener Zeit in berühmten Häusern die Stereogramme angefertigt
wurden, erhält man aus den sehr interessanten Erinnerungen des tüch-
tigen Fachphotographen J. Haemeb {4. u. 6,). Die Bemühungen, die auf
die richtige Wiedergabe der Eaum- und unter Umständen der Farben-
verhältnisse verwandt wurden, sind staunenswert. Eine weitere Bestäti-
gung des hohen Standes mancher englischen Stereoskopenfirmen liegt
darin, daß sie Anstrengungen machten — und dabei sicherlich die Kosten
nicht scheuten — , um aus den entlegensten Teilen der Erde gute Stereo-
gramme von pädagogischem Werte zu erhalten.
Allerdings stand diesem durchaus berechtigten Streben, durch Er-
höhung des stofflichen Keizes den Absatz zu vermehren, ein unberechtigtes
gegenüber, indem minder hoch stehende Geschäftsleute das weitverbreitete
Vergnügen an unsauberen Darstellungen ausnutzten, um die Forderung
nach neuen Stoffen durch anstößige Bilder zu befriedigen. Es ist ganz
begreiflich, daß diese auf die gröbste Geschmacklosigkeit berechneten
Bilder eine ihrem gemeinen Gegenstande entsprechende, rohe Technik
zeigten, und es scheinen in der Tat jene Leute, die so ihre Schweine
auf diesen zunächst noch guten Markt trieben, das heute in ähnlichen
Fällen beliebte Künstlermäntelchen nicht umgehängt zu haben. Eine
ähnUche Vergröberung erfuhren andere durchaus berechtigte Zugmittel
jener Höhenentwicklung. Da man die Feinheit der Ausführung jener
idealen Glasbilder so leicht nicht hervorbringen konnte, so schob man
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120 U- Historischer Teil.
Darstellungen unter, bei denen man die Tiefenwahrnehmung auf alle Weise
gesteigert hatte. Der Zug der Zeit kam an sich schon dieser Bestrebung
entgegen, denn die Erhöhimg des Eeliefs war auch den größten Geistern
der vorhergegangenen Epoche als etwas Erstrebenswertes an sich er-
schienen. Es läßt sich daher denken, daß man in dem Bestreben, die
Konkurrenz aus dem Felde zu schlagen, nicht leicht eine Grenze kannte,
und die Folge davon war, daß die Eeliefwirkimg zu vollkommener Un-
natur führte imd empfindlicheren Naturen den Geschmack an der Stereo-
skopie für immer verdarb. Hatten sich schließlich die vornehmen Ge-
schäfte nur an ein kaufkräftiges imd verständiges Publikum gewandt,
imd daher auch vernünftige Preise aufrechterhalten können, so mußten
die Nachahmer mit der breiten, nicht sachverständigen Menge rechnen,
was zu einer immer weiter gehenden Preisdrückung und einer ent-
sprechenden Verschlechterung führte. Es wird sich zeigen lassen, daß
derselbe Prozeß auch bei den stereoskopischen Betrachtimgsapparaten zu
verfolgen ist.
Die Betrachtungsapparate.
Die Erfindertätigkeit war auf diesem Gebiete reger als auf dem
der Vorkehrungen für die Aufnahme. Eine Idee wird anscheinend von
drei Konstrukteuren ganz unabhängig voneinander behandelt. Es spielte
dabei eine solche Anordnung eine Eolle, daß verschiedene Teile eines
einheitlichen optischen Systems für jedes der beiden Augen je eines der
beiden Halbbilder eines Stereogramms abbilden.
Zunächst erschien ein sonst ganz unbekannter Amateur . . . Schmalen-
BEROEE (1.) mit einem offenbar zufällig zusammengestellten Apparat. £r
kehrte ein gewöhnliches Papierstereogramm um und stellte es einem etwa
13 cm breiten Hohlspiegel so gegenüber, daß ein reelles aufrechtes ver-
kleinertes Bild entstand. Dieses reelle Bild des Stereogramms mußte
mit einer angenähert parallelen Eichtung der Augenachsen beobachtet
werden. Der Erfinder hob die starke Änderung der scheinbaren Größe
hervor, die sich einstelle, wenn man seinen Abstand von dem Hohkpiegel
während der Beobachtung variiere. Die Wirkung Heße sich noch ver-
bessern, wenn man ein großes Leseglas vor die Augen bringe.
Man versteht die Wirkung dieses Apparats am besten, wenn man
sich die Lage der Objektaugen vergegenwärtigt. Sie sind spiegelverkehrt
und außerdem umgekehrt. Da aber auch das Stereogramm umgekehrt
ist, so muß sich ein aufrechtes Bild ergeben, in dem nur eine Spiegel-
verkehrung übriggeblieben ist. Da sowohl die Halbbilder orthozentrisch
angeordnet sind, als auch die Stellung der Objektaugen orthopisch ist
— sie werden ja durch ein einheitlich wirkendes System hervorgebracht — ,
so muß das Raumbild orthomorph, nicht pseudomorph sein.
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4. Der Niedergang der Stereoskopie in den sechziger Jahren. 121
Erst ziemlich spät trat die Vorkelirung auf, bei der der Hohlspiegel,
durch eine Sammellinse ersetzt worden war: A. Claüdet {13.) schlug
sie 1866 auf der englischen Naturforscherversammlung vor. Hier wurde
die Linse — zur Erhöhung der Täuschung mit einer viereckigen Blendung
versehen — in einer Entfernung aufgestellt, auf die der Beobachter seine
Augenachsen richten konnte. Die Halbbilder des Stereogtamms mußten
vertauscht werden, da man ja mit gekreuzten, auf die Linsenmitte ge-
richteten Achsen beobachtete. Die Linse hatte nur den Zweck, die
Akkommodation zu verändern; doch ist ein großer Vorteil dieser Kon-
struktion nicht eigen gewesen.
Eine in gewisser Beziehung verwandte Vorrichtung brachte J. Clark
Maxwell (J.) ein Jahr später zur Kenntnis derselben Versammlung. Man
hat ein Stereogramm mit richtig angeordneten Halbbildern umzukehren
und vor ein gewöhnliches Stereoskop zu setzen, bei dem die Stereoskop-
linsen eine Brennweite von 15 cm und einen Scheitelabstand von 32 mm
haben. Eine große Linse von 20 cm Brennweite und l^/^ cm Öffnung
bildet die beiden Stereoskoplinsen überkreuzt in einer Entfernung von
etwa 60 cm so ab , daß ihre Mittelpunkte einen Abstand von 64 mm
haben. Der Beobachter kann mithin seine Augen an diese Stellen bringen.
Durch Änderung des Abstandes zwischen dem Stereogramm imd den
Stereoskoplinsen kann man die scheinbare Größe des Eaumbildes steigern
oder verringern. Man erkennt ohne Schwierigkeit, daß es sich hier um
einen Apparat handelt, der dem Claüdet sehen Stereomonoskop (s. S. 104)
verwandt ist. Er ist einfacher, weil die Halbbilder von den zugehörigen
Systemen nicht umgekehrt werden. Der Strahlengang ist von dem Er-
finder mit großer Sorgfalt geregelt worden. Das Verständnis seiner Wirkung
läßt sich durch eine Betrachtung erleichtern, die ganz der des Schmalen-
BERGEE sehen Falles entspricht.
Ein wichtigerer Vorschlag wurde 1862 von J. Czermak ( J.) in seinem
MikroStereoskop für Kehlkopfphotogramme gemacht. Er erhielt solche
Aufnahmen auf sehr kleinen Glasplatten und fertigte danach Glasbilder
an; diese vetband er je mit einer starken Lupe und vereinigte die beiden
mit den Lupen versehenen Halbbilder an einer „zirkelartig artikulierenden**
Handhabe, um so eine homöomorphe Abbildimg zu vermitteln. Abgesehen
von der imzweckmäßigen Verbindung der beiden Systeme — bei der
Anpassung an den Augenabstand mußten die Einzelbilder nachgerichtet
werden, damit die Halbbilder von Senkrechten senkrecht bheben —
scheint auch eine Variation der Konvergenz möglich gewesen zu sein,
die nach früheren Erwägungen keinen Vorteil gebracht haben kann.
Von besonders großer Eleganz war ein Verfahren des schon früher
erwähnten Photographen H. Swan {3. u. 4,), das eine kurze Zeit lang
großes Aufsehen machte und ganz unverdienterweise aus der Übung
gekommen ist. Auf einer dem Naturforschertage zu Newcastle voran-
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[.
122 II. Historischer Teil.
gehenden Abendunterhaltung wurden Miniaturbüsten bewundert, die an-
scheinend in einer Krystallsäule von etwa 2^/^ cm Breite und 5 cm Höhe
äußerst zierlich eingebettet schienen. Das Verfahren war dabei das folgende :
Von einer Person wurde ein stark verkleinertes Stereogramm der Büste
aufgenommen und danach Diapositive angefertigt. Diese Glasbilder wurden
an zwei rechtwinkligen Prismen angebracht. Dabei mußte aber beachtet
werden, daß das eine Diapositiv spiegelverkehrt wurde, damit nach der
Spiegelung an der dünnen Luftschicht zwei zusammengehörige Diaposi-
tive auf die Augen des Beschauers wirkten. Die Anordnung der Halb-
bilder war so getroffen worden, daß die Büste in das Innere der Glas-
^-^ y-^v. säule verlegt wurde (Fig. 67). Wie aber jedes der
V\" ^1 Halbbilder nur einem Auge sichtbar gemacht wurde,
' das erklärte der verdiente G. Shadbolt (^.) in einem
Leitartikel des damals noch von ihm herausgegebenen
Fachblattes The British Journal of Photography mit
Hilfe der hier wiedergegebenen Zeichnung. Man sieht
ein, daß wenigstens für die Mittelstrahlen h'z,hz
die totale Reflexion an der dünnen Luftschicht die
^ ^Jc Sonderung der von den beiden Halbbildern aus-
j,. gy gehenden Strahlen für die beiden Augen herbeiführt.
Zu G. 8HADBOLT8 (;9.) Er- H. SwAN (5. 237,) hat später merken lassen, daß
kiärimg der swANschen ^^^^ Sonderung für die Seitenteile des Bildes nicht
ganz erreicht werden konnte. Nach dem Schlußabsatz
des hier berücksichtigten Artikek scheint es, als sei außerdem die Pris-
menbegrenzung so gewählt worden, daß sie jedem Auge störende Strahlen
des unrichtigen Halbbildes abblendete. Bei der Betrachtung der Figur
sieht man auch, daß das Bild von Ä' mit einseitigen Farbensäumen in-
folge der Brechung an ij behaftet sein muß. Der EfEekt wird aber nicht
zu störend gewesen sein, da jene Brechung nur gering war.
In der nun bald folgenden Zeit, wo das Interesse am Stereoskop in
der Abnahme begriffen ist, hört man von den Swan sehen Miniaturbüsten
nichts. Nur im Anfang der siebziger Jahre erwähnte der Erfinder (6.)
eine Verbesserung seines Verfahrens, wodurch störende Reflexe beseitigt
worden seien. Aber das blieb auch trotz seines Versprechens, Näheres
zu veröffentlichen, die letzte Mitteilung über diesen Gegenstand.
Bevor dieses Thema verlassen wird, sei noch darauf hingewiesen,
daß hier in der dünnen Luftschicht ein Mittel gegeben war, einer und
derselben Einfallsrichtung zwei Austrittsrichtungen, die des durchge-
lassenen und die des reflektierten Strahls, zuzuordnen. M. von Rohe
(7. 418.) hat darauf aufmerksam gemacht, daß diese Einrichtung, der
Swan sehe Würfel, bald darauf von F. H. Wenham (s. S. 115) und später
von E. Abbe für das binokulare Mikroskop benutzt wurde.
An dieser Stelle sei auch eine Idee besprochen, die zwar nicht
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4. Der Niedergang der Stereoskopie in den sechziger Jahren. 123
eigentlich zu dem Thema der Stereoskopie gehört, aber ihm doch ver-
wandt ist, nämlich die Betrachtmig eines einfachen Bildes mit beiden
Augen. In den fünfziger Jahren war bereits von verschiedenen Autoren
die Frage aufgeworfen worden, ob man nicht von identischen Bildern
im Stereoskop einen Vorteil haben könne, und man kann auch auf die
Jugendzeit der Stereoskopie zurückweisen, wo C. Th. Toürtual (s. S. 44)
den Nachweis geliefert hatte, daß man in dem Wheatstone sehen Stereo-
skop sehr wohl einen richtigen Tiefeneindruck erhalten könne; man
müsse sie nur zweckmäßig neigen, nämlich so, daß ihre Projektionen
auf die „Horopterflächen" verschieden ausfielen. Diesen mit so schöner
Klarheit vorgetragenen Ideen war der Vorschlag von J. B. Donas ver-
wandt gewesen, wie er auf S. 89 geschildert worden ist. Ein gleiches Ziel
steckte sich der Londoner Ophthalmologe Th. Wharton Jones (i. u. ^.),
der die Betrachtung von Einzelbildern durch konkave Zylinderlinsen
vorschlug, um durch die in beiden Augen für verschiedene Bildpunkte
verschieden starke Prismenablenkung einen stereoskopischen EfEekt zu
erhalten. Er gab seinen Linsen eine Bezeichnung, die einen Chemiker
erfreut hätte (moniconostereoscopic glasses), scheint aber nicht einmal die
Frage aufgeworfen zu haben, was man gegen den durch die Zylinder-
fläche eingeführten Astigmatismus tun solle. Für die Betrachtung von
Photogrammen schlug er auch noch vor, solche Gläser vor die Okulare
eines Doppelfernrohrs zu setzen. Er näherte sich auf diese Weise ein
wenig der etwas früher veröfEentlichten Idee Fr. de Zinellis, von der
M. VON Rohr (5. 364.) ausführlich gehandelt hat. Es ist wohl ganz
zweifellos, daß Th. W. Jones die Tiefendeutung auf Kosten der Tiefen-
wahrnehmung hervorhob; allerdings fehlte diese auch nicht ganz, aber
sie hatte zu dem Gegenstande des so betrachteten Bildes auch nicht
die geringste Beziehung, wie die englischen Fachzeitschriften bei der
Besprechung der Jones ischen Einführungsschrift sehr deutlich hervor-
hoben. Hier sei besonders auf die musterhaft sachliche Beurteilung hin-
gewiesen, die die Zeitschrift „The Photographic News'' brachte, ein
Wochenblatt, an dem W. Crookes so viel Interesse nahm, daß er 1858
sein Redakteur geworden war. Der Referent faßte seine Meinung in
knappen Worten dahin zusammen, daß nur die Fläche der Zeichnung
ein ReHef erhalte.*)
Von größerer Bedeutung für die Allgemeinheit waren die Bestrebungen,
die bekannten Stereoskopformen leistungsfähiger zu machen.
Man begegnet dabei zunächst Th. Sutton (4.), der das Wheat-
STONEsche Spiegelstereoskop mit Zusatzlinsen für große photographische
*) „The effect of the glasses will be to throw ihe surface an which the
tfpicture is in relief, making it appear as if painted an the inside or outside
„of a curved aurface/*
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124 II. Historischer Teil
Papierkopien empfahl. Er wählte Bilder von 10 cm im Quadrat, die
durch Plankonvexlinsen von 18 cm Brennweite betrachtet wurden. Die
Planspiegel wurden so groß gewählt (9 : 9^/^ cm), daß sie das Gesichts-
feld nicht beschränkten, doch mußte man beim Gebrauch darauf acht-
geben, daß die Halbbilder von den Spiegeln nicht in störender Weise
beschattet wurden.
ÄhnUche Schwierigkeiten ergaben sich bei der Modifikation des
Spiegelstereoskops, wo eines der horizontal gelegten Bilder oben, eines
unten angebracht wurde. Eine entsprechende Anordnung war übrigens
bereits von J. Duboscq (s. S. 63) vorgeschlagen worden.
Wenn Th. Sutton bei dieser Gelegenheit auch noch zwei Panoramen-
stereoskope vorschlug, so hat er selbst wohl kaum auf ihre Aufnahme
in weiteren Kreisen gerechnet; ihm war es dabei anscheinend mehr darum
zu tun, die Leistungen seines soeben erfundenen Glas -Wasser -Objektivs
(jKinoramic lens) auch diesen Kreisen rühmend vorzuführen.
Ungleich wichtiger aber waren die auf das gewöhnhche Linsen-
stereoskop gerichteten Verbesserungsbestrebungen, deren Beginn ja schon
in dem vorigen Abschnitte geschildert worden war. Sie wurden in dieser
Periode von der höheren Schicht der Liebhaber eifrig fortgesetzt und
fanden einen angemessenen Ausdruck in einem Artikel, der offensichtlich
dem auf so vielen Gebieten rühmlich bekannten Astronomen Ch. Piazzi
Smyth (i.) zuzuschreiben ist. Danach war bereits um 1864 ein Linsen-
stereoskop ohne Prismenwirkung in weiteren Kreisen sehr behebt. Es
war mit achromatischen Betrachtimgssystemen von 12,5 cm Brennweite
ausgestattet, deren Abstand auf 67,3 mm bemessen war. Achromatische
Linsen mit Prismenwirkung zog der Berichterstatter zu jener Zeit aller-
dings noch vor; man müßte ihnen eine längere Brennweite von 14 cm
geben, und sie hätten den Vorteil, die Vereinigung von Halbbildern mit
einem größeren Abstände der Fernpunkte zu ermöghchen, als das bei
der ersten Form angängig sei. Er ist aber nach späteren Äußerungen
(5,) doch zu der zentrischen Benutzung der Betrachtungslinsen überge-
gangen, oder, mit anderen Worten, er hat das BEEWSTEEsche Prismen-
stereoskop zugunsten des Wheatstone sehen Linsenstereoskops aufgegeben.
Nach derselben Richtung zielten auch die Vorschläge, die H. Helm-
HOLTZ (^. 679.) in einem gegen Ende des Jahres 1866 veröffentHchten
Stereoskop verwirkUchte. Er hatte, als er mit den Stereogrammen des
Handels Versuche anstellte, das Bedürfnis empfimden, den Betrachtungs-
apparat den Bildern anzupassen, namentlich auch um die häufig vor-
kommenden Höhenfehler auszugleichen. Ein Instrument, das er von dem
Berliner Optiker J. öetling erhielt, war offenbar nach den einfachen Vor-
schlägen J. DuBoscQs konstruiert und zeigte zwei drehbare Halbhnsen.
H. Helmholtz ging über diese Anordnung weit hinaus und kam zur
Anwendung von vollständigen Linsen, also zu der Wheatstone sehen
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4. Der Niedergang der Stereoskopie in den sechziger Jahren. 125
Idee, wofür ihm aber nur eine Vorgängerschaft von A. Claudet (s. S. 84)
bekannt war. Die von ihm benutzten Betrachtungssysteme waren in
einer ihm eigentümlichen Weise je aus zwei Einzellinsen von 12 und
18 cm Brennweite zusammengesetzt, gestatteten also nach Entfernung
des imteren Linsenpaares, das Stereoskop auch mit einer geringeren
Vergrößerung zu verwenden. Abgesehen von der horizontalen VerschiebHch-
keit der Linsensysteme hatte er auch eine Vertikalverstellung vorgesehen,
um Höhenfehler in den Stereogrammen ausgleichen zu können. Es war
das ein Prinzip, das bereits zu demselben Zwecke von Ch. Wheatstonb
(s. S. 68) veröffentlicht worden war.
Ziemlich gegen den Ausgang des vorliegenden Jahrzehnts machte
der damals wohlbekannte Fachphotograph W. Hardinq Warner (i.) den
Versuch, ein anderes Format für das stereoskopische Halbbild ein-
zuführen. Er wählte als Ausmaße T^/g cm in der Breite und IS^/g cm
in der Höhe und schlug ziemlich stark prismatisch wirkende Betrachtungs-
linsen mit Brennweiten von 18 cm und darüber vor. Wenn er den
Träger mit diesen größeren Halbbildern als fanoramisches Stereogramm
bezeichnete, so muß doch darauf hingewiesen werden, daß die so erreichte
Steigerung des Gesichtsfeldes fast ausschüeßlich dem Höhenwinkel zu-
gute kam. J. H. Warner {2.) sprach noch einige Jahre später über
dasselbe Thema und teilte mit, daß er solche Instrumente von den
Firmen Murray & Heath und ö. Hare habe ausführen lassen. Trotz des
angenehmer wirkenden Formats scheint aber auch diesem Versuch, das
BREWSTERsche Prismenstereoskop wieder aufleben zu lassen, der Erfolg
versagt geblieben zu sein.
Auch in Amerika war das Interesse am Stereoskop groß, imd man
suchte den allmählich eintretenden Mangel an Teilnahme schon früh zu
heben; so liest man von einem Apparat mit achromatischen Betrachtungs-
systemen, den E. Emerson im Jahre 1861 vorschlug, doch ist eine genaue
Beschreibung vorläufig noch nicht zu beschaffen gewesen. Es scheint
sich dabei um horizontal verschiebbare, achromatische Halblinsen mit
Prismenwirkung gehandelt zu haben.
Einen guten Griff tat aber einige Jahre später, in der Zeit des
entschiedenen Verfalls, der seinerzeit geschätzte Feuilletonist Oliver
Wendell Holmes. Die Dürftigkeit der hier benutzten Quellen gibt über
seine Beschäftigung mit diesem Problem so gut wie nichts, und es war
nicht viel mehr darüber zu ermitteln als eine redaktionelle Notiz in
dem Fachblatt The British Journal of Photography, daß das sogenannte
amerikanische Stereoskop auf 0. W. Holmes zurückzuführen sei. Es ist
nicht ganz sicher, ob die hier gegebene Schilderung mit der Ursprung*
Uchen Form des Instruments übereinstimmt, in der späteren Zeit ist es
bekannt geworden als ein mit einfachen prismatischen Linsen versehenes
Stereoskop mit einem Schyrl sehen Schirm ohne eigentlichen Körper,
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126 II. Historischer Teil.
also zur Betrachtung von Papierbildern im auffallenden Licht besonders
geeignet. Die Einstellung geschah durch die Verschiebung der Bildebene.
Alle diese Einrichtungen waren an sich zweckmäßig und auf eine Her-
stellung in großen Massen berechnet. Gewiß hatte man sich, wie das im
Zug jener Zeit lag, allmählich mehr und mehr von der Erzielung eines
homöomorphen Eaumbildes entfernt, aber immerhin stand doch die
durchaus zweckmäßige allgemeine Einrichtung des billigen Instruments
turmhoch über den Schundsteroskopen der Alten Welt. Kein Wunder,
daß sich für diese, das Ideal sicherlich nicht erreichende Einrichtung
bei dem urteilslosen Publikum ein gewisses Interesse erhalten konnte.
In Europa hatten betriebsame Geschäftsleute schon längst die Her-
stellung von Stereoskopen begonnen, die sich würdig den Stereogrammen
anreihten, über deren Verwilderung nach der stofflichen und der tech-
nischen Seite oben geklagt worden war. Diesen Instrumenten fehlte zur
Brauchbarkeit so gut wie alles. Die chromatischen Linsen waren schlecht
ausgeführt, zu klein, unzweckmäßig gestellt und häufig so eingesetzt,
daß sich grobe Höhenfehler ergaben. Dem Stereoskop fehlte die Ein-
stellungsvorrichtung und die MögUchkeit, die Linsen zu trennen. Um
die aus der starken Prismen Wirkung folgende Verzeichnung möglichst
zu verdecken, waren die Brennweiten so lang gewählt, daß die im
Stereoskop betrachteten Bilder unverhältnismäßig klein (allerdings auch
tief) erschienen. Anlockend war bei diesen Triumphen des durch keinerlei
Sachkenntnis gehemmten Schachergeistes einzig der niedrige Preis, und
er zog allerdings für eine Zeit die Käufer an. Allmählich aber wurde
dieser Eaubbau auf dem allerdings sehr ertragreichen Felde des öffent-
lichen Interesses doch zu arg, und die Anteilnahme des Publikums an
den schlechten Instrumenten und den noch schlechteren Bildern ließ
deutlich nach. Der Bankbruch des Wahlspruches „billig und schlecht**
traf aber bei der allgemeinen Verstimmung und Entrüstung auch die
Vertreter ehrenhafter Grundsätze, und so kam es, daß in den letzten
Jahren dieses Zeitraums die Stereoskopie beim großen PubUkum mehr
und mehr in Mißachtung geriet, ja verschwand. Zuerst wanderten wohl
in England die Stereoskope, die vor kurzem noch zu dem eisernen Be-
stände des Empfangszimmers gehört hatten, in die Rumpelkammer,
doch auch in Frankreich und in Deutschland erlosch — dem späteren
Anfang entsprechend etwas später — das allgemeine Interesse an diesen
Instrumenten gründüch. Es ist ganz verständHch, daß auch der Nach-
wuchs der Amateurphotographen davon stark beeinflußt wurde, und so
kam es, daß in den siebziger und den achtziger Jahren in weiteren
Fachkreisen kaum noch von Stereoskopie die Rede war.
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4. Der Niedergang der Stereoskopie in den sechziger Jahren. -127
Die theoretischen Ansichten*
Es stimmt mit dem allmählichen Erlöschen des Interesses an diesen
Erscheinungen überein, daß sich in dem vorliegenden Zeitraum nicht
viele neue Wissenschafter hervortun. Fast ausnahmslos begegnet man
den Namen aus dem vorhergegangenen Jahrzehnt. Die strenge Wissen-
schaft beschäftigte sich mit den Apparaten kaum mehr, für sie erregte
hauptsächlich die — hier nicht behandelte — Lösung physiologischer
und psychologischer Probleme Interesse.
So tritt denn noch einmal der alte Kämpe A. Claudet {12m)
auf, als er 1860 bei der Oxforder Tagung der englischen Naturforscher
ein Telestereoskop in natura vorführte. Es war ein Opernglas, das er
zunächst dazu benutzte, um an den verhältnismäßig nahen Objekten
der Zuschauerreihen seines Auditoriums den Gegensatz der porrhallak-
tischen Wirkung zu zeigen, je nachdem man von der Okular- oder von
der Objektivseite hineinsah. Schaltete man aber vor die Objektive zwei
Reflexionsprismen, deren Wirkung die war, den Objektivabstand zu ver-
größern, so erhielt man nach seiner Ansicht eine richtige Tiefenwirkung.
Man tut ihm wohl nicht imrecht, wenn man sich nach diesen Äuße-
rungen den Weg, auf dem er zu seinem Resultat gelangt war, in fol-
gender, auch schon von W. Haedie (3.) angedeuteter Weise rekon-
struiert. Die Wirkung des einfachen Spiegeltelestereoskops erschien ihm
— fälschlicherweise — porrhallaktisch, denn so weit ging die Sicherheit
seiner Entfernimgsauffassung doch nicht, daß sie den in diesem Instru-
ment auftretenden Zwiespalt zwischen einäugigem und beidäugigem Sehen
einseitig zugunsten des Letzterwähnten entschieden hätte. Blieb also ein
Rest dieser — trügerischen — porrhallaktischen Wirkung in Gestalt
übertriebener Tiefenanschauung übrig, so konnte er durch die richtig
festgestellte Porrhallaxie des vergrößernden Doppelfernrohrs aufgehoben
werden. Ganz rätselhaft aber bleibt es, warum dieser erfolgreiche Ver-
treter der wissenschaftlich interessierten Photographen nicht auf das
kurz vorher veröffentlichte ÜELMHOLTzische Telestereoskop zu sprechen
kam. Dessen Priorität konnte er ja mit gutem Grunde bestreiten und
so das Interesse an seinem Vortrage erhöhen.
Noch in seinem letzten Lebensjahre beschäftigte er sich mit seinem
Lieblingsthema, und zwar beschrieb er {14.) ein Experiment, das in
hübscher Weise die Genauigkeit der stereoskopischen Wahrnehmung
illustrierte. Er nahm dazu ein in jener Zeit beliebtes Spielzeug, ein
Thaumatrop, Man versteht darunter ein längliches, auf der Vorder- und
Rückseite mit Zeichnungen versehenes Pappstück, das um die lange
Mittellinie der einen dieser beiden Seiten als Achse in Umdrehung ver-
setzt werden kann, so daß die Zeichnungen auf beiden Seiten den Augen
in rascher Folge sichtbar werden. Da die Eindrücke eine Zeitlang auf
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128^ II. Historischer Teil.
der Netzhaut bestehen bleiben, so sieht man beide Zeichnungen gleich-
zeitig. Stellt beispielsweise die Vorderseite einen Käfig, die Rückseite
einen Vogel dar, so scheint sich bei der Rotation der Vogel in dem
Käfig zu befinden. In einem solchen Thaumatrop hatte A. Claudbt
deutlich wahrnehmen können, daß die Marken der Vorderseite ihm näher
waren als die der Rückseite, und er war über eine solche Genauigkeit
der Ortsbestimmung erstaimt; denn da der Abstand des Thaumatrops
von seinen Augen 38 cm betragen hatte, und die Dicke des Kartons
nur 0,32 mm gewesen war, so hatte er noch einen Entfernungsunter-
schied von ^/i2oo ^^^ Abstandes wahrnehmen können. Diese überraschende
Genauigkeit erklärte er durch die Doppelbilder der nicht fixierten
Markenreihe; man wird aber wohl besser auf die von E. Heeing (i.)
gegebene Erklärung der Schärfe der Breitenwahrnehmung zurückgehen.
Berechnet man aus den angegebenen Daten ganz in der HBLMHOLTzischen
Weise das angulare Maß der Breitenwahrnehmung, so kommt man
wenn man für A. Claudet einen Augenabstand von 63,6 mm annimmt,
zu einem Betrage von 28",7, was überraschend gut zu dem Werte von
30", 4 stimmt, der sich aus den Versuchsergebnissen von H. Helmholtz
ableiten läßt. Dabei muß noch bemerkt werden, daß es sich in beiden
Fällen sicherlich um Messungen handelt, deren Umstände nicht darauf
gedrängt hatten, die Genauigkeit bis zu der äußersten Grenze zu treiben.
Auch die letzten hierher gehörigen VeröffentHchungen H. W. Doves
fallen in diese Zeit. Er berührte nacheinander die verschiedenen Gebiete,
auf denen er vorher so erfolgreich gearbeitet hatte. An seine einfachen
und doch so wirksamen stereoskopischen Apparate erinnerte die Ver-
wendung, die er für das Stereoskop zur Feststellung der Identität zweier
die Halbbilder vertretenden Darstellungen vorschlug. Dabei schloß man
ganz im Sinne Sir David Bkewstees (s. S. 48) aus der Abwesenheit
jedes ReHefs auf die Identität der beiden verglichenen Objekte. Schon
früher hatte er {14.) diese Methode zur Erkennung gefälschter Kassen-
scheine empfohlen, und jetzt benutzte er {15. u, 17.) sie zum Nachweis
der durch die elastischen Eigenschaften verschiedener Metalle bedingten
Formänderungen geschlagener und gegossener Medaillen. Legte man zwei
von derselben Matrize stammende Exemplare aus verschiedenem Metall
in das Stereoskop, so zeigte die Wölbung des darin erscheinenden Bildes
sehr deutlich jene Verschiedenheit an.
Auch auf die ,, flatternden Herzen** kam er {16.) zu sprechen
und führte diese Erscheinung auf die verschiedene Entfernung zurück,
in die die Augen infolge ihrer Chromasie verschiedenfarbige Bilder legen.
Auch eine Vorrichtung zur Anstellung von Glanzversuchen veröffentHchte
er {18.) noch, aber dann scheint sein Interesse an diesem Gegen-
stande zu erlöschen, und er begegnet {19.) dem Leser nur noch ein-
mal gegen den Ausgang dieses Jahrzehnts, wo er auf die große Be-
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4. Der Niedergang der Stereoskopie in den sechziger Jahren. 129
deutung psychologischer Momente für die Beurteilung des Gesehenen
hinwies.
In einem gewissen Zusammenhange mit H. W. Dove stand
O. N. EooD, der häufig in seinem Streit mit Sir David Beewstbr die
Partei H. W. Doves nahm. Doch lag 0. N. Eoods Arbeitsgebiet gar zu
sehr auf der Seite physiologischer Forschimg, um in dieser Darstellung
vollständig behandelt zu werden, wenngleich manche Grenzgebiete auch
hier interessieren. NamentHch in den Experimenten über den Glanz folgte
er. H. W. DovE, und er wiederholte auch, sicherHch ohne Kenntnis dieser
Vorgängerschaft, einige Versuche J. J. Oppels über das GHtzern. Ein
im Anschluß an die Sang sehen Kunststereogramme lebhaft aufge-
nommenes Problem beschäftigte auch ihn (i.), nämhch die Lösung
der Frage, wie man zu einer gegebenen Perspektive eines bekannten
Objekts das zugehörige Halbbild entwerfen solle. Das dafür vorge-
schlagene Verfahren erfordert, da bereits auf die verschiedenen Vorgänger
hingewiesen worden ist (s. S. 105), keine besondere Besprechung.
Recht bemerkenswerte Ansichten äußerte 1861 der auf dem
Gebiete der binokularen Mikroskopie so ausschlaggebende Ingenieur
F. H. Wenham (7.). Er plante ein Doppelmikroskop mit parallel mon-
tierten Tuben zu dem Zwecke, Abweichungen in ebenen Darstellungen
— er dachte u. a. an gefälschte Warenzeichen — durch das Auf-
treten von Niveaudifferenzen in dem Raumbilde zu entdecken. Es war
offenbar die Idee H. W. Doves (s. S. 91), mit stark vergrößerten Bildern
durchgeführt. Er machte Versuche mit zwei entsprechend montierten
einfachen Linsen von 6^/2 cm Brennweite imd war damit imstande, an
einzelnen Briefmarkenpaaren ein büstenartiges Heraustreten des Kopfes
festzustellen. Allem Anscheine nach ließ er aber die vielversprechende
Idee liegen.
Auch Th. Sutton findet sich in diesem Zeitraum durch einige Ar-
beiten vertreten. Sie bezogen sich beide auf Themata, die schon früher
von ihm behandelt worden waren. In dem ersten der beiden Artikel
kam er [3.) auf die Wiedergabe von nahen Gegenständen bei einer
Parallelcamer^ zu sprechen und wies — allerdings in einer etwas um-
ständlichen Art — nach, daß solche Gegenstände in einem richtig kon-
struierten Stereoskop durchaus nicht in unendHcher Entfernung, sondern
in ihrem i?*atürlichen Abstände erscheinen würden. Als richtig konstruiertes
Stereoskop erschien ihm ein solches ohne Prismenwirkung, also ein
WHEATSTONEsches Linscnstcreoskop, mit Betrachtungssystemen von der
Brennweite der Aufnahmeobjektive. Eine gewisse Schwierigkeit bereitete
ihm dabei nur der Fall, daß Beobachter mit einem kleineren Augen-
abstande ein solches Stereoskop benutzen wollten.
Auf diesen Punkt kam er (6.) in einer späteren Arbeit zurück,
die sich gegen die von E. Emeeson gemachten Verbesserungs vorschlage
V. Bohr, Binokulare Instrumente. 9
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130 II. Historischer Teil.
richtete. Hier stellte er sich ganz auf den Boden seiner früher (s. S. 100)
besprochenen Arbeit, wo er unter der stillschweigend gemachten An-
nahme einer vollkommenen Abbildung durch die ganze Linsenöffnung
natürlich auf jede seitliche Verschiebung der exzentrisch benutzten
Linsenteile verzichten konnte. Man wird wohl zugeben können, daß bei
aller theoretischen Richtigkeit der Sutton sehen Ansichten jene Voraus-
setzung bei stark abweichenden Augenabständen doch nicht mehr erfüllt
war, und also die EMEESONsche Lösung der Schwierigkeit (s. S. 125)
praktische Vorteile bot.
Von den neuen Namen, die sich in dieser Periode des Niederganges
?üit dem Studium des Stereoskops verbanden, gehört einer dem eng-
lischen Sprachgebiete an. Das ist der des noch lebenden Altmeisters der
geometrischen Optik, des Ingenieurs Robbet Henry Bow. Auf ihn ist
zunächst ein Vortragszyklus (i.) zurückzuführen, der in der damals sehr
rührigen Edinburgher photographischen Geselkchaft gehalten wurde.
Auch hier war der Niedergang des Interesses an dem einst so populären
Instrument aufgefallen, und man sah um so lieber ein angesehenes Mit-
glied des Vereines dieses Thema behandeln.
Die stereoskopische Wahrnehmung kommt ihm mittels der Augen-
bewegungen zustande, und die Innervation der Augenmuskeln gibt dem
Beobachter einen Anhalt über die Entfernung der Objekte. Die Lehre
von dem Horopterkreise war dem Vortragenden bekannt, und auch ihm
bereitete es eine außerordentliche Schwierigkeit, die fortwährende Be-
wegung der Augenpupillen beim direkten Sehen in eine strenge Beziehung
zu den perspektivischen Konstanten eines Stereogramms zu setzen. In
Wirklichkeit könne doch nur der unmittelbar fixierte Bildteil stereo-
skopisch gesehen werden. — Daß die Gemeinschaft der Punkte des
Raumbildes aber perspektivisch Hege zu den beiden Augendrehungs-
punkten, diese schon J. J. Oppel bekannte Lehre wurde von R. H. Bow
nicht entwickelt, weil er gar zu streng an der Strahlenbegrenzung durch
die Augenpupillen festhielt. — Betrachte man ein Stereogramm ohne
Zwischenschaltung von Stereoskoplinsen, so mache Weitsichtigen die
Trennung von Akkommodation und Konvergenz meSßtens größere
Schwierigkeiten. Der Kurzsichtige aber, der auf 10 — 11^/^ cm akkommo-
dieren könne, habe dann einen viel besseren Eindruck, als er ihm durch
irgend ein Instrument zu vermitteln sei. Nach einer längeren Behandlung
der optischen Einrichtung des Menschenauges und der perspektivischen
Verhältnisse wird auch die große Bedeutung betont, die die auch der
unokularen Betrachtung zugänglichen Momente der Tiefendeutung auf
die richtige Auffassung eines Stereogramms haben. Deren Bedeutung
ginge so weit, daß man aus zwei identischen Bildern einer Landschaft
im Stereoskop eine ganz gute Vorstellung der Gegend erhalten könne. —
Betrachte man die Halbbilder aus unrichtiger Entferij.ung, so daß die
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4. Der Niedergang der Stereo8kopie in den sechziger Jahren. 131
Gesiclitswinkel verändert würden, so gingen die Änderungen in der Per-
spektive der einzelnen Halbbilder und die der stereoskopischen Tiefen-
wabrnehmung Hand in Hand, was sich durch Versuche auch nachweisen
lasse. Man müsse daher die gleichen Gesichtswinkel herbeiführen, die
bei der Aufnahme galten, imd zu diesem Zwecke Betrachtungssysteme
von der Brennweite der Aufnahmelinsen, also meistens ll^/^cm, benutzen.
Eigentlich sollte dabei die Pupille die Blende abgeben ; da sie sich aber
beim Betrachten bewege, so werde der günstigste Augenort der Linse
etwas näher liegen müssen. — Auch aus diesen Überlegungen eines
Mannes von erprobter Fähigkeit in der Lösimg optischer Probleme geht
hervor, wie schwierig es war, aus der Kenntnis von der Wichtigkeit des
Augendrehungspunkts die Forderungen für eine zweckmäßige Konstruk-
tion von Lupen abzuleiten. — Bei dem Bau eines Stereoskops solle
man aber möglichst von der Prismenwirkung exzentrisch benutzter Linsen
absehen; man führe dadurch nur eine Verzeichnimg ein, die sich im
stereoskopischen Raumbilde als Tiefenfälschimg äußere. — Vergrößere
man den Abstand der Aufnahmeobjektive auf den k-fachen Betrag des
Augenabstandes, so seien die geometrischen Bedingungen für die Wahrneh-
mung eines k-fach verkleinerten Modells gegeben, doch mache man bei
der Auffassung des Raumbildes ein Kompromiß mit der Erfahrung.
Er ivenigstens könne ein mit einem Objektivabstande von 30 cm auf-
genommenes bekanntes Objekt nicht beinahe 5 fach verkleinert auffassen.
Bei den Aufnahmen solle man nicht gar zu nahe und gar zu ferne Ge-
genstände in ein und dasselbe Bild kommen lassen; es empfehle sich
vielmehr, einen Minimalabstand vom 10- bis 20 fachen des Objektiv-
abstandes einzuhalten. WirkUche Naturtreue erhalte man indessen nur,
wenn dieser Objektivabstand der Augenentfemung gleichkomme. Aller-
dings ergäben sich dann nur sehr wenig verschiedene Bilder, die von
identischen Kopien kaum zu unterscheiden wären, wenn es sich um
etwas weit entfernte (Jegenstände handele. Es schade übrigens nichts,
wenn man je(j!es Halbbild auf der Außenseite größer lasse; ähnUches
finde auch in der Natur statt, da die Nase auch die Innenseite des
unokularen Gesichtsfeldes beschränke.
Derselbe Autor (i.) bemerkte kurz darauf, daß Sir David Bebwster
in einem Beitrage zu einer Enzyklopädie aus dem Jahre 1860 der Ver-
größerung der Aufnahmebasis eine einseitige Übertreibung der Tiefen-
verhältnisse zugeschrieben habe, während er die wirkliche Folge eines
solchen Vorgehens in seinem Buche vom Jahre 1856 ganz richtig schil-
dere. Sir David Brewstbr ist damit trotz seiner früheren richtigen
Ansichten in den gleichen Fehler verfallen, den vor ihm W. Hardib und
A. Claudet (s. S. 127) gemacht hatten und der nachher anscheinend von
H. Hblmholtz (s. S. 87) begangen wurde.
Sehr bald danach forderte der leitende Herausgeber des wichtigsten
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132 n. Historischer TeU.
englischen Fachorgans (The British Journal of Photography), nämlich der
soeben nach London berufene Schotte J. Teaill Taylor, seinen von der
Edinburgher Gesellschaft her wohlbekannten Landsmann E. H. Bow
zu einer Reihe von erläuternden Artikeln über das Stereoskop auf, und
R. H. Bow {2,) entsprach dem Verlangen.
Das Hauptgewicht legte er auf die Feststellung des Umstandes,
daß die Größe der Konvergenz keinen bedeutenden Einfluß auf die
Bestimmung der Entfernung des im Stereoskop wahrgenommenen Gregen-
standes habe. Er führte dafür eine ganze Reihe von Beweisen an. So
sei die Änderung nur geringfügig, die man empfinde, wenn man die
Außenwelt mit nur einem freien Auge betrachte, während das andere
durch ein Prisma blicke, das eine Ablenkung von etwa l^/g Grad er-
gäbe. In dem Brbwstee sehen Stereoskop könne man die Bilder aus-
einanderziehen, ohne wesentHche Änderungen wahrzunehmen. Bei der Be-
trachtung von Halbbildern mit divergenten Blicklinien — er konnte
ähnlich wie J. J. Oppbl eine Divergenz von 7*/^ Grad erreichen — fasse
man das Raumbild nicht besonders weit entfernt auf. Zwei mit ge-
kreuzten Blickrichtungen betrachtete Münzen gäben ein Vereinigungsbild,
das nicht so klein erscheine, als man annehmen sollte, wenn es im
Kreuzimgspimkte der BHckrichtimgen aufgefaßt würde. Die von Sir
David Brbwstbr vorgeschlagenen Versuche mit Tapetenbildern ,und
Marken vom Rohrstuhlgeflecht fielen für ihn nicht überzeugend aus.
Wende man nun den auf diese Weise belegten Leitsatz auf das Stereo-
skop an, so komme man leicht zu dem Ergebnis, daß man im Stereo-
skop die Gregenstände da sehe, wo man sie nach der Erfahrung erwarte.
Das Relief werde dabei nach denselben Regeln erhöht oder gemindert,
die auch für die Perspektive der Halbbilder maßgebend seien. Eine ge-
naue Feststellung des Ortes der beidäugig gesehenen Gegenstände sei
auch im Doppelfernrohr schwierig, auch dort sähe man die Gegenstände
meistens nicht größer sondern näher. Gehe man nun auf das gewöhnlich
gebrauchte Brbwstbr sehe Stereoskop ein, so sei die Verlegung homologer
Bildpunkte infolge der Prismenwirkung bestimmt durch die Exzentrizi-
täten beider Augen gegen die Linsenmitten, also für kleine Augen-
abstände beträchtlicher als für große. Da man nun lerne, mit immer
kleineren Exzentrizitäten auszukommen, so solle eine Vorrichtung, um die
Linsen einander zu nähern und voneinander zu entfernen, am Stereo-
skop vorhanden sein. Nehme man an, daß die beiden Fernpunkte auf
dem Stereogramm einen Abstand von 76,2 mm erhalten, und daß die
nächsten Punkte des aufgenommenen Objekts in einer Entfernung lägen,
die dem 20 fachen des Augenabstand es gleich sei, so komme man auf
die Forderung einer Verschiebungsmöglichkeit der beiden Halblinsen, die
so weit reiche, daß sie alle Lagen zwischen 57 und 83 mm Entfernung
annehmen könnten. Da die Stereoskoplinsen die Halbbilder im Unend-
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4. Der Niedergang der Stereoskopie in den sechziger Jahren. 133
liehen erscheinen ließen, so werde durch das BREWSTERsche Stereoskop
das Schwanken des Raumbildes bei Kopfbewegungen sehr vermindert.
Beim Aufkleben der Halbbilder seien namentlich die Höhenfelder sorg-
fältig zu vermeiden. In der Artikelreihe ist schließlich noch ganz be-
merkenswert die Methode, für die schematischen Stereogramme die
Zeichnungsebene stets zwischen Objekt und Augen anzunehmen, um den
Charakter der Photogramme als Perspektiven deutlicher hervortreten zu
lassen. Auf dieses den modernen Anschauungen schon sehr nahe kommende
Vorgehen R. H. Bows hat M. von Rohr (5. 335.) ausführlicher hinge-
wiesen. Femer sei hervorgehoben, daß der Verfasser in dieser Arbeit
auch die Brille als stereoskopisches Instrument behandelte und nament-
lich vor der Schädlichkeit eines merkbaren Höhenfehlers warnte.
Bei dieser recht bemerkenswerten, auch auf die Physiologie des
Sehvorganges eingehenden Arbeit hat die Vergleichung des im Stereoskop
erscheinenden Raumbildes mit der Natur gefehlt. Eine ziemlich resignierte
Stimmung spricht aus ihr, wie ja überhaupt hier, anders als in dem
vorhergehenden Aufsatze, die Frage der Homöomorphie kaum gestreift
wurde. Die ganze Anlage der Arbeiten aber gibt Zeugnis von einer
sehr bemerkenswerten Fähigkeit für die Behandlung solcher verwickelten
Probleme, und man bekommt einen guten Eindruck von dem geistigen
Niveau der englischen Amateure zu jener Zeit.
Im deutschen Sprachgebiete gingen damals die lebhaftesten Anstöße,
die leider aber nicht nachhaltig wirken sollten, von Österreich aus. Wie
man auch aus der in diesen Zeitraum fallenden Gründung der Kreutzer-
schen „Zeitschrift für Fotografie und Stereoskopie" sehen kann, war
dort das Interesse für diese Fragen bemerkenswert hoch, und es hat
sicher der Sache der Stereokopie geschadet, daß der gut unterrichtete
und gründliche K. Kreutzer schon so früh (wohl 1863) starb.
Bereits 1860 veröfEentlichte 0. Rollet (!•) seine ersten Versuche
über beidä\igiges Sehen mit einer Einrichtung, die so wie ein Telestereo-
skop mit geringer Auseinanderrückung wirkte. Zwei ziemlich dicke Spiegel-
glasplatten wurden so zusammengekittet, daß sie im Winkel zueinander
standen, und sie bewirkten für den durch sie schauenden Beobachter
eine k^öine Erweiterung des Augenabstandes, wenn er in den Winkel
hinein; eine kleine Verengerung, wenn er auf ihn hinauf bhckte. Die
daraut folgenden Konvergenzänderungen und damit verbundenen Ver-
schiedenheiten der Größenauffassung der betrachteten Gegenstände wurden
eingehend gewürdigt. Der ganze Apparat diente hauptsächlich der Unter-
suchung, wie genau das Bild am Orte der Kreuzung der Blicklinien
aufgefaßt werde.
Eine Fortsetzung seiner Studien ließ A. Rollet {2.) schon im näch-
sten Jahre gemeinsam mit A. Becker erscheinen. Auch hier handelte
es sich ihm um die Untersuchung der Genauigkeit der Ortsbestimmung
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134
U. Historischer Teil
im beidäugigen Sehen, es bietet aber das dazu benutzte Hilfsmittel
großes Interesse für die Entwicklung der binokularen Instrumente.
Spannte er in einer vertikalen Querebene zwischen fernen Objekten
und dem Beobachter Fäden von etwa 50 cm Länge so auf, daß ihre
Entfernung oben den Augenabstand übertraf, während sie sich unten
stark näherten, so erschienen sie dem in die Feme blickenden Beobachter
bei richtiger Kopfhaltung leicht als ein geradliniges, nach einem Pimkte
der Landschaft gespanntes Seil, das in seiner Nähe ausgehend, in die
Ferne verläuft. Die Verfasser erwähnten selbst den SmiHischen Zirkel-
versuch und eine Arbeit von Wells; vielleicht aber könnte man auch
noch die erste stereoskopische Zeichnimg R. Sboths (s. S. 30) als be-
sonders hierhergehörend ansehen. — Ziehe man zwei den Fäden ent-
sprechende Grerade auf einer senkrechten Glastafel imd versehe sie
mit gleichlangen, äquidistanten Querstrichen (Fig. 68 links), so ergebe
sich bei der Vereinigung ein stereoskopisches Meßband oder eine stereo-
skopische Leiter, deren Sprossen aber in der Ferne immer weiter
voneinander abzustehen und immer größer zu werden scheinen. Habe
man die Sprossen numeriert, so sei es nicht schwierig, die Lage der
Gegenstände der Außenwelt in bezug auf die Marken anzugeben. —
Es gelang A. Rollet auch, durch zweckmäßige Anordnung der Teilungs-
striche auf der Glastafel und richtige Wahl ihrer Breite ein stereo-
skopisches Meßband zu erzielen (Fig. 68
rechts), das durch gleichbreite Marken
in Teile von gleicher Länge zerlegt er-
schien. Die Idee, danach einen Ent-
fernimgsmesser zu konstruieren, mußte
er aber aufgeben, weil sich der Konver-
genzwinkel der Sehachsen gar zu schnell
der Null näherte.
Die Bedeutung dieser Arbeit ist so groß, daß es angemessen erscheint,
ihre einige Worte zu widmen. Nach der zugrunde liegenden Literatur
handelt es sich hier zum ersten Male um den Gedanken, zwei im beidäugigen
Sehen wahrgenommene Räume zum Zwecke der Messung eindeutig ein-
ander zuzuordnen. Da dieser Gedanke in den später so wichtig gewordenen
stereoskopischen Meßinstrumenten noch häufig wiederkehren wird, so
wird man zweckmäßig die beiden Räume unter besonderen Namen ein-
führen und sie etwa als zu messenden und als Maßraum voneinander
trennen. Die Messung geht dadurch vor sich, daß das Zusammenfallen
von Punkten des zu messenden Raumes mit besonders markierten
des Maßraumes festgestellt wird. Diese Idee läßt sich auf sehr ver-
schiedene Weisen verwirklichen. Hier liegt der Fall vor, daß der Objekt-
raum der zu messende Raum ist, und daß die eine feste Skala dar-
stellenden Halbbilder des Maßraumes unmittelbar vor die beiden Augen
Fig. 68.
Zwei Fonnen stereoskopischer Meßbänder
nacli A. EOLLET {2,).
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Google
4. Der Niedergang der Stereoskopie in den sechziger Jahren. 135
des Beobachters gebracht werden. — Es sollte nur wenige Jahre dauern,
bis diese Idee von E. Mach aufgenommen wurde, und zwar erschien sie
mit der wichtigen Änderung, daß die Halbbilder des Maßraumes nicht
mehr direkt sondern mit Hilfe einer Reflexion an je einem unbelegten
Spiegel dem Beobachter dargeboten wurden.
Gregen Ende des Jahres 1865 veröffentlichte E. Mach (i,), ein junger
Physiker an der Grazer Universität, eine kurze Notiz über die stereo-
skopische Darstellung einander durchdringender Körper und vervollstän-
digte {2.) sie im Jahre darairf.
Er schlug vor, die Körper, die einander durchdringen sollten, nach-
einander auf dieselben Platten aufzunehmen, sie würden einander bei
der Betrachtung nicht stören. Solche Aufnahmen empfahl er für die Dar-
stellung anatomischer Präparate, wo sie zweifellos von hohem Lehrwerte
sein würden. Es scheint nicht, als seien ähnliche Darstellungen in
größerer Zahl zustande gekommen, und man wird bei der Betrachtung
eines solchen Durchdringungs- Stereogramms wohl auch stets gegen die
Erfahrung zu kämpfen haben, der ein derartiges Raumbild entschieden
widerspricht. — Im weiteren Verlaufe seiner Arbeit bemerkte der Autor,
daß bereits Sir David Brewstbr (s. S. 81) auf dieselbe Weise Geister-
erscheinungen im Stereoskop dargestellt hätte. In der Tat hat er ja in
seiner zweiten Methode noch eine weitere, für gewisse Zwecke folgen-
reichere Idee angegeben.
In jüngster Zeit ist ein solches MACHsches Durchdringungs-Stereo-
gramm von G. Bücky (1. Taf. II,) an einer bequem zugänglichen Stelle
veröffentlicht worden. Nach seinen Äußerungen (i, 143.) scheint es nicht
ausgeschlossen, daß es sich um eine der Aufnahmen aus der hier be-
sprochenen Zeit handelt.
In einer geistvollen Weise benutzte
E. Mach (2.) seine Durchdringungsbilder zur
Lösung der Aufgabe, einen stereoskopischen
Entfernungsmesser zu konstruieren, woran p. ^g
sein Kollege A. Rollet trotz eines vielver- Ein Schema für die Anordnung der (ge-
sprechenden Anlaufs gescheitert war. Aus- ''^''^''^'^L^Tmc^^
geher.d von dem Drahtmodell etwa eines'
Würiels, das an einem unbelegten Spiegel gespiegelt bei beidäugiger Be-
obdchtimg an nahen Gegenständen hinter jenem Spiegel Messungen vor-
zunehmen gestatte, verlangte er die Anfertigung zweier Halbbilder eines
solchen räumhchen Messungsnetzes. Diese Halbbilder seien durch un-
belegte Spiegel und Stereoskoplinsen so in den Objektraum zu projizieren
(Fig. 69), daß sich ihr Raumbild mit dem Objektraum durchdringe und
darin die Entfernung zu messen gestatte. Die Anordnung der optischen
Teile war dabei so, wie sie die nebenstehende Figur angibt. Zum Schluß
hob er auch noch hervor, daß die Verbindung mit dem Telestereoskop für
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J36 II. Historischer Teil.
manche Fälle zweckmäßig sein würde. Im Prinzip ist hier also ein stereo-
skopisches Entfernungsmesser vorweggenommen, dessen Konstruktion aber
noch ein Menschenalter auf sich warten lassen sollte.
Eine weitere Notiz, die E. Mach (3.) zu dieser Zeit über den
gleichen Gegenstand veröffentlichte, steht den Durchdringungsbildern nahe.
Sie führte die stereoskopische Darstellung eines in drei Pyramiden zer-
legten Holzprismas vor und illustrierte ein einfaches Verfahren, solche
stereoskopischen Aufnahmen etwa von Knochenpräparaten durch die billige
Zinkographie im Buchdruck wiederzugeben.
Er behandelte den gleichen Gegenstand noch im gleichen Jahre in
einem populären Aufsatze, und im Jahre darauf auf dem Dresdener
Naturforschertage, wo er sehr lehrreiche Bilder vorführte.
Auch ein ganzes Jahrzehnt später kam E. Mach {4.) auf den
gleichen Gegenstand zurück und benutzte nun gelegenthch an Stelle der
nacheinander erfolgenden Aufnahmen die Spiegelung an unbelegten oder
halbdurchlässigen Spiegeln. Dieselbe Methode ist seit dem Jahre 1863
nach dem Vorgange von H. Dircks und J. H. Pepper (!•) zur subjektiven
Demonstration von G^istererscheinungen benutzt worden und führte auf
die zu jener Zeit in London ganz ungeheuer populären, unter dem Namen
„Pepper's ghosV'*) bekannten Schaustellungen. Dabei wurde durch einen
unbelegten Spiegel das Bild einer hell gekleideten und stark beleuchteten
Person in einen verhältnismäßig dunklen Raum (die Bühne) gespiegelt,
wobei schon von selbst darauf gesehen wurde, daß der Geist nicht gerade
mit einer lebenden Person oder einem Möbelstück denselben Platz ein-
nehme. Eine solche Darstellung ließ sich genau so gut durch ein in
einer Camera entstandenes Stereogramm darstellen wie die Spiegelung
an einem gewöhnlichen Spiegel, und das schlug E. Mach in seiner letzten
Mitteilung vor. Er ging darin so weit, die Möglichkeit anzunehmen, daß
*) Die folgenden näheren Angaben über dieses in zahkeiche physikalische Lehr-
bücher übergegangene Experiment sind wohl von Interesse. In der von Quentin
HoGG gegründeten Londoner FortbUdungsanstalt (Polytechnic Institvtion) wurden
auch in ziemlich großem Umfange allgemein verständliche physikalische Vorfühningen
dargeboten, wie Lebensrad, Taucherglocke, Projektionsvorführungen u. ä. Das Ein-
trittsgeld betrug 1 M., und in den fünfziger und sechziger Jahren gehörte cMeses
wissenschaftliche Theater zu den stark besuchten Sehenswürdigkeiten Londons. Zu
der Zeit, wo das Interesse an spiritistischen Vorführungen sehr lebhaft war, zeigte
ein Angestellter (Hcmorary Director) des Unternehmens, der Professor der Chemie
J. H. Pepper, großes Geschick bei der Inszenierung von Geistererscheinungen nach
dem Plane von H. Dircks, wie es in der Monatsschrift „The Lantern Record*^ 1900,
S. 30 geschildert wird. Der Zulauf war ungeheuer; wird doch berichtet, daß diese
Darbietungen in den ersten sechs Monaten den gewaltigen Ertrag von ^/4 Million Mark
einbrachten. Nach seiner Trennung von der Anstalt ging J. H. Pepper nach
Australien und setzte dort sein Vermögen zu mit aussichtslosen Versuchen, durch
Explosionen in den höheren Luftschichten Regen herbeizuführen. Er starb in den
ersten Monaten des Jahres 1900.
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4. Der Niedergang der Stereoskopie in den sechziger Jahren. 137
man auch einen Menschenkopf in den verschiedenen Stadien der ana-
tomischen Präparation auf dieselbe Platte aufnehmen könne, und daß es
dann noch möglich sein würde, von den verschiedenen Teilbildern ein
brauchbares, gleichzeitig die Knochen, Muskeln und Hautlagen zeigendes
Raumbild zu erhalten.
Erwähnung verdient an dieser Stelle der französische Ophthalmologe
E. Javal {!.), Er hatte, wie M. von Rohr (5. 364,) berichtet, 1866 ein
umgekehrtes Telestereoskop sogar in Verbindung mit einem holländischen
Doppelfernrohr als binokularen Betrachtungsapparat für einfache Bilder
empfohlen. Bei dieser Gelegenheit erwähnte er nebenbei die Möglichkeit,
jedes der beiden rhombischen Prismen mit einem Vergrößerungsglase aus-
zustatten und auf diese Weise eine Doppellupe zu erhalten. Durch die
Ausführung dieses Vorschlages wird die Konvergenz beim Gebrauch der
Doppellupe vermindert worden sein.
In seiner physiologischen Optik hat H. Hblmholtz {2.) gegen
Ende des Jahres 1866 eine Behandlung des Stereoskops und der bin-
okularen Instrumente gegeben, die auf Jahre hinaus mindestens für das
deutsche Sprachgebiet kanonisch bleiben sollte. In der Tat wird überall
der Versuch gemacht, auf die ersten Quellen zurückzugehen, und er ist
auch gelungen, soweit es sich um die eigentlich wissenschaftliche Literatur
handelte. Von der Einseitigkeit Sir David Brewstees und seiner Partei-
nahme gegen Ch. Wheatstonbs Verdienste ist , hier nichts vorhanden.
Die Hauptverdienste des Buches für das vorliegende Gebiet lagen aber
auf der theoretischen Seite.
Zum ersten Male wurde hier (665.) eine mathematische Theorie der
Raumbilder gegeben, deren Punkte sich als die Schnittstellen der Ver-
bindungslinien je eines Projektionszentrums mit dem zugehörigen Punkte
des Halbbildes ergaben. Dabei wurden Änderungen im Abstände der
Projektionszentren von der Ebene des Stereogramms, also porrhallaktische
Änderungen, und symmetrische Verschiebungen der Halbbilder in ihrer
Ebene, also der Fall der Reliefbilder, ganz eingehend {668,) besprochen.
Dieser letzte Fall wurde auch auf die Regeln der schon früh behandelten
Reliefperspektive zurückgeführt, und es wurde darauf hingewiesen, daß
das Reliefbild von einem, mitten zwischen beiden Augen liegenden Punkte
aus zu dem Urbild perspektivisch ist.
Die so ganz allgemein analytisch abgeleiteten Lehren wurden zu-
nächst {672,) auf die Brillen angewandt, bei denen ein falscher Scheitel-
abstand eine ReUefwirkung bedingen müsse, sodann wurden auch andere
binokulare Instrumente in dieser Weise behandelt. Dabei wurde {673.)
bei Femrohren auf die Porrhallaxie hingewiesen, {673.) die Theorie des
einfachen Spiegelstereoskops, {681.) die des Telestereoskops mit Fernrohr-
vergrößerung gegeben, wobei, wie schon früher (s. S. 87) erwähnt wurde,
die eigentümliche Diskrepanz mit der früher gegebenen Beschreibung
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138 II. Historischer Teil.
mit unterlief. Auch für die Wirkung des binokularen Mikroskops nach
A. Nachet (s. S. 116) gab er (682.) eine Erklärung, bei der auf die
Halbierung der Eintrittspupille des Instruments Rücksicht genommen
worden war. Beim eigentlichen Stereoskop nahm er {671,) ungefähr den
etwas früher von R. H. Bow (s. S. 132) vertretenen Standpunkt ein, daß
es auf den absoluten Betrag der Konvergenz der Gesichtslinien nicht
sehr ankomme, und daß für die Tiefenanschauung die Erfahrung eine
sehr bedeutende Rolle spiele. Auch er beschäftigte sich mit der Homöo-
morphie nicht, was wohl daraus zu erklären ist, daß er nicht selbst
photographierte und daher nur schwierig die Vergleichung des stereo-
skopischen Raumbides mit dem Raumobjekt vornehmen konnte. — Leb-
haft beschäftigte ihn (644.) die Feststellung der Genauigkeit der stereo-
skopischen Tiefenbestimmung. Er gab zu diesem Zwecke einen Versuch
an, der darin bestand, daß eine verschiebbare Nadel in die durch zwei
feste definierte Ebene gebracht werden solle. Er selbst fand eine Ge-
nauigkeit, die er in einer ziemlich rohen Meßmethode auf eine halbe
Nadeldicke (etwa ^/^ mm) angab, eine Bestimmimg, die zu einer Schärfe
der Breitenwahrnehmimg von 30",4 führt. Obwohl er kurz vorher {643.)
bei den Do ve sehen Münzenvergleichungen von der imgewöhnlichen Fein-
heit der binokularen Raumempfindung gesprochen hatte, schien ihm doch
eine über „die Grenze der kleinsten sichtbaren Abstände" hinausgehende
Genauigkeit zu groß. Er substituierte für die obige halbe die ganze Nadel-
dicke (etwa ^/g mm), wo die Einstellung „von vollkommener Sicherheit"
war, und folgerte somit, „daß die Vergleichimg der Netzhautbilder beider
„Augen zum Zweck des stereoskopischen Sehens mit derselben Genauigkeit
„geschieht, mit welcher die kleinsten Abstände von einem und demselben
„Auge gesehen werden." Durch diese Nachgiebigkeit einer vorgefaßten
Meinung gegenüber beraubte er sich des Verdienstes, die schöne J'est-
stellung, die er bereits gemacht hatte, nach ihrer Bedeutung zu erkennen
und den Grund dafür anzugeben. Die Erklärung dafür sollte erst nach
einem Menschenalter gegeben werden, als die Ergebnisse der Praxis längst
die Unhaltbarkeit der hier angegebenen Minutengrenze dargetan hatten.
Der obenerwähnte Widerspruch bei der Behandlung des Telestereo-
skops mit Femrohrvergrößerung ist um so schwerer verständHch, als
kurz vorher auf die porrhallaktische Wirkung der einfachen Doppel-
fernrohre hingewiesen worden war. Man wird diesen Rückschritt, der
ganz ebenso bei Sir David Brbwster (s. S. 131) zu bemerken ist, wohl
ebenso wie bei A. Claudbt (s. S. 127) damit erklären können, daß die
scheinbare Tiefensteigerung bei der Betrachtung naher, bekannter Gegen-
stände im einfachen Telestereoskop durch die wahre porrhallaktische
Wirkung der vergrößernden Fernrohre korrigiert werden sollte.
Versucht man zu einem zusammenfassenden ÜberbUck über diesen
Zeitraum zu kommen, so ergibt sich ein von dem vorhergehenden sehr
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4. Der Niedergang der Stereoskopie iu den sechziger Jahren. 139
abweichendes Bild. Auf fast allen (Jebieten der Stereoskopie ist ein deut-
licher Niedergang eingetreten, und das Stereoskop versinkt mehr und
mehr in Vergessenheit.
Die Teilnahme der Wissenschafter hat sich im Wesentlichen von den
stereoskopischen Instrumenten abgewandt, und diese erregen nur noch
so weit Interesse, als sie andere, namentlich physiologische Forschungen
ermöghchen. Hier fördert A. Rollet die Stereoskopie durch die außer-
ordentlich fruchtbare Idee der gegenseitigen Zuordnung zweier Räume
zum Zwecke der stereoskopischen Entfernungsmessung, und E. Mach ge-
langt dazu, von den Durchdringungsbildern ausgehend, das Prinzip eines
praktisch brauchbaren Apparats mit bewunderungswürdigem Scharfsinn
anzugeben. — Allgemeine theoretische Überlegungen werden um diese
Zeit allein von H. Helmholtz für sein großes Werk ausgeführt. Er gab
als erster eine allgemeine Theorie des Raumbildes, behandelte die Relief-
bilder und faßte für die mathematische Behandlung alle binokularen In-
strumente mit dem Stereoskop zusammen, indessen berücksichtigte er in
dieser Behandlung die Augendrehung noch nicht besonders. Ihr historischer
Teil, der von der harten Einseitigkeit Sir David Brewsters so ganz frei
war, wurde jedenfalls im deutschen Sprachgebiet als die mustergültige
Darstellung der Entwicklimgsgeschichte dieser Instrumente angesehen.
Viel deuthcher aber wird der Rückgang auf dem Gebiete der das
große Publikum versorgenden geschäfthchen Stereoskopie. Die mit dem
englischen Vereinsleben in Fühlung stehenden gewissenhaften Firmen hielten
zwar an ihren guten Traditionen fest, sie versuchten durch Erhöhung
des stofElichen Reizes, durch Verfeinerung der Technik, durch immer sorg-
fältigere Durcharbeitimg der Aufnahme- und der Betrachtungsapparate
ihre Käufer anzuziehen; doch wurde diesen, durchaus rechtmäßigen Be-
strebungen in schädlichster Weise entgegengewirkt durch den Schacher-
geist gewissenloser Händler. Diese ersetzten ohne irgendwelches Ver-
ständnis für das Wesen des Instruments die lehrreichen Aufnahmen durch
unsaubere, die verfeinerte Ausführung durch vergröberte Tiefenwirkung,
die sorgfältig konstruierten Stereoskope durch billigen Schund. Gewiß
war das Interesse des Publikums groß, aber es beruhte weit mehr auf
der Neugier und dem Herdentriebe als auf richtigem Verständnis; und
war es in der letzten Hälfte der fünfziger Jahre in ungesunder Weise
gesteigert, so folgte jetzt in den ersten sechziger Jahren ein um so ent-
schiedenerer Rückschlag. Die wilde Unterbietung der Preise hatte die
Wertschätzung für diese ganze Klasse von Instrumenten gemindert, und
leider litten unter jenen törichten Mißgriffen auch die tüchtigen Betriebe.
Das Interesse der Allgemeinheit nahm zum Erstaunen jener Schleuder-
konkurrenz fast ebenso schnell ab, als es erwachsen war, und es war
wieder ein Beispiel mehr dafür geliefert worden, daß blinde Profitgier,
vom Unverstand geleitet, mit Sicherheit in die Grube des Mißerfolges
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140 II. Historischer Teil.
fällt. Erst in Jahrzehnten sollte wieder ein merkbarer Umsatz in Stereo-
skopen imd Stereogrammen möglich werden, aber auch dann ungemein
weit hinter dem der so sclimählich verwüsteten Glanzzeit zurückbleiben.
Ganz glänzend ist in diesem Zeiträume allein die Entwicklung des
binokularen Mikroskops, das gerade jetzt in die ausgezeichneten Arbeits-
gesellschaften Englands namentlich durch die Arbeiten F. H. Wenhams
Eingang fand und sich dort auch dauernd behaupten sollte.
Wendet man sich nun zu dem Stande der Amateurphotographie, so
erhält man in dem allgemeinen Niedergange immer noch das günstigste
Bild. Die guten Traditionen für die Aufnahmen werden bewahrt, und
es ist mindestens im Anfang dieses Abschnitts mit großem Eifer ge-
arbeitet worden. Auch an dem Instrumentarium wurde zunächst noch,
nicht gespart, wie man aus gelegentlichen Äußerungen entnehmen kann.
Die Bemühungen der Fachzeitschriften um Anregung und Hebung des
Interesses waren namentlich in England, das hier noch ganz die Führung
hatte, sehr anerkennenswert, und der Erfolg wird auch nicht ganz aus-
geblieben sein. In Ch. Piazzi Smyth brachte der Stand der englischen
Kenner einen ganz vorzüghchen Praktiker hervor, der wesentHche Ver-
besserungen im Aufnahmeapparat praktisch erprobte und namentlich für
die Verwertimg verschiedener Einzelaufnahmen im Stereoskop eine Bahn
eröffnete imd beschritt, die erst spät abermals aufgefunden und noch
weiter verfolgt werden sollte. In den Betrachtungsapparaten läßt sich
ganz deutHch das Bestreben erkennen, allmähhch die Prismenwirkung
mehr und mehr auszuschalten und damit auf die von Ch. Wheatstone
angegebene Form des Stereoskops zurückzukommen, bei der die Be-
trachtungslinsen zentrisch benutzt werden. — Ganz fehlen aber bei dem
Amateurwesen dieser Periode auch die Schatten nicht. Es sieht so aus,
als ob mehr und mehr das Interesse an der Homöomorphie verschwände,
ja auch die besten Kenner des Instruments scheinen sich diese Frage
gar nicht mehr vorzulegen, und eine schöne Hinterlassenschaft der älteren
Generation geht so verloren. Der Tod so bedeutender und bekannter
Förderer, wie es A. Claudet und Sir David Brewster waren, die Zurück-
haltung von Ch. Wheatstone und H. W. Dove diente begreiflicherweise
auch nicht dazu, das erlahmende Interesse zu kräftigen, und wenn man
nun noch den Niedergang berücksichtigt, der gegen das Ende der sech-
ziger Jahre in dem allgemeinen Interesse an der Photographie mindestens
in England nicht zu verkennen ist, so kann man sich nicht wundern,
daß auch die Pflege der Stereoskopie darunter Utt. Der junge Nachwuchs
in den Vereinen wandte sich anderen Problemen zu, und die älteren
Vertreter übten ihre Kunst seltener oder gar nicht mehr aus, da das
allgemeine Interesse an ihren Leistungen verschwunden war.
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5. Der Tiefstand des Interesses in den siebziger und achtziger Jahren. 141
5. Der Tiefstand des Interesses in den siebziger und
achtziger Jahren,
Dem trüben Ausblick, der sich am Ende des letzten Zeitraums ge-
boten hatte, entsprach die Folgezeit. Wohl gab es immer noch einzelne
Vertreter der alten Kunstfertigkeit, die ab und zu hübsche stereosko-
pische Beobachtungen besprachen oder unter Umständen wichtige In-
strumente veröfEentlichten, hier imd da beschäftigte sich auch wohl ein
Gelehrter erfolgreich auf diesem Gebiet, aber im großen und ganzen
herrschte eine störungslose Gleichgültigkeit vor, und mit prompter
Schnelügkeit verlernte das allgemeine Publikum auch den geringen Be-
stand von stereoskopischen Kenntnissen, den es ein Jahrzehnt zuvor
noch besessen hatte. So ist es kein Wunder, daß von den obener-
wähnten, zum Teil wirklich bewunderungswürdigen Arbeiten auch nicht
eine Anlaß zu weiteren Forschungen gibt. Einbalsamiert in Drucker-
schwärze ist jede dieser Ideen ein stummer und doch so beredter Zeuge
für die Unterlassungssünden der Zeitgenossen.
Auch die englischen Mikroskopiker zeigten in
diesem Zeiträume an der Weiterbildung des bin-
okularen Mikroskops nur noch geringes Interesse, da
ihre Anforderungen offenbar durch das WENHAMsche
Reflexionsprisma (s. S. 113) im Wesentlichen erfüllt
worden waren. Die Vorschläge J. W. Stephensons
{1 u. 2.) aus dem Anfange der siebziger Jahre
hätten nicht erwähnt zu werden brauchen, da
sie dem zusammengesetzten Mikroskop von J. L.
RiDDELL gegenüber kaum etwas Neues brachten;
doch ist das geschehen, weil sich E. Abbe in seinen
Schriften auf sie bezog. Wenn J.W.Stephbnson(3.)
ferner noch darauf aufmerksam machte, daß zwei
verschiedenfarbige Gesichtsfelder im binokularen
Mikroskop eine Mischfarbe ergäben, so nahm er
damit die alten Versuche von J. Janin, A. de
Haldat und H. W. Dove (s. S. 57) wieder auf.
F. H. Wenham {lO.) machte 1873 eine Mit-
teilung über ein binokulares Mikroskop, das mit
einem abgeänderten Refraktionsprisma, dessen Form Das stereoskopische okular
in Fig. 70 bei C angegeben ist, ausgestattet worden ^'"'"'"'^x^^^^Z^^^^
war. Er fügte ihm ferner zwei Ableseprismen ein. Es enthält bei c das letzte
um die Achsenrichtung zu ändern und das Bild ^'^'^ R^luo^^ma!'*''*''
vollständig aufzurichten.
Einige Zeit später faßte er (11.) seine Ansichten über den Ge-
brauch der binokularen Mikroskope dahin zusammen, daß man die
1 B
Fig. 70.
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142 H; Historischer Teil.
Systeme, bei denen die stereoskopische Wirkung durch eine Halbierung
der Objektivöffnung erreicht werde, nur mit Objektiven verwenden solle,
die mehr als 5 mm Brennweite hätten; für stärkere Systeme sei die
beidäugige Beobachtung keine Entschädigung für die aus der Halbierung
der Büschel folgende Bildverschlechterung. Hier kämen die Einrichtungen
zu zweiäugiger Beobachtung (s. S. 115) zu ihrem Recht. Diese ermög-
lichten zwar keine Tiefenwahmehmung, böten aber jedem Auge ein gutes
Bild dar.
Nach diesen Veröfientlichungen — eine genauere Datierung ist
vorderhand nicht möglich — brachte der französische Optiker A. Prazmowski
ein stereoskopisches Okular heraus, das insofern dem ToLLEsischen ähn-
lich sah, als durch ein besonderes Umkehrsystem ein reelles Bild der
Austrittspupille des Objektivs erzeugt wurde, in das die Spaltungseinrich-
tung gebracht wurde (Fig. 70, S. 141). Als solche verwandte er aber nicht
wie jener die NACHETsche, sondern nach dem Anonymus (i.) die soeben
besprochene Form des Wbnham sehen Refraktionsprismas.
Eine Besprechimg der sonst vorliegenden Arbeiten nach verschie-
denen Gesichtspunkten erübrigt sich wegen ihrer gar zu geringen Zahl;
die chronologische Behandlung genügt hier vollständig.
Ein gewisses Interesse erregt der Vortrag J. Hendersons (i.) im
Jahre 1871. Sind auch im allgemeinen seine Ansichten hier schon als
Ansichten von Vorgängern besprochen worden — in der historischen
Auffassung ist er anscheinend von Sir David Brewster beeinflußt — ,
so war seine entschiedene Forderung der Homöomorphie für die damalige
Zeit neu. Er wünschte eine ganz oder doch nahezu zentrische Benutzung
der Betrachtungslinsen, die von gleicher Brennweite wie die Aufnahme-
objektive sein sollten, und schrieb einen Abstand von 70 mm für
homologe Punkte des Hintergrundes vor. In der Auseinandersetzung
seiner Ansichten über die Homöomorphie kam er auch zu der Forderung,
daß die Achsen der Betrachtungslinsen dieselbe Neigung gegen den
Horizont einnehmen müßten wie die photographischen Objektive bei
der Aufnahme. Soweit hier die Literatur berücksichtigt worden ist, muß
J. Henderson für diese namentlich bei Neigungsbildern wichtige Vor-
schrift die Priorität zuerkannt werden.
Die nächsten Publikationen von einiger Bedeutung gingen von
Th. Sutton aus. Er empfahl mehrfach sein verbessertes WnEATSTONEsches
Instrument für große Papierbilder (s. S. 124) und wies auch auf seine
Panoramenstereoskope hin, ohne jedoch für einen dieser Vorschläge ein
größeres Interesse zu erwecken. Durch unvorsichtige Äußerungen kam
er im Anfang des Jahres 1873 in einen, in den Spalten der verbreiteten
Wochenschrift „The British Journal of Photography'' mit großer Heftigkeit
gegen Th. Grubb und seinen Sohn Howard geführten Streit. Man kann
die sehr gereizte Stimmung der Gegner nur aus dem Groll erklären,
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5. Der Tiefstand des Interesses in den siebziger und achtziger Jahren. I43
der aus ihrem nunmehr weit zurückliegenden Strauß auf dem Gebiete
der geometrischen Optik des photographischen Objektivs zurückgeblieben
war, denn der gegenwärtige Kampf bot zu einer solchen Verstimmung
keinen Anlaß. Th. Sutton hat dabei mehr auf dem theoretischen Stand-
punkte gestanden und eine möglichst vollkommene Homöomorphie ge-
fordert, während die beiden Grubbs größeren Wert auf die Bequemlichkeit
der praktischen Benutzung legten und dieser ein wenig Naturtreue zu
opfern bereit waren.
Den Anlaß zu der Meinimgsverschiedenheit hatte ein von H. Geubb
konstruiertes Stereoskop mit gekreuzten Blickrichtungen geboten, das
von J. Traill Taylor (i.) näher beschrieben worden ist. Das Stereogramm
zeigte der Kreuzimg der Blicklinien entsprechend das für das rechte
Auge bestimmte Halbbild auf der linken Seite und umgekehrt. Zwischen
das Auge und das zugehörige Halbbild war je ein achromatisches, ebenes
Prisma eingeschaltet, um die Konvergenz auf der Bildseite zu ver-
mindern. Eine solche Einrichtung hatte neben der Bequemhchkeit, die
beiden Halbbilder auf einer ebenen Unterlage zu einem Stereogramm
vereinigen zu können, noch den Vorteil, große Bildformate zuzulassen.
Schon bei der ersten VeröfEentlichimg schlug H. Grubb das große Halbbild-
format von 20: 25 cm vor.
Der Streit mit Th. Sutton brachte ihn {1.) dazu, ein anderes ein-
faches Stereoskop zu beschreiben. Im wesentlichen handelte es sich da-
bei um die Anwendung des Telestereoskops für Stereogramme, bei dem
die einfachen Spiegel durch totalreflektierende Prismen ersetzt worden
waren. Auch hier waren sehr große Halbbilder, ein Format von
16^/2 : 21^/2 cm, vorgesehen.
Eine abschließende Behandlung dieser Frage gab H. Grubb (2.)
einige Jahre später, 1879, als sein Vater ebenso wie sein Gegner
Th. Sutton aus dem Leben geschieden waren, indem er zu Dublin vor
der Königlichen Irischen Gesellschaft eine historische Darstellung der
Arbeit am Stereoskop vortrug. Das Bestreben, allen Vorgängern, nicht
zum mindesten auch dem alten Gegner Th. Sutton gerecht zu werden,
wirkt dabei außerordentlich sympathisch. Wie schwierig aber schon da-
mals, auch im Vaterlande der Stereoskopie, die Verfolgung historischer
Studien auf diesem Gebiete war, kann man daraus ersehen, daß es dem
Redner nicht möglich gewesen war, von den Apparaten A. Claudets
(s. S. 104) und H. Swans (s. S. 122) eine Beschreibimg aufzufinden. Auch
war ihm jede Erinnerung an das Farbenstereoskop (chromatic stereoscope)
(s. S. 49) Sir David Brewsters geschwunden, denn er gab die Erklärung
seiner Wirkung, als wenn es sich um etwas ganz Neues handele. Von
den übrigen Stereoskopformen, die er in seinem Vortrage behandelte,
sind nicht alle neu; so hatte er das DovEsche Stereoskop mit den
beiden Amici sehen Reflexionsprismen wiedererfunden, zog aber vor, die
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144 II. Historischer Teil.
Bijder nicht neben- sondern übereinander anzuordnen. Er hat dabei
übersehen, daß solche Vorschläge nicht nur von J. Duboscq (s. S. 63)
vorlagen, sondern daß sein eigener Landsmann W. Habdie (s. S. 89)
gerade diese Anordnung in besonders hübscher Durcharbeitung ver-
öfEentlicht hatte. Sodann erfand er auch die Methode stereoskopischer
Projektion wieder, die unter J. Ch. d'Almbidas (s. S. 90) Namen bekannt
ist, imd die auf einer zeitlichen Trennung der beiden Halbbilder beruht.
Neu dagegen war ein hauptsäch-
lich für Diapositive bestimmtes Stereo-
skop (Fig. 71) mit doppelter Spiege-
limg. Das Glasbild wurde horizontal
mit der Schirmseite nach oben gelagert,
und zwar so, daß sich das rechte Halb-
bild auf der linken und das linke auf
^*8- '^^' der rechten Seite des Beschauers befand,
Das GRUBBSche Spiegelstereoskop. i -j «i i j« -m oj. «i i i. -
beide ihm also die Fußteile zukehrten.
Unter beiden Halbbildern fanden sich Spiegelprismen mit angekitteten
Linsen vor, deren Achsen sich im Scheitel eines Hohlspiegels schnitten.
Die Abstände zwischen Halbbild, Spiegelprisma und Hohlspiegel waren so
gewählt worden, daß ein etwas vergrößertes Bild des Halbbildes auf
dem Hohlspiegel entworfen wurde. Da durch die Spiegelung an der
Hypotenusenfläche das Halbbild in der Kichtung von oben nach unten
verkehrt worden war, so ergab sich durch die Linsenwirkung ein, was
oben und unten angeht, aufrechtes, hinsichthch links und rechts aber
spiegelverkehrtes Halbbild. Durch die Umkehrung der Lichtrichtimg am
Hohlspiegel wurde auch diese Spiegelverkehrung aufgehoben, im übrigen
aber hinsichtlich der Größe und Lage an dem von der Linse entwor-
fenen Bilde kaum etwas geändert. Wie gesagt, lagen beide Halbbilder
um den Spiegelscheitel herum gleichsam übereinander, und es mußte
nun nur noch dafür gesorgt werden, daß die Strahlen eines jeden nur
dem zugehörigen Auge zugeführt wurden. Dies geschah durch eine
zweckmäßige Wahl der Spiegelbrennweite. Diese wurde so bestimmt, daß
die Austrittspupillen der beiden Linsenprismen reell und ein wenig ver-
größert in^der Entfernung der Augen des Beobachters abgebildet wurden.
Man erkennt unter Berücksichtigung der Figur 71 leicht, daß auf diese
Weise wirklich die zu dem linken Halbbilde gehörigen Strahlen durch
das linksHegende Bild des Linsenprismas, die Hnke Austrittspupille des
Instruments, traten, und entsprechend verhielt es sich mit den Strahlen vom
rechten Halbbilde. Brachte man seine Augen an die beiden Austrittspupillen,
so sah man, wie H. Grubb hervorhob, tatsächlich das Raumbild ohne Schwie-
rigkeit etwa an dem Orte des Spiegels. Es sieht nicht so aus, als sei
dieses Instrument ernsthaft eingeführt worden, und das ist auch ganz er-
klärlich, da jener Zeit entschieden das Verständnis gemangelt haben würde.
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5. Der Tiefstand des Interesses in den siebziger und achtziger Jahren. 145
Aus dem Vorstehenden geht hervor, daß es sich hier um ein Ge-
genstück zu dem Stereomonoskop von A. Claudet (s. S. 104) handelt
oder zu der ihm entsprechenden Einrichtung, die J. Claek Maxwell
(s. S. 121) vor etwa 12 Jahren beschrieben hatte. Hier ist nur die große
Mittellinse durch einen Hohlspiegel ersetzt worden, und man konnte sich
die Zerschneidung des Stereogramms sparen, die für das Stereomonoskop
nötig gewesen war; in allen diesen Fällen aber ist die Strahlenbegrenzung
mit großem Geschick behandelt worden.
An dieser Stelle mag auch ein Apparat zum Kopieren von Zeich-
nungen erwähnt werden, dessen Autor nicht ermittelt werden konnte.
Nach L. WoLFF {1.) ist mit Sicherheit anzunehmen, daß diese Ein-
richtung gegen das Ende des Jahres 1878 als bekannt gegolten hat. Sie be-
ruhte auf dem Prinzip der Geistererscheinungen nach H. Dircks und
J. H. Peppbr (s. S. 136). Eine vertikale Glasplatte stand als unbelegter
Spiegel wirkend vor dem Zeichner, der hinter ihr das schwache Spiegel-
bild der vor ihr liegenden Zeichnung sah und es mit dem direkt
wahrgenommenen Zeichenstift umfahren konnte. Jene Methode der
Geistererscheinungen ist hier zu einer Art Meßverfahren ausgebildet
worden, und zwar diente die Spitze des Zeichenstiftes als wandernde
Marke.
Die nächsten beiden Namen, die in dieser Zeit Bedeutung haben,
gehören dem deutschen Sprachgebiete an, und ihre Träger zeigen die
Freude an theoretischen Problemen, die so häufig in der Geschichte der
Stereoskopie bei ihren Landsleuten zu beobachten war.
Zunächst handelt es sich um den österreichischen Schulmann Anton
Stbinhausbe. Schon 1870 erschien seine erste Schrift {1.) über Stereo-
skopie,* worin er sein Thema mit großer Gründlichkeit behandelte. Er
kannte das große HBLMHOLTzische Werk (2.), gründete aber seine eigenen
Darlegungen allein auf die Elementargeometrie.
Wie die meisten seiner Zeitgenossen setzte er ruhende Augen vor-
aus, ging aber abweichend von ihnen auf die Perspektiven der Halbbilder
zurück. Die Vereinigung von zwei solchen Perspektiven gab ihm die
Tiefenwahrnehmung. Läßt man von den sich darbietenden Fällen den
einen, nicht sehr wichtigen unbehandelt, so bestanden für ihn die beiden
Möglichkeiten, daß das Objekt hinter, und daß es vor der Ebene der
Halbbilder läge. In der hier festgehaltenen Bezeichnungsweise sind das
die Fälle, wo mit gleichgerichteten und wo mit gekreuzten Sehachsen
beobachtet wird. Von besonderer Wichtigkeit erschien ihm die Bestimmung
der bei beiden Methoden vorkommenden Bildbreiten. Bei der Gelegenheit
ergaben sich gewisse allgemeine Regeln, so die, daß korrespondierende
Punkte in beiden Halbbildern stets gleiche Höhe über oder unter der
Horizontalen erhalten, und er ging kurz auf die Reliefwirkimg ein, die
sich einstelle, wenn die Halbbilder in ihrer Ebene in horizontaler Rich-
V. Rohr, Binokulare Instrument«. 10
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146 n. Historischer Teil.
tung einander genähert oder voneinander entfernt würden. Nach einigen
Bemerkungen zu den Konstruktionsvorschriften, wenn die Halbbilder
vorher bestimmte Ausmaße erhalten sollen, wurde die Theorie der Auf-
nahmeapparate behandelt. Auch hier gebe es ein perspektivisches Zentrum,
und als solches diente ihm die Linsenmitte. Ein neuer Fall ergebe sich,
wenn der Abstand M der Objektive von dem m der Augen abweiche;
alsdann stelle sich eine Reduktion im Raumbilde ein im Verhältnis von
m : M. Wenn nun noch die Stereoskope kurz zu schildern seien, so
handele es sich vornehmlich um die BREWSTERsche Form, bei der die
Prismenwirkung der Halblinsen eine Steigerung der Bildbreite gestatte,
und um eine Vorkehrung zur bequemen Betrachtung von Halbbildern
des letzten Falles. — Diese unterschied sich von der alten Wheatstone-
schen (s. S. 40) nur dadurch, daß zwischen dem Stereogramm und den
Augen ein Querschirm vorgesehen worden war, der eine Luke von solcher
Größe trug, daß sie für das Raumbild genügte, aber die unnötigen
Doppelbilder abblendete. — Eine warme Empfehlung der Stereoskopie
für den Unterricht in der darstellenden Geometrie, der als Musterbeispiel
das allerdings nicht gut gelungene Sterogramm eines Konoids mit kreis-
förmiger Basis beigegeben worden war, machte den Schluß.
Die Arbeit ist ausgezeichnet durch die Folgerichtigkeit, mit der die
Stereoskopie an die Lehre von der Perspektive angeschlossen wurde.
Nach der hier benutzten Literatur wurden zum ersten Male Stereogramme,
die für die Beobachtung mit gekreuzten Achsen berechnet sind, nicht
nur als Kuriosität sondern als ein Hilfsmittel empfohlen, das für be-
stimmte Zwecke besonders geeignet sei.
Diese Methode führte A. Steinhäuser {2.) einige Jahre darauf
wirklich in die Praxis ein, indem er derartige stereoskopische Wandtafeln
für den Unterricht in der Schule in Anregung brachte. Solche könnten
gleichzeitig von einer Reihe von Personen betrachtet werden, da es sich
in der Praxis ergeben habe, daß eine Abweichung von dem einzigen
theoretisch, richtigen Standpunkte keine große Bedeutung habe. Man
sieht, daß der Verfasser hier ein Mittelding zwischen dem gewöhnlichen
Stereoskop und der stereoskopischen Projektion vorschlug, wohl aus dem
Grunde, weil zu jener Zeit im deutschen Sprachgebiete an eine einiger-
maßen große Verbreitung des Projektionsapparates nicht zu denken ge-
wesen wäre.
Einen sehr viel wichtigeren Aufsatz ließ derselbe Verfasser aber im
nächsten Jahre (5.) erscheinen, und dieser verdient eine ganz eingehende
Besprechung, da er allem Anscheine nach die vollständigste Theorie gibt,
die überhaupt über das BREWSTERsche Stereoskop veröffentlicht worden ist.
In erster Linie handele es sich beim Stereoskop, als einem wissen-
schaftlichen Instrument, darum, daß das darin erblickte Raumbild, wenn
auch nicht tauto- so doch mindestens homöomorph sei. Denke man sich
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5. Der Tiefstand des Interesses in den siebziger und achtziger Jahren. 147
die beiden Perspektiven (Halbbilder) eines Objekts in bezug auf die
beiden Augen auf einer Ebene konstruiert, die in der Entfernung der
deutlichen Sehweite liege, so werden bei der Betrachtung die beiden
Halbbilder für die Augen den Eindruck des Raumobjekts hervorrufen.
Allerdings sei in diesem Falle die angulare Größe des darzustellenden
Objekts sehr beschränkt, weil die beiden Darstellungen nicht ineinander
übergreifen dürften. In diesem Falle bedürfe man also keiner Betrachtungs-
systeme. Handele es sich um ein Objekt von größerer Winkelausdehnung,
so müsse man die Bildebene näher an die Augen bringen, um das Über-
greifen der beiden Halbbilder zu vermeiden, sei aber dann nicht im-
stande, sie mit unbewaffneten Augen deutlich zu sehen. Die Brennweiten der
den Augen ganz nahen Betrachtungslinsen seien dann so zu wählen, daß
sie die Halbbilder virtuell in der Entfernung der deutlichen Sehweite
Fig. 72.
Ein Schema für die Behandlung des Bbewstbr sehen Stereoskops
nach A. Steinhäuser (3.).
abbildeten. Aber auch bei einer solchen Anordnung sei man in der
Halbbildbreite beschränkt, und zwar könne sie, wie eine einfache Über-
legung zeige, nicht größer werden als der Augenabstand, also im Mittel
etwa 65 mm. Nun könne es aber bei Landschaftsaufnahmen dazu kommen,
daß man eine größere Bildbreite wünsche, und in diesem Falle biete
das BEBWSTBRsche Stereoskop eine Möglichkeit, diese Forderung zugleich
mit der der Homöomorphie zu erfüllen. Die von dem Objekt AB (Fig. 72)
erhaltenen, zu L und K perspektivischen Halbbilder mn und pq würden
sich in der angegebenen Lage aber gegenseitig stören. Man verschiebe
sie nun symmetrisch so, daß sie die Lagen m'n' und p'q' einnähmen.
Sei nun mit E^ die Lage der Ebene der deutlichen Sehweite bezeichnet,
so liegen ß^ mit m'n' in bezug auf o^ und ß^ mit p'q' in bezug auf o^ perspek-
tivisch. Es sei nun ohne weiteres möglich, die Brennweite einer Sammellinse
zu bestimmen, die, mit ihrer Mitte nach Oj gebracht, m'n' in ß^ abbilde, und
10*
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148 II. Historischer Teil.
das gleiche gelte offenbar von o^, p' q' und ß^. Nimmt man nun — so muß hier
über A. Stbikhausbb hinaus hinzugefügt werden — weiterhin an, daß die
Linsen in o^ und o^ für ihre ganze öfEnung sphärisch korrigiert seien,
so muß auch der Strahl m' L nach der Brechnung in E^ L übergegangen
sein. Nach der Erledigung dieser Voruntersuchimg wendet sich A. Stbin-
HAUSEB dem Aufnahmeapparat zu. Dabei erledigt sich zunächst der
Fall, wo die Bilder eine so geringe Breite haben, daß sie sich gegen-
seitig nicht stören. Der Fall des größeren Objektivabstandes führt ohne
weiteres auf das durchaus ähnliche, aber entsprechend verkleinerte und
genäherte Raumbild. Doch in der Regel werde bei Stereoskopaufnahmen
eine bestimmte Bildbreite vorgeschrieben, und diese sei meistens größer
als der Augenabstand; mithin müßten die Halbbilder um diesen Betrag
auseinandergerückt werden. Unter Berücksichtigung der oben angestellten
Überlegungen sei es verständlich, daß man die Lage des Mittelpunkts der
dünnen Linse und ihre Brennweite finden könne, die das symmetrisch
verschobene Halbbild in der Entfernimg der deutlichen Sehweite so ab-
bilde, daß es, von dem exzentrisch gelegenen Augenort aus betrachtet,
perspektivisch sei zu dem aufgenommenen Objekt. Die Brennweite der
Betrachtungslinse sei nur von der des Aufnahmeobjektivs und von der
deutlichen Sehweite abhängig. In der vollständig entwickelten Formel
für die Lage des Linsenmittelpunkts aber kommen eine ganze Reihe von
Konstanten vor, und zwar spielen die deutliche Sehweite, die Halbbild-
breite, der Augenabstand, der Objektivabstand, die Aufnahmebrennweite
imd die Entfernung der Einstellungsebene eine Rolle, wobei eigentlich
nur die Variation der letzterwähnten Größe unberücksichtigt bleiben
kann, wenn es sich um Aufnahmen weit entfernter Gegenstände, etwa
von Landschaften, handelt. Der Verschiedenheit des Augenabstandes
verschiedener Beobachter lasse sich durch die seitliche Verschiebung der
Halblinsen Rechnung tragen, und die deutliche Sehweite könne man durch
die Anwendung entsprechender Brillen erzielen, die andern drei Größen
aber sollten möglichst konstant gehalten werden. Sei dies nicht der Fall,
so sei doch wenigstens geboten, die Abweichungen von den Normal-
werten anzugeben. Als Normalwerte schlug er vor eine Aufnahmebrenn*
weite von 15 cm, eine Halbbildbreite von 75 mm, einen Abstand der
Aufnahmeobjektive von 80 mm.
Man sieht ohne weiteres ein, daß zwar auch hier noch unberechtigte
Annahmen über die Güte der Abbildung gemacht wurden, daß aber auf
dem Boden dieser Voraussetzung die Aufgabe eine erschöpfende Lösung
fand. Der prinzipielle Unterschied von der namentlich durch Th. Sutton
gegebenen Theorie lag darin, daß hier infolge der Einfühnmg der deut-
lichen Sehweite eine neue Variable erschien, die namentlich den günstigen
Einfluß hatte, daß die Brennweiten der Betrachtungslinsen wesentlich
länger wurden. So ergab sich beispielsweise in dem soeben behandelten
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5. Der Tiefstand des Interesses in den siebziger und achtziger Jahren. 149
Falle für eine Objektivbrennweite von 15 cm und eine deutliche Seh-
weite von 25 cm eine Betrachtungsbrennweite von 37,5 cm und Exzen-
trizitäten von etwa 13 mm. — Aber auch diese Stimme verhallte bei
der Interesselosigkeit jener Zeit ungehört, und es scheinen keinerlei Ver-
suche gemacht worden zu sein, die Steinhauseb sehen Ideen in die
Praxis einzuführen.
Wie schwierig aber überhaupt die Aufnahme ganz neuer Vorschläge
ist, kann man auch wohl aus der etwas verspäteten Besprechung in der
angesehenen Zeitschrift ,,Natur&' ersehen. Dort wird allen Ernstes be-
richtet, A. Steinhauskb (4.) wünsche die möglichste Übereinstimmung
zwischen Aufnahme- und Betrachtungsbrennweite, und zwar solle ihre
Länge etwa 25 — 30 cm betragen. Um einen Ausdruck von Ch. Whbat-
STONE zu gebrauchen, muß der Berichterstatter den Steinhäuser sehen
Aufsatz durch ein Pseudoskop gelesen haben.
A. Stbinhausee trat gegen Ende des hier behandelten Zeitraumes
noch einige Male referierend auf, doch kann diesen Äußerungen, so zu-
trefiend seine Bemerkungen auch waren, hier keine weitere Beachtung
geschenkt werden.
Ebenfalls als praktischer Schulmann wurde Th. Hügel (i.)» zu dieser
Zeit der Leiter der Gewerbeschule zu Neustadt a. d. H., auf die Be-
schäftigung mit der Stereoskopie geführt. Er wünschte eine Methode, um
mit einfachen Mitteln exakte Stereogramme von Krystallformen anzu-
fertigen. Da ihm das perspektivische Zeichenverfahren, wie es beispiels-
weise J. M. Hessemeb, und J. J. Oppel angewandt hatten, nicht genau
genug war, so entwickelte er analytische Formeln, um aus den Raum-
koordinaten eines Körpers die ebenen Koordinaten seiner Punkte in den
beiden Halbbildern auch dann ableiten zu können, wenn das darzu-
stellende Objekt um eine vertikale und dann um eine horizontale Achse
gedreht worden sei. Waren die Koordinaten homologer Punkte in den
Halbbildern gefunden, so ist die Konstruktion in allen einfacheren Fällen
mit dem Lineal allein mögUch, und nur in den mehr verwickelten mußte
eine Teilmaschine zu Hilfe genommen werden. Es ist ganz verständlich,
daß bei einer so exakten, analytischen Behandlung manches wieder-
gefunden werden mußte, was bereits auf einem ähnlichen, wenn auch
einfacheren Wege von H. Helmholtz gefunden worden war. Und so ist
es auch in der Tat gewesen, da auch Th. Hugel auf den Einfluß des
Betrachtungsabstandes, der Augenentfernung u. a. einging. Bei der Be-
handlung des durch Beobachten mit gekreuzten Achsen hervorgerufenen
pseudoskopischen Eindruckes kam er auf Analogien zu den von H. Helm-
holtz behandelten Reliefbildern; so konnte er zeigen, daß das pseudo-
morphe Raumbild, von dem Punkte mitten zwischen beiden Augen be-
trachtet, perspektvisch liege zu dem orthomorphen Raumbilde und daß
auch bei dieser Lagenbeziehung die harmonische Teilung eine Rolle spiele.
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150 n. Historischer Teil.
Auch die ziemlich verwickelten Grenzbedingungen dafür leitete er ab,
daß die beiden Halbbilder in ihrer Ebene nicht übereinander greifen.
Neben der sehr knappen mathematischen Behandlung finden sich
aber auch Bemerkungen, die deuthch erkennen lassen, daß Th. Hügel für
die praktische Anwendung seiner Resultate in hervorragendem Maße
befähigt war. So empfahl er, die beiden Halbbilder leicht zu tönen, etwa
das linke saftgrün, das rechte hellrosa, weil dann die Wirkung voll-
kommener werde. Wenn sich das Übergreifen der Halbbilder nicht ver-
meiden läßt, „so müssen die Kanten des linken Bildes in anderer Farbe
„(grün) wiedergegeben sein, als die Farbe (rot) der Kanten des rechten
„Bildes ist, und die Bildebene selbst muß mit schwarzem Grunde ver-
„ sehen sein, so daß unter Anwendung eines farbigen Glases oder einer
„gefärbten Flüssigkeit für das linke Auge diesem die Kanten des rechten
„Bildes nicht sichtbar, unter gleichzeitiger Anwendung eines andern
„durchsichtigen Mittels für das rechte Auge diesem die Kiinten des linken
„Bildes unsichtbar sind." Man erkennt daraus, daß er hier das Gegenstück
zu der alten Rollmann sehen Methode vorschlug, wie es inzwischen von
Ch. d'Almbida (s. S. 89) für die stereoskopische Projektion empfohlen
worden war.
Im nächsten Jahre veröffentlichte er (2.) ein ausführhches Referat
über seine Programmarbeit und fügte einige Erweiterungen hinzu. Während
er im ersten Aufsatze die Vereinigung der beiden Halbbilder mit un-
bewaffneten Augen empfahl, kam er nunmehr auf das Whbatstone sehe
Stereoskop zu sprechen, das auch die Möglichkeit gewähre, Halbbilder
verschiedener Größe zu vereinigen, wenn nur ihre Entfernung von den
Spiegeln ihrer Größe entspreche; wie man sieht, eine von H. W. Dovb
(s. S. 62) und H. Swan (s. S. 90) bereits ausgesprochene Idee. Betrachte
man ein gewöhnhches Stereogramm mit gekreuzten Achsen, so entstehe ein
pseudomorphes Raumbild, und er bemerkte dazu in einer sehr treffenden
Weise: „Hier tritt dann oft die Erscheinung des Streites zwischen Sehen
„und geistiger Vorstellung auf, so daß man einige Augenbücke statt des
„Pseudoskops das Orthoskop zu schauen glaubt; dies ist um so mehr
„der Fall, wenn, wie bei photographischen Stereoskopien von Häusern,
„Landschaften etc. das Pseudoskop im Widerspruch mit der Wirkhchkeit
„steht. Mehrere Versuche, photographische Pseudoskope als solche zu
„erkennen, scheiterten bei mir, weil stets die subjektive Vorstellung gegen
„den objektiven Eindruck in den Vordergrund trat."
Man wird ohne weiteres die hervorragende Begabung Th. Hügels
für Probleme dieser Art zugeben und Bedauern darüber empfinden, daß
seine Tätigkeit in eine so stumpfe Zeit fiel. Charakteristisch aber ist
es, daß dieser feine Kopf an der Augenbewegung keinen Anstoß nahm ;
man wird sich das wohl so erklären müssen, daß seine scharfsinnig ent-
wickelten Formeln ihm wohl die Zeichnungen der Halbbilder in exakter
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5. Der Tiefstand des Interesses in den siebziger und achtziger Jahren. 151
und verhältnismäßig bequemer Weise lieferten, aber doch ihren Charakter
als Perspektiven für das Einzelauge nicht so klar heraustreten ließen,
wie die technisch viel weniger leistungsfähigen perspektivischen Kon-
struktionen J. J. Oppels (s. S. 107). So mag es gekommen sein, daß
Th. Hügel diesen wichtigen Punkt übersehen hat.
Von einer wesentlich geringeren Bedeutung als die beiden Schul-
naänner ist der ebenfalls um die Mitte der siebziger Jahre in Berlin auf-
tretende Privatgelehrte H. Goltzsch [f vor 1891]. Er erschien zuerst in
dem Vogel sehen Verein Berliner Photographen, wo er in den Schluß-
sitzungen des Jahres 1876 bei der Diskussion einige noch recht allgemeine
Bemerkungen über Stereoskopie vortrug. Erst im Frühjahr des folgenden
Jahres äußerte er (i.) sich etwas eingehender, und zwar sprach er über
das amerikanische Stereoskop (s. S. 125), bei dem er eine Seitenverstellung
Fig. 73.
Das erste Binokularmikroskop von H. Goltzsch (2,).
der Linsen vermißte. Er verlangte nämlich, daß eine Änderung des
Linsenabstandes Hand in Hand gehen solle mit der Einstellung, und
zwar so, daß mit zunehmendem Bildabstande die Linsen einander ge-
nähert werden sollten; am liebsten hätte er eine zwangläufige Führung
gefordert. Die Linsentrennung war ihm abhängig von Brennweite, Bild-
breite und Augenabstand; doch ist eine Abhängigkeit von der so viel aus-
führlicheren Arbeit von A. Steinhauser aus dem Grunde ausgeschlossen,
weil diese erst später veröffentlicht wurde. Großes Gewicht legte er auf
die Beleuchtung der Stereogramme, und zwar reizten ihn Papierbilder,
die im auffallenden und nachher im durchfallenden Licht betrachtet
wurden, ganz besonders. Es ist das eine Einrichtung, die im Anfange
der sechziger Jahre in England als Tag- und Nachtbilder (dissolving views,
cosmorama) viele Freunde hatte. Genauere Angaben darüber finden sich
bei M. VON Rohb [5. 329, 362.),
Das Thema von der Umgestaltung des Stereoskops behandelte
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152 II. Historischer Teil.
H. GoLTZSCH (5.) noch einmal um 1890, doch nahm er da fast ganz den
von Th. Sütton (s. S. 100) vertretenen Standpunkt ein. Nur insofern
ging er darüber hinaus, als er vorschlug, auf die Einstellungsvorrichtung
ganz zu verzichten und Heber die Augen durch eine passende Fernbrille
zu korrigieren. Greschähe das nicht, so müßte sich bei der Einstellung
der Linsenabstand in passender Weise ändern.
Auch dem binokularen Mikroskop wendete dieser Vertreter der deut-
schen Amateure seine Aufmerksamkeit zu, und zwar empfahl er {2.) 1879
eine Einrichtung, wo Spiegelprismen die Hälften der aus dem Objektiv
austretenden Strahlen isoüeren und den beiden Augen zuführen sollten
(Fig. 73, S. 151). Da die spiegelnden Flächen aber sehr weit von der Austritts -
pupille des Objektivs entfernt standen, so würde die Lichtverteilung über
das Gesichtsfeld sehr ungleichmäßig gewesen sein. Er hatte auch die
Möglichkeit vorgesehen, das eine Prisma fortzuschlagen und das Mikro-
skop dann als ein unokulares brauchen zu lassen. Der Strahlengang
wurde gleich hinter «dem Objektiv rechtwinklig zur Objektivachse ge-
knickt. Doch ist es zweifelhaft, ob die hier gewählte Anordnung, wo das
Objektiv horizontal lag und sich rechts von beiden Tuben befand, im Ge-
brauch zweckmäßig gewesen wäre. Um die Prismendicke nicht schädigend
auf die sphärische Korrektion des Objektivs einwirken zu lassen, brachte
er das Objekt in den Brennpunkt, so daß die Strahlen dahinter parallel
verliefen; er hat aber dabei nicht bedacht, wie E. Abbe (i. 205.) hervor-
hob, daß das Objektiv für einen solchen, von dem gewöhnUchen voll-
ständig abweichenden Strahlengang besonders korrigiert werden müßte.
Die beiden unendlich fernen Halbbilder wurden durch zwei kleine astro-
nomische Fernrohre betrachtet, die zunächst noch aus zwei einfachen
Linsen zusammengesetzt waren. Da das ganze System also ein bild-
aufrichtendes war, so hatte sich ein pseudoskopischer Effekt vermeiden
lassen, obwohl die beiden Bilder nicht überkreuzt worden waren. Das
Neue an diesem Vorschlage war offenbar die Einführung des Objekts in
die Brennebene des Objektivs, zur Vermeidung der Prismenaberration.
Kurze Zeit darauf, 1881, machte er (5.), nach CnfiEUBiN d'Okle-
ANS (s. S. 26) wohl zuerst wieder, den Vorschlag, ein astronomisches Doppel-
fernrohr zu bauen. Die Form, die er zunächst vorschlug — er hat sie
mit einigen, sogleich zu beschreibenden Abänderungen auch wirklich aus-
führen lassen, und zwar hatten die Objektive einen Öffnungsdurchmesser
von 74 mm — war die folgende (Fig. 74). Die beiden Hauptrohre wurden
zueinander parallel und so montiert, daß sie zum Teil untereinander
lagen, denn es war notwendig, daß die senkrechten Achsenschnitte der
beiden Hauptrohre einen Abstand von 60 mm hatten, dem kleinsten regel-
mäßig vorkommenden Augenabstande, wie H. Goltzsch annahm. In die
Austrittspupillen der astronomischen Fernrohre wurden zunächst Ablese-
prismen P gestellt, die die Achsenrichtungen senkrecht nach oben warfen.
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5. Der Tiefstand des Interesses in den siebziger und achtziger Jahren. 153
If.Avge RsAwffe
Fig. 74.
Das astronomische Doppel-
femrohr nach H. Goltzsch
(3.).
Die Femrohrobjektive (mit
gestrichelten Umrissen) sind
senkrecht hinter der Papier-
ebene zu denken.
Diese Prismen P lagen, wie die Figur zeigt, nicht in einer Horizontalen
und hatten daher von den horizontal liegenden Augen des abwärts blicken-
den Beobachters einen verschiedenen Abstand. Um diese Verschiedenheit
auszugleichen, verwandte er, wie aus der Figur er-
sichtlich ist, zwei astronomische Fernrohre verschie-
dener Länge aber gleicher Vergrößerung r= 1, durch
die er die beiden Austrittspupillen P in die Augen-
orte abbildete. Die Einstellung auf den Augen-
abstand sollte durch Drehung um die Fernrohr-
acbsen erfolgen^ so daß sich ein um so größerer
Konvergenzwinkel v' ergab, je weiter der Augen-
abstand des Beobachters war.
Von dieser Form ist er dann nach zwei Rich-
tungen abgewichen. Einmal wurden, der besseren
Ausnutzung der Totalreflexion wegen, die einfachen
Ableseprismen durch gleichseitige Prismen ersetzt —
in diesem Falle blickte der Beobachter nicht senk-
recht nach unten, sondern unter einem Depressions-
winkel von 60 Graden nach vorn — und dann
schlug er zur Verminderung der Linsenzahl vor,
das HuYGENsische Fernrohrokular durch eine Ne-
gativlinse zu ersetzen und sie zu dem ihr folgenden astronomischen
Fernrohr von der Vergrößerung r=\ so abzustimmen, daß sich ein
brauchbares Fernrohrokular ergab. Diese letzte Neuerung gehört unter
eine historische Behandlung der Fernrohrokulare , sie mußte aber hier
erwähnt werden, weil sich H. Goltzsch durch den Übergang von dem
HuYGENsischen umkehrenden Okular zu der nicht umkehrenden Nega-
tivlinse gezwungen sah, den Verhältnissen seine Aufmerksamkeit zu
schenken, die die Ortho- und die Pseudoskopie bestimmen. Er tat das
in einer ausreichenden, allerdings ganz speziellen Weise, indem er auf
die stereoskopischen Differenzen im Bildraume einging. Die orthopische
Stellung der Objektaugen führte er im letzten Falle dadurch herbei, daß
er vor jedes Auge ein Amcisches Reflexionsprisma brachte. Bei der Be-
trachtung irdischer Objekte durch sein Doppelfernrohr bemerkte er aber
doch eine gewisse Störung der stereoskopischen Wirkung, die er auf die
nicht horizontale Lage der objektseitigen Projektionszentren zurückführte.
Eine Abänderung seines, oben besprochenen binokularen Mikroskops
Heß er (4.) bald darauf erscheinen. Die Knickung senkrecht zur Objektiv-
achse wurde nun aufgegeben, und die beiden Tuben wichen nur um je
7 Grad von der Richtung der Objektivachse ab. Diese Ablenkung wurde
in einer von der Methode J. L. Riddblls (s. S. 73) kaum abweichenden
Weise durch zwei Amcische Reflexionsprismen bewirkt, die hintereinander
angeordnet waren. Das Objekt befand sich noch immer im Brennpunkt
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154
II. Historischer Teil.
des Objektivs, aber die beiden Betrachtungsfernrohre hatten nunmehr
achromatische Objektive erhalten. Der Beleuchtungsapparat war pris-
matisch gestaltet worden, um gleichmäßig diffuses Licht in allen ge-
wünschten Richtungen abzugeben.
Unmittelbar nach der ersten Veröffentlichung von H. Goltzsch publi-
zierte E. Abbe (i.) sein stereoskopisches Okular, das auf eine Anregung
von E. Selenka entstanden war. Ihm lag daran, ein Instrument zu
schaffen, das auch bei den stärksten Vergrößerungen für binokulare Be-
obachtung geeignet sei. Zu diesem Zwecke halbierte er nicht die Strahlen-
ß
Fig. 75.
Das Abbe sehe (2.) stereoskopische Okular.
büschel in möglichster Nähe der Austrittspupille des Objektivs, sondern
er zerlegte, ganz so wie es ohne sein Wissen F. H. Wenham bereits 1866
getan hatte (s. S. 115), durch die Einführung einer dünnen Luftschicht
jeden einzelnen Strahl in einen stärkeren durchgelassenen und einen
schwächeren gespiegelten Teil (Fig. 75). Da die beiden, abgesehen von
der Intensität identischen Bilder in verschiedener Entfernung von den
Endflächen der beiden Prismen lagen, so berechnete er zwei Okulare
von verschiedenem Typus aber gleicher Brennweite, die so beschaffen
waren, daß bei richtiger Einstellung des Bildes die beiden Austritts-
pupillen etwa gleichweit, nämlich um 25 cm, von dem Schnittpunkt der
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Q
D
D
a
O
D O
a
Q
O
D
n
o
r
Fig. 76.
Die sechs Abbe sehen Schemata für die
orthomorphe (0) und pseudomorphe (P)
Wirkung.
5. Der Tiefstand des Interesses in den siebziger und achtziger Jahren. 155
beiden Okularachsen entfernt waren. Beobachtete man ohne weitere Vor-
kehrungen mit beiden Okularen, so erhielt man in jedem Auge das gleiche
Bild, also keinen stereoskopischen Eindruck, da es sich um eine zwei-
äugige Beobachtung handelte. Der stereoskopische Eindruck wurde erzielt
durch das Aufsetzen von einem oder zwei Okulardeckeln, die einen oder
zwei Halbkreise der Austrittspupillen abblendeten. E. Abbe gab eine
sehr einfache, für alle stereoskopischen Mikroskope mit einem Objektiv
stimmende Regel an, um sofort zu erkennen, ob die Wirkung der Ein-
richtung Ortho- oder pseudoskopisch wäre (Fig. 76). Waren zwei Halb-
kreise vorhanden, so war die Wirkung in
dem mit bezeichneten Falle ortho-, in
dem mit P bezeichneten pseudoskopisch.
Gab es nur einen Halbkreis,, so ergab sich
das Schema der Figur leicht in Analogie
zu dem Vorhergegangenen. — Der Beweis
seines Ausspruches war besonders einfach.
Läßt man zunächst die Spaltung hinter
dem Objektiv außer acht, so liefert das
ganze Mikroskop von dem Objekt ein
Bildrelief, das im Endlichen vor dem be-
obachtenden Auge liegen möge. Infolge-
dessen wird es betrachtet werden wie ein natürliches Objekt, d. h. wenn das
Auge durch die rechte Hälfte der Austrittspupille in der Richtung auf den
eingestellten Punkt schaut, so werden nähere Punkte in bezug auf diesen
eingestellten nach links, fernere nach rechts verschoben erscheinen. Schaut
das Auge durch die linke Hälfte der Pupille, so ergeben sich die um-
gekehrten Verschiebungen. Wird aber das Bildrelief der Tiefe nach richtig
aufgefaßt, so bekommt man auch vom Objektrelief die richtige Tiefen-
auffassung, da die Abbildung durch optische Instrumente stets recht-
läufig ist, d. h. die Reihenfolge der Objektpunkte sich im Bilde nicht
ändert. Wurden nun in E. Abbes stereoskopischem Okular durch die
Einführung der sowohl spiegelnden als auch durchlassenden Luftschicht
die beiden Austrittspupillen so weit getrennt, daß man beide Augen gleich-
zeitig ihnen nähern konnte, so mußte, wenn man beide Pupillen ab-
blenden wollte, dafür Sorge getragen werden, daß das linke Auge durch
die hnke, das rechte Auge durch die rechte Pupillenhälfte bückte. Auch
die Abdeckung einer einzelnen Pupille genügte, um einen zwar nicht
so sehr hervortretenden, aber immer noch genügend deuthchen stereo-
skopischen Effekt zu erzielen; die dazu nötige Lage der Blende ergibt
sich ohne weiteres aus dem entsprechenden Schema.
Sobald schwächere Mikroskopobjektive auf Objekte von verhältnis-
mäßig großer Tiefe angewandt wurden, ergab diese Regelung des
Strahlenganges befriedigende Resultate, dagegen war sie bei starken
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156 n. Historischer Teil.
Systemen mit ihrem außerordentlich beschränkten Tiefenraum nicht
immer ausreichend. Denn man ist in solchen Fällen bei gerader Be-
leuchtung auf einen ziemlich engen Beleuchtungskegel beschränkt, um
die Tiefenschärfe nicht allzusehr zu vermindern. Die Verschiedenheit der
Bilder für die beiden Hälften dieses Beleuchtungskegels ist daher nicht
groß genug, um eine auffällige stereoskopische Wirkung herbeizuführen.
E. Abbe {!• 211.) empfahl in solchen Fällen zwei schiefe Beleuchtungskegel
zu wählen, indem man zwei geeignete exzentrische Blenden in den Be-
leuchtungsapparat einlegte. Es mußte dann nur jede einzelne Austritts-
pupille des Binokularmikroskops so abgeblendet werden, daß nur das
äußere der beiden Blendenbilder in das Auge gelangte. Man sieht leicht
ein, daß diese Vorschrift wieder darauf hinauskommt, eine orthopische
Stellung der beiden Objektaugen zu erzielen. Aus dem Vorhergehenden
ist es klar, daß das hier durchgebildete Prinzip, mit den beiden Be-
leuchtungskegeln die stereoskopische Wahrnehmung herbeizuführen, in
den mikrophotographischen Verfahren schon sehr früh von F. H. Wbnham
(s. S. 113/114) angewandt worden war.
Es leuchtet ein, daß die von E. Abbe gegebene Behandlung in
theoretischer Hinsicht weit über dem stand, was so viele tüchtige
Männer vor ihm geleistet hatten. Seine elegante Aufdeckung des Grundes
für die Ortho- und die Pseudomorphie bei allen binokularen Mikroskopen
mit gemeinsamem Objektiv war ein Ergebnis, an das von seinen Vor-
gängern niemand auch nur zu denken gewagt hatte. Jetzt nach einem
Vierteljahrhundert war der schöne Gedanke F. H. Wbnhams, die stereo-
skopische Wirkung erst durch eine Abbiendung (s. S. 73/74) zu erreichen,
nicht bloß verwirkUcht, sondern durch die Hinzunahme des pseudo-
skopischen Effekts noch erweitert worden. Von der oben durchgeführten
(s. S. 14 — 16) Behandlung weicht die Abbe sehe Betrachtungsweise insofern
ab, als sie noch auf das Rechts und Links Wert legt, Begriffe, die zweck-
mäßiger durch orthopisch und chiastopisch zu ersetzen sind.
Daß diese Ansichten aber nicht gleich allgemein anerkannt wurden,
zeigte sich sofort, als noch im Herbst desselben Jahres das Abbe sehe
stereoskopische Okular der Londoner Gesellschaft vorgeführt wurde.
W. B. Caepentee (4.), der angesehene Vertreter der alten Schule, äußerte
sich dazu und nahm, wie es auch richtig war, die Priorität für die dort
angewandte Methode der Spaltung jedes einzelnen Strahls für F. H. Wenham
in Anspruch. Er traute aber weiterhin der neuen Konstruktion kein
orthomorphes Raumbild zu, weil die beiden Halbbilder einander nicht
überkreuzten, wie es doch bei den offenkundig orthomorphen Systemen
von A. Nachet (s. S. 73) und F. H. Wenham (s. S. 113) geschähe.
Seiner Meinung nach könne durch einen einfachen Wechsel der Blenden
kein stereoskopischer Effekt in einen pseudoskopischen verkehrt werden.
E. Abbe (.?.) antwortete auf diese Ansichten in einer bei der Dar-
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5. Der Tiefstand des Interesses in den siebziger und achtziger Jahren. 157
Stellung seiner Theorie schon benutzten Arbeit und erkannte die Priorität
F. H. Wenhams an. Die unrichtige Schlußfolgerung W. B. Cabpentees
hinsichtlich der Notwendigkeit einer Überkreuzung der Halbbilder wies
er im einzelnen zurück.
Sehr bald danach findet sich eine Zustimmung zu den Abbe sehen
Ansichten in dem englischen Sprachgebiet. Hier erklärte A. C. Mebcer (i.)
die manchmal überraschend auffälhg stereoskopische Wirkung nur zwei-
äugiger Einrichtungen wie der von Powell und Lealand in einer sehr
glücklichen Weise. Sind die Okulare dem Augenabstande des Beobachters
entsprechend gestellt, so nehmen sie beide die Austrittspupillen ganz in
sich auf, und man erhält keine Tiefenwahrnehmung. Stehen die Okulare
zu tief, ist also ihr Abstand zu gering, so fallen nur die äußeren Teile
der Austrittspupillen in die Augen, und es ergibt sich durch die natür-
liche Abbiendung ein orthomorphes Raumbild. Dagegen entsteht ein
pseudomorphes Raumbild, wenn der Abstand der zu weit ausgezogenen
Okulare für die Augenweite des Beobachters zu groß geworden war,
so daß nur die inneren Teile der Ramsden sehen Kreise in seine Augen
gelangten.
Einige Jahre danach äußerte sich der alte W. B. Caepenteb (5.)
noch einmal in einem liebenswürdigen Vortrage zu der Abbe sehen
Theorie, wie sie von ihrem Autor (5.) unmittelbar zuvor in kurzer
Zusammenfassung veröffentlicht worden war. Ihm bereitete namentlich
der telezentrische Strahlengang mit der Abwesenheit aller perspektivischen
Verkürzung Schwierigkeit. Er wünschte darauf hinzuweisen, daß bei
schwachen Systemen im binokularen Mikroskop wirklich verschiedene
Halbbilder entständen, was ihm E. Abbe zu bestreiten scheine. Diese
letzte Annahme beruht auf einem Irrtum. In Wirklichkeit besteht kein
wesentlicher Widerspruch zwischen E. Abbe und den von W. B. Caepenteb
vertretenen alten Ansichten F. H. Wenhams. Auch ist es zur Theorie
des binokularen Mikroskops durchaus nicht notwendig, immer einen
telezentrischen Strahlengang auf der Objektseite anzunehmen.
Ungefähr um dieselbe Zeit, in der das stereoskopische Okular
E. Abbes erschien, beschäftigte sich der amerikanische Physiologe
W. le Conte Stevens (J.) mit der Konstruktion eines für die verschie-
densten Zwecke besonders geeigneten Stereoskops, das er im Jahre dar-
auf zur Patentierung anmeldete. Wenn auch die einzelnen Teile der
Ausstattung nicht neu sind, so verdient doch ihre Zusammenstellung
namentlich in einer so interesselosen Zeit eine Erwähnung. Die prisma-
tischen Linsen lassen sich einzeln nach der Breite verstellen. Eine kleine
Zwischenwand kann aufgestellt und niedergeklappt werden. Man kann
die Linsen in ihrer Fassung umkehren, gegen einfache Prismen aus-
wechseln und schließlich auch ganz entfernen, so daß man auch Halb-
bilder ohne Zwischenschaltung von Linsen mit angenähert parallelen oder
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158
II. Historischer Teil.
mit gekreuzten Augenachsen betrachten kann. Um identische Bilder
stereoskopisch zu sehen, kann der Bildträger in zwei um vertikale
Achsen drehbare Teile zerlegt werden, die man dann gegeneinander
symmetrisch neigen muß. Man sieht, daß hier die von C. Th. Touetual
für das WnEATSTONEsche Stereoskop angegebene, dem Patentanmelder
sicherlich unbekannte Einrichtung (s. S. 44) auftritt. Ein großer Erfolg
durch die Einführung in weite Kreise von Benutzern ist diesem Instrument
nicht beschieden gewesen.
Von größerer Bedeutung wurde im enghschen Sprachgebiet der
praktische Photograph J. Habmeb, der in einer geradezu staunenswürdigen
Weise einen Ausbhck auf ein stereoskopisches Vergleichsinstrument gab,
das tatsächlich in den ersten Jahren des folgenden Jahrhunderts von
C. PuLFBiCH in Jena wiedererfunden und veröffentUcht werden sollte.
Aus einer Äußerung {4.) geht hervor, daß sich J. Habmeb in der Glanz-
periode der Stereoskopie mit der Anfertigung besonders exakter Stereo-
gramme beschäftigt hatte. Er hat sich namentlich auch damit abgegeben,
zwei Stereogramm-Negative so zu einem Positivdruck zu kombinieren, daß
keine Störung des Tiefeneindrucks eintrat. Man kann diese seine Anre-
gungen also unmittelbar auf jene Zeit lebendigen Interesses zurückführen
und ihn als eines der wenigen Bindeglieder ansehen, die zwischen jener
„guten alten Zeit" und der Periode des neuen Aufschwunges stehen.
Seine erste Äußerung (i.) noch vom Jahre 1879 hatte wesentlich
historisches Interesse, und er machte damals auf die längst vergessene
Methode des Claudbt sehen Projektionsstereoskops (s. S. 105) wieder auf-
merksam. Wahrhaft bemerkenswert ist erst seine zweite Mitteilung {2m 3.),
die ihrem Inhalt nach an zwei verschiedenen Orten veröffentlicht, zu-
nächst wohl im Spätherbst 1880 erschienen ist.
Es handelte sich dabei um einen
Apparat zur Feststellung der Wol-
kenhöhe, wobei diese durch ein stereo-
»kopisches Meßverfahren angewandt
auf Photogramme ermittelt werden
sollte. Um die dazu nötige Meß-
skala zu erhalten, ging J. Habmeb
empirisch vor (Fig. 77). Er kon-
struierte in großem Maßstabe ein
Quadrat, dem er eine Reihe klei-
nerer so einbeschrieb, daß immer
das nächste die folgenden umschloß.
Der Mittelpunkt jedes kleineren Quadrats war immer um einen kleinen
Betrag nach rechts versetzt, und schließlich war noch eine senkrechte
Marke ein wenig links vom Mittelpunkt durch das umschließende Quadrat
gezogen. Machte man von dieser zweiseitig symmetrischen Figur zwei
Fig. 77.
Das Habmeb sehe Stereogramm für die Meßskala.
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5. Der Tiefstand des Interesses in den siebziger und achtziger Jahren. 159
Diapositive in verkleinertem Maßstabe und legte sie so zusammen, daß
die der linken Begrenzung entsprechenden Kanten einander am nächsten
waren, so konnte die Vereinigung der beiden symmetrischen Halbbilder
bei zweckmäßiger Wahl der Verkleinerung und des Abstandes als Raum-
bild eine Schar senkrechter, einander paralleler Ebenen hervorrufen, von
denen die unter dem kleinsten Gesichtswinkel erscheinende am weitesten
entfernt war. Die vertikale Marke aber wurde ganz in den Vordergrund
verlegt. Ohne weiteres konnte die Entfernung zwischen diesen Ebenen
und dem Beobachter aus der Zeichnung nicht ermittelt werden, und
J. Habmbr schlug dazu folgendes empirische Verfahren vor, wofür ein
genau vermessenes Gebiet mit einer Doppelcamera aufgenommen werden
mußte. Der Aufnahmeapparat bestand aus zwei auf einem drehbaren
Balken von etwa 15 m Länge montierten Cameras, die zunächst auf
eine Landschaft exponiert wurden, in der die Entfernungen aller Objekte
durch Messungen zuverlässig bekannt waren. Lege man die Diapositive
der Landschaft auf die Platten, die jene Halbbilder der Meßskala tragen,
so könne man ohne weiteres für den gegebenen Abstand der Skalen-
halbbilder ermitteln, mit welchen Objekten die Ebenen zusammenfielen,
und danach für den genau einzuhaltenden Abstand den Tiefenwert der
empirisch gewählten Skalenteile feststellen. Exponiere man jetzt die
auf die Wolken im Zenit gerichteten Cameras, so könne nunmehr die
ausgewertete Meßskala dazu dienen, die Entfernung der Wolken zu be-
stimmen. Neige man die Cameras unter verschiedenen Winkeln gegen-
einander, so müsse man für jede solche Konvergenz eine besondere
Meßskala auswerten.
Bei dem hier gewählten Cameraabstande von etwa 15 m war die
Steigerung des Reliefs eine etwa 230 fache. Man würde also imstande
gewesen sein, die Höhe der niedrigen Wolken mit einer befriedigenden,
die der höchsten mit einer ausreichenden Genauigkeit zu bestimmen,
immer vorausgesetzt, daß die Wolkenformen bestimmt genug waren, um
identische Pimkte mit Sicherheit auffinden zu können.
Bemüht man sich, diesen Vorschlag J. Habmbes dem anzugliedern,
was schon früher besprochen worden ist, so erkennt man hier deutlich
ein Meßverfahren, das aber insofern von dem auf A. Rollet und E. Mach
(s. S. 134) zurückgehenden abweicht, als auch der zu messende Raum
in Halbbildern vorliegt. Auf diese unterbrochene Abbildung wird die
Rollet sehe feste Skala angewandt, nur werden die beiden Räume da-
durch einander zugeordnet, daß in der zweiten Brewster sehen Weise
(s. S. 81) die wesentUch durchsichtigen Halbbilder des Maßraums ein-
fach auf die des zu messenden gelegt werden. Das Skalenstereogramm
kann also als Ganzes über das Stereogramm des zu messenden Raumes
hingeschoben werden. Infolge der weiten Trennung der Aufnahmeobjek-
tive war die Empfindlichkeit weit größer als bei dem Rollet sehen
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160 U. Historischer Teil.
Verfahren, und in dieser Hinsicht steht der neue Vorschlag der Mach sehen
Verwendung eines Telestereoskops nahe. Um Mißverständnisse auszu-
schUeßen, sei ausdrücklich bemerkt, daß an eine Beeinflussung J. Habmebs
durch die ebengenannten Vorgänger wohl gar nicht zu denken ist, da-
gegen erscheint eine indirekte Beeinflussung durch Sir David Bbbwstbb
möglich.
Eine Reihe von Jahren verstrich, bevor sich J. Habmeb (5.) wieder
äußerte. Auch diesmal war der Inhalt seines Artikels hauptsächlich
historisch und Ueß erkennen, daß der Verfasser mit oflenen Augen in
jener Zeit gelebt hatte, wo sein Lieblingsinstrument in so hohem Maße
populär gewesen war. Auch einige recht beachtenswerte, für den durch-
schnitthchen Benutzer allerdings nicht schmeichelhafte Gründe des
Niederganges finden sich angegeben. Als eine neue Möghchkeit der Ver-
wendung erschien ihm die Benutzung des Stereoskops in der Astro-
Photographie. Vergleiche man zwei zu verschiedenen Zeiten gemachte
photographische Aufnahmen eines und desselben Himmelsgebietes im
Stereoskop, so müßten sich Bewegungen eines Sternes in bezug auf seine
Nachbarn im Stereoskop als Tiefenverschiedenheiten herausstellen. Auch
spektrographische Aufnahmen könne man im Stereoskop vergleichen und
aus einer Ortsänderung ganzer Liniengruppen auf eine Bewegung der
Lichtquelle schließen, auf die jene Gruppen zurückzuführen seien.
Sehr nahe steht diesem Aufsatz eine Mitteilung (6«) aus dem
Jahre 1892. Hier schlug J. Habmeb vor, die photographische Aufnahme
binokular mit dem Bilde in der Brennebene des Objektivs zu vergleichen,
um auch die Zuverlässigkeit der Wiedergabe einer strengen Prüfung zu
unterziehen. Der Hauptfortschritt lag aber darin, daß er — möglicher-
weise auf Grund dieser Vergleichung im Teleskop — die Forderung
aussprach, die miteinander zu vergleichenden Plattenpaare unter starker
Vergrößerung zu prüfen.
Weitere Arbeiten dieses Mannes sind in der hier benutzten Literatur
nicht vorhanden. Es scheint nicht, als sei jemals der Versuch gemacht
worden, die Ideen J. Habmebs in die WirkUchkeit überzuführen. Es
war ein Unglück, daß sie in der photographischen Fachpresse vergraben
blieben und nicht in den Gresichtskreis der Physiker und Astronomen
kamen.
Das Interesse fehlte diesen Kreisen nicht ganz, denn nur ein halbes
Jahr nach J. Habmebs (5.) Äußerung veröffenthchte der amerikanische
Geodät Ch. H. Kummell (J.) die Anregung, die Astronomen sollten zur
Entdeckung von Fixsternparallaxen das Stereoskop verwenden. In der
praktischen Bekanntschaft mit diesem Instrument stand er J. Habmeb
sicherlich nach, betonte er doch ausdrücklich, daß es sich hier nur um
einen Vorschlag handele, dessen Brauchbarkeit sich erst zeigen solle.
Ungefähr um dieselbe Zeit versuchten M. Wolf und Ph. Lenabd,
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5. Der Tiefstand des Interesses in den siebziger und achtziger Jahren. Ißl
wie M. Wolf (A) 1895 berichtete, die gleiche Idee für die Auffindung
von Planetoiden zu verwenden; doch war ihnen ebensowenig Erfolg be-
schieden wie V. Wellmann (i.), der etwas später, 1892, auf W. Försters
Anregung von den Dove sehen Vergleichungen eines Originals mit seiner
Kopie ausgehend, ebenfalls Sternbewegungen zu erkennen strebte. In
diesem, vor dem Wolf sehen veröffentlichten Auf satze findet sich auch
ein Hinweis auf die Vorgängerschaft Ch. H. Kummells.
In gewisser Weise auf die binokularen Mikroskope zurück führen
die um den Ausgang der achtziger Jahre angestellten Bestrebungen, eine
binokulare Lupe herzustellen.
Der Berliner Zoologe F. E. Schultze (1.) hatte den Rostocker Optiker
H. Westien (1.) veranlaßt, aus zwei Chevalier-Brücke sehen Lupen ein
Doppelinstrument zusammenzusetzen und es unter Patentschutz zu stellen.
Es handelte sich zuerst um schwache (6- und 10 fache) Vergrößerungen.
Die Achsen der beiden Lupen schnitten sich unter dem gewöhnUchen
Konvergenzwinkel bei der Beobachtung naher Gegenstände. Dabei war es
notwendig gewesen, die Innenseiten der Objektivlinsen zu beschneiden,
um sie genügend aneinanderrücken zu können.
Etwas später, 1890, hat R. H. Aubbrt (i.) eine solche Doppellupe
von etwas stärkerer (25facher) Vergrößerung als binokulares Perimikro-
skop vorgeschlagen und sich damit schon mehr den Doppelmikroskopen
genähert, die bald von H. S. Greenough erfolgreicher behandelt werden
sollten.
Die Vorzüge der soeben besprochenen Konstruktionen lagen be-
sonders in dem großen Objektabstande und der Helligkeit, die beide
auch der Einzellupe dieses Typus zukommen. Homöomorph sind sie nicht,
da — von allem andern abgesehen — durch diese Lupen die Gesichts-
winkel vergrößert werden; ja, es entsteht nicht einmal ein Raumbild
im eigentlichen Sinne, da sich homologe Strahlen im allgemeinen kreuzen.
Ein Rückblick auf diese vier Lustren kann nur Bedauern wach-
rufen. Sicherlich hat es auch in diesem Zeitraum nicht an guten Köpfen,
ja an hervorragenden Begabungen gefehlt, aber die Gleichgültigkeit der
Menge ließ die Worte der Hingabe und Begeisterung, die jenen Vor-
kämpfern wohl zu Gebote standen, ungehört verhallen. An der Ver-
zögerung der Weiterentwicklung, für die dem Zurückblickenden alle
wesentlichen Bedingungen gegeben scheinen, kann man das unheimliche
Nachwirken der früheren Verschuldung erkennen. Was frommte aller
Eifer und alle Begabung, was nützten die besten Vorschläge, wenn sich
die Zeitgenossen stumpf und dumpf von dem blendenden Spiele der
Ideen abkehrten?
V. Rohr, Binokulare Instrumente.
11
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162 * n. Historischer Teil.
6. Das Erwachen des Interesses in den neunziger
Jahren.
Ganz allmählich heginnt sich eine Hebung des gänzlich danieder-
liegenden Interesses an stereoskopischen Darstellungen fühlbar zu machen.
In englischen Schriften wird nicht selten J. Teaill Taylor (2.), dem an-
gesehenen Redakteur der wichtigsten photographischen Fachzeitschrift,
das Verdienst zugerechnet, durch einen zusammenfassenden Aufsatz vom
Jahre 1887 die Anteilnahme für die Stereoskopie geweckt zu haben.
Gewiß wird eine solche Anregung bei der großartigen Bedeutung der
Fachpresse in jenem Lande sehr wichtig gewesen sein, aber auf sie allein
wird man den sehr deutlichen Umschwimg nicht zurückführen können.
Das allgemeine Interesse an der Photographie erstarkte um die gleiche
Zeit in jenem für diese Kunstfertigkeit so wichtigen Lande sichtlich, und
das Auftreten der neuen Objektivtypen, das auf den Anfang der neun-
ziger Jahre zu verlegen ist, wird ebenfalls mit dazu beigetragen haben,
die Stereoskopie aus ihrem tiefen Schlummer zu erwecken.
Für das große Pubhkum hat sicherlich auch die Einführung der
Prismendoppelfernrohre mit gesteigertem Objektivabstande eine merkbare
Anregung gegeben, die Blicke auch auf die verwandten stereoskopischen
Instrumente zu richten. So wird sich zeigen lassen, daß in diesem Zeit-
raum eine aufsteigende Bewegung entsteht, die, wenn auch geschichtslos
und nicht immer richtig geleitet, vorteilhaft absticht von den unmittelbar
vorhergehenden Jahrzehnten, so wenig sie auch die Blütezeit der fünf-
ziger Jahre zu erreichen vermag.
Die Förderung der stereoskopischen Photographie und der
Stereoskope.
Im Herbst des Jahres 1891 suchte Louis Ducos Duhaübon (i. 2.)
ein französisches Patent auf ein Druckverfahren nach; es hatte die Her-
stellung von solchen Stereogrammen zum Ziel, die zur Hervorrufung des
Raumbildes nur eines geringen Instrumentariums bedurften. Das Ver-
fahren bestand darin, daß die beiden Bilder in zwei verschiedenen Farben
auf weißes Papier gedruckt und durch eine Brille mit Gläsern entgegen-
gesetzter Farbe betrachtet werden. Wenn der Verfasser in seiner Be-
schreibung auch auf das Verfahren Ch. d'Almeidas (s. S. 89) hingewiesen
hatte, so ist doch ohne weiteres klar, daß es die noch ältere Methode
W. RoLLMANNs War, die hier zu verdienten Ehren kam (s. S. 83). Die
Patentschrift betonte ferner in einer nicht sehr exakten Weise die Not-
wendigkeit, eine etwa dem Augenabstande entsprechende Entfernung homo-
loger Punkte entfernter Objekte einzuhalten. Durch eine Verschiebung
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6. Das Erwachen des Interesses in den neunziger Jahren. 163
transparenter Bilder übereinander hin könne man Wirkungen nach Art
der Phantasmagorien erzielen, d. h. den Anschein erwecken, als änderten
die Raumbilder rasch ihre Größe. Auch identische Halbbilder könnten
eine gute Wirkung ergeben. Stereogramme nach diesem Verfahren sind
öfter als Anaglyphen beschrieben worden.
Eine der ersten Anwendungen dieses Verfahrens im deutschen Sprach-
gebiete scheint eine Beilage zur Deutschen Photographen-Zeitung, einer
wesentlich für Berufsphotographen bestimmten Wochenschrift, gewesen
zu sein, und zwar wurde die betreffende Nummer im Frühjahr 1894
versandt. Später hat sich diese Methode durch die Weltbilder bekannt
gemacht, die der Deutsche Verlag in Berlin danach herstellte und in
den Handel brachte.
Noch in demselben Jahre, in dem L. Ducos Duhaueon sein französisches
Patent erhielt, ließ sich der Londoner Feinmechaniker J. Andbeton {!*)
ein neues Verfahren zur stereoskopischen Projektion schützen. Die Tren-
nung der übereinander projizierten Halbbilder wurde in diesem Falle
durch den Polarisationszustand des Lichts herbeigeführt. Das Licht, das
jedes der beiden Halbbilder sichtbar machte, war linear polarisiert, und
zwar standen die Schwingungsebenen der beiden Lichtbüschel senkrecht
zueinander. Die Augen des Beschauers wurden mit Analysatoren be-
waffnet, die nur das Licht des zugehörigen Bildes hindurchtreten ließen.
Polarisatoren und Analysatoren waren Glasplattensätze, deren Elemente
nicht ganz parallel zueinander angeordnet waren, damit die sonst störenden
Nebenbilder möglichst vermieden wurden. Als Schirm konnte jede Fläche
dienen, die den Polarisationszustand des auffallenden Lichts bei der
Reflexion nicht aufhob; als besonders günstig empfahl der Autor einen
Leinenschirm, der mit mattem Silberpapier beklebt war.
Ein solcher Schirm hatte aber den Nachteil, zu wenig zu streuen,
und infolgedessen mußten die Plätze der Zuschauer ziemlich in der Mitte
vor dem Schirme angeordnet werden, weil sich sonst leicht eine ungleich-
mäßige Beleuchtung für sie ergab. Zur Abhilfe schlug J. Anderton {2»)
eine vertikale Streifung der spiegelnden Schirmfläche vor, und er empfahl
bei dieser Gelegenheit gleich eine etwas veränderte Fassung der Glasplatten -
Sätze, bei der durch Verkittung ein besserer Schutz gegen Feuchtigkeit
erreicht worden war.
Die Amateurphotographen beschäftigten sich vielfach mit Stereoskop-
aufnahmen, doch kamen sie in ihren Vorschlägen meistenteils auf Ideen
zurück, die längst in der Blütezeit der Stereoskopie ausgesprochen worden
waren. In der vorliegenden Schrift sind solche Neuerfindungen in der
Regel ganz unerwähnt gelassen worden. Ab und zu aber findet sich
auch ein neuer Gedanke. Hierher gehört der Krause sehe Vorschlag {1»),
Aufnahmen auf Platten im Format 13 : 21 cm ohne Einbuße für ein ge-
wöhnliches Stereoskop verwendbar zu machen. In seiner nur mit einem
U*
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164 II. Historischer Teil.
Objektiv ausgerüsteten Camera verschob er das Objektiv um 10,5 cm
und fertigte die Halbbilder seiner Landscbaftsaufnahmen nacheinander
an. Um nun ein für sein Stereoskop brauchbares Bildformat zu erhalten
und doch den Gresichtswinkel nicht zu verkleinern, reduzierte er seine
Aufnahmen etwa in dem Verhältnis von 4 auf 3. Da die Zentren bei
der Aufnahme einen größeren Abstand hatten, als der Augenabstand
des Beschauers betrug, so wird das Kaumbild in einem zweckmäßig
gebauten Stereoskop zwar etwas kleiner aber doch homöomorph aus-
gefallen sein.
Schon im nächsten Jahre, 1894, wurde eine Vorkehrung vorgeschlagen,
um ebenfalls mit einem einzelnen Objektiv für Stereoskopaufnahmen aus-
zukommen, dabei aber doch für gleichzeitige Aufnahmen gerüstet zu sein.
Die Einrichtung war Th. Brown {!*) geschützt worden, und sie wurde
unter der Bezeichnung Stereo- Photo- Duplicon von der Firma J. Fallow-
FiELD herausgebracht. Es handelte sich hier um ein System aus zwei
Spiegelpaaren, das die rechte und die linke Hälfte des Hauptstrahlen-
büschels für die Bildung des rechten und des linken Halbbildes be-
anspruchte. Die Theorie der Einrichtung mag hier folgen.
Man läßt zweckmäßig die inneren Spiegel unter 90 Graden zusammen-
stoßen und gibt nach der Darstellung des Erfinders {!*) den äußeren eine
veränderliche Neigung, um sowohl Landschaften als auch nahe Gegen-
stände aufnehmen zu können. In der Fig. 78 ist ein Horizontalschnitt
durch das für ferne Objekte eingerichtete Instrument dargestellt, und
zwar ist dabei die Neigung der Außenspiegel so gewählt, daß die Strahlen
parallel zueinander und zur Achse des Objektivs austreten, die für jedes
Halbsystem in der Mitte des Gesichtsfeldes verlaufen; sie seien als Mittd-
strahlen bezeichnet. Die nötigen Formeln lassen sich leicht durch mehr-
fache Anwendung des Sinussatzes ermitteln, und man kann unschwer
zeigen, in welcher Weise die Trennung der beiden Projektionszentren
von den Daten abhängt. Als solche kommen in Betracht der Abstand
der inneren Spiegelkante von der Eintrittspupille, die auf dem Mittelstrahl
gemessene Entfernung beider Elemente eines Spiegelpaares, der halbe
Gesichtswinkel eines jeden Halbsystems, d. h. der Winkel w zwischen
Mittelstrahl und Achse, und, wenn man will, der Winkel zwischen den
inneren Spiegeln, der aber, wie oben erwähnt, meistens gleich einem
Kechten gesetzt wird. Wie auch auf der Figur (unten an beiden Außen-
seiten) angedeutet, sieht man leicht ein, daß ein solches Spiegelsystem
für Objektivöffnungen, die gegen die inneren Spiegel gehalten klein sind,
eine nicht ungünstige Lichtverteilung vermittelt, wenn die Spiegel auch
nur so groß gewählt werden, wie es der Gang der Hauptstrahlen erfordert.
Die Einstellungsebenen sind natürlich senkrecht zu den inneren Grenz-
strahlen anzunehmen, die nach der doppelten Spiegelung ja in die Achsen-
richtung fallen. Man sieht aus der Figur ohne weiteres, daß für eine
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6. Das Erwachen des Interesses in den neunziger Jahren.
165
korrekte Betrachtung die Abbildskopien nicht auf einem einfachen planen
Träger vereinigt werden dürfen, sondern daß dieser in einer aus der Figur
verständlichen Weise durch zwei Ebenen zu bilden ist, die unter einem
ganz bestimmten Winkel zusammenstoßen. Bei einer solchen richtigen
Betrachtung wird das Bild im allgemeinen homöonaorph und tautomorph
dann, wenn die Trennungsstrecke der beiden Projektionszentren PiPr
Fig. 78.
Ein schematischer Horizontalschnitt durch das Photo-Stereo-Duplicon Th. Browns.
Die obere gestrichelte Horizontale läßt die Neigungswinkel erkennen, unter denen die Ab-
bildskopien O' O'i; O' Cr aufgestellt sein müssen.
Pi und Fr sind die Spiegelbilder der Eintrittspupille P. Die von iliren Bändern ausgehenden
gestrichelten Geraden schließen die Gebiete ohne Vignettierung ein. Das Objektiv ist im all-
gemeinen unsymmetrisch.
gleich dem Augenabstand des Beobachters wird, eine Einrichtung, die
Th. Brown herbeizuführen bestrebt war.
Eine Bemerkung muß noch zu der Lage der Halbbilder auf der
Platte gemacht werden. Wie man aus der Verfolgung der beiden nach
einem näheren Objektpunkt zielenden und der Seite 12 entsprechend
gestrichelten Strahlen ersieht. Hegen die (natürlich umgekehrten) Halb-
bilder, da sie sich ja beim Durchtritt durch das Objektiv gekreuzt haben,
orthozentrisch, und das ist zweifellos ein Vorteil dieser Einrichtung.
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166 11. Historischer Teil.
Th. Brown (V.) hat davon auch später Gebrauch gemacht und vor-
geschlagen, das Stereogramm auf der Mattscheibe gleich mit einem ge-
wöhnlichen Stereoskop zu betrachten. Um die Beobachtung bequemer
zu machen und gleichzeitig die Halbbilder aufzurichten, benutzte er eine
Reflexcamera mit einem unter 45 Graden nach unten und vorn geneigten
Spiegel. Man sieht ein, daß hier auf eine einfache Weise das Camera-
stereoskop Sir David Bebwstbrs (s. S. 85) verwirklicht worden ist, wofür
er damals noch sein Fernrohrstereoskop hatte benutzen müssen. Auch
eines der Duboscq sehen Stereoskope war für diesen Zweck (s. S. 64)
verwandt worden. Th. Brown machte darauf aufmerksam, daß man es
hier mit einer stereoskopischen Camera obscura zu tun habe.
Eine ganz unerwartete Förderung erhielt die Stereoskopie durch die
nach dem Röntgen sehen Verfahren angefertigten Radiogramme. Diese
Entdeckung war im Ausgange des Jahres 1895 gemacht und bei der
Jubiläumsausstellung der Berliner physikalischen Gesellschaft veröffentlicht
worden. Sobald man erst auch an anderen Orten der Schwierigkeit, die
Instrumente richtig zu handhaben, Herr geworden war, versuchte man
sehr bald die Schattenbilder für beidäugige Beobachtung zu verwenden.
Einer der ersten, der diese Aufgabe in Angriff nahm, war E. Mach, wie
das aus dem von J. M. Eder {1.) und E. Valenta erstatteten Bericht
hervorgeht. Er versuchte schon im Februar 1896 das Raumbild eines
schattenwerfenden Menschengerippes durch direkte Beobachtung zu er-
halten. Mit zwei, allem Anschein nach in 65 mm Entfernung aufgestellten
Hittorf sehen Röhren entwarf er die Schattenbilder eines Menschen-
körpers auf dem Bariumplatincyanür- Schirm ; doch war die Intensität
des Lichts zu gering, um eine deutliche Wahrnehmung des Raumbildes
zu gestatten. Es scheint, daß er dann zu photographischen Aufnahmen
griff, und zwar hat E. Valenta (^O über die Versuchsanordnung berichtet,
daß er einen Abstand der Lichtquelle vom Objekt von 25 cm einhielt und
für die zweite Aufnahme die Röhre um den Betrag des Augenabstandes
verschob. Die so erhaltenen Radiogramme ergaben im Stereoskop den
gewünschten Effekt. Über die Art des dabei benutzten Stereoskops ver-
lautet nichts Näheres; doch ist klar, daß sich hierfür ein WnEATSTONEsches
Spiegelinstrument besonders gut geeignet haben würde. — Eine Modi-
fikation des von E. Valenta beschriebenen Verfahrens schlug P. Czermak (L)
kurz darauf vor, und zwar ersetzte er die Verschiebung der Strahlungs-
quelle durch eine solche des aufzunehmenden Objekts. Nebenbei gab
er auch einige Regeln zur Erzielung eines möglichst homöomorphen Ein-
drucks. — Die erste Mach sehe Methode der direkten stereoskopischen
Betrachtung scheint 1899 von M. Davidson (7.) mit Erfolg wieder-
aufgenommen worden zu sein. Allerdings wich er davon insofern ab,
als er . analog dem Verfahren von Ch. d'Almeida (s. S. 90) vor zwei
Röntgen sehen Röhren einen undurchlässigen, mit zwei Öffnungen ver-
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6. Das Erwachen des Interesses in den neunziger Jahren. IQ'J
sehenen Schirm rotieren ließ ; ein ähnlicher Schirm rotierte synchron vor
den Augen des Beobachters, so daß ein jedes Auge nur das Schattenbild
auf der Fläche sah, das von der gegenüberstehenden Köhre stammte.
Danach scheint hier immer das pseudomorphe Raumbild beobachtet
worden zu sein, das allerdings dann besonders einfach ist und zu einem
Spiegelbild des Objekts in bezug auf den leuchtenden Schirm wird, wenn
die beiden Zentren der Röntgen sehen Strahlen genau symmetrisch zu
den Augen des Beobachters angeordnet sind. — Ein ähnliches Verfahren
veröffentlichte Th. Guilloz {1.) nach einer hier nicht zugänglichen Quelle
im Jahre 1900. Es wurde 1902 von ihm {2.) unter Bezugnahme auf
das Verfahren Ch. d'Almeidas beschrieben, und als neues findet sich ein
Meßverfahren nach der Art, die von Th. Maeib und H. Ribaut (s. S. 183)
zuerst für stereoskopische Radiogramme empfohlen worden war. Die
Messungen worden an jenem pseudoskopischen Raumbilde ausgeführt.
Jedenfalls kann man aus der Geschichte der stereoskopischen Radio-
gramme den Schluß ziehen, daß die glänzende Entwicklung der Stereo-
skopie in der Blütezeit auch in den Kreisen der Wissenschafter gänzUch
vergessen war; wer nicht noch, wie E. Mach, selber in jener Zeit wurzelte,
der wußte nichts mehr von ihr, und es ist gar nicht ausgeschlossen,
daß die AxMEiDAsche Methode der intermittierenden Beleuchtung auch
hier wiederum, wie schon so oft vordem, neuerfunden worden ist.
Von neuvorgeschlagenen Stereoskopen ist zunächst das Orthostereoskop
F. Stolzes {2.) zu erwähnen. Dieses Instrument gehörte zu der Klasse
der Whbatstone sehen Linsenstereoskope und war mit einem dreifachen
Satz von Doppellinsen ausgerüstet, die einzeln oder in zweifachen oder
dreifachen Kombinationen jedem Auge sechs verschiedene Betrachtungs-
brennweiten zwischen 23 und 5^/^ cm zur Verfügung stellten. Auf diese
Weise gestatteten sie noch mehr wie die von H. Helmholtz vorgeschlagenen
Kombinationen nur zweier .Linsen (s. S. 124) eine Anpassung an ver-
schiedene Aufnahmeobjektive. Die in der Medianebene des gewöhnhchen
Stereoskops liegende Scheidewand war durch eine sehr zweckmäßige
Rahmeneinrichtung ersetzt, wobei im dritten Teil des Bildabstandes eine
der Bildebene parallele Fläche mit zwei rechteckigen Ausschnitten an-
gebracht war, deren virtuelle Bilder vereinigt wie ein Ausschnitt in einem
physischen Schirm wirken sollten, durch den hindurch das Raumbild
betrachtet werde.
Hierher gehört ferner F. Drouin (2.), der sich bereits (1.) durch ein
mit Beifall aufgenommenes Lehrbuch der Steroskopie vorteilhaft bekannt
gemacht hatte. Sein erstes, aus dem Jahre 1895 stammendes Stereoskop
beruht auf dem Almeida sehen Prinzip der zeitlichen Trennung der Halb-
bilder, und zwar war zur Durchführung die Anordnung des Thauma-
trops gewählt worden (Fig. 79, S. 168). Die beiden Halbbilder wurden auf die
Vorder- und auf die Rückseite eines ^artons geklebt, und dieser befand sich,
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168
IL Historischer Teil.
wie die Figur erkennen läßt, in einem die AugenöfEnungen tragenden
Zylinder. Die beiden Öffnungen sind voneinander um 180 Grad entfernt
und stehen je dem zugehörigen Halbbilde gegenüber. Der ganze Apparat
muß schnell um die Achse des Zy-
linders rotieren, und seine Anwen-
dung erfordert, wie man leicht ein-
sieht, eine helle Beleuchtung der
beiden Bilder.
Derselbe Autor trat einige Jahre
später (3.) mit einer Vorrichtung
auf, die an ein zuerst von H. W. Dove
(s. 8. 62) und Sir David Beewster
(s. 8. 84) verwirklichtes Prinzip er-
innert. Es handelt sich nämlich
darum, von den beiden Halbbildern nur eines direkt, das andere aber durch
ein geeignetes Prisma oder eine Spiegelkombination zu betrachten. Bei
seinen Versuchen war es H. W. Dovb auf die Eigenschaften des Prismas
nur insoweit angekommen, als er chromatische Abweichungen auf alle
Fig. 79.
F. Drouims (J9.) stereoskopisches Thaomatrop.
Fig. 80.
Fig. 81.
F. Drouins (3,) Spiegelprismen
für
richtig unrichtig
montierte Stereogramme.
Weise auszuschließen strebte, Spiegelverkehrungen und Ablenkungen der
Hauptstrahlrichtungen waren ihm gleichgültig, da er seine einfachen
geometrischen Zeichnungen immer leicht der besonderen Natur des Prismas
anpassen konnte. F. Deouin ging darüber hinaus und schloß sich inso-
fern mehr Sir David Brewster an, als er sein Hilfsmittel auch für ge-
wöhnliche Stereogramme verwendbar gemacht hatte. Er gab seinem
Prisma zwei Keflexionen, um die Spiegelverkehrungen auszuschheßen, und
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6. Das Erwachen des Interesses in den neunziger Jahren. 169
er führte in einer für die Praxis sehr zweckmäßigen Weise eine Kichtungs-
änderung der Hauptstrahlen ein (Fig. 80 u. 81). Er konnte auf diese Weise
sein Spiegelprisma sowohl für richtig als für unrichtig montierte Kopien
verwenden. In Rücksicht auf die Homöomorphie war die Einführung eines
endlichen Konvergenzwinkels für Fempunkte bei Aufnahmen mit parallelen
Cameras ein Mangel, doch wird man das Reflexionsprisma F. Deouins
wohl mehr als ein Instrument zur schnellen Durchmusterung zahlreicher
Stereogramme ansehen, denn als ein nach allen Richtungen korrekt kon-
struiertes Instrument. Dazu fehlt ihm schon die Vergrößerung, die für die
meisten, nämlich für alle mit kurzbrenn weitigen Objektiven angefertigten
Stereogramme nicht zu entbehren ist.
Die Forderung, auch unrichtig montierte Stereogramme verwendbar
zu machen, tritt in dieser Zeit häufig auf, und das ist auch ganz ver-
ständlich. Bei der gewöhnlichen Parallelcamera müssen die Kopien der
negativen Halbbilder für sich umgekehrt werden (s. S. 17), wenn sich
keine pseudoskopische Wirkung ergeben soll. Das führt auf die Not-
wendigkeit, entweder die Negative oder die Positivkopien des Negativs
zu zerschneiden, und das ist bei Glasbildern eine unangemehme Ope-
ration. Hat man nun ein Verfahren, das auch falsch montierte Halb-
bilder so zu betrachten gestattet, daß sich ein orthoskopisches Raum-
bild ergibt, so fällt die Notwendigkeit jener Zerschneidung fort. Rück-
sichten auf die Bequemlichkeit spielen aber eine um so größere Rolle,
je weniger unterrichtet der Benutzer ist, und je mehr er die Stereo-
skopphotographie nur als Modesache betreibt. Kommt es ihm bei seinen
Aufnahmen nur auf das Endergebnis eines plastischen Raumbildes an,
während seine Beziehung zum Objekt unverstanden bleibt, so werden
solche Hilfsmittel Erfindern lohnend erscheinen. Und sie haben auch
wohl nur darum bis jetzt keinen großen Anklang gefunden, weil ihre
Leistung nicht über allen Zweifel erhaben war.
Die DovBsche Anordnung der beiden Amici sehen Reflexionsprismen
(s. S. 61) eignet sich dafür, da sie die Objektaugen in die chiastopische
Stellung bringt; sie wurde ja schon ziemlich früh von J. Duboscq (s. S. 63)
für diesen Zweck angewandt, doch ist bei diesem Gebrauch ihr Gesichts-
feld wohl immer als gar zu klein empfunden worden, und auch später
ist ihre Einführung nicht geglückt.
Ganz gegen Ende des hier betrachteten Zeitraums trat in England
ein anderer Vorschlag auf, der eine solche Spiegelwirkung bereits in den
Aufnahmeapparat legen wollte, daß die Halbbilder eine orthozentrische
Stellung erhielten (Fig. 82, S. 1 70) . Gewiß ist das Instrument W. K. L. Dicksons
{1.) von theoretischen Bedenken frei, aber auch hier wird das Gesichts-
feld des rechten Objektivs durch das Reflexionsprisma beschränkt worden
sein. Sicherlich ist der Gedanke, durch eine einfache Verschiebung des
rechten Prismas den Objektivabstand zu steigern, ganz verlockend, aber die
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170 n. Historischer Teil.
aus der Herabsetzung des Gesichtsfeldes folgenden Einwände sind doch
zweifellos von größerem Glewicht. Und bedenkt man, daß alle diese optischen
Mittel doch nur deshalb aufgewendet werden, um weniger Gutes auf be-
^ quemere Weise zu erhalten, so muß man es als
eine gerechte Vergeltung solchen Unterfangens
^ ansehen, daß auch diese Idee keinen größeren
Anklang gefunden hat.
Fast am Schluß des letzten Zeitraums
machte H. H. Hill {/.) zwei nicht durchaus
1^^3{^^l neue Versuche, ein einzelnes Photogramm kör-
I ; perlich zu sehen. Der erste davon, in dem zwei
Gcp^^^S unter einem Winkel zusammenstoßende Plan-
! ; Spiegel benutzt werden, kommt auf den Vor-
I J schlag von J. B. Donas (s. S. b9) hinaus und
Fig. 82. steht wie jener der Toürtüal sehen Idee nahe.
Ein Horizontotechnitt durch g^i^e zweite Anrecunc, bei der zwei Prismen
die DicKSONsche (1.) Camera. t • n «t t» i i.
verwandt wurden, die sich ihre Basen zukehr-
ten, gehört nicht unter die stereoskopischen Instrumente. Es handelt sich
hier — H. H. Hill wohl ganz unbewußt — um die auf W. Zenker
und das Jahr 1872 zurückgehende Idee, eine dem Beewstee sehen Pris-
menstereoskop entgegengesetzte Wirkung hervorzubringen. Näheres dar-
über findet sich bei M. von Rohr (5. 363.) Wenn H. H. Hill noch Lupen
zwischen seine Prismen und die Augen des Beobachters setzte, so ist
das eine Neuerung, für die ihm wohl die Priorität zukommt.
Hinsichtlich der Stereoskopie bleibt nunmehr noch die Besprechung der
Lehrbücher übrig, die in diesem Zeitraum von größerer Wichtigkeit sind.
Im Jahre 1894 veröffentlichte der mit seinem Orthostereoskop be-
reits erwähnte Fachschriftsteller F. Stolze {2.) eine sehr bekannt ge-
wordene Anweisung für die Anfertigung von Stereogrammen, der er
einige theoretische Darlegungen beigab. Da die kleine Schrift für aus-
übende Photographen bestimmt war, so gab er seine Anweisungen in
der Form von einfachen Regeln und illustrierte sie durch schematische,
meistens den Horizontalschnitt wiedergebende Zeichnungen. Er behandelte
dabei die hauptsächlichsten Heteromorphien und tat im einzelnen auch
der Formänderung Erwähnung, die sich im Raumbilde zeigt, wenn man
die beiden Halbbilder in ihrer Ebene um die gleiche horizontale Strecke
gleichsinnig verschiebt. Er vertrat sehr bestimmt die Ansicht, daß jedes
Stereogramm so begrenzt werden müsse, daß sich ein vor dem Raum-
bilde liegender Rahmen bei der Betrachtung ergäbe. Von Neigungsbildern
wollte er {2. 19.) gar nichts wissen, sondern er forderte stets sorfältige
Horizontalstellung der Objektivachsen, deren Abstand er möglichst 65 mm
zu nähern empfahl. Sein schon auf S. 167 besprochenes Orthostereoskop
war ebenfalls für solche horizontalen Aufnahmen eingerichtet.
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6. Das Erwachen des Interesses in den neunziger Jahren. 171
Eine wichtige KoUe spielt ferner der französische Pädagoge L. Cazbs.
Schon im Jahre 1885 hatte er (i.) sich an der von J. Maeby gestellten
Aufgabe versucht, vollkommene Homöomorphie zu erzielen, und hatte dabei
nachdrücklich auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die in der Akkommo-
dation des Auges liegen. Durch den Fortfall dieser mit der Konvergenz
so eng verbundenen Muskeltätigkeit konnte seiner Ansicht nach leicht
die Naturtreue leiden. Er wünschte daher eine solche Verkleinerung des
Raumbildes, daß seine Tiefenerstreckung ganz in das Akkommodations-
gebiet des Beobachters falle.
Eine genauere Ausführung seiner Ideen ließ er {2,) zehn Jahre
später in einem besonderen Werkchen erscheinen, das verdientermaßen
in Frankreich eine große Verbreitung gefunden zu haben scheint. Als
Grundforderung bheb die Erzielung eines homöomorphen Raumbildes be-
stehen, aber er untersuchte im Anfang der Schrift mit den Hilfsmitteln
der elementaren Mathematik eine große Zahl von Fällen, wo sich die
von den perspektivischen Zentren nach homologen Punkten gezogenen
Strahlenpaare wirkHch schneiden und nicht bloß kreuzen. Es wurden von
Heteromorphien auf diese Weise untersucht porrhallaktische Änderungen,
die Stolze sehen Heteromorphien bei gleichsinniger Horizontalverschiebung
der Halbbilder, die Reliefbilder und die Folgen einiger weniger wichtigen
Drehungen der Bilder. Eine besondere Behandlung erfuhren die Konver-
genzaufnahmen, sobald sie ausgebreitet in einem gewöhnUchen Stereoskop
betrachtet wurden. Wie Th. Sutton vor ihm (s. S. 100) erhielt auch er
das Resultat, daß man in einem solchen Falle von einem wirklichen
Raumbilde überhaupt nicht sprechen könne. — Bei der Behandlung der
Akkommodation, worauf er hier wie in der früheren Arbeit einen großen
Wert legte, betonte er seine Forderung, das Raumbild stets in einer
solchen Entfernung zu entwerfen, daß das dafür geltende Akkommo-
dationsgebiet die Tiefe des Raumbildes übertreffe oder sie mindestens
doch erreiche. Die Bestimmung dieser Größe für die verschiedenen Ob-
jektentfernungen wurde für eine konstante Pupillenöffnung gemacht, und
es ergab sich im Laufe der Untersuchung, daß der nächste noch scharf
erscheinende Punkt 3,3 m vom Beobachter entfernt sei. — Legt man
eine mittlere angulare Unscharfe von 2' zugrunde, so ergibt sich ein
Pupillendurchmesser von 4 mm aus jenen Angaben. — Bei der Aufnahm^
von Stereogrammen habe man die Möglichkeit, entweder tautomorphe
Raumbilder zu schaffen oder durch Steigerung der Objektivtrennung ein
verkleinertes homöomorphes Raumbild hervorzubringen, bei dem die
Tiefen deuthcher wahrgenommen würden. Man müsse dabei aber darauf
achten, daß das Akkommodationsbereich nicht überschritten werde, und
daß die nächsten Punkte des Raumbildes mindestens noch um die
deutliche Sehweite vom Beobachter entfernt seien. — Nach einer kurzen
Übersicht über die Entwicklung der Stereoskopapparate schlug er sein
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172
II. Historischer Teil.
Stereoskop für große Photogramme vor. Es war ein nach Art des Tele-
stereoskops gebautes, mit Metallspiegehi ausgestattetes Instrument. Beide
Spiegelpaare waren auf zwei gegeneinander senkrechten Trägern beweglich,
damit sie dem Augenabstande des Beobachters und der Entfernung
homologer Punkte im Stereogramm angepaßt werden konnten. — Waren
die Halbbilder von einer Breite, die den Augenabstand nicht überstieg,
so schlug L. Cazes vor, sie direkt und gegebenenfalls durch passende
Brillengläser zu betrachten.
Die Einfahruiig der neuen Doppclfernrohre.
In der Besprechung der Vorbereitung auf die WnEATSTONEsche
Entdeckung war (s. 8. 34) des Wiener Optikers Fe. Voigtlindee gedacht
worden, der zwei achromatisierte Fernrohre von holländischem Typus
so miteinander verband, daß ihre
beiden Achsen parallel gerichtet
waren. Doppelgläser dieser Art
verbreiteten sich zuerst allem
Anscheine nach sehr langsam,
dann aber schneller und schneller,
und die Annahme wird wohl
ziemlich das Richtige treffen,
daß um die Mitte des neunzehn-
ten Jahrhunderts holländische
Doppelfemrohre sehr verbreitet
waren und die Einzelrohre dieser
Konstruktion mehr und mehr
verdrängten.
In viel späterer Zeit hat es
sich, wie S. Czapski (4.) berich-
tet, herausgestellt, daß man tat-
sächUch bereits in den fünfziger
Jahren Versuche gemacht hat,
das neue Fernrohrsystem des ita-
henischen Ingenieurs I. Poeeo
zur Konstruktion eines Doppel-
fernrohrs zu verwenden.
In Frankreich erhielt, was auch G. Witt (i.) angegeben hat,
Antoine Alexandee Boulangee (i.) im August 1859 ein Patent auf
einen aus zwei Porro sehen Prismenfernrohren zusammengesetzten Feld-
stecher (Fig. 83), wofür er als Namen Neojumelle oder Binodie Prisma-
tique d Images Droites vorschlug. An dem Glase Heß sich sowohl die
Einstellung auf den Augenabstand als auch die Scharfstellung vornehmen.
Flg. 83.
A, A. BouLANGERs N6ojumeUe nach G. Witt (1.)
Grundriß und Vorderansicht.
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6. Das Erwachen des Interesses in den neunziger Jahren.
173
Um das Ersterwähnte zu erreichen, konnten zweckmäßigerweise die bild-
umkehrenden Prismensysteme um die Objektivachsen rotieren, so daß
die Achsen der Okulare je einen Kreiszylinder beschrieben. An einem
Exemplar dieser Art ließ sich nach einer in neuester Zeit vorgenommenen
Messung der Abstand der Okularachsen zwischen 57 und 70 mm beliebig
wählen, während die Scheitel der Objektive 64 mm voneinander ent-
fernt waren. Diese Okulareinstellung konnte man durch die Betätigung
einer mechanischen Einrichtung erreichen, wie sie auch schon in der
Patentschrift vorgesehen war. Das Instrument wurde von der 1840 ge-
gründeten Firma Luquin & l'Hermitte hergestellt, die 1868 in den
Besitz von E. Lacombe überging, während sie seit 1895 von L. Lacombe
FiLS geführt wird. Ein besonderer Vorzug vor holländischen Doppelfern-
rohren gleicher Vergrößerung wäre einer solchen Konstruktion in dem-
selben Maße eigen gewesen, in dem sich PoEEosche Einzelrohre vor
holländischen auszeichneten: die Bildgüte wäre größer, das Gesichtsfeld
ausgedehnter gewesen. Tatsächlich blieb es auch damals bei diesem
Vorschlage, und solche Doppelrohre wurden in größerer Anzahl nicht
gebaut, denn die technischen Schwierigkeiten für ihre Herstellung waren
viel zu groß, als daß man sie mit den damaligen Mitteln der Optik
hätte überwinden können. Es ist daher ganz verständlich, daß später
niemand von diesem Vorschlage etwas
wußte, zumal er bei der damahgen mangel-
haften Publizität der französischen Pa-
tente auch keine wirkliche Verbreitung
erlangt hatte.
Seit dem Jahre 1870 beschäftigte sich
der Pariser Optiker C. Nachet (i.), dessen
Firma schon bei den binokularen Mikro-
skopen genannt worden ist, mit der Her-
stellung eines Doppelfernrohrs mit bild-
aufrichtenden Prismen und suchte einige
Jahre danach für diese, als Jumelle Pris-
matiqtie beschriebene Konstruktion den
Patentschutz nach (Fig. 84). Sie unter-
schied sich von der Boulangee sehen
Neojumelle im wesentlichen durch eine
andere Form des Prismenkörpers. Auch
war der dort vorgesehene Einstellmecha-
nismus weggefallen, und man stellte durch
eine einfache Drehung des einzelnen Oku-
lars auf den Augenabstand ein. Nach
den vorliegenden Daten ließen sich bei einem Objektivabstande von
83 mm alle Augenentfernungen über 57 mm berücksichtigen. Hieraus
^ ^^==
s t
M
U
Fig. 84.
C. Nachets Jumelle prismatique.
Grundriß und Vorderansicht.
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174 II. Historischer Teil
geht hervor, daß in diesem Falle schon eine gewisse Steigerung des
stereoskopischen Effekts erreicht worden war; für einen Augenabstand
gewöhnlicher Größe war die Steigerung etwa 1,2- bis 1,4 fach. Indessen
scheint ein damit verbundener Vorteil dem Erfinder nicht bewußt ge-
worden zu sein, da er ihn in seinem Patent nicht aufführte. Was soeben
zu der Bedeutung der Boulangbe sehen Konstruktion gesagt wurde, läßt
sich auch hier ziemlich unverändert wiederholen, daneben war wohl die
von C. Nachbt erreichte Steigerung des Objektivabstandes zu gering,
um von den Benutzern bemerkt zu werden, und es ist sicher, daß auch
dieser Ansatz, die Prismenfeldstecher in den Handel zu bringen, an der
Teilnahmslosigkeit des Publikums scheiterte.
Der BouLANGBE sehen Erfindung entsprach ein Doppelfemrohr, das
Carston Diederich Ahrens (1*) Ende 1884 in England zur Patentierung
anmeldete. Von der Vervollständigung dieses Patents sah er aber ab.
Nach dem in der ZEissischen Werkstätte vorhandenen Exemplar zu
schließen, ist der Mißerfolg dieser Konstruktion ganz verständlich, da
die Vorteile der Bildumkehrung durch PoRROsche Prismen weder für die
Verkürzung der Rohre noch für die Erhöhung der Bildqualität ausgenutzt
worden sind. Allein für die leichte Anpassung an den Augenabstand sind
die Prismen verwandt worden, und zwar in der Art, die A. A. Boülanger
schon 25 Jahre vorher vorgesehen hatte.
Die PoEEosche Idee, die Bildumkehrung durch ein Spiegelsystem
herbeizuführen, wurde zwar noch von mehreren anderen Neuerfindern
aufgenommen, doch scheint von diesen niemand auf den Bau von
Doppelfernrohren gekommen zu sein, bis E. Abbe 1893 seine ersten
Versuche in dieser Richtung machte.
Auch die gewöhnliche Konstruktion des terrestrischen Fernrohrs
war in Frankreich von P. G. Baedou *) (s. S. 37) schon früh zur Bildung
von binokularen Instrumenten benutzt worden. Sie haben aber an-
scheinend alle eine verhältnismäßig starke Vergrößerung und ein ent-
sprechend geringes objektseitiges Gesichtsfeld besessen. Daß das der Fall
gewesen ist, läßt sich aus den Vorträgen S. Czapskis {!• 2,) entnehmen,
die zu einer Zeit gehalten wurden, wo die marktgängigen Formen der
Fernrohre viel weniger ausgebildet waren, und wo das ganze Grebiet
viel leichter überblickt werden konnte, als das heutzutage der Fall ist.
An dieser Stelle wird aber von den Handfernrohren — und dabei sind
*) H. GoLTZSCH (3. 106.) hat 1881 seine Verwunderung darüber ausgesprochen,
daß die Doppelfemrohre auf die Doppelperspektive (holländischen Femrohre) be-
schränkt seien, und daß terrestrische Doppelfemrohre ganz fehlten. Da man ihm
ein großes Interesse an dieser Frage und auch eine gewisse Sachkenntnis zugestehen
muß, so wird man für Deutschland einen häufigeren Absatz und gar die regelmäßige
Herstellung solcher Instrumente vorläufig nicht viel vor den achtziger Jahren an-
nehmen können.
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6. Das Erwachen des Interesses in den neunziger Jahren.
175
besonders die unokularen gemeint — ausgesagt, daß ihre Vergrößerung
kaum unter eine 12 fache herabginge.
Als E. Abbe (ö.) nun 1893 seine Aufmerksamkeit der Konstruktion
von Prismenfernrohren von neuem zuwandte — sein Vorgänger I. Pokeo
wurde ihm erst durch eine Bemerkung des Berliner Patentamts bekannt —
t
da faßte er sogleich die Herstellung von
Doppelfernrohren ins Auge. Er ging aber
insofern auch über die NACHBTsche Idee
weit hinaus, als er in der seitlichen Ver-
setzung der Achse im Bildraume gegen
ihre Lage im Objektraume, wie sie dem
PoEEO sehen Prismensystem eigen ist, ein
Mittel erkannte, um die Idee des Hblm-
HOLTzischen Telestereoskops mit Fernrohr-
vergrößerung zu verwirklichen. Durch
dieses Mittel konnte er auch schon bei
den ZEissischen Feldstechern (Fig. 85) den
Objektivabstand der Augenentfernung
gegenüber vergrößern. Die Steigerung war
hier nur klein, immerhin noch 1^/4- und Der ZBisslsche Feldstecher nach B. Abbb.
2fach, doch ließ sie sich bei den Reliefe Vorderansicht und Grundriß.
Fernrohren (Fig. 86) sehr beträchtlich, auf mehr als das 5 fache, er-
höhen. Die mechanische Einrichtung der Relief-Fernrohre erlaubte eine
Benutzung sowohl mit gestreckten als mit geschlossenen Schenkeln, im
ersten Falle als Telestereoskope HBLMHOLTzischer Art, im zweiten als
Polemoskope für beidäugiges Sehen, und zwar konnte in beiden Fällen
jeder zwischen 58 und 72 mm liegende Augenabstand berücksichtigt werden.
Fig. 85.
Fig. 86.
Das Relief -Fernrohr nach E. Abbe.
Es muß aber darauf hingewiesen werden, daß der soeben erwähnte
Gedanke (Doppelfernrohre nach Art des HELMHOLTzischen Telestereoskops
mit Vergrößerung derartig wie eine Schere zusammenzuklappen, daß
sie sowohl bei gestreckter Lage der Rohre als auch bei annähernd
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176 II. Historischer Teil.
paralleler dem Augenabstande des Beobachters angepaßt werden konnten)
E. Abbe {5*) wichtig genug erschien, um einen besonderen Schutz auf
seine Verwirklichung nachzusuchen. Bei dieser Gelegenheit führte er
jenes Prinzip mit zwei gewöhnlichen terrestrischen Fernrohren durch,
die ganz in der ursprünglich (s. S. 87) von H. Helmholtz vorgeschla-
genen Weise mit je zwei ebenen Spiegeln verbunden waren. Später hat
er diese Form als Relief- Stand femrohr zu einem Instrument ohne Gelenk
mit zwei Vergrößerungen ausgebildet.
Das Aufsehen, das diese Prismenfernrohre machten, war ganz all-
gemein; war doch wirklich hier eine nicht bloß dem anpreisenden Op-
tiker sichtbare Lücke ausgefüllt worden, indem jetzt Handfernrohre
mittlerer Vergrößerung und großen Gesichtsfeldes auf den Markt gebracht
wurden. Eine für alle einschlägigen Publikationen wichtige Darstellung
dieser Verhältnisse gab S. Czapski {1. 2.) an zwei verschiedenen Orten im
Dezember 1894 und im Januar des nächsten Jahres. Ja man kann
sagen, daß diese seine Ausführungen für die späteren Besprechungen
und Diskussionen der neuen Fernrohrtypen erst das Fundament lieferten.
Über die stereoskopischen Verhältnisse der neuen Instrumente gibt
der Vortrag wenig. Für das Verständnis der Wirkung wird auf die
Darstellungen von H. Helmholtz zurückverwiesen, doch wurde offenbar
zu jener Zeit die Frage nach der Homöomorphie überhaupt noch nicht
wieder aufgenommen. Es findet sich aber die Bestätigung der Ansicht,
die man sich aus dem Studium der sonstigen hierhergehörigen Literatur
dieser Zeit bilden kann, daß nämHch der Sinn für stereoskopische Dar-
stellungen im Zunehmen begriffen war.
Es dauerte noch eine ganze Weile, bis die porrhallaktische Wirkung
der neuen Instrumente überhaupt bemerkt wurde, und zwar scheint die
erste Beschreibung der eigentümlichen „Kulissen" Wirkung auf G. Hirth
{!,) zurückzuführen zu sein. Ihm war im Sommer des Jahres 1896 von
Cael Zeiss in Jena ein Relief- Standfernrohr übermittelt worden. Dieses
nach dem Abbe sehen Vorschlage gebaute Instrument zeigte den außer-
ordentlich gesteigerten Objektivabstand von 152 cm und war mit einer
hier nicht weiter wichtigen Vorkehrung ausgestattet, die einen Wechsel
zwischen einer 8 fachen und einer 16 fachen Vergrößerung erlaubte. G. Hirth
führte das Instrument am 5. August dem in München tagenden Inter-
nationalen Psychologen-Kongreß vor und bemerkte dazu das Folgende:
„Insbesondere trat die Plastik der in einer Entfernung von 1000 bis
„3000 Meter liegenden WaldHsieren und ländlichen Anlagen in überraschen-
„der Weise hervor; die Baum-und Häusergruppen verwandelten sich ge-
„ wissermaßen in theatralische Koulissen, deren Tiefenabstand optisch fühl-
,,bar und bei fachmännischer Übung gewiß auch ziffernmäßig schätzbar
„ist." — Eine ähnHche Beobachtung läßt sich aus früherer Zeit wohl
nur für F. H. Wenham (s. S. 88) wahrscheinlich machen.
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6. Das Erwachen des Interesses in den neunziger Jahren. 177
Für eine kurze Zeit hat man in der Jenaer Werkstätte von Cael Zeiss
auch den Versuch gemacht, eine Verkleinerung des Objektivabstandes
auf etwa 5 cm durchzuführen, und zwar geschah das bei dem Feldstecher
4 f acher Vergrößerung, wenn er als Theaterglas verwendet werden sollte.
Man wünschte mit dieser Verringerung des Abstandes gerade das Zu-
sammenwirken des Bühnenraumes mit seinem gemalten Hintergrunde zu
steigern, doch ist wohl anzunehmen, daß sich die Porrhallaxie des
eigentlichen Bühnenraums, die durch die Objektivtrennung gar nicht be-
rührt wird, auch bei diesen Theatergläsern bemerkbar gemacht haben
wird, die übrigens bald wieder — nach 1898 — aus den Preisver-
zeichnissen verschwanden. Es ist eine offene Frage, ob sich nicht bei
der geringen Entfernung der Bühne jene quasihomöomorfhe Wirkung der
Instrumente mit erweitertem Objektivabstande mehr empfohlen haben
würde, worauf am deuthchsten A. Claudbt (s. S. 127) hingewiesen hatte.
Bemerkenswert ist nur, daß trotz dieser Unkenntnis der Theorie,
die zu heben anfangs auch die Theoretiker nicht bestrebt waren, doch
von einzelnen Benutzern die Natur des Raumbildes rein durch Be-
obachtung ermittelt wurde. So ist es mehrfach bemerkt worden, daß
die Relief-Fernrohre in gestreckter Lage der Schenkel die Gegenstände
anscheinend kleiner zeigten als bei mehr paralleler.
Die Fabrikationseinrichtungen für die neuen Prismen -Doppelgläser
setzten die einführende Firma bereits im Herbst des Jahres 1894 in die
Lage, mit diesen Erzeugnissen auf den Markt zu kommen, und der Ge-
schäftserfolg befriedigte sie auch sehr bald. Selbstverständlich blieb die
ZBissische Werkstätte bei der Herstellung der neuen Instrumente nicht
allein. Alle optischen Anstalten Deutschlands beschäftigten sich mit
diesen einträgUchen Instrumenten, da infolge der Priorität I. Poeeos
der Firma Cael Zeiss nur die weitere Trennung der Objektive mittels
der PoEEO sehen Prismen, nicht deren Verwendung zur Bildumkehrung
hatte geschützt werden können. In der Regel wurde das kanonische
PoEEOsche System verwandt und die beiden Einzelglieder so miteinander
verbunden, daß der Objektivabstand der Entfernung der Drehungszentren
des Benutzers gleichkam.
Abweichungen hiervon zeigten sich zuerst bei einzelnen Konstruk-
tionen H. L. HuETs {!,), In einem besonders interessanten Falle wurde
hier die Bildumkehrung und die Parallelversetzung der Achse durch ein
nach A. Daubeesse (J.) modifiziertes GouLiEEsches Prisma*) geleistet.
Während nämlich die ursprüngHche, nicht umkehrende Konstruktion
♦) Nach der Angabe von J. de Mabre (l. 115.) geht dieses Pentagonalprisma
auf den französischen Offizier . . Goulier zurück, der es 1864 bei einem Ent-
fernungsmesser anwandte. In der deutschen Literatur ist die gleiche Konstruktion
unter A. Prandtls (2.) Namen bekannt, doch kann dessen Priorität nicht einmal
gegen die Mabre sehe Veröffentlichung aufrechterhalten werden.
V. Eohr, Binokulare Instrumente. 12
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178
IL Historischer Teil.
(Fig. 87) zwei versilberte Flächen hatte, fand A. Daubresse bereits 1897,
daß man eine Versilberung ersparen könne, wenn man einer Seite einen
Winkelspiegel von 90 Graden anschliffe (Fig. 88). Einen solchen Körper
brauchte er nun nur noch mit einem ein-
fachen Ableseprisma zu verbinden, um die
beiden obenerwähnten Forderungen zu er-
füllen.
Aber auch auf den Ausbau der terrestri-
schen Doppelfernrohre hat der gewaltige An-
stoß gewirkt, den die Prismenkonstruktionen
ausübten; hörte man doch 1898, daß K. Fritsch
(i.) ein terrestrisches Doppelfernrohr mit all-
mählich veränderlicher Vergrößerung heraus-
brachte. Er sah damals zwei Formen vor,
von denen die kleinere mit 18 mm Objektiv-
durchmesser alle Vergrößerungen zwischen 5- und 15 fach gestattete und
dabei ein objektseitiges Glesichtsfeld von 8 bis etwa 3 Graden beherrschte.
Das größere Modell hatte Objektivlinsen von 38 mm, Vergrößerungen
zwischen 12- und 36 fach und ein wahres (Jesichtsfeld zwischen 3 Graden
und 1 Grade. Beide konnten allen Augenabständen zwischen 55 und
75 mm angepaßt werden.
Fig. 87.
Ein OouuBRBches PenUprisma.
J_
<^^^
Fig. 88.
Ein Arm eines Relief-Fernrohrs nacii A. Daubresse mit einem modiflaierten
GouLiER seilen Prisma nacli H. L. Huet (1.).
Auf jeden Fall wuchs durch das lebhafte Interesse des Publikums
an den neuen Hilfsmitteln das Verständnis für die Steigerung der Tiefen-
wahrnehmung, und wieder wie in der Blütezeit des Stereoskops erlebte
man eine allgemeine Teilnahme für binokulare Beobachtung. Wiederum
kam ein für das beidäugige Sehen bestimmtes Instrument, das jetzt aber
mit aller nur möglichen Sorgfalt hergestellt wurde, für sehr ausgedehnte
Kreise von Benutzern in die Mode.
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6. Das Erwachen des Interesses in den neunziger Jahren. 179
Der stereoskopische Entfernungsmesser und die mit ihm zu-
sammenhängenden Instrumente.
Bereits 1891, also gleich am Anfange dieses letzten Jahrzehnts,
£ndet sich eine anscheinend ganz unbemerkt gebliebene Idee, die auf
E. Machs Durchdringungsbilder und seinen Vorschlag zur stereoskopischen
Entfernungsmessung (s. S. 135) zurückgeht.
Der Mediziner J. Mies (1.) hatte dessen Ansichten durch die Ver-
mittelung des weiter nicht wichtigen Ruete sehen Lehrbuchs kennen ge-
lernt, imd er regte, ähnlich wie sein Vorgänger, an, bei Schädelmessungen
die Hirnwindungen, das Schädeldach und die Kopfhaut, außerdem aber
noch einen zur Objektivachse parallelen Maßstab auf dieselbe Platte aufzu-
nehmen. Seine Angaben lauten wörtlich : „Außerdem photographire man
„zugleich einen Massstab, welcher mit der Schädellänge in einer Ebene
„liegt, die mit dem Objektiv parallel ist. Auf diese Weise würde man
„Punkte, welche auf Gehirn, Schädeldach und Kopfhaut übereinander-
„liegen, sehen und ihre Lage mit Hilfe des reduzirten Massstabes an-
„ nähernd richtig schätzen können.** Man sieht ohne weiteres ein, daß es
sich hier um eine Messung an einer festen Skala handelte, deren Halb-
bilder ein für allemal mit den Halbbildern der zu messenden Objekte
fest verbunden waren. Ah eine große Genauigkeit der Resultate wird
nicht zu denken sein, aber der Vorschlag gehört doch hierher als eine
der frühesten Anwendungen des Mach sehen Messungsgedankens.
Der schon früher genannte, photographische Fachmann F. Stolze
{1.) hatte in den letzten Tagen des Jahres 1892 eine allerdings schon
vor einigen Monaten fertiggestellte Schrift veröffentlicht, die die Ver-
wendung des Stereoskops zu vorläufigen Messungen empfahl. Er hatte
in den siebziger Jahren eine wissenschaftliche Reise nach Persien mit-
gemacht und war auf diese Weise mit Verhältnissen vertraut geworden,
die den Fachgenossen in seiner Heimat noch ganz fern lagen. Auch
dieser Vorschlag war durch die Bedürfnisse der Praxis angeregt worden,
denn er sollte die rasche Niederlegung eines zuverlässigen Itinerars er-
leichtern.
Bei seinen Überlegungen (1, 60^65.) ging er ganz von der Helm-
HOLTzischen Theorie aus und empfahl, an den Endpunkten einer ihrer
Länge nach bekannten Basis zwei Aufnahmen in ziemlich großem Format
zu machen und sie nachher in einem geeigneten Stereoskop zu betrachten.
Er schlug dafür in erster Linie das WHEATSTONEsche Spiegelinstrument
vor, gab daneben aber auch noch eine Art des HELMHOLXzischen Tele-
stereoskops an. Schon die bloße Anschauung eines in dieser Weise stark
verkleinerten Objektreliefs könne für die Kartierung einen großen Wert
haben, doch könne man auch noch das folgende Meßverfahren anbringen.
Nähme man nämlich mit H. Helmholtz an, daß die Genauigkeit, mit
12*
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180 n. Historischer Teil.
der die stereoskopischen Differenzen bestimmt werden, 1' betrage, so
reiche für einen Beobachter mit einem Augenabstande von 68 mm die
Fähigheit, Punkte von dem unendlich fernen Hintergrunde abzulösen,
bis zu 234 m, dem n-fach verkleinerten Raimibilde gegenüber also n-mal
so weit. Lege man nun auf die beiden Papierkopien identische Gitter
äquidistanter Senkrechten, so könne man deren Mittellinien leicht so
orientieren, daß die im Stereoskop erscheinende Mittelmarke mit dem
Raumbilde eines Signals zusammenfalle, dessen Entfernung vorher durch
Längenmessung ermittelt worden sei. Verschob er nun bei der Be-
obachtung im Stereoskop eines der beiden Gitter, während das andere
an seinem Platze blieb, so erschien ihm das Raumbild des Gitters, wenn
die stereoskopische Differenz verringert wurde, ferner, wenn vergrößert,
näher, und zwar konnte der neue Abstand aus der Größe der Ver-
schiebung und der bekannten Entfernung des Signals leicht ermittelt
werden. F. Stolze schlug eine Mikrometer Vorrichtung vor, um jene
Größe der Verschiebung genau zu bestimmen.
Man sieht ohne weiteres, daß er in dem Vorschlage, photographische
Halbbilder einer stereoskopischen Entfernungsmessung zu unterwerfen,
hinter der Priorität J. Harmers (s. S. 158) zurückstand, daß sich sein
Vorschlag aber durch die Meßvorrichtung von dem seines Vorgängers
unterschied. Denn während J. Harmer an der auch schon von anderen
empfohlenen Idee der festen Meßskala festgehalten hatte, findet sich
hier zum ersten Male der Gredanke der wandernden Marke.
Noch etwas vor dem Erscheinen der Stolze sehen Schrift, nach
S. CzAPSKis {4.) Angaben nämlich um 1891/92, kam der Ingenieur
Hektor de Grousilliers auf die Idee des stereoskopischen Entfernungs-
messers. Er legte seinen Plan, wie das sein Bekannter Fr. von Hefner-
Alteneck in der dem Vortrage C. Pulfrichs {1.) folgenden Diskussion
angegeben hat, H. Helmholtz zur Begutachtung vor, erhielt aber einen
abfälligen Bescheid, da H. Helmholtz die Schärfe der Breitenwahr-
nehmung viel zu gering veranschlagte (s. S. 138). Im März 1893 wandte
er sich, nachdem er im Januar die Patentanmeldung eingereicht hatte,
mit seiner Idee an die ZEissische Werkstätte, wo nach langen, seit dem
Frühling des Jahres 1893 fortgesetzten Bemühungen dieser Gedanke ver-
wirklicht wurde, nachdem die Eigentumsrechte von dem Erfinder er-
worben worden waren.
Der stereoskopische Entfernungsmesser war ein HELMHOLTzisches
Telestereoskop mit Fernrohrvergrößerung, wobei in den Brennebenen der
beiden Okulare die Halbbilder einer stereoskopischen Meßvorrichtung
angebracht waren. Das konnte entweder, wie es A. Rollet, E. Mach,
J. Harmer vorgeschlagen hatten, und wie es zunächst auch jetzt wieder
bevorzugt wurde, in der Form einer festen Meßskala geschehen, oder
in der von F. Stolze eingeführten Weise der wandernden Marke oder
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6. Das Erwachen des Interesses in den neunziger Jahren. 181
schließlicli durch eine Verschiebung des Raumbildes gegen die unver-
änderlich erscheinende Meß Vorrichtung. Diese dritte, E. Abbe (7.) eigen-
tümliche Art der Messung war zunächst in den Patentschutz einge-
schlossen worden, um eine verhältnismäßig einfache Umänderung anderer
binokularer Entfernungsmesser in stereoskopische zu verhindern. Später
stellte es sich heraus, daß diese Methode des wandernden Raumbildes
mit Rücksicht auf die Sicherheit der Bewegung der bei der Messung
zu betätigenden Teile noch besondere Vorteile bot.
An der Ausbildung des ganzen Instruments, wofür E. Abbe außer
seiner im Juni 1893 eingereichten Umarbeitung der Groüsilliebs sehen
Beschreibung und der Ansprüche auch noch die Patentanmeldung (4.)
auf eine besonders wichtige Justiervorrichtung einreichte, hat C. Pulf-
RiCH einen großen Anteil, und er {1.) hat auch 1899 nach Überwindung
von vielfachen Schwierigkeiten zuerst eine nähere Beschreibung des ganzen
Instruments veröfPentHcht. Zuerst waren offenbar die späteren Helm-
HOLTzischen Ansichten noch in Gültigkeit, denn das Instrument kam in
drei Größen heraus, bei denen die Objektivtrennung D (von 50, 87 und
144 cm) und die Fernrohrvergrößerung V (entsprechend 8-, 14- und 23 fach)
in dem von der sogenannten HELMHOLTzischen Regel geforderten Zu-
sammenhange standen, daß galt
-^ = 62,5 mm (dem mittleren Augenabstande).
Später hat C. Pulfrich (4.), nach der hier benutzten Literatur als
erster nach dem HELMHOLTzischen Einführungsvortrage vom Jahre 1857,
die Richtigkeit jener späteren Regel für die Homöomorphie bestritten und
wenigstens für Punkte im Horizontalschnitt den Beweis ihrer Unrichtigkeit
geliefert. Bei der Berechnung der Fehlergrenzen der stereoskopischen
Messung hat er an einer mittleren Genauigkeit' der Breiten Wahrnehmung
von 3 )" festgehalten, die wohl als ein sehr häufig vorkommender Mittel-
wert zu gelten hat. Er selbst hatte aber bei seinen vielfachen Versuchen
in Übereinstimmung mit anderen Forschern, wie beispielsweise E. Wülfing
und L. Heine, oft viel höhere Schärfen bis zu 10" und darüber gefunden.
Daher hat in der neuesten Zeit die ZEissische Werkstätte für die An-
gabe der Genauigkeit unter günstigen Umständen diese Schärfe von 10"
zugrunde gelegt, als sie Angaben machte über die Messungsgenauigkeit
für ihren kleinsten, mit etwa 8 f acher Fernrohrvergrößerimg ausgestatteten
Entfernungsmesser, das Stereo- Telemeter ^/^ m.
Die Erklärung für diese so weit über das Trennungsvermögen des
Menschenauges hinausgehenden Einstellungssicherheit lieferte E. Hering {J.)
1899 durch die später anatomisch begründete Annahme eines in der
Netzhautgrube von den Zäpfchenenden gebildeten regelmäßigen Netzes,
das einem Querschnitt durch eine Bienenwabe ähnhch sieht (Fig. 89, S. 182).
Die die Netzelemente abgebenden regulären Sechsecke seien so angeordnet.
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282 II- Historischer Teil.
daß eine der drei durch sie definierten Hauptrichtungen ganz oder an-
genähert senkrecht steht. Ein Blick auf die Figur zeigt, daß man, sobald
diese Voraussetzung erfüllt ist, die Seitenversetzung zweier Geraden gegen-
einander auch dann wahrnehmen kann, wenn
ihr Winkelwert kleiner ist als eine Bogenminute.
Wie E. Hering hervorgehoben hat, äußert sich
diese Genauigkeit der Lagenbestimmung bei der
Vereinigung zweier geeigneter Halbbilder durch
das Auftreten von TiefendifPerenzen im Raum-
bilde; und umgekehrt gestattet sie in dem hier
vorliegenden Falle eine außerordentlich genaue
Feststellung der mit den Marken zusammen-
fallenden Punkte des zu messenden Raumes.
Eine allgemeine Herleitung der Fehlergrenzen
auf den Beobachter zu und von ihm weg für
beliebige Entfernungen und unter Berücksich-
tigung beliebiger Schärfen der Breitenwahrneh-
Das HERTNGSclfe (1.) Schema für ^^^E veröffentlichte M. VON RoHR (^. 278.),
die Wahrnehmung der Seitenver- Wertet man dicsc Formeln für einen, dem
setzuns
Stereo-Telemeter ^/g m entsprechenden Fall aus
(wobei aber eine genau 8 fache Vergrößerung angenommen sei), so er-
hält man für jene beiden Annahmen über die Einstellungsgenauigkeit
die folgende Tabelle:
Entfernung
Fehlergr:
jnze bei 30"
Fehlergrenze bei 10'
des Objekts
auf den Beob. zu
auf den
1 Beob. zu
in ra
[vom Beob. fortj
[vom Beob. fort|
200
1,44
[1,48]
0,48
[0,49]
250
2,25
[2,29]
0,76
[0,76]
300
. 3,24
[3,31]
1,09
[1,09]
350
4,40
[4,51]
1,48
[1,49]
400
5,73
[5,90]
1,93
[1,95]
450
7,24
[7,48]
2,44
[2,47]
500
8,93
[9,26]
3,01
[3.05]
600
12,8
[13,4]
4,33
[4,40]
700
17,4
[18,3]
5,89
[5,99]
800
22,6
[24,0]
7,68
[7,83]
900
28,5
[30,4]
9,71
[9,93]
1000
35,1
[37,7]
12,0
[12,3]
1500
77,6
[86,5]
26,9
[27,8]
2000
135,6
[156,9]
47,3
[49,7]
3000
295,1
[367,3]
105,3
[113,2]
Von großer Bedeutung ist offenbar der Entfernungsmesser von
H. DE Grousilliers noch insofern geworden, als C. Pulfrich von ihm
ausgehend die Stereokomparatoren konstruierte und die Planigraphen, wo-
für er unermüdlich die allerverschiedensten Anwendungsgebiete eröffnete.
Ihre Entwicklung fällt aber aus dem hier zu behandelnden Zeitraum
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6. Das Erwachen des Interesses in den neunziger Jahren. 183
des neunzehnten Jahrhunderts schon heraus; sie kann an den unter
C. PuLFBicH {2. bis O.) aufgeführten Stellen nachgelesen werden.
Einige Jahre, nachdem mit der Ausbildung des stereoskopischen
Entfernungsmessers nach H. de Groüsiluers begonnen worden war,
wurden die beiden französischen Forscher T. Marie und H. Ribaut durch
die Aufgabe einer mögüchst exakten Rekonstruktion eines Objekts aus
zwei durch Röntgen sehe Strahlungen erhaltenen Halbbildern auf das
Problem der Tiefenmessung an stereoskopischen Halbbildern geführt.
Während sie {J*) sich in der ersten VeröfPentlichimg noch ganz auf
eine Anwendung der Vorschriften von L. Cazes beschränkten und sich
an der schönen Klarheit dieser Darstellung (s. S. 171) schulten, gingen
sie {2.) im nächsten Jahre dazu über, ein Koordinatensystem gleichzeitig
mit dem zu messenden Objekt an derselben Stelle zu sehen und es dem-
nach mit dieser festen Skala auszumessen. Es war das ziemlich der Ge-
dankengang, wie ihn E. Mach 1868 (s. S. 135) angedeutet und J. Harmer
1881 (s. S. 158) beschrieben hatte, wie er dann mit geringerer Klarheit
von J. Mies 1891 (s. S. 179) vertreten worden war, aber er erscheint jetzt
in einer vollständigen Durcharbeitung. Die beiden Verfasser lieferten
gleich 1898 den Nachweis, daß man mit dem Stereogramm eines ein-
zigen Koordinatensystems auskomme, wenn man bei der radiographischen
Aufnahme für die Projektionszentren gewisse einfache Bedingungen ein-
halte, die von der Tiefe des Objekts und den Konstanten der Maß-
halbbilder abhingen.
In schöner Folgerichtigkeit ließen die beiden Autoren (5.) 1899 und
{4,) 1900 den Gedanken der Messung mit der wandernden Marke folgen,
wie er sich zuerst 1892 bei F. Stolze (s. S. 180) gefunden hatte. An
eine Beeinflussung wäre wohl von vornherein nicht zu denken, zu allem
Überflusse versichern noch beide Verfasser, daß sie sich für die ersten
hielten, die das Stereoskop zu Messungen verwendeten. Ihr Meßapparat,
das Stereometer, bestand aus je einem vertikalen Faden, der sich in einem
sorgfältig gearbeiteten Metallrahmen verschieben ließ; der Abstand der
beiden Fäden voneinander konnte durch eine grobe und eine feine Ein-
stellung variiert und an einer MilHmeterskala abgelesen werden. Ihr
Verfahren ergab zunächst nur den Abstand des zu messenden Punktes,
doch wurde es im Jahre darauf so umgeändert, daß aus der Einstellung
unmittelbar die drei rechtwinkligen Koordinaten des Punktes bestimmt
werden konnten. Dazu war an der vertikalen wandernden Marke ein
Punkt definiert worden, und das ganze Stereometer ließ sich in seiner
Ebene um genau meßbare Strecken nach oben oder unten und nach rechts
oder links verschieben. Die für die Auswertung der Messimg nötigen
Formeln wurden in beiden Arbeiten vollständig mitgeteilt.
Beide Forscher berücksichtigten durchaus nur die Messung am homöo-
morphen Raumbilde, was allerdings für die stereoskopischen Schatten-
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184 II. Historischer Teil.
bilder ausreichte und für die Zwecke des Mediziners sehr erwünscht war.
Die weitere Anwendung ihrer Ideen auf die messende Stereoskopie, wobei
allerdings zur Erhöhung der Messungsgenauigkeit eine Vergrößerung der
bildseitigen Gesichtswinkel eingeführt und infolgedessen mit porrhallak-
tischen Raumbildern gearbeitet werden mußte, scheint sie wenigstens in
dem hier behandelten Zeiträume nicht gereizt zu haben.
Das GREENOUGHsche Doppelmikroskop und die daraus
abgeleiteten Instrumente.
Das auf so verschiedenen Gebieten neuerwachte Interesse an bin-
okularer Beobachtung regte sich auch in der Mikroskopie. Hier wandte
sich, wie das S. Czapski {3,) angegeben hat, der amerikanische Zoologe
HoRATio S. Greenough bereits 1892 an die optische Werkstätte von
Carl Zeiss mit dem Wunsche, nach seinen Ideen ein orthomorphes
Mikroskop zu bauen.
Er ging, wie er in einem gegen Ende des Jahres 1895 vor einer
Versammlung der wissenschaftlichen Mitarbeiter der ZEissischen Firma
gehaltenen Vortrage ausführte — auch S. Czapski berichtet in der eben
zitierten Arbeit davon — , von der Überlegung aus, daß man bei einem
erwachsenen Menschen nur die entsprechenden (geometrisch ähnlichen)
Netzhautbilder herbeizuführen brauche, wie sie ein Lilliputaner in seiner
kleinen deutlichen Sehweite von 21 mm von einer 4 mm im Durchmesser
haltenden Erbse bekomme, um in dem erwachsenen Menschen den Ein-
druck einer in 25 cm Entfernung gehaltenen Kugel von 4,8 cm Durch-
messer zu erwecken. Diese Homöomorphie erschien ihm für sein besonderes
Arbeitsgebiet' wünschenswert, und zwar beschränkte er sich in seinem
Vortrage ausdrücklich auf kleine Vergrößerungen.
Bei dieser Gelegenheit hat er auf seine Vorgänger keinerlei Bezug
genommen, und aus einer umfangreichen Korrespondenz der ausführenden
Firma mit ihm darf man schließen, daß ihm solche auch nicht bekannt
gewesen sind. In der Tat aber ist diese Idee im wesentlichen ein Zurück-
gehen auf die Ansichten Sir David Brewsters (s. S. 49), der die aus
der hier geforderten Winkelgleichheit folgende, der Änderung des Pupillen-
abstandes proportionale Erweiterung des Raumobjekts ganz allgemein
aussprach. In der folgerichtigen Anwendung dieser Idee auf das stereo-
skopische Doppelmikroskop hat H. S. Greenough, soweit das hier benutzte
Material in Frage kommt, keinen Vorgänger gehabt.
In der ZEissischen Werkstätte wurde diese Anregung aufgenommen,
und es entstand etwa um den Ausgang des Jahres 1895 das Greenough sehe
Doppelmikroskop (Fig. 90). Es zeigte zwei unter einem Konvergenzwinkel
von 14 Graden gegeneinander geneigte Rohre, die an ihren unteren Enden
die beiden Objektive trugen. Dabei war dafür gesorgt worden, daß die
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6. Das Erwachen des Interesses in den neunziger Jahren. 185
Achsen der beiden Objektive in einer Ebene lagen, sich also auch wirkhch
schnitten. Zwischen die Objektive und die Okulare waren PoREosche
Umkehrprismen eingeschaltet worden, denn die Aufrichtung der Bilder war
nicht nur eine Forderung von H. 8. Greenough, der damit das Arbeiten
erleichtern wollte, sondern sie verbürgte erst einen orthoskopischen Effekt.
Man braucht sich nur des ChBrubin sehen Doppelmikroskops zu erinnern, .
um einzusehen, daß das Tiefenkriterium gebieterisch aufrichtende Okulare
forderte. Die Verwendung Porro scher Prismen statt terrestrischer Oku-
Fig. 90.
Die Zsissische Form des Oreenouoh sehen Doppelmikroskops.
lare hatte die große AnnehmUchkeit einer bequemen Anpassung an den
Augenabstand, die ja von A. A. Boulangbr bereits 1859 (s. S. 172) ge-
funden worden war. Ohne von diesem Vorgänger zu wissen, erfand,
wie 8. CzAPSKi (4.) berichtet, der wissenschaftliche Mitarbeiter an der
Zsissischen Werkstätte, K. Braütscheck, diese Verwendung der Porro sehen
Prismen von neuem. Die Gleichheit der Gesichtswinkel, die H. S. Grebnough
auf Grund seiner richtigen Theorie forderte, wurde aber nicht immer
herbeigeführt. Denn da im allgemeinen das Verlangen nach einer homöo-
morphen Abbildung nicht lebhaft war, ihre ReaUsierung bei den vor-
handenen optischen Systemen aber gewichtige Mängel im Gefolge hatte.
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186 II- Historischer TeU.
80 hat die ZEissische Werkstätte in der Regel davon abgesehen, diese
Bedingung zu erfüllen.
Einige Jahre darauf hat S. Czapski (3.) bei dem einführenden Artikel
eine Theorie des Instruments gegeben und darauf hingewiesen, daß man
allgemein von einem homöomorphen Mikroskop verlangen müsse, daß die
Gesichtswinkel auf der Objekt- und auf der Bildseite gleich seien. Die
Pupillen müßten also in die Knotenpunkte des zusammengesetzten Mikro-
skops fallen. Um dies zu erreichen, setzte er entweder in den vorderen
oder in den hinteren Knotenpunkt des Mikroskops eine Blende, die nun
mit der geforderten Strahlenbegrenzung den gewünschten homöomorphen
Effekt hervorbrachte. Indessen blieb bei einer solchen ungewöhnlichen
Strahlenbegrenzung die Bildgüte des Instruments nicht erhalten, und
man hat in der Folgezeit diese Blenden aufgegeben. Es würde durchaus
im Bereiche der Mittel der Mikroskopoptik Hegen, diesen Strahlengang
einzuhalten, ohne die Bedingungen der guten Abbildung zu stören, aber
es ist, wie schon erwähnt, das Interesse der Benutzer auch dieses In-
struments an der Homöomorphie zu gering, um die Einführung einer viel
umständlicheren Konstruktion dieser Forderung zuliebe gerechtfertigt er-
scheinen zu lassen.
Die optischen Teile des Greenough sehen Doppelmikroskops wurden
noch zu andern binokularen Instrumenten verwandt. So konstruierten
H. Braus und L. Drüner ein Präpariersystem und S. Czapski ein Horn-
hautmikroskop.
Vollständig übernommen wurden die Objektive der Greenough sehen
Einrichtung für die Drüner sehe {],) Camera, in der seit langer Zeit
zum ersten Male wieder die Konvergenzaufnahmen mit zwei Cameras ver-
wirklicht wurden. Da die so erhaltenen Stereogramme in den gewöhn-
lichen, für parallele Cameras konstruierten Stereoskopen einen hetero-
morphen Eindruck machen müssen, so haben A. Köhler und M. von Rohr
für H. S. Greenough ein noch eine nachträgliche Vergrößerung lieferndes,
orthomorphes Stereoskop konstruiert, das im folgenden zum ersten Male
beschrieben werden möge.
Die Idee zu einem einfachen Apparat dieser Art hat M. von Rohr
{2. 285.) schon früher veröffentlicht. Bezeichnet man mit n die Linear-
vergrößerung, mit der jede Einstellungsebene durch ihr Einzelobjektiv
abgebildet wird, so muß der Abstand d der beiden Eintrittspupillen zu
dem Augenabstand X> in dem Verhältnis stehen:
D:d = n.
Es ist alsdann möglich, die beiden n-fach vergrößerten Abbildskopien
derart in ein WnEATSTONEsches Spiegelstereoskop zu bringen, daß sich
ihre Spiegelbilder richtig durchdringen, nämlich so, daß die beiden Ebenen
zwischen sich den Konvergenzwinkel v der Objektivachsen einschheßen»
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6. Das Erwachen des Interesses in den neunziger Jahren. 187
Bringt man nun jedes der beiden Augen senkrecht vor die Mitte dea
zugehörigen Halbbildes, so erscheint dieses unter dem objektseitigen Ge-
sichtswinkel w, und man sieht es scharf, wenn der Abstand 2( zwischen
der Eintrittspupille und der Einstellungsebene jedes Objektivs so gewählt
wurde, daß die Beziehung zur deutlichen Sehweite 1 gilt:
2r = l:n.
Es mag noch darauf hingewiesen werden, daß eine solche, mit Hilfe der
Photographie verwirklichte Einrichtung für homöomorphe Darstellungen
selbst vor einem idealen orthomorphen Mikroskop nach H. S. Greenough
den Vorteil hat, daß hier das freie direkte Sehen berücksichtigt werden
kann im Gegensatz zu der dort nur mcgUchen Schlüssellochperspektive.
Ein ungünstiger Umstand hegt in der Spiegelung der Halbbilder. Wie
eine einfache Überlegung zeigt, müssen alsdann die beiden Halbbilder
miteinander vertauscht . werden, um das Zustandekommen eines pseudo-
morphen Eindrucks zu vermeiden, und man sieht weiter leicht ein, daß
der Beobachter auf diese Weise ein Spiegelbild des Gegenstandes erhält.
Eine solche Wiedergabe kann aber unter Umständen sehr unerwünscht
sein, und es empfiehlt sich daher, für Papierbilder einen Übertragungsprozeß
zu wählen, so daß die Halbbilder selbst Spiegel verkehrt kopiert werden.
Hier setzte die von A. Köhler angeregte Verbesserimg ein. Wenn
doch die Negative aus der Drüner sehen Camera nicht einfach kopiert
werden können, so läßt sich die hier notwendige Umkehrung auch gleich
mit einer nachträglichen Vergrößerung verbinden, wofür die Schärfe der
Abbildung noch durchaus ausreichte. Setzt man diese Vergrößerung
etwa gleich 2, so kann man offenbar nicht ohne weiteres die Negative
auf die doppelte Größe bringen, ohne der Homöomorphie zu schaden,
denn es steht ja dem Beobachter kein proportional vorgrößerter Augen-
abstand zu Gebote. Vielmehr muß nunmehr der Objektivabstand d so
bestimmt werden, daß
-.d = n
wird, und für die Größe 2( ergibt sich ähnlich:
i=l:n.
Die spiegelverkehrten Kopien erhält man leicht in einem gewöhnlichen
Vergrößerungsapparat, wenn man die Negative umgekehrt wie sonst
einlegt und durch das Glas hindurch die Aufnahme macht.
Die in der ZEissischen Werkstätte hergestellten Versuchsausführungen
befriedigten auch hochgespannte Ansprüche, nur mußte bei der Prüfimg
auf Homöomorphie darauf geachtet werden, daß man den kleinen Ob-
jekten durchaus ähnliche, 2 n fach erweiterte Modelle in der Entfernimg
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188 11. Historischer Teil.
1 = 25 cm aufstellte und sie dann mit dem Raumbilde verglich.. Die
kleinen Objekte selbst eignen sich für diese Vergleichungen wenig, weil
sie ja unter ganz verschiedenen Bedingungen, nämlich abweichender
angularer Größe, betrachtet werden.
Überblickt man die ganze Entwicklung der binokularen Instru-
mente, so läßt sich ein merkwürdiger Gegensatz zwischen der Art
intelligenter Amateure und der wissenschaftlich geschulter Spezialisten
nicht verkennen. Beide fördern wohl das Ziel der Verbesserung der
Instrumente, aber das geschieht doch in sehr verschiedener Weise.
Schon in jener ersten Zeit, wo weitere Kreise unter den binoku-
laren Instrumenten nur an den Doppelfernrohren Anteil nahmen, sind
es die Klostergeistlichen der verschiedenen Orden, die als intelligente
Amateure an diesen Instrumenten arbeiten; sie haben für die Mängel
der Leistung große Nachsicht wegen ihres verständnisvollen Vergnügens
an der darin verwirklichten Idee. Diese bestand für sie — soweit sie
sie bestimmt ausgesprochen und formuliert haben — allerdings fast
allein darin, daß beide Augen wirksam waren, und daß sich dadurch
eine größere Helligkeit ergab. Aber schon im vierten Jahrzehnt des
18. Jahrhunderts hat sich dieses Bild geändert; die inzwischen er-
starkte Wissenschaft übte eine solche Milde nicht mehr, und da sie
selbst ihr Interesse anderen Gebieten zuwandte, so versanken die bin-
okularen Fernrohre allmählich völlig in Vergessenheit. Die Neuerfindung
dieser Instrumente im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts brach sich
zunächst nur sehr langsam Bahn, doch wurde wahrscheinlich das Inter-
esse auch dafür durch die Entdeckung des Stereoskops erhöht. Dieser
Apparat blieb für längere Zeit der Hauptvertreter der binokularen In-
strumente, und seine Blütezeit begann, als sich neben den Vertretern
der reinen Wissenschaft intelligente Praktiker mit ihm zu beschäftigen
anfingen. Diese Periode steht, was die durchschnittliche Kenntnis und
die teilnehmende Würdigung des Instruments angeht, weitaus am höchsten.
Gewiß werden sich auch damals viele Photographen in rein nach-
ahmenden Ausführungen gefallen haben, aber die Schwierigkeit der zu
jener Zeit gebräuchlichen Verfahren hatte von selbst den großen Vor-
zug, nur die Ausgewählteren zuzulassen, und so fand sich denn eine
Schar internationaler Gelehrten und wesentlich englischer Amateure auf
diesem Gebiete zusammen. Sie alle waren in dem Streben einig, die
Grundlagen ihres Gebiets zu verstehen, seine Grenzen zu erweitern und
dunkle Pimkte nach besten Kräften aufzuklären. Das Instrumentarium
war nach den heutigen Begriffen mangelhaft, und die persönliche Ge-
schicklichkeit mußte angestrengt werden, um die glänzenden Erfolge
jener Zeit hervorzubringen. Ganz bewußter Weise übertrug man die
Methode beidäugiger Beobachtung auf das Mikroskop und schuf dadurch
Google
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6. Das Erwachen des Interesses in den neunziger Jahren. X89
für die Länder englischer Zunge einen wertvollen Zuwachs des Instrumen-
tariums. Diese binokularen Instrumente wurden auch in der Zeit der
Abkehr vom Stereoskop von verständnisvollen Benutzern, an denen die
englischen Amateurgesellschaften glücklicherweise reich waren, sehr hoch-
gehalten und zu stetiger Arbeit verwendet. Das eigentliche Stereoskop
aber erhtt besonders in dem Lande seiner Erfindung einen unaufhalt-
samen Rückgang. Durch gewissenlose Überschwemmung des Marktes mit
Schundwaren wurde das Interesse der weitesten Kreise erstickt, und
widerstrebend folgte das intelligente Amateurtum dem Beispiele der
Wissenschafter, die diesem Gebiete schon früher den Rücken gekehrt
hatten. In der langen Periode des Rückganges verlor sich nicht ganz
die Kenntnis — das Stereoskop gehörte ja zu dem eisernen Bestände
der Physikbücher — wohl aber das Verständnis dieses Instruments,
denn die kleine, im Laufe der Jahre immer mehr zusammenschwindende
Schar der Verehrer war ganz außerstande, das Interesse weiterer Kreise
wach zu halten. Als sich dann ein Viertel] ahrhundert nach jener Periode
des Raubbaus eine neue Generation mit den binokularen Instrumenten
beschäftigt, da sind die Leistimgen der Blütezeit im einzelnen vergessen,
und sie werden wenigstens zum Teil neu gemacht. Aber die neue Zeit
trägt ein ganz anderes Gesicht als die alte. Bei den photographischen
Verfahren waren in der Zwischenzeit solche Verbesserimgen nach der
optischen und solche Erleichterungen nach der chemischen Seite einge-
führt worden, daß die selektive Wirkimg der schwierigen Methoden der
älteren Zeit in Fortfall kam; bei den binokularen Instrumenten zur
direkten Beobachtung waren aber besondere Schwierigkeiten von jeher
nicht vorhanden gewesen. So ist es ganz verständlich, daß die stereo-
skopische Beobachtung wieder Mode werden konnte, aber leider fehlte
der Stamm tüchtiger Amateure, der der älteren Zeit ihren Charakter
gab. Woher sollten sie auch kommen, da der Reiz der eigenen Erfin-
dung, die selbständige Überwindung von Schwierigkeiten fast völlig auf-
gehört hatte? Denn für die neue Zeit ist es im Gegensatz dazu typisch,
daß in richtiger Erkenntnis der veränderten Lage der wissenschaftHch
geschulte Spezialist in der Optik und unter Umständen auch im Camera-
bau die Führung übernimmt und seinen Scharfsiim und sein technisches
Geschick zur Herstellung eines Instrumentariums verwendet, das dem
der älteren Zeit ebensoweit überlegen ist wie die alten Praktiker den
neuen. So geht es mit der stereoskopischen Photographie, und nicht
anders steht es bei den Doppelfernrohren und Doppelmikroskopen, den
stereoskopischen Entfernungsmessern und den Stereokomparatoren. Häufig
schon die Anregung, jedenfalls aber die Durcharbeitung geht von Spe-
zialisten aus, und verständUcherweise bleibt der großen Menge der Be-
nutzer bei dem Schauspiele dieser Erfindungen nur die bequeme Rolle
des staimenden Zuschauers. Die Neigung der Wissenschafter von heute,
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190 n. Historischer Teil.
fiich rasch einem engbegrenzten Gebiete zuzuwenden und dies allein als
Spezialisten zu beherrschen, kommt dieser betrübenden Richtung der
Entwicklung entgegen, und man verlangt von dem Benutzer eines bin-
okularen Instruments schon gar nicht mehr die Kennerschaft. Vielmehr
ist es heute den meisten nur noch um die Leistung zu tun, und die
Freude an dem zugrunde liegenden Prinzip, die verständnisvolle Teil-
nahme für das Instrument, ist dahin. Um so mehr ist es die Aufgabe
gerade der technischen Spezialisten, auf eine Erweckung des Interesses
zu wirken, denn nur dadurch kann die Gefahr des Epigonentums über-
wunden werden, das schon so häufig infolge scholastischen Festhaltens
an allen Meinungen anerkannter Meister die Entwicklung dieses Wissens-
gebiets gehemmt hat.
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in. Systematischer Teil.
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Vorbemerkungen.
Die Verwertung des Materials, das in dem vorangegangenen histori-
schen Teil zusammengetragen worden ist, wird durch die folgende syste-
matische Anordnung sicherlich erleichtert. Sie enthält übrigens keine
andern Gesichtspunkte, als sich im Laufe der vorher geschilderten Ent-
wicklung ergeben haben, und erhebt durchaus nicht den Anspruch,
etwa ein ganz allgemein ausreichendes Schema zu bieten.
Im Vorstehenden ist bereits an manchen Stellen auf die Grund-
sätze aufmerksam gemacht worden, nach denen eine solche Einteilung
vorgenommen werden könnte, doch mögen sie hier noch einmal in^ Zu-
sammenhange Platz finden.
Der ganzen Darstellung entsprechend ist der Begriff des ortho- und
des pseudomorphen Kaumbildes aus der Strahlenbegrenzung abzuleiten,
imd zwar kommt es allein darauf an, ob die Stellung der Objektaugen
orthopisch oder chiastopisch ist. Bei einem einheitlich wirkenden System
ist die zweite Möglichkeit ausgeschlossen, dagegen kann sie sich bei zwei
getrennten Systemen einstellen. Es ist indessen nicht notwendig, daß
dies Sammelsysteme seien, vielmehr genügt hier eine Verschiebung der
Objektaugen nach rechts und links oder eine Spiegelverkehrung, wie sie
sich durch ein System von spiegelnden Ebenen oder brechenden Prismen
herbeiführen lassen. Diese einfachen Grundformen sind denn auch in
mannigfacher Weise, entweder allein für sich oder in Verbindung mit
Sammelsystemen, sowohl einheitlich wie getrennt wirkenden, benutzt
worden.
Wurde hier die Strahlenbegrenzung berücksichtigt, soweit sie sich
auf das beidäugige Sehen bezog, so spielt sie in der Einteilung selbst-
verständlich auch für das einzelne Auge eine KoUe. Das Halbbild kann
zentrisch betrachtet werden oder abweichend davon, wobei sich im
zweiten Falle — wenn überhaupt ein Raumbild im strengen Sinne zu-
stande kommt — allgemein Heteromorphien ergeben. Hält man aber
an der zentrischen Betrachtung fest, so ist es von Wichtigkeit, ob die
V. Bohr, Binokulare Instrumente. 13
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194 III- Systematischer Teil
ursprünglichen Gesichtswinkel erhalten bleiben, und damit die Möglich-
keit einer Homöomorphie gegeben ist, oder ob sie verändert werden,
was dann zu Porrhallaxien führen kann. Im allgemeinen wird es sich
um Vergrößerungen der Winkel handeln, doch kommen auch Fälle vor,
wo der allgemeinere Begriff der Sammel Wirkung besser paßt, da die
Gresichtswinkel verkleinert werden.
Was nun die Entstehung der Halbbilder angeht, so findet hier die
Unterscheidung der ununterbrochenen und der unterbrochenen Abbildung
ihre Stelle, die häufig aber durchaus nicht immer mit dem üblichen
Begriffe der subjektiven und der objektiven Betrachtung zusammenfällt,
und die daher im Interesse einer größeren Schärfe anzuwenden war.
Von unterbrochener Abbildimg wird stets zu sprechen sein, wenn dem
durch das beidäugige Sehen entstehenden Bildraum kein einheitlicher
Objektraum gegenübersteht.
Bei der Herstellung der Halbbilder handelt es sich in vielen Fälleji
der unterbrochenen Abbildung, namentlich der so überwiegend wichtigen
photographischen, um eine Sammel Wirkung, die in gewisser Weise der
Vergrößerungswirkung entspricht, wovon bei der Strahlenbegrenzung des
Einzelauges die Rede war.
Größere Schwierigkeiten stellen sich bei der unterbrochenen Ab-
bildung da ein, wo das Halbbild keine physische Existenz hat, sondern
wo etwa aus einem dem Einzelauge dargebotenen Körper erst das Ab-
bild konstruiert zu denken ist. Für das Einzelauge, dem ja vom ganzen
Objektraum nur solche Abbilder zugänglich sind, macht das keinen
Unterschied, doch war hier auf diese Verhältnisse hinzuweisen, damit man
die nahe Verwandtschaft zwischen diesen virtuellen Abbildern und den
vertrauteren physischen Abbildskopien deutlich erkenne. Hierher ge-
hören auch die Lösungen jenes ziemlich heiß umworbenen Problems,
eine einzelne Zeichnung beidäugig im Relief zu sehen. Wird von ihr
eine Kopie erzeugt, eine physische, oder ein virtuelles Bild, und erteilt
man diesen beiden Darstellungen für jedes Auge eine Drehung im ent-
gegengesetzten Sinne, so entsteht für jedes Auge ein von dem anderen
verschiedenes Abbild, und jene Aufgabe ist gelöst. Nur freilich be-
friedigt diese Lösung nicht besonders.
Die Gegenüberstellung der bloßen Betrachtung und der kritisieren-
den Analyse des Raumbildes erscheint zweckmäßig, weil sich so in ein-
facher Weise das ziemlich viel bearbeitete Gebiet einmal der Ortho-
und der Pseudomorphien imd dann das der Homöo- und der Hetero-
morphien abgrenzen läßt. Daß hierbei in der Praxis überall, auch
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Vorbemerkungen. 195
subjektive Momente eine KoUe spielen, ist gewiß, doch waren sie nach
der ganzen Anlage dieser Schrift hier gänzlich auszuschließen.
Die umfassendste Einteilung beruht auf der Anzahl der gleichzeitig
dem Beobachter dargebotenen Räume; hierin bot sich eine einfache
Absonderung der in neuester Zeit mit so viel Erfolg ausgebildeten
binokularen Meßinstrumente.
Das Schema der Einteilung ist mit Absicht an den Schluß, hinter
Seite 223, eingeklebt worden. Es ist herauszuziehen und dient dann
gleichzeitig als Index für die mit Ziffern bezeichneten kleinsten Unter-
abteilungen. Diese finden sich auf den hier unmittelbar folgenden
Seiten 196 — 203. Vor dem Titel einer jeden Unterabteilung findet sich
die arabische Ziffer, durch die diese Unterabteilung in dem Hauptschema
vertreten ist. Die Zahlen hinter jeder historischen Notiz oder An-
führung geben die Seiten in dem historischen Teil an.
13*
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Systematische Anordnung.
(Das Einteilungssohema hinter S. 223 ist herauszuziehen.)
1. Strahlenbegrenzung dnrch
die Augen selbst (Erforschug
der Vorgänge beim unbehin-
derten Sehen).
1584 L. DA Vinci, allgemeiner Unterschied
gegen das einäugige Sehen 28.
1625 Feststellung des Augenabstandes
durch A. M. Schybl 24.
1677 Feststellung des Augenabstandes
durch Ch£bübiN d' Orleans 27.
1685 Feststellung des Augenabstandes
durch J. Zahn 28.
1735 J. E. Webdbnbubg, Feststellung der
deutlichen Tiefen Wahrnehmung durch
sukzessives Fixieren 28.
1738 B. Smith äußert sich entsprechend 29.
1775 J. Harris, Lokalisation naher Ob-
jekte durch Konvergenz 31.
1834 Ch. Wheatstones Nachweis, das
Raumbild werde durch die beidäugige
Vereinigung zweier verschiedener Bilder
hervorgebracht 39.
1841 E. Brücke und C. Th. Tourtual
erklären sich für sukzessives Fixieren 4 k
C. Th. Toürtüal führt die „Horop-
ter**-Ebene (Einstellungsebene) für das
direkte Sehen ein 44.
1843 A. Prävost und Sir David Brew-
STER erklären sich für sukzessives
Fixieren 45. 47.
1866 Versuchsanordnung für die Tiefen-
bestimmung nach H. Helmholtz 138.
1867 Bestimmung der Grenauigkeit der
Entfemungswahrnehmung empirisch
durch A. Claudet 127/128.
1900 E. Herings Erklärung dieser Ge-
nauigkeit 181.
2. Strahlenbegrenzung durch
Objektaugen, entworfen mit-
tels brechender Prismen oder
spiegelnder Ebenen.
Orthopisehe Konstruktionen mit verringrer-
tem Abstand der Objektaugren.
1853 F. H. Wbnhahs Verwendung des
Systems zweier rhombischer Prismen 83.
Orthopische Konstruktionen mit erweiter-
tem Abstand der Objektaugren.
1853 Die letzte Form der Hardie sehen
Pseudoskope 82.
1857 Das HELMHOLTzische Telestereo-
skop 87.
1858 F. H. Wenhams Prioritätsrekla-
mation des Telestereoskops für das
Jahr 1853 88.
Chiastopische Konstruktionen.
1852 DasWHEATSTONE sehe Pseudoskop 67.
1853 Die beiden ersten Formen der
Hardie sehen Pseudoskope 82.
3. Strahlenbegrenzung durch
die Augen selbst.
Mit Hohlspiegreln.
1646 A. Kircher 26.
1675 Z. Traber 27.
1738 R. Smith 29.
1775 J. Harris 31.
1814 A. Zachariä 33.
1853 H. W. DovE 3J.
1866 H. Helmholtz 33.
Mit einer auf der Drehbank polierten Scheibe.
Vor 1834 Ch. Whbatstone 39.
Mit Linsen.
1775 J. Harris 31.
1799 J. H. Lambert 31.
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Systematische Anordnung.
197
4. Strahlenbegrenzung durch
Objektaugen, entworfen mit-
tels brechender Prismen oder
spiegelnder Ebenen.
Orthopisehe KonstruktioHeH (stets ver-
kleinerter Abstand).
Lupen.
1853 J. L. RiDDELL 70.
1863 R. Beck (unsymmetrische Kon-
struktion) 114.
1867 A. Nachet 116.
Mikroskope (die Augen sind je mit
einem Okular bewaffnet).
Die spiegelnden Prismen.
1853 J. L. RiDDELL 72.
A. Nachet 73.
1860 F. H. Wenham 112.
1863 A. Nachet 116.
1871 J. W. Stephbnson 141.
1879 und 1882 H. Goltzsch 152. 153.
Die brechenden Prismen.
1860 F. H. Wenham 112.
1873 F. H. Wenham 141.
Stereoskopische Okulare.
1865 R. B. Tolles 114.
1881 (?) A. Pbazmowski 141/142.
Synopische Konstruktionen*
Mikroskope mit einem Objektiv.
. 1854 Erste Idee der zweiäugigen Be-
obachtung durch F. H. Wenham 73/74.
1865 Erste Ausführung durch Powell
& Le ALAND 114.
1866 Verwendung des Swan sehen Wür-
fels durch F. H. Wenham 115.
Stereoskopische Okulare.
1880 E. Abbes Verwendung des Swan-
schen Würfels 154.
Chiastopische Konstruktionen.
1853 F. H. Wenhams erste binokulare
Mikroskope 72.
1863 A. Nachet 116.
6. Orthopische Stellung der
Objektaugen.
D oppelternr ohre.
Der Abstand der Objektaugen ist
im Wesentlichen unverändert.
1608 J. Lippebhey (holländischer Typus)
23.
1625 D. Chorbz, Einführung der Parallel-
verschiebung zur Anpassung an den
Augenabstand 23/24.
A. M. ScHYRL (terrestrischer Typus)
24/25.
1677 Chäbubin d'Orl^ans (auch astro-
nomische Doppelfemrohre), besonders
sorgfältige Anpassung an den Augen-
und Objektabstand 25/26.
1738 R. Smith (Gbegoby sehe Tuben) 30.
1823 Fb. Voigtländeb (achromatische
Perspektive) 34.
1825 B. WiEDHOLT und A. Schwaigeb,
Anpassung an den Augenabptand 35.
J. Ph. Lemi£:be, Ausgestaltung des
modernen Opernglases mit Anpassung
an den Augenabstand und gemeinsamer
Einstellung beider Rohre 35/36.
1841 J. J. Choquet, Einführung des
Okularrevolvers in das Doppelfemrohr
37.
1843 Fb. Voigtländeb, Angebot der
durch J. Petzval verbesserten Doppel-
gläser 37.
1854 . . Lapleub, Sondereinstellung der
Okulare 37.
. . Habdweileb, Herstellung stark-
vergrößemder Doppelfemrohre mit
Teleobjektiven als Objektivsystemen
37.
P. G. Babdou, Terrestrische Doppel-
femrohre 37.
1859 A. A. BoULANGEB, Umkehrung und
Anpassung an den Augenabstand durch
POBBOsche Prismen 172.
1881 H. Goltzsch (astronomisches Doppel-
femrohr) 152.
1884 C. D. Ahbens, Umkehmng und An-
passung an den Augenabstand durch
POBBOsche Prismen 174.
1898 K. Fbitsch, Terrestrische Doppel-
femrohre mit variabler Vergrößerung
178.
Der Abstand der Objektaugen ist
verändert (meist erweitert).
1857 Telestereoskop mit Femrohrvergrö-
ßemng nach H. Helmholtz 87.
1858 W. Habdies Reklamation für die
Zeit nach 1853 88.
F. H. Wenhams Reklamation für das
Jahr 1853 88.
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198
III. Systematischer Teil.
1859 J. F. W. Herschels Reklamation
für seinen Sohn und das Jahr 1855 103.
1875 C. Nachets PoBROsches Doppelfem-
rohr mit erweitertem Objektivabstand
173.
1893 E. Abbes Feldstecher, Relief-Fem-
rohre, Relief -Standfemrohre 175.
1896 ZEissische Feldstecher mit ver-
kleinertem Objektivabstande 177.
1897 A. Daubresse, Prismen doppelfem-
rohre mit erweitertem Objektivab-
stande 177/178.
Doppellupen und -mlkroskope (Immer mit
endlicher Konvergenz).
1866 E. Javals DoppeUupe 137.
1886 WESTiENsche DoppeUupe nach
F. E. SCHULTZE 161.
1895 GREENOUOHsches Doppelmikroskop
mit PoRRO sehen Prismen zur Bild-
aufrichtung und Anpassung an den
Augenabstand 184/185.
6. Chiastopische Stellung der
Objektaugen.
1677 Chärubin d'Orläans Doppelmikro-
skop 26.
1852 Das WHEATSTONEsche Lupenpseu-
doskop 67.
1852 Sir David BREWSTERsKameoskop81.
7. Durch perspektivische
Zeichnungen.
1738 R. Smith 30.
1838 Ch. Wheatstone 40.
1851 H. W. Do VE (verschieden große
Zeichnungen) 62.
1852 Sir David Brewsters Methode,
aus dem Objektabstande die stereo-
skopische Differenz zu ermitteln 55.
J. Elliots Reklamation für 1839 69.
1856 Perspektivische Konstruktionen von
J. Hessbmer und J. J. Oppel 106/107.
1860 W. Hardies Methode möglichst ge-
nauer Zeichnung des zweiten zu einem
gegebenen eirsten Halbbilde 105.
1861 O. N. RooDs Methode 129.
1870 A. Stbinhausebs Berechnung der
homologen Punkte 145/146.
1876 A. Steinhausers gekreuzte Halb-
bilder 146.
Allgemeine Formeln für die Ko-
ordinaten homologer Punkte nach
Th. Hügel 149.
1876 Th. Hügels Konstruktion der Halb«
bilder auf der Teilmaschine 149.
8. Durch verschiedene schein-
bare Umrisse.
(Glelehartigr für beide Augren.) Durch ver-
schiedene, den beiden Augen dargebotene
physische Objekte oder durch verschiedene
optische Bilder desselben Objelcts.
1738 R. Smith, mit verschiedenen kleinen
Objekten 29.
1838 Ch. Wheatstone, durch zwei iden-
tische Körperskelette 40.
1842 C. Th. Tourtual, durch zwei iden-
tische verschieden geneigte Zeich*
nungen 44.
1857 J. B. Donas, durch zwei verschieden
geneigte Spiegelbilder derselben Zeich-
nung 89.
1859 Th. Wh. Jones, durch zwei prisma-
tische Bilder desselben Objekts 123.
1882 W. LE CoNTE Stevens wie C. Th.
Tourtual 157.
1898 H. H. Hill etwa wie J. B. Donas
und Th. Wh. Jones 170.
(Ungleichartlsr für beide Augren.) Das Objekt
selbst bildet den scheinbaren Umriß für das
eine Auge, sein Spiegelbild den für das an-
dere (nur bei geeigneten Objekten möglich)«
1851 Einzelne Spiegel prismen von H.
W. DovB 60.
1852 Einzelne Spiegel- und Brechungs-
prismen von Sir David Brewster 55.
1853 Spiegelsysteme von W. Rollmann 83.
9. Durch Schattenkonstruktio-
nen bei Anwendung der Radio-
graphie.
Am Barium-Platin-Cyanürsehirm.
1896 E. Mach 166.
1899 M. Davidson 166/167.
1900 Th. Gutlloz 167.
Auf den Radiogrammen.
1896 E. Mach 166.
1896 P. CZERMAK 166.
10. Durch diffuse Strahlung
auf der Mattscheibe.
1855 G. Norman 103.
1856 Sir David Brewstebs Camera-
stereoskop 85.
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Systematische Anordnung.
199
1857 A. Claudets Beobachtungen 103.
1901 Th. Browns Verwendung des Stereo-
Photo-Duplicons. 166.
11. Durch die Photographie.
Mit einheitlich wirkenden Systemen.
Makrophoto graphische
Aufnahmen.
Die Trennung ist rein zeitlich durch
Verschiebung des Objektivs.
1841 Ch. Whbatstone 45.
1844 L. MosEB 46.
1853 L. Clarks Vorrichtung 78.
1858 J. Sangs Verkörperung von Kupfer-
stichen 105.
Die Trennung ist rein zeitlich durch
Drehung des Objekts.
1859 W. DE LA BüEs Aufnahmen des
Mondes, der Sonne und einiger Pla-
neten 101/102.
Die Trennung ist rein geometrisch infolge
der Anwendung von Spiegelsystemen.
1853 Der Barn ard sehe Vorschlag 76.
1894 Th. Browns Stereo-Photo-Duplicon.
164.
Mi kro photographische
Aufnahmen.
Die Trennung geschieht am Objektiv.
1853 Ch. Wheatstones Drehung des
Tubus 71.
1854 Abbiendung verschiedener Teile
der Apertur durch F. H. Wenham74.
1863 Regulierung der Beleuchtung durch
F. H. Wenham; Reklamation für 1854
113/114.
Die Trennung geschieht am Objekt.
1852 J. DüBOSCQs stereoskopische Wippe
71.
1853 J. L. Riddells Verschiebung des
Objekts 73.
Ch. Wheatstones stereoskopische
Wippe 71.
1861 O. N. RoODS stereoskopische Wippe
118.
Mit Doppelsystemen.
Makrophotographische
Aufnahmen.
1849 Sir David Brewsters Doppelcamera
mit Halblinsen 49.
1852 A. Claudets Doppelcamera für
Konvergenzaufnahmen 78.
1863 A. Gaudins Halblinsensysteme 78.
1855/56 Die Parallelcameras von . , Des-
prats und J. B. Dancer 79.
1859 H. SwANs Doppelcamera mit ver-
schiedenen Brennweiten 90.
1899 W. K. L. DiCKSONs Doppelcamera
mit Ableseprismen 169/170.
Mikrophotographische
Aufnahmen.
1900 L. Drünebs Doppelcamera zum
Greenoügh sehen Stativ 186.
Nachträgliche Abbildungr schon vorhandener
Stereogramme.'
Für stereoskopische Projektion.
1852 Die Vorschläge Von J. Duboscq 63.
1858 Die Methoden von Ch. d' Almeid a
89/90. ,
1891 DieAnaglyphen v. Dücos Dühauron
162/163.
1891 Die Methoden von J. Anderton 163.
Zur Erweiterung des Bildwinkels.
1893 Die Krause sehe Verkleinerung der
Halbbüder 163/164.
12. Durch spektrale Zerlegung
des Lichts.
1848 Sir David Brewsters Farbenstereo-
skop 48.
1879 Wiedererfindung durch H. Grubb
143.
13. Strahlenbegrenzung durch
die Augen selbst (Zwischen-
schaltung einfacher Spiegel
und Ableseprismen bleibt un-
berücksichtigt).
Stereoskopische Methoden.
1738 R. Smith, Vereinigung ähnlicher
Objekte, Betrachtung der stereoskopi-
schen Zeii^hnung 29. 30.
1772 J. Janin, binokulare Mischungsfarbe
bei verschieden gefärbten Brillengläsern
32.
1775 J. Harris, Möglichkeit eines ein-
heitlichen Eindrucks aus der Vereini-
gung zweier ähnlicher Bilder 31.
1806 Ch. de Haldat, binokulare Mi-
schung von Pigmentfarben 32/33.
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200
III. Systematischer Teil.
1838 Ch. Whbatstones Stereoskop mit
und ohne ebene Spiegel 39.
1851 H. W. DovEs Spiegelinstrument 62.
1852 Ch. Wheatstones verbessertem
Stereoskop und sein Stereoskop in
Kastenform 65/66.
J. DüBOSCQs Spiegelungen nach
oben und unten 63.
1 855 J. J. Oppels Nachweis, im Stereo-
skop könne nur der Eindruck de
direkten beidäugigen Sehens wieder-
holt werden 107.
1857 W. Habdies Spiegelungen nach
oben und nach unten 89.
1859 W. DE LA BuEs Fortbildung des
Wheatstone sehen Spiegelstereoskops
102.
1862 J. SwANs Mmiaturbüsten 121/122.
Methoden zur Herbeitührungr der notwen-
digen Konvergenz ohne besonderen Apparat.
1851 Sir David Brewster, für Sehen mit
gekreuzten Achsen 55.
1853 W. Rollmann, für Sehen mit gleich-
gerichteten Achsen 83.
1856 H. Faye, für Sehen mit gleichgerichte-
ten Achsen 85.
Einrichtungen zur Betrachtung
übereinanderprojizierter Bilder.
1853 W. RoLLMANKs farbige Schatten 83.
1858 Ch. d'Almeidas farbige Lichter 89.
Ch. d'Almeidas zeitliche Trennung
90.
1891 Die Anaglyphen von L. Dücos Du-
HAÜRON 162/163.
J. Andertons Projektion mit linear
polarisiertem Licht 163.
1895 F. Droüins Anwendung desThauma-
trops 167/168.
14. Strahlenbegrenzung durch
Objektaugen, entworfen
mittels brechender Prismen
oder spiegelnder EBenen.
Orthopische Stellung.
1851 Sir David Brewsters brechendes
Prisma 55.
1852 Seine Verwendung durch J. Du-
BOSCQ für Projektionszwecke 63.
J. DüBOSCQs rhombisches Prisma
im Stereoskopapparat 63.
1853 W. H ARMES Pseudoskop dritter
Form als Stereoskop 82.
I 1856 Sir David Brewsters Apparate mit
zwei Reflexionen 84..
1873 H. Grubbs brechende Prismen 143.
H. Grübbs Spiegelprismen 143.
1897 F. Drouins Spiegelprismen mit zwei
Reflexionen 168.
I ChiagtoplBclie Stellung.
I 1851 H. W. DovEs verschiedene Prismen-
stereoskope mit zwei Prismen und mit
, einem Prisma 60/61.
Sir David Brewsters Instrumente
' mit einem Amici sehen Reflexionsprisma
' und mit Planspiegeln 54/55.
1852 J. DoBOSCQs Verwendung der Dove-
schen Form für Projektionszwecke 63.
1853 W. Rollmanns Spiegelstereoskope 83.
W. Hardies Pseudoskope erster und
I zweiter Form als Stereoskope 82.
I 1857 J. DuBOSCQs Verwendung der Dove-
schen Form für unzerschnittene Halb-
bilder 63.
15. Mit einheitlich wirkenden
Systemen.
1858 A. Claüdets Stereomonoskop 104.
1861 . . ScHMALENBERGERs Hohlspiegel-
stereoskop 120.
1866 Die große Linse als Stereoskop nach
A. Claudet 121.
1867 J. Clark Maxwells zusammenge-
setztes Stereoskop 121.
1879 H. Grübbs Spiegelstereoskop 144.
16. Mit Doppelsystemen.
Mit zentrisch benutzten.
1850 Fernrohrstereoskop von H. W. Dove
58.
1852 Linsenstereoskop von Ch. Wheat-
stone (mit Justiereinrichtungen) 67/68.
Sir David Brewsters Fernrohr-
stereoskop 81.
1856 Sh* David Brewsters Mikrostereo-
skop (Reklamation der Idee für 1852) 55.
1856 und später Übergangsformen vom
Brewster sehen Prismen- zum Wheat-
stone sehen Linsenstereoskop von A.
Claudet, E. E. Scott, G. Knight und
Ch. Piazzi Smyth 84. 124.
1859 H. SwANs Stereoskop für ungleich
große Stereogramme 90.
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Systematische Anordnung.
201
1866 HELMHOLTzisches Linsenstereoskop
mit Justiereinrichtungen 124/125.
1894 Orthostereoskop nach F. Stolze 167.
Mit exzentrisch benutzten.
1849 Sir David Bbewsters Prismen-
stereoskop 49.
1850 Seine Ausführung durch J. Duboscq
57.
1856 Sir David Bbewsters Taschen-
stereoskop (für ein Auge) 84/85.
1868 J. H. Wabners panoramisches Stereo-
skop 125.
1868 (?) Das amerikanische Stereoskop
nach O. W. Holmes 125/126.
1877 A. Steinhaüsers Vorschlag für ein
homöomorphes BREWSTERsches Pris-
menstereoskop 146 — 148.
Der entsprechende Vorschlag von
H. GOLTZSCH 151.
17. Feststellung
einer bestimmten Lage des
Raumbildes.
Bei einheitlichen Systemen.
Siehe unter 3.
Bei Doppelsystemen.
1677 Chärubin d' Orleans Lokalisierung
der Gesichtsfeldbegrenzung beim Dop- 1
pelfernrohr 27. I
1738 R. Smiths Lokalisierung der Ge- |
Sichtsfeldbegrenzung beim Brillenex-
periment 30.
18. Abhängigkeit der Größe |
und Lage des Raumbildes von
der Konvergenz.
1738 Das Zirkelexperiment mit gleich-
gerichteten und gekreuzten Blicklinien
von R. Smith 29.
1834 Ch. Wheatstones Äußerungen bei
der ersten Veröffentlichung 39.
1842 H. Meyebs Erklärung der Tapeten-
bilder 45.
1849 Sir David Bbewsters Stereoskop i-
sches Experiment 49.
1852 Ch. Wheatstones schematische
Versuche beim zweiten Vortrage 65.
1856 A. Claudets laterale Verschiebung
99.
1861 . . Schmalenbergers Beobachtun-
gen am Hohlspiegelstereoskop 120.
1867 J. Clark Maxwells Beobachtungen
an seinem zusammengesetzten Stereo-
skop 121.
19. Homöomorphie.
Ein im Maßstab verändertes Raumbild.
1849 Allgemeine Einführung des Modell-
charakters durch Sir David Brewsteb
49.
1853 Erste Veröffentlichung der soge-
nannten HELMHOLTzischen Regel durch
A. Claudet (subjektive Homöomor-
phie) 97.
1856 Praktische. Demonstration des Mo-
dellcharakters durch W. J. Read 99.
1857 Bedingungen dafür bei der Parallel-
camera nach W. Cbookes 86.
1859 Herbeiführung des ModeUcharakters
mit den Konvergenzaufnahmen des
Mondes durch W. de la Rüe 102.
1870 Theorie des homöomorphen Stereo-
skops nach A. Steinhaüseb 146.
1895 H. S. Greenoüohs Idee des ortho-
morphen Mikroskops 184.
Ein tautomorphes Raumbild.
1853 A. Gaudin 78. 98.
1856 Sir David Brewster 79/80.
1856/57 Th. Sütton 100.
1894 F. Stolze 170.
1895 L. Cazes 171.
20. Heteromorphie.
Im allgemeinen.
1857 Th. Sütton bemerkt das Kreuzen
der Strahlen bei der Betrachtung von
Konvergenzaufnahmen im gewöhn-
lichen Stereoskop 100/101.
1869 C. Piazzi Smyths Benutzung des
Raumbildes zur Identifizierung zu-
emander passender Teile zweier ver-
schiedener Aufnahmen des gleichen
Objekts 118/119.
Im speziellen die Porrhaliaxlen.
Ihre Konstatierung.
1853 A. Claudets Bemerkung zum Dop-
pelfemrohr 97.
1857 Die Theorie des Telestereoskops
mit Femrohrvergrößerung nach H.
Helmholtz 87.
1866 Umänderung seiner alten Ansichten
zu denen A. Claudets 87.
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202
m. Systematischer Teil.
1896 Konstatierung der Kulissen Wirkung
bei den Zsissischen Relief-Standfem-
rohren durch G. Hibth 176.
Ihre Benutzung zu Messungs-
zwecken.
1858 F. H. Wenhams Entfernungsmesser
und seine Reklamation für 1853 88.
Die binokulare Entkörperonip.
1838 Ch. Wheatstone 40/41.
1851 H. W. DovE 60.
Die Anderungren im Raumbild bei zwei als
Identiscli Torausgesetzten Halbbildern.
Ohne Vergrößerung.
1844 Sir David Brewstebs Verwendung
der Tapetenbilder zum Nachweis von
Unregelmäßigkeiten 48.
1859/60 H. W. DovEs entsprechende Ex-
perimente mit Typensatz und Original
und Kopie 91. 128.
Mit Vergrößerung.
1848 Sir David Brewstebs Farben-
stereoskop 48/49.
1861 F. H. Wenhams Doppelmikroskop
129.
1887 J. Harmers Ermittlung von Stem-
bewegungen und Verschiebung von
Spektrallinien 160.
1892 J. Harmers Vergleichung des Pho-
togramms mit dem Luftbilde in der
Brennebene 160.
1901 C. PüLFRiCHs Stereokomparator 182.
183.
21. Rein geometrische
Behandlung.
1856 Th. Süttons einfache Theorie des
Stereoskops 100.
1866 Die allgemeine Theorie namentlich
auch der Reliefbilder nach H. Helm-
HOLTZ 137.
1877 A. Steinhausers eingehendere Theo-
rie des Brewster sehen Prismenstereo-
skops 146/147.
1894 F. Stolzes Theorie: Berücksichti-
gung der gleichsinnigen Verschiebung
der Halbbilder 170.
1895 Die Theorie von L. Cazes: Berück-
sichtigung des Akkommodationsgebiets
171.
22. Einbeziehung der Ver-
zeichnung der Betrachtungs-
systeme.
1849 Sir David Brewster bemerkt diese
Tiefenfälschung 49,
1853 A. Gaudins Verwendung von Halb-
linsen als Aufnahmeobjektive 78/79.
1856 A. Claüdets gleichartiges Vorgehen,
ausgesprochen zum Zwecke der Kor-
rektion dieses Fehlers der Betrachtungs-
linsen 85.
23. Die Pseudomorphie
und ihre Beziehung zur Ortho-
morphie.
1838 Die konvertierten Raumbilder
Ch. Wheatstones 40.
1852 Ch. Wheatstones Einführung der
Pseudoskope 67.
1854 F. H. Wenhams Idee, durch Weg-
blendung am Mikroskop für zweiäugige
Beobachtung Relief zu erhalten 73/74.
1859 J. J. Oppels mathematische Be-
handlung der Formänderung bei der
Betrachtung gekreuzter Halbbilder mit
gleichgerichteten Achsen 108.
1876 Th. Hügels allgemeine Theorie 149.
1880/81 E. Abbes theoretische und prak-
tische Erledigung der Pseudoskopie
für die Binokularmikroskope mit ein-
heitlichem Objektiv 155.
1882 A. Mercebs Anwendung der Abbe-
schen Theorie 157.
24. Ununterbrochene
Abbildung mindestens eines
Raumes.
1738 R. Smiths Zirkelexperiment 29.
1863 H. DiRCKS und J. H. Peppers
Geistererscheinungen 136.
25. Unterbrochene Abbildung
beider Räume.
Durch ein Stereogramm.
Mit einer einmaligen Aufnahme.
1877 E. Machs Aufnahme einer Anord-
nung nach Art der Geistererscheinungen
136.
Mit zwei Aufnahmen auf derselben
Platte.
1856 Sir David Brewstees Vorschlag 81.
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Systematische Anordnung.
203
1866 E. Machs Verwendung für die
Durchdringungsbilder 135.
1 882 J. H ABMBRs Kombinationsdrucke 1 58.
Durch Überlagerungr des
Grundstereosrramms durch ein Diapositiv-
Stereogramm.
1856 Sir David Bbewsters Vorschlag 81.
26. Ununterbrochene
Abbildung mindestens eines
Raumes.
Ohne YersrröBeruHgr.
1861 A. EoLLETs feste Skala 134.
1866 E. Machs telestereoskopischer Ent-
fernungsmesser mit fester Skala 135.
Vor 1879 Die Konstruktion des Zeichen-
apparats 145.
1903 C. PuLFRiCHs Planigraph 182/183.
Mit YersrröBerungr.
1893 H. DE Gbousilliers und E. Abbes
stereoskopischer Entfernungsmesser ;
feste Skala, wandernde Marke, wan-
derndes Objekt 180/81.
27. Unterbrochene Abbildung
beider Räume.
Ohne YersrröBerungr.
1880 J. Harmers Messung der Wolken-
höhe 159.
1892 F. Stolzes Einführung der wan-
dernden Marke 180.
1898 T. Marie und H. Ribaüts feste
Skala bei der Ausmessung von stereo-
skopischen Radiogrammen 183.
1899/1900 T. Marie und H. Ribauts
Entwicklung der Theorie der wan-
dernden Marke 183.
1902 Th. Goilloz, Ausmessung des pseu-
domorphen Raumbildes 167.
Mit YergröBerun?.
1891 Der Vorschlag von J. Mies für die
stereoskopische Schädelmessung 179.
1902 C. PüLFRiCHs Ausbildung des Stereo-
komparators 182/183.
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Literaturverzeichnis.
Die Titel wurden unter möglichster Bewahrung der Schreibart der Autoren ttbemommen ; fremd-
lAndische aber ohne Großschreibung der Substantiva. Sie sind in kleinen Lettern gesperrt gedruckt,
wenn sie nicht an der ursprünglichen Stelle gebildet worden waren.
Die halbfette, eingeklammerte Ordnungszahl dient als Hinweis bei den Zitaten. Unmittelbar hinter
dem Titel oder der sachlichen Notiz findet sich die Zahl der betreffenden Seite.
Die Quellen sind so exakt angegeben, wie es sich in Jena ermöglichen ließ, wo dem Autor keine
große Bibliothek zur Verfügung stand.
A.
bbe, E.: (i.) Beschreibung eines neuen
stereoskopischen Oculars nebst allge-
meinen Bemerkungen über die Be-
dingungen mikro - stereoskopischer Be-
obachtung. 71. 113. 152. 164. 156.
Zft. f. Mikrosk. (red. v. E. Eaisbb) 1880. 2.
207—234.
Carl's Rep. 1881. 17. 197—224.
Auch abgedruckt in dem Sammelwerk:
Gesammelte Abhandlungen von Ebnst Abbe
1. Bd.
Jena, 6. Fischbb, 1904. YIII, 486 S. 8«
mit 2 Tafeln und 29 Textflguren. S. 244—272.
-, — : {HS,) On the conditions of ortho-
scopic and pseudoscopic effects in the
binocular microscope. 156.
Joum. Roy. Micr. Soc. 1881. (2) 1. 208—211.
Auch übersetzt unter dem Titel:
-, — : Über die Bedingungen der ortho-
skopischen und pseudoskopischen Wir-
kungen in dem binokularen Mikroskop.
Oes. Abh. v. E. Abbe. 1. Bd. S. 313—324.
-, — : (3.) On the mode of vision with
objectives of wide aperture. (verL 12. IV.
1882, gedruckt erst 1884). 157.
Joum. Roy. Micr. Soc. 1884. (2) 4. 20—26.
Auch übersetzt unter dem Titel:
-, — : Über die Art des Sehens mit Ob-
jektiven von großer Oflbiung.
Ges. Abh. v. E. Abbe. 1 Bd. 436—444.
-, — : (4.) Justirvorrichtung für Ent-
fernungsmesser mit zwei Femrohren. 181.
D. R. P. 73668 vom 20. VII. 1893, ausgeg.
d. 28. II. 1894.
Auch abgedruckt in dem Sammelwerk :
Gesammelte Abhandlungen von Ebnst Abbe.
2. Bd. Wissenschaftliche Abhandlungen
aus verschiedenen Gebieten. Patent-
schriften. Gedächtnisreden.
Jena, G. Fischeb, 1906, gr. 8». VI, 346 S.
mit 7 Tafeln und 16 Textflg. S. 257—261.
Abbe, E.: (S,) Doppelfemrohr. 176.
D. R. P. 76735 vom 19. X. 1893, ausgeg.
d. 9. VIII. 1894.
Auch abgedruckt in den Ges. Abh. v.
B. Abbe. 2. Bd. 262—266.
— , — : («.) Doppelfemrohr mit vergrösser-
tem Objectivabstand. 175.
D. R. P. 77 086 vom 9. VII. 1893, ausgeg.
d. 1. X. 1894.
Auch abgedruckt in den Ges. Abh. v.
E. Abbe. 2. Bd. 267—274.
— , — : (7.) Stereoskopischer Entfernungs-
messer. 181.
D. R. P. 82 571 vom 3. 1. 1893, ausgeg. d.
27. VII. 1895.
Auch abgedruckt in den Ges. Abh. v.
E. Abbe. 2. Bd. 275—282.
— , — , allgemeine DarsteUung des Abbildungs-
vorganges 3. Behandlung der Pseudoskopie 13.
BeiÜngung für die geometrische Teilung der Bü-
schel in Binokularmikroskopen 71. Theorie des
Raumbildes in Binokularmikroskopen mit ge-
meinsamem Objektiv 155^156. Konstruktion der
I ZEissischen Feldstecher, Relief-Femrohre 175,
und Relief-Standfernrohre 176.
Adie.., Ablehnung des Habdib sehen Doppel-
femrohrs mit erweitertem Objektivabstande
82. 88.
Ahrens, C. D.: (1.) Improvements in the
construction of erecting binocular prisms.
174.
E. P. 17102«* vom 31. XII. 1884,
(Die Patentbeschreibung ist nicht ge-
dmckt worden.)
Airy,G. B.: (1.) s. unter Th.Sütton (».).
100.
— , — : (2.) On the advantageous employ-
ment of stereoscopic photographs for
the representation of scenery. (20. "VTH.)
101.
Phot. Notes 1858. 8. 199—200.
Der Artikel ist A. B. G. unterzeichnet;
doch ist nach Tu. Suttons Äußerungen
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Uteraturverzeichnis.
206
in Phot. Not. 1858. S. 198; 4. 77 die
Autorschaft G. B. Aibys als sicher zu
entnehmeD.
van Albada, L. E. W. , Literaturoachweis
zum Habtimo-Dovb sehen Beversionsprisma 62.
d'Almeida» J. Ch.: (7.) Nouvel appareil
st6röo8copique. (12. VII. 58.) 89.
C. R. 1858. 47. 61—68.
Auch übersetzt unter dem Titel:
— , — : On a new stereoscopic apparatus.
Phot. Joum. 1858/59. 5. 2.
— , — , seine Methoden der stereoskopischen
Projektion 89—90. Unberechtigte Prioritäts-
reklamation durch W. EOLLMANM 90.
An der ton, J.: (i.) A method or System
by means of which pictiires projected
upon a screen £rom an optical or magic
lantern or lantems are seen in relief or
with stereoscopic effect. 163.
E. P. 11 620»i vom 7. VII. 1891 (prov. spec.)
vom 7. IV. 92 (compl. spec).
Siehe auch:
— , — : Stereoscopic screen pictures.
The Laut. Bec. 1892. 6.
— , — : iff*) An improved method or System
by means of which pictures projected
upon a screen £rom an optical or magic
lantern or lantems are seen in relief or
with stereoscopic effect. 163.
E. P. 1885»« vom 24.1.98 [prov.], vom
22. X. 98 [compl. spec.].
Siehe auch:
Stereoscopic effect on the screen. Mr.
Andertons system.
The Laut. Rec. 1899. 6—7.
Anonymus: (1.) Binocular Eye-pieces. 141.
142.
Joum. Roy. Micr. Soc. 1890. Part. 1. 383
bis 388.
Der Artikel geht wahrscheinlich auf
Fr. Crisp zurück, s. Joum. Boy. Itficr.
Soc. 1880. 8. Part. 2. 1088.
— , — : e.fi.®.: S5oaftänbigegficf)rgcbäubc
ber ganjcn Dptif, ober ber ©cfie" ©picgcl*
unb ©trof)lcnbrcci^*^nfl, barinn bic
(SJrünbc bctfclben Xf)corctif(i^ unb ^ractifd^
oorgctragcn, bic SSerf ertigung ber SD^ofd^inen
unb 3«ftomente, bie gubereitung aller
Sitten öon Spiegeln unb Dptifd^en (5JIäfcm
beutlid^ geleitet, aud^ ber ©ebraud^ ber=*
felbcn beQ ben ©fperimenten gejciget
njirb öon 28.
aitona, «etlegts 25at)tb^toerfen, 1757, (18),
772 (4) S. 40 mit 90 (89) Kupfertafeln.
von Arnim, L. A.: (i.) Beobachtungen
über scheinbare Verdoppelung der Gegen-
stände für das Auge. 32.
GUb. Ann. 1799. 8. 249—256.
Aubert, H. B.: (I.) Das binoculare Peri-
mikroskop. 161.
Pflügbr's Arch. 1890. 47. 341—846.
Zft. f. Mikrosk. 1890. 7. 346—347, mit
2 Textflg.
Siehe auch:
Axjbbrt's binocular perimicroscope.
Joum. Eoy. Micr. Soc. 1892. 1. 104—106.
B.
Bardou, P. G.: (7.) L'application des
oculaires terrestres et Celestes, en rem-
{dacement des oculaires concaves sur les
lunettes-jumelles. 37.
Br. Fr. 19766 pris 29. V. 1854, d€\. 25. VII.
1854. Descr. (2) 88. 14—15.
Barnard, F. A. F.: (1.) Method of taking
daguerreotype pictures ' for the stereo-
scope, simultaneously, upon the same
plate, with an ordinary camera (6. IX. 53).
76.
SiU. Joum. 1853. (2) 16. 348—350.
Barnardsche Spiegelaufnahmen 76/77 und das
dazugehörige Stereoskop 77.
Barrow, L, Versuche mit Hohlspiegeln. Ein-
wirkung auf J. H. Lambebt 32.
Bautin,Ch. T., irrtümliche Annahme seiner
Priorität über Fr. Voigtländer 35.
Beard, R. , stereoskopische Aufnahmen für
Ch. Wheatstone 46.
Beck, R.: (1.) Descr iption of a new stand
for a Single microscope, with an arrange-
ment for using the magnifiers with
both eyes. (Read 14. X. 1863.) 114.
Trans. Lond. Micr. Soc. 1864. (2) 12. 1—4.
Becker, O. : s. u. A. Rollet (2.). 133.
134.
[Bennett, ..]: (i.) The Clairvoyant Stereo-
skope (Athenaeum). 90.
Phot. Joum. 1858/59. 5. 267—268.
Berry, G. R.: Stereoscopic camera. 79.
The Brit. Journ. of Phot. 1855. 2. Nr. 20.
100—101.
S3cfci^rcibung ber ©rfinbunöcn unb 9Scr*
bcfferungen, für weld^e in ben faiferlid^-
löniglid^en öjlerreici^ifd^en Staaten patente
crtf)eilt njurben, unb beren ^rioilegiumS*
bauer nun erlofd^en ift. §rgg. auf ^n*
orbnung ber faiferl. lönigl. allgemeinen
§offammer SBbe. 1—8. 1821—43. SSien 4\
Boulanger, Ant. AI.: (1.) üne n^ojumelle,
172.
Br. Fr. 41957 vom 24. VIII. 1859.
Bow, R. H.: (1.) Some remarks on stereo-
scopic Vision and on the stereoscope.
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206
LiteraturverzeicL^Aii.
(Read at a ineeting Edinb. Phot Soc.
16. XI. 1864.) 130. 131.
The Brit. Journ. of Phot. 1864. 11. Nr. 289.
48^—483; Nr. 240. 407—499; Nr. 241. 518;
Nr. 242. 627—528; Nr. 248. 540—641.
B. a.: 1865. 12. Nr. 246. 35.
Die Hervorhebung des Jehlers, in den
Sir David Brewster bei der Beschrei-
bung des Eindrucks verfallen war, den
Aufnahmen mit erweitertem Objektiv-
abstande machen.
Bow, R. H.: {2.) The stereoßcope. 132.
The Brit. Journ. of Phot. 1865. 11. Nr. 248.
64—55; Nr. 252. 111—112; Nr. 267. 174—175;
Nr. 268. 260—261; Nr. 266. 299—800; Nr. 267.
816—316.
•— , — , Bedeutung der Augenbewegungen und
der Tiefendeutung für den stereoskopischen Ein-
druck 130. Porrhallaktische Wirkung 130/131.
Forderung geringer Exzentrizität der Halblinsen.
Der Objektivtrennung folgende Modellwirkung.
Begrenzung der Halbbilder 131. Beweise für die
geringe Bedeutung der absoluten Konvergenz.
Forderung horizontal verschiebbarer Halblinsen
132. Verständnis für den Charakter der photo-
graphischen Aufnahmen. Behandlung der Brillen
als stereoskopischer Instrumente 133.
Bratuscheck, K., Verwendung der Porro-
schen Prismen zur Anpassung der Okulare des
Zsissischen Doppelmikroskops an den Augen-
abstand des Beobachters 185.
Braus, H. u. L. Drüner, Präpariersystem
mit den optischen Teilen des ZEjssischen Dop-
pelmikroskops 186.
Brewster, Sir David: (1.) On the law
of visible position in Single and bin-
ooular Vision and on the representation
of solid figures by the union of dissi-
milar plane pictures on the retina. (Read
23. I. and 6. II. 1843.) 47.
Trans. Boy. Soc. Ed. 15. 349—368.
— , — : (^.) On the knowledge of distance
as given by binocular vision. (Read
15. IV. 1844.) 48.
Trans. Boy. Soc. Edinb. 16. 663—675.
Phil. Mag. 1847. (3) 30. 305—318.
— , — : (3.) On a singular eflfect of the
juxtaposition of certain colours under
particular circumstances. 48.
XIV. Meet. Br. Ass. at York. 1844. Not. 10.
— > — : (4.) On the vision of distance as
given by colour. 48.
XVIII. Meet. Br. Ass. at Swansea 1848.
Not. 48.
— , — : (5.) Description of several new
and simple stereoscopes for exhibiting,
• as solids, one or more representations
of them on a plane. (Read before the
Roy. Scott. Soc. Arts 26. III. 1849.) 49.
53. 54. 55. 64.
Trans. Roy. Scott. Soc. Arts. 1851. 3. 247
bis 259, mit einem lithogr. Stereogramm.
Phil. Mag. 1852. (4) 8. 16—26. (Jan.-Heft).
Brewster, Sir David: (ö.) Account of a
binocular camera, and of a method of
obtaining drawings of füll length and
colossal statues, and of living bodies,
which can be exhibited as solids with
the ßtereoscope. (Read 1849.)
49.
Trans. Roy. Scott. Soc. Arts. 1851. 8. 260
bis 269.
Phü. Mag. 1852. (4) 8. 26—30.
— , — : (7.) Description of a binocular
camera. 49.
XIX. Meet. Br. Ass. at Birmingham 1849.
Not. 5.
— , — : («.) On a new form of lenses, and
their application to the construction of
two telescopes or microscopes of exactly
equal optica! power. 49.
XIX. Meet. Br. Ass. at Birmingham 1849.
Not. 6.
— t — : (^O An account of a new stereo-
scope. 53.
XIX. Meet. Br. Ass. at Birmingtiam. 1849.
Not. 6—7.
— , — : (10,) Notice of a chromatic sterco-
scope. (Read 10. XII. 1849.) 49.
Trans. Roy. Scott. Soc. Art«. 1851. 8. 270.
Phü. Mag. 1852. (4) 8. 31.
— , — : (11.) Description of his stereo-
scope. 81.
North Brit. Rev. 1852. 17. 176 — 203.
Scheint nach den Untertiteln, die ich
der freundlichen Hilfe des Herrn G. E.
Brown verdanke, eine Wiedergabe der
Arbeiten (1. 2, 5, 6, 10,) zu sein. M. v. R.
— , — : (!».) Examination of Dove's theory
of lustre (Ber. über Belfast Meet. Br. Ass.).
92.
Athen. 1852. 1041.
— , — : {13,) On the binocular vision of
surfaces of different colours. 92.
XXV. Meet. Brit. Ass. at Glasgow. 1855.
Not. 9.
— , — : (14,) On Mr. Roger's theory of
binocular vision. (18. II. 56.) 106.
Proc. Edinb. Soc. 1850 — ^57. 8. 356 — 358.
— , — : (IS,) The stereoscope, its history,
theory, and construction with its appli-
cation to the fine and useful arts and
to education. 55. 57. 64. 69. 70. 79. 80.
81. 84. 85. 94. 95.
London, J. Mürray, 1866. 8«. IV, 235 S.
mit 50 Textflg.
[ — > — und Wheatstone, Ch.]: (iß,) The
original invention of the stereoscope. 95.
The Brit. Journ. Phot. 1857. 4. Nr. 37.
4 — 7; Nr. 38. 21—28.
Enthält einen Abdruck der Briefe Sir
David Brewsters vom 15. X., 22. X.,
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Literaturverzeichnis.
207
1. XI. und der Antworten Ch. Wheat-
STONES vom 18. X., 29. X., 11. XI. 1856.
Gerichtet an die Redaktion der Tages-
zeitung „Tlie Times". ,
Brewster, Sir David: (17'.) Notice re-
specting the invention of the stereo-
scope in the sixteenth Century, and
of binocular drawings, by Jacopo Chi-
MENTi DA Empoli, a Florentine artist.
(Read at a meet. Phot. Soc. of Scotland
10. IV. 1860.) 95.
Ph. Journ. 1859/60. 6, 232 — 233.
Auch übersetzt unter dem Titel: '
— , — : Bemerkung über die Erfindung
des Stereoskops im sechzehnten Jahr-
hunderte, und über binokulare Zeich-
nungen von dem florentinischen Künstler
Jacopo Chimenti da Empoli.
Kr. Zft. f. Ster. und Fot. 1860. 1. 284 — 285.
— , — : (18,) On the stereoscopic pictu-
res executed in the sixteenth Century
by Jacopo Chimentl (Read at a meet.
Phot. Soc. of Scotland 11. III. 1862.) 95.
Br. Journ. of Phot. 1862. 9. Nr. X62. 105
bis 106.
— , — : (19,) On the stereoscopic relief in
the Chimenti pictures (vom 27. XI. 1863).
96.
Phil. Mag. 1864. (4) 27. Jan. Heft. 33—35.
Br. Journ. of Phot. 1864. 11. Nr. 206. 33.
— , — , 8. a. unter R. H. Bow (1.) 131, erster
Widerspruch gegen Ch. Wheatstone 47. Die
Tapetenbilder und das stereoskopische Kontroll-
verfahren. Die Theorie der „flatternden" Herzen.
Sein Farbenstereoskop 48. Konstruktion eines
Prismenstereoskops mit Halblinsen. Ein psycho-
logisches Experiment 49. Die Modellwirkung der
Objektivtrennung 49. 56. Prioritätsfrage zwischen
ihm und H. W. Dove 53/54. 60. Verschiedene
Spiegel- und Prismenstereoskope 54/55. Mittel
zur Erleichterung der Kreuzung der Augenachsen.
Berechnung der stereoskopischen Differenz aus
dem Abstände 55. Ausführung seines Prismen-
stereoskops durch A. Boss, durch J. Duboscq
67. Mißstimmung gegen Ch. Wheatstone 64.
Betonung der Elliot sehen Prioritätsansprüche
70. Einhaltung der richtigen Winkel bei der Be-
trachtung der Halbbilder 79/80. Warnung vor
großen Offnungsdurchmessern. Verwendung von
Halblinsen für Stereoskopaufnahmen 80. Seine
Durchdringungsbilder 80/81. Seine Fernrohr-
stereoskope 81. Seine letzten Stereoskope 84— 85.
Meinungsverschiedenheit mit H. W. Dove über
die Glanzerklärung 92. Seine Angriffe gegen
Ch. Wheatstone 94 — 96.
Brewstersches Prismenstereoskop, seine allge-
meine Theorie 50 — 53. vorläufige Theorie von
Th. Sütton 100. W. H. Warners Versuch
einer Neueinfülirung 125. Das Stereoskop von
O. W. Holmes 125 126. Seine Theorie nach
A. Steinhauser 146—148.
Brown, A. C. und J., Auffindung der Chi-
MENTischen Bilder 95/96.
Brown, Th.: {!,) An apparatus for the
production of stereoscopic photographs
with a Single lens camera at one ex-
posure. 164.
E. P. 21406»* vom 7. XI. 1894 prov., vom
7. VIII. 1895 compl. spec.
Brown, Th.: (».) The panoramic and ste-
reoscopic camera obscura. 166.
The Laut. Rec. 1901. 28—29.
Siehe auch das Sammelreferat tn Edbrb
Jahrb. 1902. 16. 317—318.
B r ü c k e , E. : (i.) Ueber die stereoscopischen
Erscheinungen und Wheatstone's An-
griff auf die Lehre von den identischen
SteUen der Netzhäute. 44.
Müller's Arch. 1841. 459 — 476.
Bucky, G.: (1.) Eine neue stereophoto-
graphische Deckungsmethode für . ana-
tomische, technische und stereometrische
Zwecke. (Mit 1 Tfl. und 1 Fig. im Text.)
1,35.
Zft. f. wiss. Phot. 1907. 5. 141 — 151.
Burckhardt, F.: (1.) Prioritätsstreit
zwischen Brewster und Wheatstone.
95.
Fortschr. Phys. 1858. 12. 306.
Burmester, L.: (1.) Theorie der geo-
metrisch-optischen Gestalttäuschungen.
(Erste Mitteilung vom 10. XI. 1905.) 43.
Zft. f. Psychol. her. von H. Ebbinghaus.
1906. 41. 321—348. mit 1 Tfl.
€..
Carpenter, W. B.: (1.) On binocular
Vision and the stereoscope (A lecture
delivered at the London Institution on
19. III. 1862). 47. 57. 64. 96.
The Brit. Journ. of Phot. 1862. 9. Nr. 163.
122—127.
Phot. Not. 1862. 7. Nr. 147. 122—125.
— , — : (3.) On Nachet's stereo-pseudo-
scopic binocular microscope, and on
Nachet's stereoscopic magnifier; with
remarks on the angle of aperture best
adapted to stereoscopic vision. (Read
12. VI. 1867.) 116.
Trans. Lond. Micr. Soc. 1867. (2) 15. 105—113.
— , — : (3.) The microscope and its reve-
lations. 114. 115. 117.
6. Ed. London, J. & A. Churchill, 1875.
XXXII, 848 S. mit 25 Tfln. und 449 Textflg.
— , — : (4.) On Abbe's binocular eye-
piece. (13. X. 1880.) 156.
Journ. Eoy. Micr. Soc. 1880. 8. Part. 2.
1088—1089.
— , — : (5.) On the physiology of bin-
ocular Vision with the microscope. (Read
9. IV. 1884.) 157.
Journ. Roy. Micr. Soc. 1884. (2) 4. Part. 1.
486—496.
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208
Literaturyerzeiohnis.
Oartwright, S.: (1.) Stereoscopic ca-
mera. 79.
The Brit. Joum. of Phot. 1864. 1. Nr. 6. 60
bis 61, vom 21. IV. 64.
CazeSy L.: (1.) De Tobtention par la Pho-
tographie des ^preuves st^r^scopiques
äi perspective exacte. 171.
Journ. phyg. 1885. (2) 4. 314—316.
— , — : (9,) La st^reoscopie de pr^cision,
theorie et pratique. 171.
Paris, J. MicHELBT, Ph. Pellin, 1896.
62 Texts. kl. 80 mit 21 Fig. auf 8 Tfln. S. 63
bis 70 enthalten PELLiKsche Gesch&ftsanzeigen.
— , — , Betonung der Bedeutung der Akkommo-
dation. Studium zahlreicher Heteromorphien
171. Sein Stereoskop für große Photogramme
172.
Chörubin d'Orleans: (1.) La dioptrique
oculaire, ou la theorique, la positive et
la mechanique, de Toculaire dioptrique
en toutes ses especes. 25.
Paris, Th. Jolly & 8. Benabd, 1671. (46),
419, (30) S. fol. mit 60 Kupfertafeln.
Auf dem ersten Textkupfer finden sich
schon die in {2,) beschriebenen Doppel-
fernrohre.
— , — : (».) La Vision parfaite: ou le con-
cours des deux axes dß la vision en
un seul point de Tobjet. 24. 25. 26. 27.
Paris, S. Mabrb-Cramoisy, 1677. (26), 168,
(19) S. fol. mit 16 Eupfertafeln und
Textflguren.
— , — : (3.) La Vision parfaite: ou la veue
distincte par le concours des deux axes
en un seul point de Tobjet. 23. 26.
Paris, E. Conterot, 1681, (26), 224, (16) S.
fol. mit 13 Kupfertafeln.
— , — , Anpassung der hollandischen Doppelfem-
rohre an den Augen- und Objektabstand. Schiel-
brille zur Messung des Augenabstandes 26.
Terrestrische Doppelfernrohre. Vermeidung des
Höhenfehlers. Doppelmikroskop 26. Stereo-
skopische Beobachtung 27. Einwirkung auf
J. Zahn 28 und R. Smitu 29.
Chevalier, Gh.: (1.) Methö'des photo-
graphiques perfectionn^es. 78.
Paris, im Selbstverlag, 1859 Sept. II, 192 S.
8« mit Textflguren.
In diesem Sammelbande flndet sich der
vom Herausgeber verfaßte Artikel:
Du 8t6r6oscope 31—45.
Chimen tische Bilder 96.
Choquet, J. J.: (1.) Des perfectionne-
ments dans la construction des lorgnettes.
37.
Br. Fr. . . . vom 20. VIII. 1841 und Nach-
trag vom 5. IV. 1842. Descr. 62. 405 — 407.
Es handelt sich um den Okularrevolver.
Ohorez, D., frühe Konstruktion eines hollän-
dischen Doppelfernrohrs 23/24.
Clark, L.: (1.) On an arrangement for
taking stereoscopic pictures with a Single
Camera. (21. V. 53.) 78.
Phot. Journ. 1863/64. 1. 67—60.
— , — , automatische Erzeugung orthozentrischer
Positivkopien 78.
ClaudetyA.: (1.) On the stereomonoscope.
— , — : On a manifold binocular camera.
78.
XXII. Meet. Br. Ass. at Belfast 1852. Not. 6.
— , — : {2.) Improvements in stereoscopes.
81.
E. P. 711»» vom 23. III. (prov. spec), vom
23. IX. (compl. spec).
— , — : (3.) On the angle to be given to
binocular Photographie pictures for the
stereoscope. 97.
XXIII. Meet. Brit. Ass. at HuU. 1853.
Not. 4.
— , — : (4,) Du stereoscope et de ses
applications ä. la Photographie et demiers
perfectionnements apport^s au daguerr^o-
type par F. Golas. (XL 1853.) 78. 87.
97. 98.
Paris, Lerebours et Secretan, 1853, 8* 55 S.
(Extrait d'un memoire lu par M. Claudet
k la Soci6t6 des Arts de Londres 19. I.
1853 et d'un autre memoire lu par le mdme
auteur le 9. IX. ä l'Ass. brit. r^unie ä Hüll.)
— , — : (^.) Diskussion mit M.A.Oaudin.
98.
La Lum. 1853. 8. 203 vom 17. XII.; 1854.
4. 6 — 7 vom 14. 1.; 18. vom 4. II.
— , — : (ö.) Improven^nts in stereoscopes.
84.
E. P. 515«« vom 8. III. 55 (prov. spec), vom
7. IX. 55 (compl. spec).
— , — : (7.) Considerations sur le stereo-
scope. 85.
La Lum. 1856. 6. 30—31 vom 23. II.; 34
bis 35 vom 1. III.
— , — : («.) On various phenomena of
refraction through semi-lenses or prisms,
producing anomalies in the illusion of
stereoscopic images. (Rec. 22. IV., read
8. V. 56.) 80. 85. 99.
Proc. Boy. Soc 1856/57. 8. 104 — 110.
Unter demselben Titel erschien der erste
Teil noch einmal im
XXVI. Meet. Brit. Ass. at Cheltenham 1856.
Not. 9—10.
— , — : (9.) On the phenomenon of relief
of the image formed on the ground-glass
of the camera obscura. (Rec. 17. VI.
1857.) 103.
Proc. Roy. Soc. 1856/57. 8. 669—572.
— , — : abstract by the author.
The Brit. Joum. of Phot. 1857. 4. Nr. 52.
176 bis 177. (15. VIII. 57.)
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Literaturverzeichnis.
209
Claudet, A.: (10.) On the stereomono-
scope, a new instrument by which an
apparently Single picture produces the
stereoscopic illusion. (Rec. 10. III. 1858.)
104.
Proc. Roy. Soc. 1857/59. ft. 194 — 196.
PhU. Mag. 1868. (4) 1«. 462—463.
Phot. Journ. 1868,69. 5. 78—79.
— , — : (11.) The stereomonoscope. 104/105.
Phot. News. 1858,59. 1. Nr. 1. 3 — 4; Nr. 2.
14—15. (Referate) Nr. 3. 26 — 27. Commun.
by the author vom 24. IX. 68.
— , — : {12») On the means of increasing
the angle of binocular instruments, in
Order to obtain a stereoscopic effect in
Droportion to their magnifving power.
127.
XXX. Meet. Brit. Ass. at Oxford 1860.
Not. 61—62.
The Brit. Journ. of Phot. 1860. 7. Nr. 122.
208—209.
Auch übersetzt unter dem Titel:
— , — : Ueber das Mittel, den Winkel
binokularer Instrumente derart zu ver-
größern, daß ihre Relief- Wirkung pro-
porzional werde ihrer vergrößernden
Kraft.
Kr. Zft. f. Fot. u. Ster. 1861. 8. 23—24.
— , — : (13,) On a magnifying stereoscope
with a Single lens. 121.
XXXVI. Meet. Brit. Ass. at Nottingham
1866. Not. 23—24.
— , — : {14») A new fact relating to bin-
ocular Vision. (Red. 20. III. 1867.) 127.
Proc. Roy. Soc. 1866,67. 15. 424—429.
The Brit. Journ. of Phot. 1867. 14. Nr. 384.
436 — 438.
— , — , stcreoskopische Aufnahmen für Cii. W h eat-
8TOME 46. Sein Stereoskopeometer 78. Exzen-
trische Benutzung der Aufnahmeobjektive für
das Brewster sehe Prismenstereoskop 85. Sein
Vorschlag eines Doppelfemrohrs mit erweitertem
Objektivabstand 87 und seine Regel für die
Homöomorphie 87/88 . Tief enänderung durch sym-
metrische Verschiebung der Halbbilder 91. Por-
rhallaxie von Doppelfemrohren 97. Regel für die
Homöomorphie 97/98. Streit mit M. A. Qaudin
98. Zusammenarbeiten mit Ch. Wheatstone.
. Seitliche Verschiebung der Halbbilder und ent-
sprechende Qestaltsänderung des Raumbildes 99.
Vorgeschichte des Stereomonoskops 103/104, seine
Ausbildung 104/105. Voriühmng eines Tele-
stereoskops 127. Bestimmung der Lokalisations-
genauigkeit 127/128.
Collen, H.: (1.) Earliest stereoscopic por-
traits. (20. III. 1854.) 46.
Phot. Journ. 1853/54. 1. 200
Conrad i, J. M.: {!.) ^er bre^fad^ geartete
(Se^e=©tta^I / 3n einer für Jen boc^ beut*
licften 5lntt)eifung jur Optica Ober
6e^e*^n{l/93e^ übrigen unb einfamen
©tunben ju ©r^ebung ÖJöttlic^er Seife^eit
y. Rohr, Binokulare Instrumente.
unb bcn tunft^begierigen jur §anbleitung/
in ctttjog crttjogcn üon . 26.
Coöutfl, 3n »cvIcgKtiß beS SlutorfS. Xf)Üxmnt
brucfts äo^. ijrtbt. Äcßelefn, l7io. (16)
I2f0 S. kl. 40 mit . . Figurentafehi.
Crookes, W.: (I.) Contributions to the
theory of the stereoscope. (15. V. 57.) 86.
Phot. Journ. 1866 57. 8. Nr. 63. 24^—250.
The Brit. Journ. of Phot. 1857. 4. Nr. 46. 104.
Czapski, S.: d.) Ueber neue Arten von
Femrohren für den Handgebrauch.
(Vortr. im Zweigver. Berl. der d. Ges.
f. Mech. u. Opt. am 4. XII. 1894.) 174.
176.
Vereinsbl. deut. Ges. f. Mech. u. Opt. 1895.
5. 4ft— 53; 57—58; 65—70; 73 — 77.
— , — : {2,) Ueber neue Arten von Fem-
rohren insbesondere für den Hand-
gebrauch (Vortrag i. Ver. z. Bef. Gew.
am 7. I. 1895). 174. 176.
Verh. Ver. Bef. Gewerbefl. 1895. 3ft— 76.
auch als S. A. unter gleichem Titel.
Berlin, L. Simion, o. J., 4» 40 S. mit 22
Textflg.
Centr. Ztg. f. Opt. u. Mech. 1896. 17. 1—3;
11—14; 21 — 23; 31—34; 41—43; 61—55.
— , — und W. Gebhardt: (3.) Das stereo-
skopische Mikroskop nach Gkeenoügh
und seine Nebenapparate. (Fing, am
29. IX. 1897.) 184. 186.
Zft. f. wiss. Mikrosk. 1897. 14. 289—312.
— , — : (4.) Ueber Tiefenmessungen mit
Hilfe des stereoskopischen Sehens. Be-
merkungen zu der Berichtigung Suum
cuique des Herrn Dr. Hegg in Bern. 172.
180. 185.
Arch. f. Augenheilk. 1903. 47. 86—95.
— , — : (5.) Grundzüge der Theorie der
optischen Instrumente nach Abbe. 2. Aufl.
unter Mitwirkung des Verfassers und
mit Beiträgen von M. von Bohr heraus-
gegeben von 0. EppENSTEiN. 210. 218.
Sondcabdruck aus A. Winkelmanns Hand-
buch der Physik, Leipzig, J. A. Barth, 1904.
Bd. 6. 1—479.
Leipzig, J. A. Barth, 1904. gr. 8» XVI.
479 S. mit 176 Textflg.
— , — , Rechtläuflgkeit der optischen Abbil-
dung 14. Beginn des Interesses für die durch
Doppelfernrohre vermittelte Baumanschauung
176. Theorie des Greknough sehen Doppel-
mikroskops. Einführung der Blenden in den
Knotenpunkt. Konstruktion eines Homhaut-
mikroskops. 186.
Czermak, J.: {!,) Notiz über die laryngo-
skopischen Fotografien und über das
Mikrostereoskop. (Nach den Wien. Ber.
1862. 46. 5.) 121.
Kr. Zft. f. Fot. u. Ster. 1862. 5. 138—140
14
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210
Literaturverzeichnis.
Czermak, P.: (1.) Stereoskopbilder mit
Röntgen-Strahlen. (Phot. Arch. 1896.)
166.
Int. phot. Mtsschr. f. Med. u. Natw. 1896.
8. 248—250.
Dancer, J. B.: (I.) On the stereoscope
(Read at the Manch. Phot. Soc. 10. 1. 56.)
79.
Phot. Not. 1856. 1. Nr. 5. 36—39.
— , — : On stereoscopic photography. 79.
Phot. Not. 1856. 1. Nr. 8. 109. (17. VII.)
Daubresse, A.: (1.) s. u. H. L. Huet (1.).
177.
Die Angabe von A. Daubresse als Erfinder
geht auf S. Czapski (5. 429.) zurück; die
englische Patentschrift zeigt diesen Namen
nicht.
Davidson, M.: (/.) Stereoscopic Röntgen
rays. 166.
The Brit. Joum. of Phot. 1899. 46. Nr.
2046. 452.
de Grousilliers, H. , Konstruktion eines
stereoskopischen Entfernungsmessers 180.
de Haldat, Ch. N. A.: (1.) Experiences
sur la double vision. (XI. 1806.) 32.
Joum. de Phys., de Chimie . . . 1806. 68.
387—401.
— , — , Versuche zur binokularen Mischung von
Pigmentfarben 82. 57.
de la Blanch^re, H.: (1,) Monographie
du stereoscope et des epreuves ster^o-
scopiques. 117. 118.
Paris, Amvot, o.J. [1860]. 330 S. kl. 8©
mit 65 Textflguren.
de la Rue, Warren: (I.) Report on the
present state of celestial photography
in England. 101. 102.
XXIX. Meet. Brit. Ass. at Aberdeen 1859.
.130—153.
— , — , Konstruktion eines niodifizierten
Wh KATSTONE sehen Spiegelstereoskops für ein
homöomorphes Eaumbild des Mondes. Planet en-
und Sonnenaufnahmen 102.
de Marre, J.: (1.) Des instmments pour
la mesure des distances. (Extrait du
memorial de Tartillerie de la marine.)
177.
Paris, Ch. Tanera, 1880, 320 S. 8» mit
92 Textflg. und einem Tafelatlas.
Des er. Abkürzung für: Descriptions des
machines et proc6des etc.
Anfang des Titels der verschiedenen Serien
der französischen Patentsammlung.
Desprats, . . (l'abb^): (1.) Une chambre
stereoscopique. 79.
La Lum. 1855. 5. 52 vom 31. III.
Siehe auch die Bemerkungen von D. van
MoNCKHovEN ebenda 60. vom 14. IV.
Dickson, W. K.-L.: (/.) Improvements
in apparatus for taking stereoscopic
photographs and for exhibiting the same.
169.
E. P. 6794»» vom 29. III. 1899.
I Siehe auch unter dem Titel:
i — , — , Stereoscopic photographs: A new
method of taking and exhibiting them.
The Laut. Rec. 1899. 54—55.
Dircks, H. and Pepper, J. H.: (1.) Im-
provements in apparatus to be used in
the exhibition of dramatic and other
like Performances. 136.
E. P. 326«» vom 6. II. 1863.
DoUondsche achromatische Einzelfemrohre
nach holländischem Typus 35.
Donas, J. B.: (1.) A new optical In-
strument which I call physioscop. 89.
E. P. 2871*7 vom 16. XI. (Prov. Spec.)
Dove, H. W.: (1.) Ueber die Combination
der Eindrücke beider Ohren und beider
Augen zu einem Eindruck. (29. VIl. 41.)
44.
Berl. Ber. 1841. 251—252.
— , — : {3,) Ueber das Binocularsehen
prismatischer Farben und eine neue
stereoskopische Methode (27. V.). 57.
Berl. Ber. 1850. 152—154.
Pogg. Ann. 1850. 80. 446—448.
— , — : (3.) Beschreibung mehrerer Pris-
menstereoskope und eines einfachen
Spiegelstereoskops. (28. IV.) 54. 60. 62.
Berl. Ber. 1851. 246—252.
Pogg. Ann. 1851. 88. 183—189. (Das ist
kein ganz vollständiger Abdruck.)
Auch tibersetzt unter dem Titel:
— , — : Description of several prism-stereo-
scopes, and of a simple mirror-stereo-
scope.
Phil. Mag. 1851. (4) 2. 29—33 (Juli-Heft).
— , — : (4.) Ueber die Ursache des Glanzes
und der Irradiation, abgeleitet aus
chromatischen Versuchen mit dem Stereo-
skop. 92.
Berl. Ber. 1851. 252—264.
Pogg. Ann. 1851. 88. 169—183.
Siehe auch den ausführlichen Auszug
von J. Tyndall:
— , — : On the stereoscopic combination
of colours, and on the influence of
brightness on the relative intensity of
different colours.
PhU. Mag. 1852. (4) 4. 241—246. (Okt.-Heft.)
— , — : (ß,) Das Reversionsprisma und
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Literaturverzeiclinis.
2Ur
seine Anwendung als terrestrisches Ocular
, und zum Messen von Winkeln, 62.
Pogg. Ann. 1851. 88. 180r— 194.
Auch übersetzt unter dem Titel:
Dove, H. W.: The reversion-prism, and
its application as ocular to the terre-
strial or day-telescope, and to the mea-
surement of angles.
Phil. Mag. 1851. (4) 2. 26—29. (JuU-Heft.)
— , — : (ö.) Darstellung der Farbenlehre
und optische Studien. 33. 60. 61. 62. 92.
Berlin, G. W. F. Müller, 1853. VIII, 288 S.
gr. 80 mit 2 lith. Tafeln.
— , — : (7.) On some stereoscopic phae-
nomena. 92.
XXIV. Meet. Br. Ass. at Liverpool 1864.
Not. 9—10.
— , — : (S.) Ueber die von ihm gegebene
Erklärung des Glanzes in Beziehung
auf eine von Hm. Brewsteb dagegen
gemachte Bemerkung. 92.
Berl. Ber. 1855. 691—694.
— , — : (9.) "Über Binocularsehen durch
verschieden gefärbte Gläser. (26. III.) 92.
Berl. Ber. 1857. 208—211.
Pogg. Ann. 1857. 101. 147—151.
— , — : (10,) Über die Unterschiede mon-
ocularer und binocularer Pseudoskopie.
(26. III.) 91.
Berl. Ber. 1857. 221—226.
Pogg. Ann. 1857. 101. 302—308. (Dieser
Abdruck umfaßt auch die folgende Arbeit.)
— , — : (11.) Darstellung von Körpern
durch Betrachtung einer Protection der-
selben vermittelst eines Prismenstereo-
skop. (Sitz, vom 28. V.) 91.
Berl. Ber. 1857. 291.
— , — : (12,) Über den Emfluß des Bin-
ocularsehens bei Beurteilung der Ent-
fernung durch Spiegelung und Brechung
gesehener Gegenstände. (Sitz. v. 20. V.) 91.
Berl. Ber. 1858. 312—315.
Pogg. Ann. 1858. 104. 325—329.
— , — : (13,) Stereoskopische Darstellung
eines durch einen Doppelspath binocular
betrachteten Typendruckes. (Sitz. v.
28. III.) 91.
Berl. Ber. 1859. 278—280.
Pogg. Ann. 1859. 106. 655—657.
Auch ttbersetzt unter dem Titel:
— , — : Stereoscopic representation of
print as it appears when viewed
with both eyes through double-
refracting spar.
Phil. Mag. 1859. (4) 17. 414—415 (Juni-
Heft).
Phot. Joum. 1858.59. 5. 294—297.
Dove, H. W.: (14.) Über Anwendung des
Stereoskops um einen Druck von seinem
Nachdruck, überhaupt ein Original von
seiner Copie zu imterscheiden. (Sitz. v.
28. III.) 91. 128.
Berl. Ber. 1859. 280—288.
Pogg. Ann. 1859. 106. 657—660.
Auch übersetzt unter dem Titel:
— , — ; On the application of the
stereoscope to distinguish prints
from reprints, or generally Originals
from copies.
Phil. Mag. 1869. (4) 17. 415—417. (Juni-
Heft.)
Phot. Joum. 1858/59. 5. 297—298.
— , — : (15.) Ueber die Nichtidentität der
Abgüsse verschiedener Metalle in der-
selben Form. (Sitz, vom 23. IL) 128.
Berl. Ber. 1860. 87.
— , — : (16,) Optische Notizen: 2) Ueber
flatternde Herzen. 128.
Pogg. Ann. 1860. 110. 286—290.
— , — : (17.) Ueber die Nichtidentität der
Größe der durch Prägen und Guss in
derselben Form von verschiedenen Me-
tallen erhaltenen Medaillen. 128.
Pogg. Ann. 1860. 110. 498.
Kr. Zft. für Fot. u. Ster. 1861. 8. 33—34.
Auch übersetzt unter dem Titel:
— , — : On the difference in size of
medals of different metals obtained
by stamping, and by casting in the
same mould.
Phil. Mag. 1860 (4) 20. 327. (Oct.-Heft.)
— , — : (IS.) Ueber Binocularsehen und
subjective Farben. (Sitz, vom 30. V. 61.)
128.
Berl. Ber. 1861. 521—525.
Ann. Phys. 1861. 114. 163—168.
Kr. Zft. f. Fot. u. Ster. 1861. 4. 161—163.
— , — : (19.) Optische Notizen. (21. IL)
128.
Berl. Ber. 1867. 80—89.
Ann. Phys. 1867. 181.651—655; 183.474—479.
— , — , stereoskopische Beobachtung an einem
Hohlspiegel 33. Widerspruch gegen E. Brücke.
Möglichkeit einer stereoskopischen Beobachtung
im indirekten Sehen und Versuche zur Farben-
mischung 44. Priorit&tsfrage zwischen ihm und
Sir David Brewstbr 53/54. 60. Weitere Farben-
mischungsversuche 57/58. Femrohrstereoskop 58.
Theorie dafür 58 — 60. Prismen- und Spiegel-
stereoskope 60 — 62. Entkörperung einer Säule
60. Reversionsprisma 61/62. Spiegelstereoskop
mit maßstabsverschiedenen Halbbildern 62. Stel-
lungnahme gegen Ch. Wheatstone 91. Weitere
Farbenmischungsversuche und seine Theorie des
Glanzes 92 — ^93. Die letzten Arbeiten: zum Nach-
weis geringfügiger Abweichungen mittels bin-
okularerBeobachtung. Zur Chromasie des Auges
128.
14*
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212
Literaturverzeichnis.
Drouin, F.: (1.) Le st^r^oscope et la
Photographie st^r^oscopique. 167.
Paris, Ch. Mendel, 1894. (1) 191 (1) S.
kL 8« mit 104 Textflg. n. 8 Tfln.
Auch übenetst anter dem Titel:
— , — : The stereoscope and stereo-
Bcopio photography. From the
French of F. Dkouin Translated
by Matthbw Surface.
Bradford, Pebct Lund A Co., o. J.
[1897] 179 S. 8» mit 104 Textflg. u. 3 Tfln.
— , — : {».) Sur une forme particuliere de
stereoscope. 167. 168.
BoU. Belg. Phot. 1896. (3) 2. 649—651.
Auch übersetzt anter dem Titel:
— , — : Eigentümliche Form eines
Stereoskop- Apparates.
Phot. Corr. 1896. 88. Nr. 427. 163—164.
— , — : (a.) Stereoscope ä double reflexion
totale. (Soo. Fran9. de Phot. 4. Xu.
1896.) 168.
Bau. ßoc. Franc. Phot. 1897. (2) 18. 73—80.
Drüner, L.: (1.) Ueber Mikrostereoskopie
und eine neue vergrößernde Stereoskop-
camera. (Mit 1 Taf. und 1 Textfig.)
(Eingeg. 17. X. 1900). 186.
Zft. f. wiss. Milcrosk. 1900. 17. 281—293.
— , — , s. a. anter H, Braus 186.
Duboscq,J.:(l.) Stereoscope de M. Brew-
STBR execute par M. Duboscq. 57.
C. R. 1850. 81. 896—896 vom 30. XII. 60.
— , — : (».) s. auch unter F. Moigno (».),
62. 63.
— , — : (3.) Une nouvelle disposition de
stereoscope. 71.
Br. Fr. 13069 vom 16. II. 1852 dazu die
folgenden Nachträge (Certificats d'addition)
vom 23. III. 52; 17. V. 52 (darin die Er-
wähnung der stereoskopischen Wippe) 12. XI.
52. 16. VIII. 54. [Descr. (2) Ä2. 852—357] femer
weitere Nachträge vom 24. V. 56. 31. X. 56.
[Descr. (2) 34. 416—417.]
— , — : (4.) L'Optique stereoscopique. 63.
Gosmos. 1854. 4. 33—35.
— , — : (5.) Note sur une nouvelle dis-
position de stereoscope ä. prismes re-
fringents, ä. angle variable et lentilles
mobiles. 63.
C. R. 1867. 44. 148—150. (26. I.)
— , — : (ö.) Divers st6r6oscopes. 63.
BuU. Soc. Franc. Phot. 1857. 8. 65—66.
(20. II.)
— , — : (7.) Sur le stereoscope. 63.
Bull. Soc. Franc. Phot. 1857. 8. 74—78.
— , — : («.) 9icueftc aScrbeffcrungeit am
<Stcreof!o<), üon bcm D^Jtücr ^ubo^cq in
$art^. 63.
Dingl. Joum. 1858. 147. 358—362.
Bau. Soc. d'Enc. Nov. 1857. 707— . . .
— , — , Ausführung des Brbwst£R sehen Prismen-
stereoskops 57. 62. der Do ve sehen Form für
Projektionsvorführungen und für anzersdmittene
Stereogramme. Stereoskop für übereinander an-
geordnete Bilder. Sonstige Neaemngen 63. Seine
Bedeutong für die Entwicklung des Stereoskops
64. Seine stereoskopische Wippe 71.
Duhauron [Ducos, L.]: (1.) Estampes,
photographies et tableaux stereoscopi-
ques produisant leur eflfet en plein jour
sans Taide du stereoscope. 162.
Br. Fr. 216465 angem. am 15. IX. 1891.
— , — , assignor to Eug£:ne Demole of
Geneva: {».) Stereoscopio print. 162.
U. S. P. 544666 dated 20. VIII. 1895, Appl.
flled 19. IX. 1894. Patented in France 15. IX.
1891. Nr. 216465.
Siehe auch:
Unsere Kunstbeilage.
Deut. Phot. Ztg. 1894. 18. 176—177.
Eder, J. M. und E. Valenta: (1.) Wei-
tere Versuche mit RÖNTGEN'schen Strah-
len der k. k. Lehr- und Versuchsanstalt
für Photographie und Reproduktionsver-
fahren in Wien. 166.
Phot. Corr. 1896. 88. Nr. 426. 126—127.
(Märzheft.)
— , — , Angaben zu dem Voiotländer sehen
Patent 34.
Elliot, J.: (1.) The stereoscope. 69.
PhU. Mag. 1862. (4) 8. 397 und auch 478.
— , — : (2,) The telescopic stereoscope.
(12. Xn. 56.) 86.
PhU. Mag. 1857. (4) 18.78; 104—108; 218—219.
— , — , frühe stereoskopische Zeichnungen 69/70.
Nacherfindung des Brbwstbr sehen Femrohr-
stereoskops 86.
Emerson, Ed.: (l.) On the perception
of relief. 96.
The Brit. Joum. of Phot. 1863. 10. Nr. 181.
10—11.
Phot. Not. 1863. 8. Nr. 170. 111—113.
— , — : (2.) The Chimenti pictures : a reply
to Sir David Bkewsteb. 96.
The Brit. Joum. of Phot. 1864. 11. Nr. 211.
111—112; Nr. 212. 132—133; Nr. 214. 167—169;
Nr. 216. 202—204.
— , — , Prismenst«reoskop mit verschiebbaren
achromatischen Linsen 125.
F.
Faye, H. : {!,) Sur un nouveau Systeme
de stereoscope (6. X.) 85.
C. R. 1856. 48. 674—675.
Bull. Soc. Fran9. Phot. 1866. 2. 321—322.
Fizeau, H. L. , stereoakopische Aufnahmen
für Ch. Wheatstonb 46.
Förster, W., Anregung zur Plattenvergleichung
im Stereoskop 161.
Forrest, J. A.: (1.) History of the ear-
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photography in England. 101.
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Fritsch, K., vormals Prokesch: (1.)
Neues Doppelfemrohr mit kontinuirlich
veränderlicher Vergrösserung. 178.
Centr. Ztg. f. Opt. u. Mech. 1898. 19. 61—62.
o.
Gau d in, M. A. : (1.) Appareil h. objectifs
jumeaux pour öpreuves st^r^oscopiques.
Invent^ par M. Quinet. — Brev. d'inv.
(s. g. d. g.) 78.
La Lumiöre 1853. 3. 83—84 vom 21. V.
— , — : (2,) Diskussion mit A. F. J. Claudet.
98
La Lum. 1853. 8. 194. vom 3. XIL; 206—206
vom 24. XII.; 1854. 4. 10 vom 21. 1.; 23—24
vom 11. II.
Gebhardt, W. (1.) s. u. S. Czapski (3.).
184. 186.
Goltz seh, H.: (1.) Vorschläge zur Ver-
besserung der Stereoscopenbilder. 151.
Phot. Mitth. 1877/78. 14. 43—45.
— , — : (;9.)Binoculares Mikroskop. 151. 152.
Carl's Kep. 1879. 15. 663—656.
— , — : (3.) Astronomisches Doppel-Fem-
rohr. 152. 153. 174.
Zft. f. Instrkde. 1881. 1. 105—111; 245—250.
— , — : (4.) Binoculares Mikroskop. 153.
Carl's Rep. 1882. 18. 27—32.
Zft. f. Instrkde. 1882. 2. 225—226.
— , — : (5.) Die Neugestaltung des Stereo-
scops, eine Notwendigkeit. 152.
Eder's Jahrb. 1890. 4. 101—108.
— , — , Okularkonstruktionen für sein Binokular-
mikroskop 152, und seinen astronomischen Doppel-
tubus 153.
Go ulier sches Pentagonalprisma 177/178.
Govi, G. : (1.) Sur l'inventeur des lunettes
binoculaires (27. IX.). 24.
C. R. 1880. 91. 547—548.
Greenoughsches orthomorphes Mikroskop,
Darstellung seiner Entstehung 184. 185.
Grubb, H.: (1.) Binocular aberrations. 143.
The Brit. Journ. o£ Phot. 1873. 20. Nr. 669.
100—101.
— , — : (*J,) Improvements in the stereo-
soope. (Read bef. Roy. Dubl. Soc. 21. 1.
1879.) 143.
The Lant. Reo. 1898. 42 — 45. (Die dort an-
gegebene Jahreszahl 1878 beruht wohl auf
einem Irrtum.)
Der letzte Teil des Vortrags ist schon
früher — zum Teil mit andern Illustra-
tionen — abgedruckt worden unter dem
Tit€l:
— , — : On some new forms of stereo-
scopes.
The Brit. Journ. of Phot. 1879. 26.
Nr. 980. 74—75.
Grubb, H., Streit mit Th. Sütton 142/143.
Aufführung verschiedener ältererer Stereoskope
143. 144. Sein Spiegelstereoskop 144.
Grubb, Th., Streit mit Th. Sotton 142/143.
Guilloz,Th. : (1.) Dispositif pour Texamen
fluoroscopique st^r^oscopique. 167.
Congrös de Radiol. et d'ElectroL Paris 1900.
(Nicht eingesehen, v. R.)
— , — : (^.) De Texamen ster^oscopique en
radiologie et des illusions dans Tappr^-
ciation du relief (2. VI.). 167.
C. R. 1902. 184. 1303—1305. für (1.) 8. a.
184. 766.
Gull Strand, A., Behandlung des Auges im
direkten Sehen 3.
H.
Hardie, W. : (I.) Description of a new
pseudoscope. (7. III. 53.) 81.
PhU. Mag. 1853. (4) 5. 442—446.
— , — : (^.) An improved stereoscope. 89.
E. P. 2827*7 vom 9. XI. 1867. (Prov. Spec.
only).
— , — : (3.) The telestereoscope. (12. I.)
82. 88. 127.
PhU. Mag. 1858. (4) 15. 156—167.
— , — : (4.) On a method of drawing a
stereoscopic duplicate of a Single picture.
27. IV. 1860.) 105.
Phot. Journ. 1859,60. 6. 27^—282.
Auen übersetzt unter dem Titel:
— , — : Zeichnen eines stereosko-
pischen Duplikats nach einem ein-
fachen Bilde.
Kr. Zft. f. Fot. u. Ster. 1861. 8. 27—32.
— , — , mangelhaftes Verständnis seiner Pseudo-
skope. Ihre Verwendung als Stereoskope 82.
Prioritätsreklamation gegen H. Helmuoltz 88.
Hardweiler, . .: (1.) Les jumelles dyaliti-
ques (!). 37.
Br. Fr. 20 694 v. 4. IX. 1854. Descr. (2) 40. 266.
Hare, G., Ausführung des Warner sehen Ste-
reoskops 125.
H armer, J.: (1.) Stereoscopic efitect on
the screen. 158.
The Brit. Journ. of Phot. 1879. 26. Nr. 1023.
689—690.
— , — : {»,) On measuring the height of
clouds and the intervals of their strata
by means of photography and the
stereoscope. 158.
Brit. Journ. Alm. 1881. 146—147.
Dieser Almanach erscheint regelmäßig
im Spätherbst vor dem Publikationsjahre.
— , — : (3.) Application of stereoscopic
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214
Literaturrerzeichnis.
phötography to the science of meteoro-
logy. 158.
Phot. Newa 1881. 25. Nr. 1176. 126—127.
(vom 18. III. 1881).
Harmer, J.: (4.) Stereoscopic work. 119.
158.
The Brit. Jouni. of Phot. 1882. 29. Nr. 1177.
670-672.
— , — : (J.) On the use of the stereoscope
and its scientiHc application. 160.
The Brit. Journ. of Phot. 1887. »4. Nr. 1403.
182—183; Nr. 1404. 213—214.
— , — : (ö.) Binocular vision and astrono-
mical phötography. 119. 160.
The Brit. Joum. of Phot. 1892. 89. Nr. 1678.
426—426.
— , — , große Sorgfalt bei der HersteUimg ste-
reoskopischer Glasbilder 119. 158. Stereoskopi-
sches Meßverfahren mit fester, empirisch kon-
struierter und ausgewerteter Skala 168 — ^159.
Vergleichung zweier Photogramme von Stern-
bildern und Sternspektren im Stereoskop. An-
wendung starker Vergrößerungen für solche Ver-
gleichungen 160.
Harris, J.: (I.) A treatise of optica: con-
taining elements of the science; in two
books. 30. 31.
London, B. White, 1775. (6) 282 8. 4» mit
123 + 110 Fig. auf Eupfertafeln.
— , — , Versuche zur Entfernungsbestimmung und
zur Theorie des Sehens mit beiden Augen. Ste-
reoskopische Versuche mit Hohlspiegeln und
Linsen 31.
Harting, P. : (1.) Het Mikroskoop, des-
zelfs Gebruik, Geschiedenis en Tegen-
wordige Toestand. 62.
Utrecht, van Paddbnburo & Co., 1848.
3 Bde. 8« mit 1293 S. u. 347 Fig. auf 18 Tafeln.
Harting- Do ve sches Keversionsprisma 61.62.
Hartnup, . ., erste stereoskopische Mondauf-
nahmen gemeinsam mit J. A. Forrest 101.
von Hefner-Alteneck, Fr., Mitteilungen
über H. de Qrodsillibrs 180.
Heine, L., hohe Einstellgenauigkeit 181.
Heisch, Gh.: (1.) On the improvement
of Nachet's Stereo - pseudoscopic bin-
ocular microscope. (Read 13. V. 1868.)
116.
Trans. Roy. Micr. Soc. 1868. (2) 16. 111—113.
Helmholtz, H. : (I.) Das Telestereoskop.
(Vorgetr. Sitzg. niederrhein. Ges. Nat. u.
Heilkde. 10. VI. 1857.) 86. 87.
Pogg. Ann. 1857. 101. 494^-496 (vorl. Be-
richt) 1857. 10*2. 167—175.
Auch übersetzt unter dem Titel:
— , — : On the telestereoscope.
PhU. Mag. 1858. (4) 15. 19—24.
— , — : (2.) Handbuch der physiologischen
Optik. 33. 87. 103. 124. 137. 138. 145.
Bd. IX der Karsten sehen Allg. Encycl. d.
Physik. Leipzig, L. Voss, 1867. gr. 8» XIV,
874 (1) S. Mit 213 Textfig. u. 11 Tfln.
Das Werk erschien in 4 Teilen 1856 [bis
S. 336], 1860 Ibis S. 432], Anfang 1866 [bis
656 aller Wahrscheinlichkeit nach] und
Ende 1866, so daß die hier interessieren-
den Teile nicht vor 1866, zum Teil sogar
erst gegen Ende dieses Jahres veröffent-
licht waren.
Helmholtz, H., stereoskopische Beobachtungen
an einem Hohlspiegel 33. richtige Theorie des Tele-
stereoskops und ihre Abänderung 87. Konstruk-
tion eines Wheatston Eschen Linsenstereoskops
mit zwei Brennweiten 124/125. Historische Be-
handlung des Stereoskops. Theorie des Raum-
bildes. Porrtiallaxie. Relief bilder. Behandlung
der Brillen, des Telestereoskops 137, des bin-
okularen Mikroskops nach A. Nachet, des Ste-
reoskops, der Entfemungswahmehmung 138.
Henderson, J.: (1.) Phötography and
the stereoscope. [Read at meet. Liverp.
Amat. Phot. Ass. 25. IV. 1871.] 142.
The Brit. Joum. of Phot. 1871. 18. Nr. 673.
195—196.
Hering, E. : (I.) Ueber die Grenzen der Seh-
. BchäHe. (Vorgetr. 4. XII. 1899; Manuscr.
emgel. 13.1. 1900.) 128. 181. 182.
Leipz. Ber. 1900. 16—24.
Hermagis, . ., Konstruktion eines Wheat-
STOME sehen Linsenstereoskops 117.
Herschel, A. S., Reklamation des Telestereo-
skops mit Fernrohrvergrößerung 103.
H[er8chel, Sir] John F. W.: The stereo-
scopic angle. (Collingwood, 6. XI. 1858.)
102.
Phot. News 1858. 1. Nr. 10. 110.
— , — : (2,) The telescope (From the En-
cyclopaedia Britannica). 103.
Edinburgh, A. and Ch. Black, 1861, VII,
190 S. kl. 80 Textflg. 1— 29 b.
Hessemer, J. M: (i.) Ueber bie 5tn*
fcrtigung ftcreoffo^jtfc^er 93ilber. 106.
Dingl. Polyt. Joum. 1866. 189. 111—121,
mit 2 Figurentafeln.
Hill, H.H.: (1.) Optical instrument. 170.
U. S. P. 607 171 dated 12. VII. 1898. Appl.
fUed 7. VI. 1897.
Siehe auch die Besprechung:
Stereoscopic efifect (?) from Single
photographs.
The Brit. Journ. of Phot. 1898. 46.
Nr. 2003. 618.
Hirth, G.: (1.) Vorführung des neuen
grossen Relief-Standfemrohres aus der
optischen Werkstätte von Cabl Zeiss
in Jena. 176.
(Vortr. geh. am III. Intern. Psych. Kongr.
in München am 5. VIII. 96.)
Erschien auch als S.-A. 3 S.
Holmes, O. W. , Erfindung des amerikanischen
Stereoskops 126.
Hu eck, A.: (1.) Ueber die Täuschung des
Femrückens der Gesichtsobjecte. 45.
MÜLLER's Arch. 1840. 76—81.
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instruments. 177. 178.
E. P. 14102»7 vom 9. VI. 1897. feröff.
30. IV. 1898.
Hügel, Th.: (I.) Darstellung von Sterep-
skopbildem mit Hülfe orthogonaler Co-
ordinaten. 149.
Progr. Gewerbesch. zu Neustadt a. d. H.
1876. Darmstadt, G. Otto, 4«. 13 S. mit 33
Stereogrammen uod 2 Diagrammen.
Im Buchhandel auch unter dem Titel :
— , — : Die Stereoskopie gestützt auf
orthogonale Coordinaten.
Neustadt a. d. H. , A H. Gottschick-
Witter. 1876. 40.
— , — : {*J.) Einiges über Stereoskopie. 160.
Carl's Rep. 1877. 18. 268—284.
— , — , mathematische Behandlung der Natur des
Baumbildes bei chiastozentrischer Anordnung
der Halbbilder 149. Farbige Halbbilder. Kampf
zwischen Wahrnehmung und Erfahrung 150.
J.
Janin de Combe Blanche, J., Versuche
über binokulare Farbenmischung 32.
Javal, E.: (1.) Sur un instrument nomme
„iconoscope" destin6 ä donner du relief
aux images planes examin^es avec les
deux yeux. 83. 137.
C. R. 1866. 68. 927—928.
Jeanne, . ., s. unter C. Nachet (1.).
Jones, Th. Wh.: (1.) Stereoscopic glasses
for Single pictures. 123.
E. P. 1450*» vom 16. VI. (prov. spec), vom
29. XI. (compl. spec).
Siehe auch:
Ph. Joum. 1860 62. 7. 45.
— , — : (2.) On the invention of stereo-
scopic glasses for Single pictures, with
preliminary observations on the stereo-
scope and on the physiology of stereo-
scopic Vision. 123.
London, John Churchill, 1860. 31 S. 80.
Siehe auch die Besprechung:
Scientific gossip.
Phot. News 1860. 4. Nr. 105. 219—220.
Junk, W. , Bemerkung zu F. Lasser^ 23.
Jurin, J. , stereoskopischer Versuch 30.
K.
Kircher, A.: (1.) Ars magna Ivcis et
vmbrae in decem libros digefta qvibvs
admirandae Ivcis et vmbrae in mundo,
atque adeö vniuersa natura, vires
effectufq. vti noua, ita varia nouorum
reconditiorumq. Ipeciminum exhibitione,
ad varios mortalium vfus, panduntur. 26.
Romae, Sumptibus Hermanni Scheus. 1646.
Ex Typographia Lüdovici Grignant. (40),
944, (15) S. fol. mit Kupfertafeln und Text-
flguren.
K i r c h e r , A. , Erklärung des Ausdrucks „Spiegel-
fechten". Stereoskopisches Experiment 26.
Knight, G.: {1.) On a stereoscopic cos-
moramic lens. 84.
XXIV. Meet. Br. Ass. at Liverpool 1854.
Not. 70.
— , — : Cosmorama stereoscope.
The Brit. Joum. of Phot. 1855. 2.
Nr. 13. 9.
Köhler, A. , homöomorphes Stereoskop zur
Drüner sehen Camera 186. 187.
Krause, . .: (1») Stereoskopaufnahmen
mit einem Objektiv. 163.
Phot. Mitt. 1893/94. 80. 76— 77.
Kreutzer, K. , seine Bedeutung für die Ste-
reoskopie im deutschen Sprachgebiet 183.
Kummell, Chas. H.: (/.) Can the parallax
of fixed Stars be made perceptible? A
Suggestion to astronomers. 160.
A. N. 1887. 117. Nr. 2799. 247—248.
Lacombe, E. und L. , Herstellung des Bou-
LANGER sehen Doppelfemrohrs 173.
Lafleur, . .: (1.) Une jumelle ä Systeme
rectificateur applicable aux stereoscopes.
37.
Br. Fr. 18818 vom 17. II. 1854. Desc. (2) 36.
21—22.
Es handelt sich um gesonderte Einstel-
lung beider Rohre.
Lambert, J.H.: (1.) £)^3tifci^c 58etrad^tungen
öon 3. 3. (!) fiambcrt, auö beffcn leintet"
laffenen franjöfifd^en §anbfcf|rift über*
fejt*). 31. 32.
3lrc^. b. rein. u. angeiü. SWat:^. (öon daxl
^xitbtiäi ^in\>tnbuvq) 1799. $. 9. . . — . .
♦) 2)tcfen ^luffa^ f^at Sambert im (!)
aWaiiii 1771 nlebergefc^rieben. 33.
— , — , stereoskopischer Versuch mit einer Linse
32.
Lassere, F. , Laiennamen von Ch^rubin d'Or-
Li^ANS 23.
Le Conte Stevens, W.: (I.) Stereoscope.
157.
U. S. P. 262846 dated 15. VIII. 1882; appl.
flled 23. III. 1882.
Lemiere, J. Ph.: (I.) Des lorgnettes de
spectacle doubles, ä. tirage parallele,
appelees lorgnettes jumelles. 35.
Brevet d'importation et de perfectionnement
.... vom 28. IV. 1825. Descr. 19. 272—275.
Lenard, Ph. , Versuch, die Planetoiden durch
Plattenvergleichung im Stereoskop zu ermitteln
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rohrs 23.
Luquin & rHermitte, Herstellung des
BoüLANGER sehen Doppelfemrohrs 173.
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schaftliche Anwendungen der Photo-
graphie und Stereoskopie. (Sitz, vom
17. XI. 1865.) 135.
Wien, akad. Anz. 1865. 2. 185—186.
Auch übersetzt unter dem Titel:
— , — : On certain scientific appli-
cations of photography and stereo-
graphy.
Phot. Journ. 1865/66. 11. 83-^9.
— , — : {2,) Über wissenschaftliche An-
wendung der Photographie und Stereo-
skopie. (Sitz, vom 11. V. 1866.) 135.
Wien. Ber. 1886. 64. II. 123—126.
— , — : (3.) übersendet ein Stereoskopbild,
darstellend die Durchsicht eines drei-
seitigen in drei gleiche Pyramiden ge-
teilten Prismas. (Sitz, vom 14. II. 1867.)
136.
Wien. akad. Anz. 1867. 4. 51—52.
— , — ; (4.) Ueber wissenschaftliche An-
wendungen der Photographie und Stereo-
skopie. 136.
Phot. Corr. 1877. 14. Nr. 155. 10—12.
— , — , Durchdringungsbilder. Idee zu einem Ent-
fernungsmesser 135. Weitere Förderung der
Durchdringungsbilder als Lehrmittel für Medi-
ziner 136/137. Versuche mit stereoskopischen
Radiogrammen 166.
Marie, T. et H. Ribaut: (1.) Stereo-
scopie de precision appliqu6e ä la radio-
graphie. (vom 22. III.) 183.
C. R. 1897. 124. 613—616.
— , — et — , — : (2,) Sur la superposition
de deux couples st^reoscopiques. (vom
8. VIII.) 183.
C. R. 1898. 127. 821—324.
— , — et — , — : (3.) Sur un appareil de
mesure simple et general pour la st6r6o-
scopie: le ster6om6tre. (vom 17. IV.) 183.
C. R 1899. 128. 1008—1009.
— , — et — , — : (4.) Nouveau stereometre
permettant la d^termination de trois co-
ordinees rectangulaires d'un point quel-
conque d'un objet radiographi6 stereo-
scopiquement. (vom 12. III.) 183.
C. R. 1900. 180. 748—750.
Maxwell, J. Clerk: (l.) On a real image
stereoscope. 121.
XXXVII. Meet. Brit. Ass. at Dundee 1867.
Not. 11.
Siehe auch unter dem Titel:
— , — : A new stereoscope.
The BMt. Journ. of Phot. 1867. 14.
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Maynard, G., Vertretung seiner Prioritäts-
ansprüche durch Sir David Brewster 95. Zu-
rückweisung durch W. B. Carpentbr 96.
Mercer, A. C: (1.) Stereoscopic vision
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Journ. Roy. Micr. Soc. 1882 (2) 2. Part. 2.
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— , — : (2.) Nouveaux stereoscopes de
M. JüLES DüBOSCQ. 63.
Cosmos 1852. 1. 703—705 (14. XI.).
— , — : (3.) Sur le st6r6oscope. 78.
Cosmos 1853. 8. 66—74. Juli- Nr.
— , — , Brief von Ch. Wheatstone 95.
Moll, G.: Veröffentlichung der Lipperhey sehen
Akten 23.
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Murray, R. Ch., s. unter W.H. Warner (J.).
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Nachet, A., Mitteilung über die Entwicklung
der holländischen Einzelfernrohre 35. Frühes
orthomorphes Binokularmikroskop 73. Binoku-
lare Lupe und zweites Modell des binokularen
Mikroskops 116.
Nachet, C. S. : (I.) Un nouveau micro-
scope. 73.
Br. Fr. 17 716 vom 20. X. 1853 auf sein erstes
Binokularmikroskop. Descr. (2) 82. 210—211.
— , — : (2.) On a microscope adapted for
anatomical demonstrations and on a
binocular microscope. 73.
Quart. Journ. Micr. Soc. 1854. 2. 72—74.
— , — : (3.) Un nouveau microscope.
116.
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Literaturverzeichnis.
217
Br. Fr. vom 6. II. 1863, zweiter Nach-
trag zu 17716 auf das stereo-pseudosko-
pische Mikroskop. Descr. (2) 45. 206.
Nachet C. S.: {3.) s. a. unter W. B.
Cabpenter (2.) 116.
Ch. Heisch (i.) 116.
CS. Nachet ist der Name der Firma;
der Erfinder ist Alfred Nachet.
Nachet, C. & Jeanne . . : (1.) Une
jumelle prismatique. 173.
Br. d'inv. 109232 vom 14. VIII. 1875, ang.
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Oppel, J. J.: u.) Ueber bic ©ntflc^ung
be§ (äJIanjcS bei jmeifarbigen, in^bcfonbcrc
bei fc^marjcn unb njcigcn ftcrcof!o^3ifci^en
Jötibcrn. 93.
Jalir. Frankf. Ver. 1853—64. 62—55.
— , — : (3,) S'iad^ttägUci^c SBemcrfungen jur
©tcrcof!o^)ic, in§ S3cf onbcrc jur (grflärung
bcg ÖJIanjcS 5tt)etfarbiger S3ilbcr. 93. 107.
Jalir. Frankf. Ver. 1854—66. 33—37.
Auch abgedruckt unter dem Titel:
— , — : Bemerkungen zur u. s. w.
Pogg. Ann. 1857. 100. 462—466.
— , — : (3.) 92ott5cn Übet ©tereoffo^Jic, tnö*
bcfonberc über eine einfache, öcrgröfecrnbe
SJiobification beg ©tereoffo^jg o^nc (BpitQtl
unb (äJIäfer. 107/108.
Jahr. Frankf. Ver. 1856—1866. 37—56.
— , — : (4.) Ueber ba^ „(5)Ubcrn", eine
eigentümliche 3(rt be§ ©lanjeä unb bie
flereoffo^jifd^e ^^ad^a^mung beffelben. 93.
Jahr. Frankf. Ver. 1866—1857. 66—62.
— , — : (5.) Ueber bag ©infad^fe^en bop^jelter
Silber bei getreusten togenajen, in^
S3efonbere über eine einfädle, öerfleinernbe
SJiobififation beg ©tereof!o^38 o^nc ©^)iegel
unb (SJIäfer. 108.
Jahrb. Frankf. Ver. 1858—69. 22—38.
— , — , Verwendung der stereoskopischen Auf-
nahmen zur Wiedergabe des Glanzes 93. Homöo-
morphe Raumbilder nur für das direkte Sehen
107. Identische Halbbilder im Stereoskop 107
bis 108. Nacherflndung linsenloser Stereoskope.
Folgen des Übergangs von parallelen zu ge-
kreuzten Blickrichtungen 108.
Ost, Ad.: (I.) Ueber Stereoskopie. 117.
Kr. Zft. f. Fot. u. Ster. 1861. 3. 180—181.
F.
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Petzval, J. , Verbessserung des holländischen
Fernrohrs 37.
Ponton, M., Bericht über stereoskopischo
Sonnenaufnahmen 102.
Prandtl, A. : {!,) Ein neues Instrument
zum Abstecken von rechten Winkeln;
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Zft. 1. Vermess.-wes. 1890. 19. 462—467.
Prazmowski, A., sein stereoakopisches Oku-
lar 141. 142.
Pr6vost, A. P.: (I.) Essai sur la th^orie
de la Vision binoculaire. (Extrait.) (Der
erste Vortrag ist am 15. XII. 1842 ge-
halten worden.) 45.
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Pulfrich, C: (1.) Über den von der Firma
Carl Zbiss in Jena hergestellten stereo-
skopischen Entfernungsmesser. (Vortrag
vor der 71. Naturforscher vers. zu Mün-
chen am 19. IX. 1899.) 180. 181.
Phys. Zft. 1899—1900. 1. 98—104.
Auch als S.-A. in kl. 80. 23 S.
— , — : (2.) Über neuere Anwendungen der
Stereoskopie und über einen hierfür be-
stimmten Stereo-Komparator. (Mitt. aus
der opt. Werkst, von Carl Zeiss.) 183.
Zft. f. Instrkde. 1902. 22. 65—81; 133—141;
178—192; 229—246.
— , — : (3.) Über die Konstruktion von
Höhenkurven und Plänen auf Grund
Stereo - photogrammetrischer Messungen
mit Hülfe des Stereo-Komparators. (Mitt.
aus der opt. Werkst, von Carl Zeiss.)
(L 1903.) 183.
Zft. f. Instrkde. 1903. 23. 43—46.
— , — : (■*.) Über eine neue Art der Her-
stellung topographischer Karten und
über einen hierfür bestimmten Stereo-
Planigraphen. (Mitt. aus der opt. Werkst,
von Carl Zeiss.) 181. 183.
Zft. f. Instrkde. 1903. 23. 133—148. (Schluß
nicht erschienen.)
— , — : iS,) Über einen Versuch zur prak-
tischen Erprobung der Stereo-Photo-
grammetrie für die Zwecke der Topo-
graphie. (Mitt. aus der opt. Werkst, von
Carl Zeiss.) 183.
Zft. f. Instrkde. 1903. 28. 317—334.
— , — : {€,) Über die Anwendung des Stereo-
Komparators für die Zwecke der topo-
graphischen Punkt bestimmung. (Mitt.
aus der opt. Werkst, von Carl Zeiss.)
183.
Zft. f. Instrkde. 1904. 24. 63—57.
— , — , Ausbildung des stereoskopischen Entfer-
nungsmessers 181 und anderer stereoskopischer
Meßinstrumente 182/183.
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218
Literaturverzeichnis.
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Reeve, L.: (/.) The Stereoscopic Maga-
zine, a gallery of landscape scenery,
architecture, antiquities, and natural
history, [accompanied with descriptive
articles by writers of eminencej. 105.
LovELL Reeve, 5, Henrietta Street, Covent
Garden. [ ] nur im Titel des ersten Bandes.
Die Zeitschrift, die ttbrigens nur Steroogramme
mit beschreibendem Text brachte, scheint 1865
aufzuhören. Sie wurde 1858 eröffnet. Siehe
The Brit. Journ. of Phot. 1858. 5. Nr. 74. 180.
The Stereoscopic Cabinet von demselben
Herausgeber, begann im November 1869 zu
erscheinen.
Siehe The Phot. News. 1859,60. 8. Nr. 63.
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Ribaut, H. s. unter T. Marie (1.—4.).
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— , — : (2,) Binocular microscope. (25. V.
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Quart. Journ. Micr. Soc. 1853. 1. 304—305.
— , — : (3.) On the binocular microscope.
(Read before the Amer. Ass. Advanc. Sc.
30. Vn. 1853.) 72. 73.
Quart. Journ. Micr. Soc. 1854. 2. 18—24.
Siehe dazu auch:
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scope.
Journ. Roy. Micr. Soc. 1885 (2) 5. Part 2.
1059—1060, mit 2 Fig.
— , — : (4.) Match photographs, or camera
lucida drawings of microscopic objects
for the stereoscope, made by means
of the ordinary monocular microscope.
(New Orleans Med. and Surg. Journ.) 73.
Quart. Journ. Micr. Sc. 1854. 2. 290—291.
Rogers, W. B.: (l.) Observations on bin-
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Siehe u. S. Czapski (J. 270—295).
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— , — : (4.) Die Theorie des Doppel veranten,
eines Instruments zur korrekten Betrach-
tung von Stereogrammen und Paaren
identischer Bilder. (Mit 5 Fig. im Text;
eingeg. d. 16. IX. 04). 50.
Zft. f. wias. Phot. 1904. 2. 336—351.
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lungen und die Hülfsmittei zu ihrem
Verständnis. 27. 91. 123. 133. 137. 151.
Zft.f.Instrkde. 1905. 25. 293—305; 329—339;
361—371, mit 11 Textflg.
: (ö.) Die beim beidäugigen Sehen
I durch optische Instrumente möglichen
Formen der Raumanschauung. (Eingel.
am 3. XI. 1906. (Mit 18 Textfig.u. 1 Taf.).
14.
Münch. Ber. 1906. 86. 487—506.
— , — : (7.) Über Einrichtungen zur sub-
jektiven Demonstration der verschie-
denen Fälle der durch das beidäugige
Sehen vermittelten Raumanschauimg.
(Eingeg. am 24. XII. 1906.) 82. 122.
Zft. f. Sinnesphys. 1907. 41. 4C8— 429. (Mit
11 Textflg.)
— , — , Raumvorstellung beim einäugigen Sehen
8. Grenze der beidäugigen Tiefenwahmehmung
10. Porrhallaktische Wirkung binokularer In-
strumente 11. Einführung der Objektaugen und
I der Begriffe orthopisch, chiastopisch 14/15. Ein-
führung der Einstellungsebene für das direkte
Sehen 44/45. Theorie der Modellwirkung bei
großem Objektivabstande 50. Ableitung der
Fehlergrenzen bei der st«reoskopischen Messung
182. Idee zu einem homöomorphen Stereoskop
für die DRÜNERsche Camera 186. Konstruktion
eines solchen vergrößernden Stereoskops gemein-
sam mit A. Köhler 187.
Rollet, A.: (1.) Physiologische Versuche
über binoculäres Sehen, angestellt mit
Hilfe planparalleler Glasplatten. 133.
Wien. Ber. 1860. 42. 488—502, mit 2 Tafeln.
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Wien. Ber. 1861. 43. II. 667—706 mit 2 Tfln.
— , — , Prinzip eines stereoskopischen Entfernungs-
messers beruhend auf der gegenseitigen Durch-
dringung zweier Räume 134.
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Literaturverzeichnis.
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Pogg. Ann. 1853. 89. 350—351.
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Auch tibersetzt unter dem Titel:
— , — : Ueber eine Methode, Stereo-
grafien durch Handzeichnung dar-
zustellen.
Kr. Zft. f. Fot. u. Ster. 1861. 8. 140—142.
— , — : (2.) On the practical application
of photography to the microscope. 118.
SiU. Journ. 1861. (2) 82. 186—193.
The Brit. Journ. of Phot. 1861. 8. Nr. 153.
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— , — , Versuche über das Glitzern 129.
Boss, A. , Ausführung des Brewster sehen Pris-
menstereoskops 57.
Rouyer, J.: (i.) Coup d'oeil retrospectif
sur la lunetterie pr6c6d6 de recherches
sur l'origine du verre lenticulaire et sur
les Instruments servant k la vision. 24. 35.
Paris, en vente chez l'auteur 58, rue Charlot,
1901. XII, 261 S. 8» mit Textflguren.
Ruetesches Lehrbuch der Stereoskopie 179.
s.
[Sang, J.]: (1.) Stereoscopic pictures from
flat surfaces. (The Times 19. X. 58.) 105.
Phot. Journ. 1858 59. 5. 48—49.
Siehe auch z. T. unter anderen Titeln:
Phot. News. 1858 59. 1. Nr. 8. 85-^6; Nr. 10.
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The Brit. Journ. of Phot, 1858. 5. Nr. 81.
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als Stereoskop zu gebrauchen. 120.
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Kr. Zft. für Fot. u. Ster. 1861. 8. 154.
Dingler's Polyt. Journ. 1861. 159.467—468.
Schnitze, F. E. : (/.) Ueber eine von
ihm angegebene binoculare Präparirlupe.
(TagbL 60. Vers. d. Natf. u. Aerzte Wies-
baden 1887. 112.) 161.
Zft. f. Mikrosk. 1888. 5. 217.
Siehe auch ebenda 1887. 4. 320.
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Schyrl, A. M., Konstruktion von terrestri-
schen Doppelfernrohren mit einem Kopfschirm.
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Augenabstandes 24.
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E. P. 2581«« vom 3. XI. 1856 prov. spec,
vom 28. IV. 1857 compl. spec.
Selenka, E., Anregung zum Abbe sehen ste-
reoskopischen Okular 154.
Servus, H.: (i.) Die Geschichte des Fem-
rohrs bis auf die neueste Zeit. 23.
BerUn, J. Springer, 1886. VII, 135 S. 8»
mit 8 Textfig.
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Phot. Journ. 185657. 8. Nr. 52. 273—276.
The Brit. Journ. of Phot. 1857. 4. Nr. 46. 99.
— , — *: (ü.) The crystal miniature ex-
plained. 122.
The Brit. Journ. of Phot. 1864. 11. Nr. 209.
73—74.
— , — *: (3.) A note relative to the Chi-
menti drawings. 96.
The Brit. Journ. of Phot. 1864. 11. Nr. 216.
200.
♦ Die mit ♦ bezeichneten Artikel sind
zwar nicht unterzeichnet, aber mit großer
Wahrscheinlichkeit auf den Herausgeber
G. Sh. zurückzuführen.
Smith, R. : (1.) A compleat System of
opticks in four books, viz. a populär, a
mathematical, a mechanical, and a philo-
sophical treatise. To which are added
remarks upon the whole. 28. 29. 30.
Cambridge, im Selbstverlage u. bei C. Crown-
FIELD, 1738. 40 1. (V) VI (VIII) 280 S. Mit
556 Fig. 2. (II) 8. 281—465 Fig. 557—685.
The author's remarks: 1—171 (13). Mit
20 Tfln.
— , — , Theorie der Gesichtswahmehmung 28/29.
Versuche mit Zirkeln u. ä. Mit Hohlspiegeln 29.
Mit dem Doppelfemrohr 29/30. Anfertigung der
ersten stereoskopischen Zeichnung 30. 38. Ein-
wirkung auf J. Harris 31. auf J. H. Lambert
32.
S[myth], C. P[iazzi]: (1.) Stereoscopic
reform. 124.
The Brit. Journ. of Phot. 1864. 11. Nr. 232.
406—407.
Der Artikel ist mit größter Wahrschein-
lichkeit auf diesen Autor zurückzuführen.
Angegeben sind nur die Initialen.
^ — , — : (j?.) A poor man's photography at
I the great pyramid [in the year 1865;],
I compared with that of the ordnance
; survey establishment, [subsidized by
' London wealth and] under the Orders
of Col. Sir Henry James R. E., [F. R. S.,
director-general of the ordnance survey,]
I at the same place four years afterwards.
' (Head at a meeting Edinb.Phot. Soc. Dec.
I 1« 1869.) 118.
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220
Literaturverzeichnis.
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691—693; Nr. 602. 602—604; Nr. 608. 615—616.
Auch als Sonderabdruck mit den in [ ]
stehenden Erweiterungen.
London, H. Orebnwood, 1870. 89 -j- 23 S.
8» mit 3 Textag.
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doings and Photographie confession. 124.
The Brit. Journ. of Phot. 1873. 20. Nr. 677.
200.
— , — , stereoskopische Landschaftsaufnahmen
auf Miniaturformaten 118. Empirische Bestim-
mung der stereoskopisch wirkenden Teile 118/119.
Alimählicher Ül>ergang zum Wheatstoi^e sehen
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zu demselben gehörigen Bildern. 146. 147.
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einen auf endliche Entfernung akkommodieren-
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Die Mitarbeit G. B. Airy's wird erwähnt.
— , — : (3.) The lenticular stereoscope. 129.
Phot. Not. 1860. 5. Nr. 94. 64—66.
Auch übersetzt unter dem Titel:
— , — : Das Linsen-Stereoskop.
Kr. Zft. f. Fot. u. Ster. 1860. 1. 283—284.
— , — : (4.) Leader. 123.
Phot. Not. 1860. 5. Nr. 97. 102—104.
Auch zum Teil (Portable reflecting stereo-
scope) übersetzt unter dem Titel:
— , — : Tragbares Reflexionsstereo-
skop.
Kreutzer's Zft. f. Fot. u. Ster. 1860.
2. 325—326.
— , — : (5.)Ros8's new stereographic camera
and lenses. 118.
Phot. Not. 1861. 6. Nr. 122. 129—131.
Auch übersetzt unter dem Titel:
— , — : Neuer stereografischer Dunkel-
kasten und Linsen von Boss.
Kr. Zft. f. Fot. u. Ster. 1861. 4. 48—60.
— , — : (ö.) On E. Emerson's improve-
ments in the lenticular stereoscope. 129.
Phot. Not. 1862. 7. Nr. 138. 9—11.
— , — , Theorie des Brewstbr sehen Prismen-
stereoskops. Identische Halbbilder im Stereo-
skop. Konstruktion eines tautomorphen Wheat-
STONE sehen Linsenstereoskops gemeinsam mit
G. B. AiRY 100. Unmöglichkeit, Konvergenz-
aufnahmen befriedigend im Parallelstereoskop zu
betrachten 100/101. WHEATSTONEsches Spiegel-
stereoskop für große Bilder 123/124. Panoramen-
stereoskope 124. Wiedergabe naher Gegenstände
im Parallelstereoskop 129. Automatische An-
passung an den Augenabstand im Brewster-
schen Prismenstereoskop 129/130. Streit mit den
beiden Grubbs 142/143.
Swan, H.: (2.) Improvements in stereo-
scopes and stereoscopic pictures. 90.
E. P. 2020»» vom 8. IX. 69 (Prov. sp. only).
— , — : (2,) Improvements in stereoscopes,
stereoscopic pictures, and cameras for
taking the same. 90.
E. P. 659«« vom 29. II. 60 (prov. spec),
vpm 29. VIII. 60 (compl. spec).
— , — : (3.) Improvements in stereoscopic
apparatus. 116. 121.
E. P. 3249«* vom 4. XII. (prov. spec.), vom
4. VI. 1863 (compl. spec.).
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Literaturverzeichnis.
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possessing apparent solidity by means
of combination of prisms in contact
therewith. 121.
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Tyne, 1863. Not. 17.
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Phot. Not. 1863. 8. Nr. 179. 221—222.
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The Brit. Journ. of Phot. 1866. 18. Nr. 313.
217; Nr. 316. 237.
— , — : {€,) The crystal cube. 122.
The Br. Joum. of Phot. 1872. 19. Nr. 654. 649.
van Swinden, J. H., Auffindung der Lip-
PEBHEY sehen Patentakten 23.
Talbot, H. F., stereoskopische Aufnahmen
für Ch. Wueatstonb 46.
[Taylor, J. Traill]: d.) Stereoscopic
improvements. 143.
The Brit. Joum. of Phot. 1873. 20. Nr. 666.
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Brit. Joum. Phot. Alm. 1887. 63—70.
T h a c k e r a y , W. M. , zur Einführung der hol-
ländischen Doppelfemrohre nach England 36/37.
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the binocular principle to the eye-piece
of a microscope or telescope. (XII. 1864.)
114.
Sill. Joum. 1865 (March) (2) 89. 212—215,
mit 1 Textflg.
Mit ganz unwichtigen Änderungen, die
sich namentlich auf neu gezeichnete Fi-
guren beziehen, abgedruckt auf den ersten
Seiten des Artikels Binocular Eye-pieces.
Joum. Roy. Micr. 8oc. 1890. Part. 1. 383
bis 388, mit 6 Textflg.
Tourtual, C. Th.: {!,) Die Dimension
der Tiefe im freien Sehen und im stereo-
skopischen Bilde. (XI. 1841.) 44.
Münster, Coppenrath, 1842. X, 95 S. 8°
mit 2 Figurentafeln.
— , — , Widerspruch gegen Ch. Wheatstone. Ein-
führung der „Horopter"ebene. Wahres Relief
von zwei identischen Zeichnungen 44.
Traber, Z.: (1.) Nervus opticus five trac-
tatus theoricus, in tres libros opticam
catoptricam dioptricam distributus. In
quibus radiorum ä, lumine, vel objecto
per medium diaphanum proceffus, na-
tura, proprietates, & effectus, Xelectis,
& rarioribus experientijs, figuris, de-
monltrationibusque exhibentur. 27.
Viennae'Auftriae, Typis J. Chr. Cosmerovij,
1675. (24) 225 S. fol. 4 -f 14 + 17 Kupfertaf.
Traber, Z., Drehvorrichtung für Objekte. Kon-
struktion von Spiegelguckkästen 27.
Tyndall, J.: {!,) On binocular vision and
the stereoscope (Roy. Instit. Erstes
Halbjahr 56). 106.
Phot. Joum. 1856/57. 8. 9^—102; 116—121,
mit 9 Textflg.
— , — : Corrections. (19. XL 56.) 106.
Phot. Journ. 1856/57. 8. 167—168.
— , — , Übersetzung Do ve scher Artikel 54. Stel-
lung zur Entwicklungsgeschichte des Stereoskops
106.
V.
Valenta, E. (i.) s. u. J. M. Eder und
E. Valenta {!.). 166.
— , —: (2,) Mitteilungen aus Wien. 166.
Phot. Mitt. 1895/96. 82. 380—383.
da Vinci, L. , Bemerkung zur Theorie der 6e-
sichtswahmehmung 28/29.
aSoigtIanbcr,5r.: (i.) günfjä^rigcg ^rt^
üüegium auf bic ©rfinbung bcr 'SiopptU
2:^catcr^$crf|jeftiöe. ert^cilt am 19. Vm.
1823. 34.
©efc^reiöung 1. 301.
— und Sohn: {2,) Qaliläische Perspective
neuer Art mit achromatischen Ocularen
und Objectiven zum Gebrauche im
Theater und im Freien. Nach der Be-
rechnung des Herrn Dr. Petzval. 37.
Pogg. Ann. 1844. «i. 159—160.
DiMOL. Journ. 1844. 92. 472.
Warner, W. H. and R. Ch. Murray:
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only).
Siehe auch Stereoscopes. The Brit.
Journ. of Phot. 1868. 15. Nr. 443. 521.
— , — : (2.) The portable stereoscope and
panoramic slide. (Liv. Amat. Phot. Ass.
vom 31. in. 1881.) 125.
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kennung von Bewegungserscheinungen
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— , — : {2,) Binocular microscope. 73.
Quart. Joum. Micr. Soc. 1854. 2. 132—134.
— , — : (3,) Some remarks on obtaining
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Literaturverzeichnis.
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Visual foci of the object glasses. (Read
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Trans. Lond. Micr. Soc. 1856 (2) 8. 1—7.
Wenham, F. H.: (4,) Binocular and ste-
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Trans. Micr. Soc. London 1860 (2) 8. 154
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— , — : (ö.) On a new oombined binocular
and Single microscope. (Read 12. XII.
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Trans. Lond. Micr. Soc. 1861 (2) 9. 16—19.
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Quart. Journ. Micr. Soc. 1861. (2) 1. 109
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Quart. Journ. Micr. Soc. 1863 (2) 8. 77—78.
und
— , — : Stereoseopic photographs of
diatoms. 113.
ebenda, 1864, (2) 4. 204—205.
— , — : (9.) On a binocular microscope
for high powers. (Read 9. V. 1866.) 115.
Trans. Lond. Micr. Soc. 1866 (2) 14. 103
bis 106.
— , — : (10,) Binoculars for the highest
powers. 141.
The Monthly Micr. Journ. 1873, 9. 216—219.
Siehe auch die historischen Bemerkungen
in dem Artikel:
— , — ; Refraoting prism for bin-
ocular microscopes. 141.
ebenda, 1874. 12. 129—130.
— , — : (11,) The binocular with high
powers. 141.
Journ. Roy. Micr. Soc. 1878. 1. 221.
— , — , Arbeiten zum Binokularroikroskop 71 — 72.
Ablehnung des Doppelmikroskops 71. 74. Erstes
(pseudomorphes) Eefraktionsprisma 72. Erste
Idee zu einem zweiäugigen Mikroskop 73/74.
Erste mikrophotograpliische Methoden 74. Vor-
führung des Eikonoskops 83. Prioritätareldama-
tion gegen H. Helmholtz. Vorsciüag eines
stereoskopischen Entfernungsmessers 88. Erstes
orthomorphes Refraktionsprisma 111/112. Das
Reflexionsprisma 112/113. Mikrostereoskopische
Aufnahmen mit verschieden gerichteten Beleuch-
tungskegeln 113/114. Verwendung der gleich-
zeitig durchlassenden und spiegelnden Luftscliicht
im binokularen Mikroskop 115. Doppelmikroskop
zur Prüfung ebener Darstellungen auf Identität
129. Zweites orthomorphes Refraktionsprisma
141. Letzte Äußerung zu den binokularen Mikro-
skopen 141/142.
Westien, H.: (I.) Doppel- Objectivlmsen
mit gemeinschaftlichem Sehfelde. 161.
D. R. P. 38207 vom 25. V. 1886.
Zft. f. Instrkde. 1887. 7. 295—296.
Wheatstone, Ch.: (1.) Contributions to
the physiology of vision. — Part the first
On some remarkable, and hitherto un-
observed, phenomena of binocular vision.
(Received and read 21. VI. 1838.) 39.
40. 41.
PhU. Tr^ns. 1838. 371—394 mit 2 Tfln.
Phil. Mag. 1852. (4) )^. 241—267 mit 2 Tfln.
(AprU-Heft).
Siehe die Ü bersetzung von Aug . Franz :
— , — ; Beiträge zur Physiologie des
I Gesichtssinnes. Erster Theil. Ueber
I einige merkwürdige und bis jetzt un-
I beobachtete Erscheinungen beim
j Sehen mit beiden Augen.
Poggend. Ann. Ergänzungsb. I. 1842.
I 1—48.
— , — : (2,) On a Singular efifect of the
juxtaposition of certain colours under
particular oircumstances. 48.
XIV. Meet. Br. Ass. at York 1844. 10.
— , — : (3.) The Bakerian lecture. — Con-
tributions to the physiology of vision.
— Part the second. On some remark-
able, and hitherto unobserved, pheno-
mena of binocular vision [continued],
(Received and read 15. I. 1852.) 45. 64.
65. 66. 67. 69.
Phii. Trans. 1852. 1—17, mit 1 Tfl.
Phil. Mag. 1852. (4) 8. 504—623, mit 1 Tfl.
(Brg.-Heft).
— , — : (4.) On the binocular microscope,
and on stereoseopic pictures of micro-
scopic objects. (Read 27. IV. 1853.) 71.
I Trans. Micr. Soc. 1853. (2) 1. 99—102.
' — , — : (S,) Note on a new portable re-
I flecting stereoscope. (21. V. 53.) 67. 69.
1 Phot. Journ. 1853,54. 1. 61-62.
[ — , — ]: (ö.) s. auch unter [Sir David
! Brewstek (10,)]. 48. 95.
I — , — , Erklärung der Pseudoskopie 13. Erste
I Veröffentiichung der Idee des Stereoskops 39.
' Genaue Analyse des ersten Vortrags 39 — 43.
I Erste unbewußte Veröffentlichung der pseudo-
' skopischen Erscheinung. Bemerkungen zur Eon-
I Version 43. Verwendung der Photographie für
' das Stereoskop 45/46. Seine Priorität über L.
' Moser 46. Vergebliche Versuche das Stereo-
skop in den Handel einzuführen 47. Seine
Theorie der „flatternden" Herzen 48. Genaue
Analyse d6s zweiten Vortrags 65—67. Höhen-
verstellung der Linsen 67/68. Sein Pseudoskop.
Behandlung der Konvergenzaufnahmen 68. Sein
Linsenstereoskop 68/69. Mikrostereoskopische
Aufnahmen. Seine stereoskopische Wippe 71.
Verteidigung gegen die Angriffe Sir David
Brewsters 94—96. Brief an F. Moiqno 95.
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Literaturverzeichnis.
223
Wheatstonesches Linsenstereoskop 67, 69.
Nach A. Claudbt 84. Nach E. E. Scott 84.
für ein tautomorphes Raumbild nach Th. Sut-
TON 100/101. Allmähliche Annahme durch Gh.
PiAZzi Smyth 124. Durchführung der Idee von
H. Helmholtz 124/125, von F. Stolze 167.
Wiedenburg, J. E. , Theorie des beidäugigen
Sehens 28.
SBiebl^oIb, 95. unb ^. ©d^iüaigcr: (i.)
günfjäl^riöcS ^riötlcgium auf SSerbeffe"
rung ber SSotgtlänbcr^fc^en l)optj>tU
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Scfc^rciöung 1. 302.
Wilson, G. W., schöne stereoskopische Glas-
bUder 119.
Witt, G.: (1.) Über Handfemrohre. 172.
Himmel u. Erde 1900. lÄ. 173—187 (mit
13 Fig.).
Wolf , M.: {!.) Die Photographie der Plane-
toiden. 161.
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W olf f , L.: (1.) Improvements in apparatus
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E. P. 4916'» vom 2. XII. 1878.
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Wundt, W.: (i.) Ueber die Entstehung
des Glanzes. (Vorgtr. nat. med. Ver.
Heidelberg am 26. IV. 61). 93.
Verh. nat. med. Ver. Heidelb. II. IV.
Kr. Zft. f. Fot. u. Ster. 1861. 4. 199—200.
Zachariä, A. W.: (l.) Ueber das Luft-
bild, welches der sphärische Hohlspiegel
zeigt. (IL 1814.) 33.
Gilb. Ann. 1814. 46. = (2) 16. 315—323, mit
1 Fig.
Zahn, J.: (2.) Oculus artificialis tele-
dioptricus sive telelcopium, ex abditis
rerum naturalium & artificialium prin-
cipiis protractum novä methodo, eäque
lolidä explicatum ac comprimis e triplici
fundamento phylico leu naturali, mathe-
matico dioptrico et mechanico, leu practico
Itabilitum. Opus curiolum practico-theo-
ricum magna rerum varietate adornatum,
multorum votis diu expetitum, omnibus
artium novarum Itudiofis perquam utile:
quo philolophiae atque mathefi prae-
lertim mixtae, nee non univerlo pene
hominum Itatui ampliXfimis adjumentis
conXulitur; nova plurima abltrufa curiola
technafmata recludimtur, ipsaque ars
teleXcopiaria facillime addifcenda, ac
lumptibus non adeö magnis in praxin
adducenda proponitur, adeoque tele-
lcopium ex tenebris in lucem afleritur.
24. 28.
Herbipoli, Sumptibus Quirino Heyl, 1685.
fol. 1. (18) 218 S. 23 Kupf. 2. (8) 271 S.
20 Kupfer. S. (18) 281 S. 27 Kupf.
— , — , Konstruktion von Doppelfernrohren. Be-
stimmung des Augenabstandes 28.
Zeiss, C. , Konstruktion der Feldstecher, Relief -
Fernrohre 175, Relief-Standfemrohre 176 mit ver-
größertem, der Theatergläser mit verkleinertem
Objektivabstande 177, der Orousillibrs sehen
Entfernungsmesser 181, der aus der Greenouoh-
schen Idee entstandenen Doppelmilcroskope 184,
der homöomorphen Stereoskope für die Drümer-
sche Camera 187.
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Druck von Oscar Brandst^tter in Leipzig.
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Tafel zum systematischen Teil,
S. 196—203.
in Arbeiten zum beidäugigen Sehen.
n Für zwei einander durch-
dringende Bäume
A B
Analyse des Baumbildes ^"^ ^^ ^^^^^^ ^ ^^^ ^^^^^
derünterhaltimg der Messung und
und Belehrung Wiedergabe
age
35 Nach Form
a
b
Ortho-
Pseu-
morphe
Baumbilder
morphe
Baum-
büder
a b
Zen- Exzen-
trische trische
Be- Be-
trachtg. trach-
(Bein tung
geome-
trisch)
8 19 20 21 22 23 24 25 26 27
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MiiOM
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